Tod einer Stripperin von Richard Aleas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Little Girl Lost, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: USA, New York, 1990 - 2009.
Folge 1 der John-Blake-Serie.

  • New York: Hard Case Crime, 2004 unter dem Titel Little Girl Lost. 224 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2008. Übersetzt von Conny Lösch. ISBN: 978-3867890472. 249 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2008. Gesprochen von Reiner Schöne. ISBN: 386610538X. 4 CDs.

'Tod einer Stripperin' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Mord an einer Stripperin zur Neujahrsnacht wird für Privatdetektiv John Blake zu einer Reise in die Vergangenheit. Zwei Kugeln in den Hinterkopf haben der jungen Frau das Lebenslicht ausgepustet, dennoch stellt sich heraus, dass es sich bei ihr um Mirinda Sugarman handelt – vor zehn Jahren Blakes erste große Liebe. Die Erinnerungen an die alten Zeiten treiben ihn dazu, im Stripclub-Milieu herumzuschnüffeln. Denn Miranda war alles andere als eine Kandidatin für billige Sexclubs – das letzte Mal, als die beiden sich sahen, wollte sie ein Studium zur Augenärztin antreten. Und dort gerät er ins Visier des Nachtclubbesitzers Murco und dessen brutalem Sohn, die John bald unter Druck setzen. Alles deutet daraufhin, dass die hübsche Miranda in den Diebstahl einer Millionen Dollar aus Drogengeschäften verstrickt war. Muss Blake erkennen, dass Erinnerungen nicht selten an der bitteren Realität zerschellen? Oder steckt noch mehr dahinter?

Das meint Krimi-Couch.de: »Alte Liebe rostet nicht« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Die amerikanische Hard-Case-Crime Reihe ist dem Herausgeber Charles Ardai zu verdanken, der seit 2004 in kurzen Abständen einen Pulp bzw. Noir nach dem anderen auf den Markt bringt. Er kümmert sich dabei um eine Nische, in den Mainstream passen die Romane (leider) nicht. Die Cover erinnern an die klassischen Paperbacks der 40er und 50er Jahre, denn genau hier war der Höhepunkt der Pulpromane um wahre Haudegen, die im Milieu von Sex, Drogen und Gewalt ermittlen. Umso erstaunlicher, dass die Reihe rasant wächst und fast jedes Jahr 10 erscheinen. Da sind einige frühe Versuche von Meistern des Genres dabei, aber auch eine ganze Reihe aktueller Autoren, die mit dem ein oder anderen Titel gut in die Reihe passen. Und da ist auch ein gewisser Richard Aleas dabei. Richard Aleas ist das Pseudonym von Charles Ardai.

Sein erster Krimi datiert aus dem Jahr 2004 und war direkt als bestes Debüt für den Edgar und den Shamus Award nominiert. In der deutschen Hard-Case-Crime (rotbuch-Verlag) erschien er 2008 unter dem spröden Titel »Tod einer Stripperin« – schade! Im Original klingt »Little Girl Lost« irgendwie doch mindestens einen Hauch ansprechender.

Sie wollte Ärztin werden…

Wenn sie mich heute fragen, warum dieser Roman nun anderthalb Jahre ungelesen im Regal stand, dann kann ich rückblickend nur sagen, der Titel war mir zu blöd. Einmal das Buch angelesen, bemerkt man schnell, etwas Besonderes in der Hand zu haben. Allein das erste Kapitel kann es vollbringen, dass einem warm ums Herz wird. Da ist ein Mann, zufällig Detektiv von Beruf, der sich beim lesen eines Zeitungsartikels an seine Jugendliebe und seine ersten sexuellen Erfahrungen erinnert. Er erinnert sich an ein Accessoire aus seinem Kinderzimmer, dass er als kleiner Junge im Sperrmüll entdeckte und zehn Jahre später – nach dem ersten Sex – beschämt entfernte. Die Frau, die ihn damals wegen des lächerlichen Strohvogels über seinem Bett auslachte, diese seine Jugendliebe ist nun tot. Doch alte Liebe rostet nicht.

John Blake ist noch keine 30 Jahre alt, aber eine Frau wie Miranda Sugarman ist ihm in den letzten zehn Jahren nicht wieder begegnet. Die junge Frau, die voller Motivation an eine Uni im amerikanischen Westen gezogen ist, um Ärztin zu werden, soll als Stripperin auf dem Dach eines heruntergekommenen Nachtclubs in New York erschossen worden sein. John kann sich nicht vorstellen, wie das aus seiner Miranda werden konnte. Er will wissen, was passiert ist, nimmt eine gefährliche Fährte auf, steckt seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen. Einem Nachtclubboss sind eine halbe Million Dollar gestohlen worden. Miranda sollte das Geld haben, hatte es aber wohl doch nicht. John Blake schließt einen Pakt mit Murco Khachadurian, der sein Geld zurück haben und die Diebe stellen will. Aber er weiß nicht, auf welche Gegner er sich eingelassen hat.

Wie wurde aus ihr eine Stripperin?

Ist es wirklich ein Debütroman? Kaum zu glauben, so routiniert wie die Dialoge und Gedankenspiele des Protagonisten erzählt werden. »Tod einer Stripperin« ist ein wahres Schätzchen, ein Roman, der von der ersten Seite eine Bindung zu seinen Lesern aufbauen kann. Als hocke einem ein kleines Männchen im Ohr, das fortlaufend »lies mich weiter« flüstert, wenn mal wieder ein Kapitel aus ist. Besonders bemerkenswert ist in diesem Roman die Figur John Blake, einerseits der klassische Pulp-Detektiv vom Typ »Haudegen mit Nehmerqualitäten«, andererseits zeigt er ungewohnten Tiefgang wenn er in Erinnerungen schwelgt. Die melancholische Seite ist eine wahre Bereicherung, die den Klassikern des Genres noch gänzlich fehlte.

Zwar kann der geübte Krimileser genau erkennen, an welcher Stelle John Blake einen Denkfehler macht und das als große Überraschung geplante Finale verliert seinen wichtigsten Effekt. Aber auch so kann der Roman bis in die letzten Kapitel überzeugen und ist in seiner Konsequenz unbeirrbar und brutal. Hätte ich von der Klasse dieses Romans vorher gewusst, er wäre nicht hinter so vielen anderen Krimis hintan gestanden. Selten findet man Krimis, die wirklich von Anfang bis Ende hohem Spannungsbogen und charakterlichem Tiefgang überzeugen.

Thomas Kürten, April 2010

Ihre Meinung zu »Richard Aleas: Tod einer Stripperin«

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Schrodo zu »Richard Aleas: Tod einer Stripperin« 01.05.2010
Privatdetektiv John liest in der Zeitung vom Mord an seiner Jugendliebe Miranda die er seit zehn Jahren nicht gesehen hat. Flugs macht er sich auf den Weg die bösen Buben zur Rechenschaft zu ziehen. Aber das wäre ja kein Pulp Krimi wenn das so einfach wäre. Bis er dem Geheimnis um seine strippende Ex Freundin auf die Spur kommt werden noch einige Gesellen auf der Strecke bleiben und auch der kleine John muss mächtig Prügel einstecken.
Mäßig Spannendes Buch ohne zu langweilen. Die Story ist abwechslungsreich und hat einen überraschenden und für einen US Thriller unglaublichen Schluss.
Hat er gut hingekriegt der Herr Aleas.
tassieteufel zu »Richard Aleas: Tod einer Stripperin« 09.04.2010
John Blake ist Privatdetektiv in New York, als er eines Morgens die Zeitung aufschlägt, liest er geschockt vom Tod seiner alten Flamme Miranda, die er zuletzt vor 10 Jahren sah, als sie sich auf den Weg nach New Mexiko machte um dort an einer Uni Medizin zu studieren. Doch mit
dem Traum von der Augenärztin schien es wohl nichts geworden zu sein, denn Miranda arbeitete zuletzt als Stripperin in einem heruntergekommenen Club, wo sie auch erschossen wurde. John beschließt, Nachforschungen über ihren Tod anzustellen, schließlich kann er das gut und ihm will einfach nicht in den Kopf, wie sich die Miranda, die er kannte, so verändern konnte.
Das Erzähltempo ist flott, die Geschichte, wenn auch nicht neu, so doch routiniert erzählt und von Anfang an wird eine Atomsphäre aufgebaut, die mich schnell gefesselt hat. John Blake ist nicht gerade der klassische Privatdetektiv, den man sonst eher als knallharten männlichen Typ
kennt, Blake dagegen sieht eher wie ein "Bübchen" aus und schwelgt in sentimentalen Erinnerungen und auch bei seinen Ermittlungen gelangt man als Leser an einen Punkt, wo man im Gegensatz zu Blake die ganze Sache durchschaut und so am Ende nicht den vermutlich angestrebten Aha-Effekt erlebt. Trotzdem ist er eine sympathische Figur, der man gern auf seiner Odyssee durch das nächtliche New York folgt.
Obwohl man als versierter Krimileser das Ende erahnen kann, ist es konsequent und logisch und hat mir gut gefallen.
Wie auch der ganze Rest der HCC Reihe ist auch dieses Buch sehr schön aufgemacht und man kann nur hoffen, daß es noch viele weitere Romane der Reihe gibt.

Fazit: auch wenn der Plot nicht neu ist, vermag die Geschichte zu fesseln, die Spannung wird durchweg gehalten und garantiert unterhaltsame, spannende Lesestunden.
Stefan83 zu »Richard Aleas: Tod einer Stripperin« 06.04.2010
Für mich gehört sie zu den Entdeckungen der letzten Jahre und man kann sich nur wünschen, dass ihr eine möglichst lange Laufzeit beschienen sein wird: Die "Hard Case Crime"-Reihe vom Rotbuch-Verlag.

Eins zu eins von der US-amerikanischen Vorlage übernommen, rückt sie, allein schon dank der trashig gestalteten Cover im Retro-Look, den vormals so angestaubten Krimi-Noir wieder ins Blickfeld der Leserschaft. Aber nicht nur das Äußere der Reihe überzeugt, auch die Auswahl der Autoren kann sich sehen lassen. Neben verloren geglaubten Klassikern von Lawrence Block, Donald E. Westlake und Co. geben zeitgenössische Autoren ihr Debüt, die ganz im Stile ihr Vorbilder schreiben. Darunter ist auch Richard Aleas, das Pseudonym von Charles Ardai, dem Herausgeber der Reihe in den USA. "Tod einer Stripperin" ist sein erster Versuch als Schriftsteller und ein durchaus gelungener, der andeutet, dass Potenzial für mehr vorhanden ist. Die Handlung sei hier schnell angerissen:

John Blake ist Privatermittler in einer kleinen Kanzlei in New York. Jung, gutgläubig und noch recht grün hinter den Ohren, wird er von seinem Mentor, dem ehemaligen Cop Leo angeleitet, welcher ihm die Kniffe des Geschäfts beibringen und ihn zu seinem zukünftigen Nachfolger ausbilden will. Als Blake jedoch aus der Zeitung erfährt, dass seine Schulfreundin und Jugendliebe Miranda Sugerman, die er seit gut zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, auf dem Dach eines Strip-Clubs ermordet wurde, droht der junge Detektiv den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Obwohl ihm von Leo stets emotionale Distanz gepredigt wurde, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und muss dabei bald feststellen, dass Miranda, die kurz nach der Schule noch eine Karriere als Ärztin ins Auge gefasst hatte, relativ schnell in einem ziemlich düsteren Milieu gelandet ist. Seine Nachforschungen bringen ihn in die dunklen Strip-Lokale New Yorks ... und selber in höchste Lebensgefahr.

Nein, diese Geschichte ist wahrlich nicht neu und auch nur wenig innovativ. Und auch die Aussage Paramours auf dem Deckblatt, "Aleas kann es ohne Weiteres mit Chandler aufnehmen", muss der Kenner dieses Genres mit einem verächtlichen Schnauben abtun, denn zwischen den zwei liegen zweifelsfrei Welten. Dennoch ist dieses Werk kein schlechtes, unterhält diese 250-seitige Story überaus gut, was schlichtweg daran liegt, dass Aleas nicht nur das Flair des Big Apples hervorragend aufzufangen weiß, sondern auch den fast vergessenen klassischen Private-Eye sehr ordentlich in die Jetztzeit katapultiert. Dreckige Hinterhöfe, verregnete Gassen, abgewrackte Schuppen mit flackernden Neonreklamen. Bereits nach wenigen Seiten vermag die Atmosphäre zu fesseln, die aus der Sicht des Ich-Erzählers Blake geschildert wird. Dieser ist im Gegensatz zu Marlow, Spade und Co. ein wenig beeindruckender Bursche, dessen sentimentale Anwandlungen zudem nicht ganz in dieses Genre passen wollen. Ein wenig naiv tappt er von einer gefährlichen Situation in die nächste, stets darauf bedacht, den hilflosen Hilfe angedeihen zu lassen. Ein Saubermann, der in dieser dreckigen Welt eigentlich nichts zu suchen hat, dieses allerdings auch ziemlich schnell selbst feststellt. Man folgt ihm dennoch bereitwillig, weil sich die Story mit jeder Seite ein bisschen mehr zuspitzt und uns damit auch unmerklich Blake ans Herz wächst. Die Auflösung ist, besonders für Vielleser, zwar wenig überraschend, wird aber überzeugend, spannend und logisch konstruiert, so dass man letztendlich das Buch nicht begeistert, aber zufrieden, zuklappen kann.

Insgesamt ist "Tod einer Stripperin" ein unterhaltsamer, grundsolider Noir-Pulp-Krimi in der Tradition von Chandler, der dessen Tiefe und literarische Qualität nicht erreicht, für einige Stunden Lesespaß jedoch mehr als taugt und zudem Lust auf ein Wiedersehen mit John Blake macht.
13 von 19 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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