Chaingang von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel Chaingang, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Edition Phantasia.
- New York: Pocket Stars Books, 1992 unter dem Titel Chaingang. 310 Seiten.
-
Bellheim: Edition Phantasia, 2010.
Übersetzt von Joachim Körber.
ISBN:
978-3937897431. 400 Seiten.
'Chaingang' ist erschienen als
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In Kürze:
Alle hielten ihn für tot, aber er ist nicht tot. Er ist wieder da, quicklebendig und monströser denn je, Edward Flowers »Chaingang« Bunkowski, die 500 Pfund schwere Killermaschine und wieder ist er den denkbar schlechtesten Leuten in die Hände gefallen: den Militärs. Stets auf der Suche nach der neuesten Wunderwaffe, beschließt man, den gnadenlosen Killer für den Einsatz im Krieg zu trainieren. Bunkowski, der unter allerstrengsten Sicherheitsmaßnahmen im Bundesgefängnis von Marion festgehalten wird, dient den hochrangigen Militärs als Studienobjekt. Sie richten ein mehrere Quadratkilometer großes Areal ein und implantieren ihm einen Peilsender, um sein Verhalten unter Gefechtsbedingungen zu studieren. Und dann begehen sie den entscheidenden Fehler …sie lassen ihn frei!
Das meint Krimi-Couch.de: »Einmal Hölle und zurück …vielleicht«
Krimi-Rezension von Jochen König überspringen
Die Vorstellung ist so absurd, dass sie eigentlich nur wirklichkeitsnah sein kann: innerhalb der an seltsamen Organisationen reichen USA existiert eine ganz spezielle, verdeckt operierende Einheit, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Schulungszentrum für kommende Attentäter einzurichten. Und wo baut man dieses Zentrum auf? In Europa, Asien, in einem Dritte-Welt-Staat, tief versteckt dort wo sich Löwe und Antilope grobschlächtig »Gute Nacht« sagen? Falsch. Mitten in Amerika. Ein abgestecktes Areal am Rande einer typischen Kleinstadt mit ganz durchschnittlichen Bewohnern. Und wer ist der erste Proband und mögliche Lehrmeister, der auf den ahnungslosen Landstrich und seine noch ahnungslosere Bevölkerung losgelassen wird? Richtig: Daniel Flowers »Chaingang« Bunkwoski. Der vermutlich gefährlichste und tödlichste Serienkiller der Welt. Mit einer Schwäche für Hunde und andere Vierbeiner. Bei der man ihn packen will. Plus konzentrierte Überwachungsutensilien, die man ihm am und im Körper angebracht hat.
Doch der präkognitive völlig gewissenlose und hoch intelligente Bunkowski lässt sich nicht so ohne weiteres als Laborratte missbrauchen …
Mit »Chaingang« beweist sich Rex Miller einmal mehr als einer der originellsten Genre-Autoren der letzten Jahrzehnte. Er benutzt die Mittel des Kriminalromans, um seine klarsichtige Version eines paranoiden Paradieses auszubreiten. In dessen Zentrum bewegt sich der kreisende Planet Daniel Bunkowski, jene stinkende Ausgeburt der Hölle, intellektuelles Genie, ohne einen Hauch des Charmes, die die Popularität von Serienkillern wie Hannibal Lecter u.a. ausmacht.
Bunkowski ist eine abstoßende Kreatur, von Miller gerne »Die Bestie« oder »Das Monster« genannt – ohne ironischen Zungenschlag. Der findet sich woanders. Z.B. im bürokratischen Wahnsinn, der genau ausarbeitet wie ein Toilettengang des gefangenen Killers auszusehen hat (von Zeit, über Vorgehen bis zu gebrauchender Papiermenge), aber keine Scheu kennt, ihn auf freien Fuß zu setzen um seinem wahren, tödlichen Geschäft nachzugehen. Dabei folgt Chaingangs Morden einer klaren, unbestechlichen Logik: Tiere beschützen und die kleinen unverständigen, ewig herum hampelnden und lamentierenden »Affenmenschen« staunend beobachten, examinieren und zu gegebener Zeit vom Joch ihrer nutzlosen Existenz befreien. Freilich zur eigenen Befriedigung.
Doch bevor es so weit ist, müssen die Möchtegern-Puppenspieler, jene Abteilung unter Leitung des selbstherrlichen Dr. Norman, mit dem passenden Namen SAUKOG, Laborbedinungen schaffen, die eine lückenlose Überwachung des mordenden und vergewaltigenden Daniel Bunkowski ermöglichen.
Flugs wird Land um die kleine Gemeinde Waterton aufgekauft, mit der zynischen Begründung einen Umweltpark namens »ECOWORLD«, quasi Öko-Disneyland, zu bauen. Als der Makler Sam Perkins stutzig wird, ob der horrenden Preise, die die Organisation für wertlosen Ackergrund hinblättert, lehnt er sich zu weit aus dem Fenster und verschwindet. Mit ihm ein paar Verkaufsunwillige, bzw. Bewohner, die SAUKOG oder einem der angeschlossenen Unternehmen in die Quere kommen.
Sams Frau Mary macht sich Sorgen, und engagiert ihre alte Jugendliebe Royce Hawthorne, den Gatten zu suchen, da die Behörden, vom örtlichen Sheriff bis zum FBI, untätig bleiben. Hawthorne, halb herunter gekommener Junkie, halb gewohnheitsmäßiger Spieler ergreift die Chance etwas Positives zu tun und hilft ihr. Natürlich nicht ahnend, dass hinter dem einfachen Vermisstenfall eine groß angelegte Verschwörung lauert. So dauert es nicht lang, bis aus den Jägern Gejagte werden. Als Chaingang auch noch vehement mitmischt, ist das absolute Chaos vorprogrammiert.
Wie man den Zeilen entnehmen kann, ist Jack Eichord, der Chaingang in »Fettsack« verfolgte, nicht mit von der Partie. Royce Hawthorne ist kein gleichwertiger Ersatz, soll er wohl auch nicht sein. Ein windiger Bursche, dessen wahre Motivationen sich erst nach und nach heraus kristallisieren. Ein zentrales Thema des Buches: die Welt ist ein einziges Tarnen und Täuschen, von heimlichen Sehnsüchten geprägt wie bei Mary Perkins, die trotz Sorge um ihren Mann immer noch scharf auf Royce Hawthorne ist, über Gesetzeshüter, die plump Lügen verbreiten, um untätig bleiben zu können, Scheininvestoren, mit fast täglich wechselnden Pseudonymen, bis zum Drogendealer samt Gang, die allesamt auch in Diensten der Regierung stehen könnten.
Im Zentrum das einzig Wahre und Reine: das absolut Böse – Daniel »Chaingang« Flowers Bunkowski. Wie gewohnt präsentiert mit fast manischen Worten, viel perfidem Witz und schwarzer Phantasie, die an ihren Rändern – vor allem sprachlich, wenn mal wieder Zeit und Raum keine Rolle spielen – fast bis in die drogengeschwängerten Alptraumwelten eines Willam S. Burrouhghs vorstößt.
Und es wird weiter gehen …
Jochen König, November 2010
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| Alexi1000 zu »Rex Miller: Chaingang« | 26.11.2010 |
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