Orte der Finsternis von Rennie Airth

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Blood-Dimmed Tide, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.
Folge 2 der John-Madden-Serie.

  • London: Macmillan, 2001 unter dem Titel The Blood-Dimmed Tide. 340 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Ute Thiemann. ISBN: 978-3-442-45285-9. 448 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. Übersetzt von Ute Thiemann. ISBN: 978-3-442-47187-4. 448 Seiten.

'Orte der Finsternis' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Surrey, Sommer 1932. Wie ein Bote kommender Schrecken liegen schwere Gewitterwolken über der ländlichen Idylle, als die kleine Alice Bridger spurlos verschwindet. Auch John Madden, ehemals Inspector bei Scotland Yard, schaltet sich in die Suche ein und findet schließlich die grausam entstellte Leiche des Mädchens. Bei ihrem Anblick ahnt Madden, dass der Täter nicht zum ersten Mal gemordet hat – und nicht zum letzten Mal. Eine Befürchtung, die sich nur zu bald auf schockierende Weise bestätigt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen« 68°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Zwei Jahre hat sich Rennie Airth Zeit gelassen für den zweiten Fall seiner John Madden-Reihe und sechs Jahre mussten die Leser auf die deutsche Fassung warten. Im südenglischen Surrey der Madden-Welt aber sind zwischen den beiden Fällen sogar elf Jahre vergangen und es hat sich viel verändert für John Madden. Wenn man nach dem sehr guten Debüt Nacht ohne Gesicht so lange auf eine Fortsetzung warten muß, ist die Erwartungshaltung natürlich entsprechend hoch.

Madden ist nicht mehr Inspector bei Scotland Yard, sondern als Besitzer einer Farm in das Leben zurückgekehrt, das er als kleiner Junge bereits kannte. Er hat die Ärztin Helen geheiratet, die er bei »Nacht ohne Gesicht« kennenlernte und hat mit ihr zusammen zwei Kinder. Mit Polizeiarbeit und Verbrechen hat er also nichts mehr zu tun. Bis Familie Madden eines schönen Tages im Jahr 1932 von einem Sonntagsausflug zurückkehrt.

Die Anfänge der internationalen Zusammenarbeit bei der Polizei

Als die Maddens in einem Nachbardorf einem Menschenauflauf begegnen und den Dorfpolizisten Will Stackpole inmitten des Treibens entdecken, muß John seine Neugier befriedigen. Ein Mädchen wird vermisst. Die zwölfjährige Alice wollte zu einer Geburtstagsfeier ins Nachbardorf laufen, ist dort aber nie angekommen. Als der harmlose Landstreicher Topper einen Schuh des Mädchens bringt, den er im Wald gefunden hat, macht sich John mit Will zusammen auf die Suche. Er findet das Mädchen mit bis zur Unkenntlichkeit zerschlagenem Gesicht ermordet in einem Gebüsch auf. Die Polizei fahndet nun nach dem Landstreicher Beezy, mit dem sich Topper im Wald treffen wollte. Madden glaubt zwar nicht daran, dass Beezy der Täter ist, aber es ist gut möglich, dass er etwas beobachtet hat.

Doch Beezy bleibt verschwunden, und die örtlichen Polizeibehörden kommen nicht weiter. Als ein zweites Mädchen ebenfalls mit zerschlagenem Gesicht aufgefunden wird, übernimmt Scotland Yard. Mit dabei ist auch Billy Styles, der von John Madden ausgebildet wurde und seitdem mit den Maddens befreundet ist. Billy entdeckt die erste heiße Spur: ein Mercedes, der die Ermittlungen auch ins Ausland lenkt. Man setzt sich mit der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission in Verbindung und stellt fest, dass man es mit einem Serienmörder zu tun hat, der auch in Deutschland bereits mehrfach zugeschlagen hat. Die Indizien führen zu einer Person, die in England höchstes Ansehen geniesst. Da ist bei Scotland Yard Fingerspitzengefühl gefragt.

In ganz Europa kriselt es

Der hohen Erwartungshaltung konnte »Orte der Finsternis« bei mir leider zu keiner Zeit gerecht werden. Zuviele Ermittler, zuviele Perspektivwechsel lassen eindeutig erkennen, dass es der Handlung an einem klaren Protagonisten mangelt, an dem sich der Leser orientieren kann. Madden hat diese Rolle nicht mehr inne. Er hat zwar immer die richtigen Ideen, wenn die Ermittlungen festgefahren sind und hat auch beim Showdown eine tragende Rolle, ist ansonsten aber eher stiller Beobachter am Rande. Auch Billy Styles hat zu wenige Auftritte, um vom Leser als Held adaptiert zu werden. Die weiteren Scotland Yard-Ermittler sind eher dem Typ kühler Brite zuzuordnen.

Der Wiedererkennungswert ist vorhanden, denn fast alle Personen aus »Nacht ohne Gesicht« tauchen wieder auf. Die polizeilichen Ermittlungen wirken realistisch, bringen jedoch wenig Spannung.

Ebenso wie im ersten Roman biete Rennie Airth wieder ein stimmiges Porträt einer Zeitepoche. Der Erste Weltkrieg ist vorüber, doch in Europa kriselt es noch immer bzw. schon wieder. In Deutschland stehen die Nazis kurz vor der Machtübernahme, was auch im deutschen Polizeiapparat einen Umbruch erwarten lässt. Der deutsche Ermittler wird als sehr sympathisch dargestellt. Er ist jedoch auch Nazi-Gegner. In England geht es auch den wenigsten wirklich gut, insbesondere viele Soldaten konnten nach dem Krieg nicht mehr Fuß fassen.

Für moderne Krimis außergewöhnliche Epoche

Die Charaktere wirken echt, doch ließ sich anders als beim Vorgänger z. B. zu Billy kaum eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Insbesondere Helens Entwicklung verläuft eher rückwärts. Kannte man sie vormals eher als treibende Kraft, ist sie hier die Bremse, die ihren Mann aus allem heraushalten will und ausschließlich auf die Sicherheit ihrer Familie bedacht ist. Mit ihrem abweisenden Verhalten auch den Bekannten gegeüber verliert sie beim Leser viele Sympathien.

»Orte der Finsternis« ist beileibe kein schlechter Krimi und kommt vielleicht deswegen bei mir etwas schlecht weg, weil er einfach nicht meine Erwartungen erfüllen konnte. Der britische Autor zeigt eine glaubhafte Darstellung einer Zeit, die für moderne Kriminalromane außergewöhnlich ist. Zeitweilig fehlende Spannung, die wohl auch durch die frühe Kenntnis des Täters begründet ist, kann der furiose Showdown wieder etwas wett machen.

Für weitere Romane der Reihe würde ich mir wünschen, dass der Autor Billy Styles eine tragende Rolle zukommen lässt. Denn dieser Charakter hat eher als der sehr reservierte Madden das Zeug dazu, beim Leser mitfiebern zu lassen.

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Sagota zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 04.08.2015
Ich schließe mich Frank Schlünsen's post in vollem Umfang an! Es gibt noch mehrere Krimis von Rennie Airth - und es ist wirklich unverständlich, weshalb solche seltenen und SEHR GUTEN Raritäten NICHT ins Deutsche übersetzt werden! *grummel*

Zuweilen beisst man sich als Leser "die Zähne aus", wenn man Verlage kontaktiert - und keine eindeutige Antwort bekommt. Da fällt mir ein Buchtitel ein, das ich neulich woanders gesehen habe "was bleibt vom Leser übrig" - irgendwie fand ich diesen toll, da wir alle (wenn nicht des Englischen in perfektem Maße mächtig oder anderen Sprachen) auf die >> Übersetzungen angewiesen sind, die leider - wie in diesem Fall - nicht immer erfolgen.
Frank Schlünsen zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 13.02.2015
Ich finde die "Madden-Reihe" einfach genial! Die Anfänge der modernen Polizeiarbeit sind sehr gut beschrieben - was sehr selten ist! Leider ist das dritte Buch aus der Reihe nicht ins Deutsche übersetzt worden. Ich hatte mit dem Autor Kontakt deswegen - ebenso mit dem Verlag. Eine undurchsichtige Sache... - in jedem Falle ein großer Verlust! Nun erscheint im Mai 2015 der dritte (vierte englische...) Band der Reihe, welcher 1947 beginnt. Ich habe das Buch heute in der Buchhandlung vorbestellt. Den dritten Band werde ich dann eben in der Originalfassung lesen - geht auch, aber ärgerlich ist das schon! Das nehme ich Goldmann bzw. dem Verlag dahinter sehr übel!
Bettina K. zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 27.11.2007
Ich habe das Buch in 3 Tagen durchgelesen. Für mich war das Buch Spannung spur. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Auf dieser Seite bin ich jetzt nur gelandet weil ich hoffte, dass Rennie Airth schon sein 3. Buch herausgebracht hat. Ich finde das Buch also alles andere als spannungslos und für mich war es eher eine Aufputschtablette.
Das einzige was mich gestört hat, war der Charakter von Helen. Sie beeinflusst für meinen Geschmack ihren Mann viel zu sehr und ich würde es im 3. Buch begrüssen von Madden zu hören, dass er zur Polizei zurückgekehrt ist. Auch die Zeit in der Orte der Finsternis spielt finde ich spannend, da man noch nicht bei der Polizei die heutigen Möglichkeiten hatte.
Hoffen wir auf mehr solcher Romane.
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Ulrike zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 30.01.2007
Ich fand das Buch ganz in Ordnung. Nur eines war wirklich nervig: Helen die immer besorgte Ehefrau des Protagonisten. Mein Tip fürs nächstemal: wir wissen, dass sie krankhaft Angst um ihn hat. Ich finde ihr Getue im Roman störend. Ansonsten war der Krimi doch spannend. Ein Highlight sicherlich nicht, aber gut.
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Marcel zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 23.01.2007
Nach Rennie Airth´s fulminanten 1. Madden
Roman war natürlich auch ich unglaublich
gespannt auf Orte der Finsternis.
Auch diesmal schaffte es Airt mich mit seiner
Romanfigur John Madden in den Bann zu ziehen und Nächtelang zu fesseln.
Für mich hat der 2. Roman alles was der 1. auch schon hatte.Leute die behaupten das Buch wäre eine Schlaftablette, haben es sicherlich nicht gelesen.
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Monika zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 22.11.2006
Ich stimme dem Kritiker der Krimi-Couch zu. Es ist schon eine hohe Kunst, so einen total spannunglosen Krimi von fast 450 Seiten zu schreiben! Die Gutmenschen John und Helen nerven zusätzlich. Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt, ersetzt aber jede Schlaftablette! 10 Seiten dieses Buches und man schlummert selig. John Madden sollte jetzt endgültig in Pension geschickt werden.
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heyfisch zu »Rennie Airth: Orte der Finsternis« 04.02.2006
Nach der genussvollen Lektüre von Nacht ohne Gesicht, einer überaus gelungenen Kombination aus Thriller und britischem Scotland Yard Roman, hab ich lange auf den zweiten John Madden Roman gewartet. Auch Ort der Finsternis spielt wieder in Surrey zwischen den beiden Weltkriegen und bei den farbenfrohen Beschreibungen fällt es leicht sich in die Zeit einzufühlen. Nach furiosem Auftakt ziehen sich die ersten 100 Seiten zwar etwas dahin, aber spätestens dann startet Airth mit der ihm eigenen Art der Spannungsentwicklung durch. Am Ende legt man das Buch aus der Hand und stellt fest, dass man die halbe Nacht durchgelesen hat. Ein echter Pageturner für kalte Winternächte.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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