Ein Opfer der Umstände von René Appel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Zinloos geweld, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Schneekluth.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande, 1990 - 2009.

  • Amsterdam: Bakker, 2001 unter dem Titel Zinloos geweld. 301 Seiten.
  • München: Schneekluth, 2003. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 3795118301. 347 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2004. Übersetzt von Stefanie Schäfer. 347 Seiten.

'Ein Opfer der Umstände' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Unternehmensberater Martin Hogeveen soll eine korrupte Behörde »aufräumen«. Dabei setzt er eine Kette scheinbar zufälliger Ereignisse in Gang, die sein Leben unaufhaltsam der Katastropfe entgegentreiben. Und der Letzte, der es bemerkt, ist er selbst …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Klassifizierung als Kriminalroman ist gewagt« 72°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Martin Hogeveen geht über (Büro)Leichen. Ohne Rücksicht auf Verluste versucht er den Sumpf aus Korruption und Vetternwirtschaft trocken zu legen. Eines seiner Opfer ist der bisherige Leiter dieser Behörde, Verlinden, der Martin Hogeveen Rache schwört.

Ausgleich zum stressigen Beruf findet Hogeveen bei seiner Freundin Carina, die allerdings seinen Bestrebungen sie zu ehelichen widersteht, denn das besitzergreifende Verhalten Martins stößt sie ab.

Aus einer früheren Verbindung Hogeveens stammt Felix Nieberg. Davon hat Hogeveen allerdings keine Ahnung. Seine damalige Jugendliebe beging in einer depressiven Phase Selbstmord und Felix wuchs mit seinem Halbbruder Richard bei den Großeltern auf. Richard lebt jetzt in einer psychiatrischen Klinik. Felix, der Journalismus studiert, beginnt mit der Suche nach seinem Vater und versucht mit ihm ein Interview zu führen, ohne sich zu erkennen zu geben. Gleichzeitig spioniert er auch Carina nach und nähert sich ihr, in dem er sich als sein eigener Bruder ausgibt.

Carina verführt Felix. Martin ist eifersüchtig. Martin ist aggressiv. Martin begeht einen tödlichen Fehler, auf den Verlinden nur gewartet hat …

Der holländische Autor René Appel hat mit seinem neuen Roman »Ein Opfer der Umstände« einen Krimi geschrieben, der sich nicht mit dem üblichen Täter-Ermittler-Szenario auseinandersetzt, sondern durch das Verweben unterschiedlicher Schicksale zeigt, wie aus einem erfolgreichen Menschen ein Mörder wird. Auf den 347 Seiten des im KnaurTB Verlag erschienenen Taschenbuches beschwört er eindringlich ein düsteres Bild menschlicher Dramatik. In der Übersetzung aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer wird die Verzweiflung der einzelnen Agierenden fast überdeutlich präsentiert.

Obwohl der Roman durchaus logisch aufgebaut ist und sich die Verkettung der Schicksale praktisch schlüssig ergibt, sind die Handlungsabläufe nicht immer reell greifbar und wirken gelegentlich an den Haaren herbei gezogen und zu stark konstruiert.

Appel zeigt seine besten Seiten im sprachlichen Bereich und in der Beschreibung der psychologischen Wesenszüge der einzelnen Personen. Wie Martin Hogeveen systematisch immer tiefer ins eigene Schlamassel eintaucht und seine Umgebung sukzessive mit seinen Seelenzuständen terrorisiert, ist erstklassig umgesetzt.

Grundsätzlich kann man für dieses Buch zwar eine Leseempfehlung aussprechen, aber die Klassifizierung als Kriminalroman ist gewagt, da der Geschichte die klassischen Elemente zwar nicht fehlen, aber in ihrer Anordnung verkehrt herum laufen, weil wir zwar lesen, wer was wann und warum erlebt, gleichzeitig aber keinerlei Spielraum für Interpretation und die Frage: »Wer ist der Täter?« bleibt.

»Ein Opfer der Umstände« hat dem Leser Einiges, gelegentlich auch mit Längen, zu bieten und enttäuscht auch in der Schlusssequenz nicht. Man hätte sich vielleicht ein spannenderes Ende gewünscht, Appel hat es allerdings vorgezogen, sich des logischen Finales zu bedienen.

Die Figuren, die der Autor zeichnet, erinnern in ihrer Komplexität ein wenig an VanWetering, ohne jedoch dessen Skurrilität zu erlangen. Dabei könnten gerade Appels Akteure ein wenig Humor vertragen, um die kalte Atmosphäre hin und wieder aufzulockern. Dieser Verzicht auf jegliche positive Aktion macht das Lesen dieses Romans zu einem beklemmenden Drama.

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