Madame Strauß von Renato Olivieri

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 1993 .
Ort & Zeit der Handlung: Mailand, 1990 - 2009.

  • Mailand: Mondadori, 1993 Madame Strauss. Übersetzt von Bianca Röhle. 275 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1997. Übersetzt von Bianca Röhle. ISBN: 3-404-13847-3. 284 Seiten.

'Madame Strauß' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Tod über den Noten von Johann Strauß – der mysteriöse Mord an der Klavierlehrerin Alma Luraghi läßt den Mailänder Kommissar Giullo Ambrosio zunächst gewaltig im dunkeln tappen: Allzu überzeugend scheint die schillernde makellose Fassade der begehrenswerten Alma, die zahlreiche Verehrer um sich zu scharen wußte. Auch im Familienkreis begegnete man ihr mit Zuneigung und Achtung. Und doch deutet alles darauf hin, dass es kein Fremder war, der Alma mit einer Kristallkaraffe den tödlichen Hieb versetzte …

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muellere zu »Renato Olivieri: Madame Strauß« 30.09.2006
Dieser Roman besteht gewissermassen ausschliesslich aus dem Kern eines Krimis, der Motiv- und Tätersuche, und wird somit dem Puristen und Kriminalisten eher gefallen als dem an Lokalkolorit oder geschichtlich interessierten Leser. Action- oder Thrillerfans kommen hier nicht auf ihre Kosten.

Fast ohne Zwischenhandlung, abgesehen von einem Minimum an Privatleben des Kommissars, lässt Olivieri seine Beamten von Verhör zu Verhör durch den Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis des Opfers eilen, um sich so schell wie nur möglich ein genaues Bild über die Person der Ermordeten machen zu können und mögliche Tatmotive zu finden. Dabei werden an die 20 Personen, teilweise mehrmals, mal höflich gar väterlich befragt, mal gehörig in die Mangel genommen.

Aus deren Antworten konstruiert der Autor auf brilliante Weise ein vielfältiges Beziehungsgeflecht zwischen den Personen, von denen am Ende viele als mögliche Täter in Frage kommen, und lässt die anfangs makellose Persönlichkeit nach und nach mit allen Schicksalsschlägen, Sehnsüchten und Schwächen eines letzendlich einsamen älteren Menschen vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen.

Stark ist Olivieri in der Dialoggestaltung und der Profilierung der Personen. Etwas unglaubwürdig erschien er mir immer, wenn Ambrosio und seine Leute (selten) auf hart machten, um jemanden einzuchüchtern und um dem Leser das Gefühl von Zeitdruck zu vermitteln.

Der Roman wäre zwar farbiger geworden, hätte Olivieri noch mehr Mailand der 50er und 60er enfliessen lassen, mehr Details beschrieben über Stadt und Gebäude. Aber eben das ist sein Konzept nicht, sondern, die Tristesse der Szenerie in grau beizubehalten und sich mit Farbe voll und ganz auf die Personen mit all ihren Brüchen und Verwerfungen zu konzentrieren.
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