Die rätselhaften Worte von Reginald Hill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Dialogues of the Dead, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Europa.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 20 der Dalziel-&-Pascoe-Serie.

  • London: HarperCollins, 2001 unter dem Titel Dialogues of the Dead. 454 Seiten.
  • Hamburg: Europa, 2002. Übersetzt von Sonja Schuhmacher & Thomas Wollermann. ISBN: 3203780135. 576 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Sonja Schuhmacher & Thomas Wollermann. ISBN: 3-426-62400-1. 699 Seiten.

'Die rätselhaften Worte' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Reginald Hill spart nie mit Wortspielen, aber in keinem seiner Bücher spielen sie eine so zentrale Rolle wie hier. Die Fäden der Geschichte würden für einen ganzen Wandteppich ausreichen, aber wer spielt bei diesem Spiel eigentlich gegen wen? Der Wordman gegen die Polizei? Oder der Mörder gegen die Opfer? Oder läuft das Spiel in Wirklichkeit zwischen den Lesern und Reginald Hill persönlich, der in diesem Roman alle Register zieht?

Das meint Krimi-Couch.de: »Verwickelt-witziges Mordrätsel« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Krimi-Couch-Volltreffer Januar 2003

Nie trog der Anblick der sanften Hügel um das idyllische Städtchen Mid-Yorkshire in der gleichnamigen englischen Grafschaft den Betrachter mehr als in diesem Sommer, da sie zum Schau- und Spielplatz des bizarren und (serien-)mörderischen »Wordman« werden. So nennt die Presse bald mit der für ihre Spezies typischen Begeisterung jenen offenbar geistesgestörten, aber wohl organisierten Unhold, der damit beginnt, die örtliche Prominenz nach einem seltsamen Schema auszurotten.

Zunächst bringt niemand den ersten »Dialog« des Wordman mit dem ungeklärten Tod eines ehrbaren Handwerkers in Verbindung, der offenbar einem Unfall zum Opfer gefallen ist. Er findet sich in einem prall gefüllten Postsack, der in der Mid-Yorkshire- Stadtbibliothek eintrifft. Dort hat man die einheimischen Freizeit- und Nachwuchs- Literaten aufgefordert, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Gesucht wird die beste Kurzgeschichte, und das hat den Wordman wohl auf den Plan gerufen und zu mordbegleitenden schriftstellerischen Aktivitäten inspiriert.

Todesurteil für die Nachrichtenredakteurin

Aber erst Mord Nr. 2 ruft die Beamten des Mid-Yorkshire Criminal Investigation Departments auf den Plan. Jax Ripley, die ehrgeizige Nachrichtenredakteurin im regionalen Sender der BBC, zieht es aus der Provinz in die große Stadt. Einem Informanten bei der Polizei verdankt sie den Hinweis auf den Wordman, der sich als landesweiter Knüller entpuppen dürfte. Tatsächlich schlägt Ripleys Sendung ein wie eine Bombe. Detektiv Superintendent Andrew Dalziel, Chief Inspector Peter Pascoe und Sergeant Edgar Wield zeigen sich wenig begeistert über Ripleys Vorpreschen. Der Wordman begreift indes den Wink, den seine mediale Gönnerin ihm gab: Er ernennt sie zur Hauptperson seines zweiten »Dialoges«, was für Jax Ripley das Todesurteil bedeutet.

Wer ist der mysteriöse Mörder? Aus Mid-Yorkshire stammt er wohl, das findet die Polizei rasch heraus. Leider ist die Zahl der Verdächtigen ausserordentlich hoch. Der kleine Ort entpuppt sich als Hort heimlicher, aber eifriger Wortliebhaber und Schriftsteller mit durchaus großen Ambitionen. Die Kulturszene von Mid-Yorkshire ist ein überschaubarer, aber keineswegs friedlicher Kosmos, wie Inspector Pascoe verblüfft feststellen muss. Viel lieber würde er ohnehin seinen alten Feind Franny Roote als Wordman entlarven. Nachdem dieser als Verdächtiger in einem früheren Mordfall einen Selbstmordversuch unternahm, muss Pascoe ihn allerdings mit Samthandschuhen anfassen, was Roote, ein intelligenter, aber verschlagener und undurchsichtiger Zeitgenosse, sehr genau weiß und seinen Widerpart gern bis zur Weissglut reizt.

Die Morde immer spektakulärer, der Mörder immer dreister

Während die Ermittlungen trotz mancher interessanten Erkenntnis über die gar nicht so harmlosen Bürger von Mid-Yorkshire auf der Stelle treten, bleibt der Wordman fleissig. Immer neue »Dialoge« gehen ein, dem zuverlässig weitere Morde folgen. Diese werden immer spektakulärer, der Wordman immer dreister, da er sich inzwischen der Polizei überlegen und der irdischen Gesetze enthoben fühlt. Der Wahnsinn treibt ihn zum Äussersten, und ihm bleibt noch genug Scharfsinn, sein Schreckensregiment auf eine ganz neue Ebene zu heben …

Zum 18. Mal stürzen sich Peter Pascoe, der unvergleichliche Andy Dalziel und der unerschütterliche Sergeant Wield in ein neues kriminalistisches Abenteuer, und zum dritten Mal (nach »Das Dorf der verschwundenen Kinder« und »Das Haus an der Klippe«) bietet ihnen in Deutschland der Europa Verlag (Möge er – und nicht nur deshalb – lange leben!) das angemessene Forum. Wie eigentlich immer gelingt Reginald Hill ein einmaliger Thriller, dessen Qualität einmal mehr wundern macht, wieso dieser Autor hierzulande immer noch als Geheimtipp gilt. Vor einem Ian Rankin oder einem Henning Mankell muss er sich ganz sicher nicht verstecken!

Sind Hills Romane zu fröhlich?

Vielleicht sind Hills Romane zu fröhlich? Zwar neigt auch Peter Pascoe zur Melancholie, aber ihm steht der Vorgesetzte und Freund Dalziel zur Seite, der noch jeden Schatten lautstark, ordinär und unglaublich witzig zu vertreiben versteht. Einen Falstaff habe ich ihn in einer früheren Besprechung genannt; keine Ahnung, ob mir das als Erstem eingefallen ist – es würde mich wundern, weil es so vorzüglich passt. Auch Andy Dalziel ist nicht die Witzfigur, als die er sich oft (und trügerisch) gibt, sondern weist durchaus Charaktertiefe und Tragik auf. Hill ist nur zu klug, um dies allzu aufdringlich in den Mittelpunkt zu rücken oder gar die Handlung ersetzen zu lassen (was die letzten Wallander-Romanen vergällte).

Und während die Konkurrenz noch immer beliebte Polizei- oder Detektiv-Serien mit denselben Maschen totreitet, beackert Hill wacker neue Felder. Wurde Das Dorf der verschwundenen Kinder von gotischem Horror geprägt, war Das Haus an der Klippe ein recht lupenreiner Polit-Thriller. Nun also – und sehr spät – versucht sich Hill auf dem Serienmord-Sektor. Er wäre freilich nicht der originelle und eigensinnige Autor, den man so schätzt, wenn er nicht erneut eigene Wege ginge: »Die rätselhaften Worte« ist auch ein »Whodunit« (»Wer tat es?«) reinsten Wassers: ein Katz-und- Maus-Spiel zwischen Polizei und Übertäter als Rätsel- und Vexierspiel. Hochgradig irre, aber scheinbar übermenschlich schlaue Serienmörder hat es seit dem Schweigen der Lämmer (allzu) viele gegeben. Der »Wordman« reiht sich nahtlos ein in diese Galerie. Hill kreuzt das inzwischen abgegriffene Killer-Treiben mit dem klassischen Krimi des »Goldenen Zeitalters«, das im angelsächsischen Sprachraum etwa bis 1945 dauerte. Unglaubliche verwickelte Plots zum Mitraten prägten es, wobei besonders Autoren wie Ellery Queen, S. S. van Dine oder der unvergleichliche John Dickson Carr sich hervortaten.

Ein Markenzeichen der klassischen Vorbilder

Obwohl Mord auf Mord folgt, geschieht eigentlich nicht viel – auch das ein Markenzeichen der klassischen Vorbilder. Statt dessen wird viel (sehr viel) geredet. Im Mittelteil hängt die Handlung daher manchmal ein bisschen durch. Aber bald merkt der Leser, dass sich die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zu fügen beginnen. Hill ist ausserdem ein (gut übersetzter) Meister des Dialogs. Ein Feuerwerk witziger Wortspiele brennt er besonders dann ab, wenn Dalziel auf der Bildfläche erscheint. Dies geschieht maßvoll, wohl dosiert, könnte man sagen, denn der dicke Andy ist Hills Katalysator: Wenn er eingesetzt wird, gibt es eine in der Regel unvorhersehbare Reaktion. Verdächtige plaudern, Vorgesetzte geben nach, Reporter vergessen nachzufragen – Dalziel schwebt allgegenwärtig über der Szene, selbst wenn er nicht körperlich anwesend ist.

Das übliche Team der Detektive hat Hill wiederum leicht variiert. Nachdem Shirley Novello, die noch recht Neue, in »Das Haus an der Klippe« eine Schussverletzung davontrug, ersetzt sie nun der noch jüngere, aber um so eifrigere Constable Ethelbert »Bowler« Hat. Er sorgt für den nötigen frischen Wind in Mid-Yorkshire und wird uns sicherlich wieder begegnen – womöglich in recht tragischer Rolle, denn Hill gelingt das seltene Kunststück, sein Werk mit einem echten Knalleffekt enden zu lassen.

Ein Cliffhanger der Sonderklasse

Nicht so sehr die Auflösung als solche verblüfft, sondern die Art und Weise, wie der Verfasser sie präsentiert: Wieder bricht Hill die Regeln des Genres. Erlebten wir schon Pascoe und Dalziel in einer früheren Inkarnation als Äneas und Odysseus, wird der »Wordman«- Fall dieses Mal von den Opfern gelöst, deren Geister sich im Jenseits treffen, um das Puzzle endgültig zusammenzusetzen. Das ist so elegant wie ironisch und fügt sich nahtlos in das bisher so realistische Geschehen. Ausserdem gelingt Hill ein Cliffhanger der Sonderklasse, der zusätzlich neugierig macht, wie der Verfasser seine grandiose Serie fortsetzen wird!

Ihre Meinung zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte«

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realsatiriker zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 27.11.2009
Eines vorweg:

das Ermittlerduo Dalziel und Pascoe wächst einem nach den ersten Seiten bereits ans Herz. Vor allem der "Dicke" ist mit herrlichem, schwarzen Humor ausgestattet und gehört ab jetzt ganz sicher zu meinen Lieblingsschnüfflern.

Das Buch selbst erfordert ein gewissses Maß an KOnzentration, eignet sich also nicht wirklich für die Zeit kurz vor dem Einschlafen. Dies liegt zum einen an den geheimnisvollen Dialogen, zum anderen aber auch an den immer neuen Fährten, die Hill auslegt. Jedes Mal wenn man meint der Lösung des Falles etwas näher gekommen zu sein, entpuppt sich der vermeintliche Verdacht schnell als Blindgänger.

Die Spannung wird so bis zur letzten Seite hochgehalten und entlädt sich in einem fulminanten Ende, welches wohl nur die Wenigsten - mich nicht eingerechnet ;-) - vorhergesehen hätten.

Ein rundum gelungener Thriller, der von mit eine gute KC 86 erhält.
Taennsche zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 16.06.2008
sehr spannend und dazu noch schwarzer Humor, bis jetzt (und so auch dieser) waren die neueren Hills alle (bis auf das Haus an der Klippe) ein Genuss. Außerdem wächst das Interesse an Beddoes. Schade dass es über ihn so wenig im www zu erfahren gibt
giftspritze zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 23.02.2008
Einfach nur Göttlich, dieses Buch. Und wer einen Hang zu Heinrich Heine hat, ist hier ebenfalls gut aufgehoben. Ich habs nun zum 2. Mal gelesen und keine Ungereimtheit gefunden; freue mich aber schon darauf, es irgendwann zum 3ten Mal verschlingen zu dürfen.
Gruß
Magda zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 06.04.2007
Ein fantastisches Buch mit einem wirklich überraschenden Ende.
Für Reginald Hill-Fans sei an dieser Stelle angemerkt, dass "Die Launen des Todes" erst nach diesem Buch gelesen werden sollte, da sonst die Überraschung hinüber ist.
Viel Spass beim lesen!
Kristin zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 26.02.2007
Bin gerade in der Mitte angekommen.....
ich verstehe wirklich nicht, woher die ganzen positiven Kommentare kommen !
Ich quäle mich durch das Buch... und nein, ich werde nicht aufgeben....!
was auch nervt, ist die Übersetzung... die Wortwahl finde ich ziemlich primitiv... ob's der Autor in der O-Sprache auch so derb geschreiben hat ??
Also das ist mein 1. Buch von R. Hill und es wird gewiss auch das letzte von ihm sein.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gian-Luca zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 18.01.2007
Dies ist schon der 18 Fal für das ungleiche Duo Superintendent Andy Dalziel und Chief Inspektor Peter Pascoe.Segerant Wield ist auch wieder dabei,neu ist Constable Hat Bowler der aber frischen wind in die Truppe bringt.Der unheimliche Wordmann killt einen Promi nach dem anderen und Inspector Pascoe hat auch gleich einen Verdächtigen Nr.1 Franny Root den der Inspector wegen anstiftung zum Mord hinter gitter gebracht hat.Aber es mangelt nicht an Verdächtigen... Der Roman ist spannend und mit viel Humor geschrieben .Wenn Hat Bowler mit Pascoe redet bekommt man (ich) manchmal das gefühl das Peter schon zum alten eisen gehört von Dalziel gar nicht zu sprechen!Ein klasse Krimi genau wie die anderen von Hill.
heyfisch zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 09.12.2006
Sehr spannend und trotz der vielen lyrischen Einsprenkel sehr fesselnd zu lesen. Die hochgelobten Wortspiele find ich manchmal etwas weit hergeholt, aber dafür toppt das Ende einfach alles. Der Kunstgriff den Wordman am Ende aus einer anderen Dimension erklärt zu bekommen ist genial. Werde auch den Nachfolgeroman noch lesen. Das kann auch die schlechte Übersetzung, die manchmal "sie" und "er" verwechselt, nicht verhindern.
Riri zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 16.11.2005
Ich liebe dieses Buch, wie alle Bücher die ich bis jetzt von Reginald Hill gelesen habe. Allerdings finde ich, dass es einer der besten Krimis von ihm ist. Das Ende ist einfach großartig. Erst hat es mich wirklich schockiert, dann fand ich es einfach toll. Ich finde, dass dieser Mörder einfach sehr gut beschrieben wird, auch in dem Folgeroman, den ich allerdings noch nicht ausgelesen habe.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
BiblioTanni zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 02.10.2005
Was ich nicht verstehe, dass hier keiner der Rezensionisten anspricht, dass die Übersetzung grauenhaft ist, mit vielen Fehlern, die irritieren und stören.
Auch hat hier keiner angesprochen, dass dieses Buch einen sehr lockeren Schreibstil hat in dem vögeln und ficken an der Tagesordnung stehen.
Für mich ist sicherlich ein Buch gut, wenn der Plot stimmt, die Story schlüssig ist und die Protagonisten ok, aber es gehört für mich ganz klar auch ein gewisses Niveau dazu und eine gute Übesetzung und letzteres ist Beides nicht im Geringsten gegeben.
Somit für mich nur 40 %, denn die Story allein kann das Übel nicht aufwerten.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Matthias zu »Reginald Hill: Die rätselhaften Worte« 03.08.2005
Ich kann mich wirklich nur dem Rezensenten anschließen. Es war der erste Reginald Hill - Krimi den ich gelesen habe, und das Buch hat mich wirklich überzeugt. Zwar war ich mir sicher, den Mörder auf Seite 110 schon erkannt zu haben und das Fast-Ende des Buches schien mir auch recht zu geben, so belehrte mich dann aber das tatsächliche Ende eines besseren. Sprachlich herausragend, witzig und am Ende mit wahrhaft schwarzen Humor präsentiert sich dieser Krimi, der mich auf keiner Seite langweilte. Und wenn auch die Geschichte an einzelnen Stellen straffer hätte erzählt werden können, entschädigen die Sprache und die herrlich gezeichneten Charaktere für diese kleinen Längen.

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