Der Calliope-Club von Reginald Hill

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1978 unter dem Titel A Pinch of Snuff, deutsche Ausgabe erstmals 1979 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.
Folge 5 der Dalziel-&-Pascoe-Serie.

  • London: Collins, 1978 unter dem Titel A Pinch of Snuff. 254 Seiten.
  • München: Goldmann, 1979. Übersetzt von Tony Westermayr. 254 Seiten.
  • München: Goldmann, 1986. Übersetzt von Tony Westermayr. ISBN: 3-442-04991-1. 253 Seiten.

'Der Calliope-Club' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Calliope-Club gehört zu jenen zwielichtigen Etablissements, die gerade in den 80er Jahren – nicht nur in England – wie Giftpilze aus dem Boden schießen: Hier werden in geschlossener Gesellschaft Pornofilme vorgeführt, und zwar solche, die in den sogenannten Fachkreisen als Sado-Pornos bezeichnet werden. Doch mit des Geschickes Mächten – oder wo das offizielle Auge des Gesetzes schläft – da beobachtet der Zahnarzt Jack Shorter besonders sorgfältig! Nicht die Handlung auf der Leinwand ist es, die ihn fasziniert – es ist die beispiellose Brutalität, mit der eine der Actricen zusammengeschlagen wird, die ihn, den Arzt, aufmerksam macht. Er erzählt seinem Patienten, Inspector Pascoe, was er erlebt hat …

Das meint Krimi-Couch.de: »Zeitlos, geistreich, grandios« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft


»Tot? Ach, Scheiße!«

Superintendent Andy Dalziel passt der Tod des Calliope-Club-Besitzers Dr. Gilbert Haggard gar nicht in den Kram. Nur zu verständlich, haben sich doch so einige Anwohner dazu entschlossen, den »Calli«, in dem hin und wieder auch ein Männer-Filmchen der härteren Sorte gezeigt wird, nicht mehr länger dulden zu wollen. Und dann das! Und noch nichtmals ein Mord. Zwar wurde der »Calli« von Unbekannten rigoros auf den Kopf gestellt, doch ist Haggard im Krankenhaus schlicht und einfach an Herzversagen gestorben.

Eigenartig ist die ganze Sache dann aber doch: Sollte der Überfall etwa mit dem im Club aufgeführten B-Movie »Droit de Seigneur« zu tun haben? Auf diesen hat nämlich Inspector Peter Pascoes Zahnarzt den Polizisten erst kürzlich aufmerksam gemacht. Eine Sado-Szene, in der ein Edelmann seine ganze perverse Wut durch einen Faustschlag ins Gesicht einer angeketteten Entführten zum Ausdruck bringt, schien dem Dentisten Jack Shorter eigenartig realistisch zu sein. Snuff-Movies im »Calli«? Pascoe folgt der Spur, doch versiegt die schon sehr bald, als er die gepeinigte Darstellerin putzmunter auftreiben kann. Viel Trubel um nichts? Pascoe gibt zum Widerwillen seines Vorgesetzten Dalziel nicht so schnell auf und als dann auch noch sein Zahnarzt der Misshandlung an einer 13-Jährigen beschuldigt wird, ergeben sich bemerkenswerte Verbindungen zwischen all den Opfern …

Trotz eines Vierteljahrhunderts auf dem Buckel top aktuell

Obwohl Reginald Hills »Calliope-Club« mittlerweile schon ein gutes Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, ist die Story topaktuell. Und Hill damit ein zeitlos guter Schreiber. Auf keiner der etwa 250 Seiten wirkt dieser Kriminalfall antiquiert, allenfalls das damals etwas reißerische Buchcover (der Schein trügt, so schlüpfrig ist der Krimi trotz der Thematik nun auch nicht) und die Bezeichnung »Action-Krimi« (was man damals als »Action« bezeichnete, bekommt heute das Prädikat »klassisch«) führt den Leser mindestens ebenso in die Irre wie die zahlreichen Wendungen, Querverbindungen und falschen Fährten, die Reginald Hill legt.

Dies gelingt ihm allerdings dermaßen gut, dass nicht nur Inspector Pascoe mit seinem Latein schnell am Ende ist. Es ist eine Kunst, einen solch verzwickten Plot zu entwickeln, und ihn schlussendlich meisterhaft aufzulösen.

Hill zelebriert den britischen Humor

Dazu zelebriert Reginald Hill auf eine formidable Weise den britischen Humor, der bestens zur Geltung kommt, wenn Dalziel (»der kleine dicke Mann«, gerne ziemlich griesgrämig und besserwisserisch, aber hoch clever und wenn´s sein muss auch charmant) und Pascoe (Akademiker, in den Augen seiner Frau aber besser Priester) aufeinander treffen. Da sprühen Hills Sätze nur vor feinster Komik englischer Art, da werden fiese, kleine Seitenhiebe ausgeteilt, da lebt der Sarkasmus auf. Überhaupt die Figuren: Nicht nur die Serien-Protagonisten Dalziel und Pascoe sind Beispiele für Hills meisterhafte Feder. Der undurchsichtige Filmvorführer Maurice Arany, die Hyper-Feministin (und Zahnarzthelferin) Ms Lacewing, die beiden alten, aber nicht unbescholtenen »Schachteln« Alice und Annabelle Andover, die Porno-Produzentin Penny Latimer – sie alle sind wunderbar gezeichnet, farbig und lebendig.

Auch wenn es nahezu unmöglich ist, den »Calliope-Club« ohne gelegentliche Lacher zu lesen, gelingt es Hill dennoch die Balance zwischen Komödie und Tragödie zu halten. Trotz allen Humors fällt zum Glück das Traurige, das Brutale, das Perverse an der Story – Snuff-Movies und Kinder-Pornographie sind nun mal keine weichen Themen – nicht unter den Tisch. Einfühlsam prangert Hill dies an, aber eben nicht so hochmoralisch wie seine skandinavischen Kollegen 20 Jahre später oder auf die desillusionierte Mentalität der französischen Noir-Autoren – sondern überaus menschlich.

Ein Kriminalroman at its best

»Der Calliope-Club« ist somit ein britischer Kriminalroman at its best. Viel unterhaltsamer, intelligenter, spannender, gewiefter und gewitzter ist ein Krimi mit so brisanten Themen nicht zu schreiben. Reginald Hill ist ohne Zweifel ein Meister seines Fachs.

Ihre Meinung zu »Reginald Hill: Der Calliope-Club«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Dtective_Scotty zu »Reginald Hill: Der Calliope-Club« 14.06.2011
Oh Gott! Das ist mein allererstes Buch, welches ich wegen einer grottenschlechten Übersetzung weggelegt habe. Es liest sich wie von einem Computer übersetzt. FINGER WEG!
Ich bin ein großer Hill Fan und was Übersetzungen angeht recht tolerant. Mit diesem Ramschwerk ist allerdings meine Schmerzgrenze erreicht.
RolfWamers zu »Reginald Hill: Der Calliope-Club« 22.03.2005
Ja, so sind sie, so sind wir, die braven Bürger. Nichts gegen einen guten Porno, aber natürlich keine harten Sache. Oder wenn doch, dann nur, weil man weiß, dass das Blut ja Tomatensaft ist. Und die Darstellerin sagt, dass sie es alle nur aus Spaß machen. Also: alles bestens, keine Aufregung.
Beim Wegschauen gibt es keine Unterschiede zwischen Engländern und Deutschen.
In diesem Buch zeigt sich Hills großes schriftstellerisches Können sher eindrucksvoll. Müsste unbedingt neu aufgelegt werden.
Ihr Kommentar zu Der Calliope-Club

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: