Der Köder von P. J. Tracy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Live Bait, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Minnesota, 1990 - 2009.
Folge 2 der Leo-Magozzi-und-Gino-Rolseth-Serie.

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2004 unter dem Titel Live Bait. 340 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. Übersetzt von Teja Schwaner. ISBN: 3-499-23811-X. 441 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2006. Übersetzt von Teja Schwaner. 441 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Teja Schwaner. ISBN: 978-3-499-24305-9. 441 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2009. Gesprochen von Burghart Klaußner. ISBN: 3899034422. 5 CDs.
  • [Hörbuch] Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010. Gesprochen von Teja Schwaner. ISBN: 3-499-25216-3. 441 CDs.

'Der Köder' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Im verschlafenen St. Paul wird der achtzigjährige Morey Gilbert tot aufgefunden – mit einer Kugel im Kopf. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Der Tote war allseits beliebt. Ein Mann ohne Feinde. Scheinbar. Noch bevor die Ermittlungen richtig anlaufen, kommt es zu weiteren Morden. Das Muster ist immer das gleiche: Offenbar macht ein Psychopath Jagd auf ältere jüdische Mitbürger. Die Stadt steht unter Schock, und den Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth läuft die Zeit davon. Denn der Mörder scheint es eilig zu haben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Provokant ehrlich und mit viel menschlicher Wärme« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

»Der Köder« ist meine erste Begegnung mit dem amerikanischen Autoren-Duo P.J. und Tracy Lambrecht, alias P.J. Tracy. Ihr Erstlingswerk »Spiel unter Freunden« hat unter Krimifans und Kritikern viel Begeisterung ausgelöst, während die Krimi-Couch Besprechung eher verhalten positiv ausfällt. Einige Lesermeinungen bestätigen den Kommentar bei rowohlt.de: »Lesen sie dieses Buch auf keinen Fall …abends im Bett, solange sie nicht alle Termine für den nächsten Tag abgesagt haben«. Viele Leser feiern geradezu den Schreibstil dieser beiden Autorinnen als begeisternd und herzerwärmend, die Charaktere als glaubwürdig, lebendig und sympathisch. Das folgende Werk wurde mit Spannung erwartet. Werden die der P.J. Tracy Fangemeinde vertraut gewordenen Charaktere erhalten bleiben? Können die Autorinnen wieder einen ebenso unterhaltsamen wie spannenden Thriller erschaffen und trotzdem eine neue überzeugende Story präsentieren?

Eine Gegend, in der die Ermittler mit unaufgelösten Fällen üben – bis vier alte Menschen ermordet werden

Die Detektives der Mordkommission Minneapolis Gino Rolseth und Leo Magozzi haben es in »Der Köder« offensichtlich mit einem Serienkiller zu tun, der es auf eine ganz bestimmte Zielgruppe abgesehen hat: Es werden drei ältere Mitbürger jüdischen Glaubens erschossen, die nach dem 2. Weltkrieg aus Konzentrationslagern der Nationalsozialisten befreit worden sind. Ein weiterer Mord geschieht, der nicht in diese Reihe zu passen scheint: Ein weiterer älterer, nicht jüdischer Mann wird angeschossen und auf Eisenbahnschienen festgebunden, wo er den Anblick eines heranfahrenden Zuges nicht überlebt und an Herzversagen stirbt.

Wer könnte ein Interesse daran haben, ehemalige KZ Häftlinge umzubringen?

Der erste Tote, der 80 jährige Morey Gilbert war in St. Paul für seine außerordentliche Wohltätigkeit und Güte bekannt und beliebt. Er half straffällig gewordenen Jugendlichen auf den rechten Weg, war für seine ganz besondere Wertschätzung des Lebens und für seine ausgeprägte Toleranz bekannt. Nur von seinem Sohn Jack Gilbert, einen Schadensersatzanwalt, der zur lutherischen Kirche konvertiert ist, scheint er sich vollständig abgewendet zu haben. Irgend etwas muss vorgefallen sein, was das Vater-Sohn Verhältnis irreparabel zerrüttet hat. Rose Kleber war ebenfalls eine liebenswerte ältere Dame, die ihren Vorgarten pflegte, die Enkelkinder verwöhnte und sich um ihre Katze kümmerte. Morey Gilberts Telefonnummer ist in ihrem Notizbuch notiert, eine engere Verbindung der Beiden scheint aber zunächst nicht nachweisbar. Sie wird ebenso unvermittelt ermordet, wie Ben Schuler, Morey Gilberts enger Freund. Alle Drei verbindet das Grauen, in einem deutschen KZ gefangen gewesen zu sein, Ben Schuler und Morey Gilbert in Auschwitz und Rose Kleber in Buchenwald. Was verbindet sie darüber hinaus? Morey Gilbert hinterlässt seine Frau Lilly, eine tatkräftige, selbstbewusste Dame, die ebenfalls einst Gefangene im KZ Auschwitz war. Könnte sie das nächste Opfer des Killers werden?

Ein Selbstmord gefährdeter Ex-Cop kann nicht aus seiner Haut

Marty Pullman, Morey Gilberts Schwiegersohn, hat seine Ehefrau Hanna verloren, als ihr von einem Junkie die Kehle durchgeschnitten wurde, sie starb in seinen Armen. Marty quittierte den Dienst und kann nicht mit den Selbstvorwürfen leben, die Tat nicht verhindert zu haben. Nach Morey Gilberts Ermordung rafft er sich dazu auf, mit Lilly diesen zweiten, tragischen Schicksalsschlag durchzustehen. Schon bald findet er sich mitten in der Ermittlungsarbeit wieder und ist für seine ehemaligen Kollegen von unschätzbarem Wert. Kann Marty das Zerwürfnis zwischen Jack und seinen Eltern aufklären? Und warum wird der halbseidene Anwalt plötzlich zur Zielscheibe?

»Die üblichen Verdächtigen«

Die Programmierer von Monkeewrench suchen nach den dramatischen Ereignissen rund um ein Computerspiel (»Spiel unter Freunden«) nach einem neuen Namen für die Firma. Leo Magozzi unterhält eine rein platonische und doch erotische Beziehung zu Grace. Die jedoch hat eine sehr überzeugende Art, unnahbar zu erscheinen und ist mehr damit beschäftigt, ein modernes Internet-Datenbanksystem für die Polizei zu entwickeln. Dieses System soll jeden noch so geringfügigen Kontakt zwischen Personen aufspüren, der aus der Datenfülle des Internets ableitbar ist. Mit Grace Hilfe werden Zusammenhänge aufgedeckt, die niemand auch nur im Ansatz für vorstellbar gehalten hätte. Die Geschichte einer diffizilen Tragödie nimmt nach und nach Konturen an, die Grenzen zwischen Opfern und Tätern sind immer weniger auszumachen.

Die beiden Autorinnen bleiben ihrer humorvollen, spritzigen Schreibweise treu. Dieser Thriller liest sich so eingängig, dass man als Leser beinahe glaubt, Bilder und Stimmen wahrzunehmen. P.J. Tracy konzentrieren sich vor allem auf Dialoge, die vor Wortwitz nur so sprühen. Ein Leser, der detailierte Landschaftsbeschreibungen erwartet, wird enttäuscht sein. Dagegen kommen Liebhaber des brillianten Schlagabtausches und schnodderiger Dialoge, gewürzt mit beißendem Sarkasmus und bizarrem Humor, voll auf ihre Kosten. Was dennoch nicht ausschließt, dass der Thriller auch sensibel, beinahe poetisch erzählte Passagen enthält.

»Der Köder« bietet dem Leser auf niveauvolle Weise Krimi-Unterhaltung pur. Der Thriller ist wirklich spannend, die Handlung schnell und voller überraschender Wendungen. Die Dialoge sind so witzig, dass ich teilweise laut lachen musste. Die Charaktere werden einzigartig skurril beschrieben und einige Szenen so absonderlich originell dargestellt, wie ich das selten erlebt habe. Teilweise wirkt der leidenschaftliche Stil der Autorinnen jedoch zu exzessiv und gleitet in das Pathetische ab. P.J. Tracy gelingt es, sich einem heiklen Thema mit Feingefühl zu nähern und aus einer Perspektive zu betrachten, die sich wohltuend differenziert und ohne erhobenem Zeigefinger darstellt. Was dem Thriller ein bischen fehlt, ist Tiefe, bei Liebhabern anspruchsvoller Krimi-Lyrik wird »Der Köder« nicht besonders gut ankommen.

Viel Stoff zum Nachdenken

Fazit: Provokant ehrlich und mit viel menschlicher Wärme geschrieben, sticht dieser Thriller aus der Masse der amerikanischen »mainstream« Krimis klar heraus. Dem Autorenteam P.J. Tracy ist ein erfrischend eigenwilliges Werk gelungen, dass beim Leser ein mulmiges Gefühl und viel Stoff zum Nachdenken hinterlässt.

Ihre Meinung zu »P. J. Tracy: Der Köder«

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JaneM. zu »P. J. Tracy: Der Köder« 03.04.2010
Vier alte Menschen werden kurz nacheinder umgebracht. Drei waren ehemailige KZ-Insassen, zu dem vierten Opfer scheinen keine Parallelen zu bestehen. Die- wieder sehr erfrischenden und sympathischen-Ermittler Magozzi und Rolseth stehen zunächst vor der Frage, wer überhaupt ein Motiv haben könnte, vier scheinbar unbescholtene, beliebte alte Menschen zu ermorden. Das erste Opfer Morey Gilbert war als Wohltäter bekannt und außerdem der Schwiegervater eines ehemaligen Kollegen. Dieser, lebensunlustig über den gewaltsamen Tod seiner Frau, wird in die Ermillungen miteinbezogen. Doch etwas schein in der Familie Gilbert merkwürdig: warum hat der langmütige Wohltäter Gilbert mit seinem Sohn gebrochen? Sohn Gilbert ist zwar ein Säufer und Großmaul- aber reicht das? Lily Gilbert, die Witwe, erscheint kalt und weiß offenbar mehr als zu zugibt. Warum ist sie nicht daran interessiert den Mörder ihres Mannes zu finden und verhält sich so wenig kooperativ? Schließlich stellt sich heraus, dass die drei jüdischen Opfer gekannt haben- aber warum weiß die Restfamilie nichts davon? Auch wenn der aufmerksame Leser das Motiv und die Zusammenhänge bald erahnen mag, bleibt doch die Frage nach dem Täter offen. Hier kommt es zum spannenden Showdown. Aus meiner Sicht ein empfehlenswertes Buch, das moralische Fragen offen lässt. (Besonders schön, das Mitschwingen von Gino Rolseth). Ich würde aber auch dazu raten, zu erst "Spiel unter Freunden" zu lesen, um das Verhältnis zu Grace und die Einführung der Charaktere richtig genießen zu können.
KP zu »P. J. Tracy: Der Köder« 23.11.2009
Im Großen und Ganzen ist das Buch ok.Was mich jedoch sehr gestört hat ist:1) die zum Teil sehr unrealistische Handlung.Vor allem die Mörder des ersten Mordes erscheinen mir als Täter sehr ungeeignet (Ich weiß das hört sich eigenartig an, doch wer das Buch liest, wird mich verstehen. Ich kann leider nicht näher darauf eingehen, da ich sonst zu viel verraten würde). Aber auch sonst ist die Story zum Teil etwas wirr und wenig realistisch.2) die vielen Klischees, die in allen P.J. Tracy Büchern zu finden sind. Als Beispiele möchte ich nur die "einfältige" Hausfrau (Band 2), der "Bauerntöpel" (Band 3) oder die "dummen" Teilzeitkräfte. Ich finde solche Vorurteile total schlimm und unnötig.Ansonsten ist die Lektüre aber sehr spannend geschrieben.
G.E. zu »P. J. Tracy: Der Köder« 17.08.2009
Die grundsätzliche Beurteilung ist wirklich gut. Teilweise waren die Wortgefechte zwischen den Detectives Magozzi und Rolseth so witzig geschrieben, dass ich die einzelnen Passagen nochmals nachgelesen habe.
Dieser Krimi spiegelt auch den Schmelztiegel Amerika mit all seinen reichhaltigen Völkergruppen (Einwanderer) aus frühen und neueren Zeiten wieder. Der rote Faden (jüdische Flüchtinge) und die Thematik wurde hier nochmals aufgearbeitet und man muss wirklich danach über diese schreckliche Zeit nachdenken.
Bell zu »P. J. Tracy: Der Köder« 27.06.2009
Nachdem ich fälschlicherweise zuerst Band 4 "Memento" gelesen hatte, den ich außerordentlich gut fand, habe ich ja mit der Serie von vorn begonnen und "Spiel unter Freunden" gelesen. Auch davon war ich begeistert.

"Der Köder" hat mich nun leider etwas enttäuscht. Ich empfand die Handlung bzw. die ganzen Verwicklungen als sehr wirr (und auch unwahrscheinlich). Außerdem reißen Leo und Gino hier wirlklich nur Sprüche, ich hatte das von den anderen Bänden her nicht so extrem in Erinnerung. Die düstere Atmosphäre habe ich ebenfalls vermisst. Die Auftritte der Monkeewrench-Mitglieder sind so kurz, dass ich gar nicht das Gefühl hatte, sie würden etwas zu dem Roman beitragen.

Schon wieder (vorher bei "Kalte Asche" von Simon Beckett so gewesen) begleitet die Romanhandlung ein sich zusammenbrauendes Unwetter, welches sich dann natürlich zum Finale hin entlädt - geht es noch etwas einfallsloser in Sachen Symbolik?

Leider bekommt der Roman von mir nur 70 Grad. Ich hoffe, dass mir "Mortifer" wieder besser gefallen wird.

Etwas, was nichts mit dem Roman an sich zu tun hat: Der/die Übersetzer/in hat ganz schön geschlampt. Von "Das ist ein teuflisches Karussell, hm?" (war hier Teufelskreis - vicious circle gemeint??) bis zu (nicht wortwörtlich, aber in etwa:) "Es roch so, wie wenn sich jemand den Tod kochte." (Wie bitte?) reichten die Übersetzungsüberraschungen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
C_1991 zu »P. J. Tracy: Der Köder« 11.08.2007
Das Buch ist einfach empfehlenswert. Viel viel besser als das erst von den beiden. Noch mehr spannung da passt einfach alles zusammen. Wer mit dem ersten nicht so begeistert war sollte auf jedenfall das hier lesen und sich erst dann eine Meinung zu den Beiden machen (finde ich)!:-D lg
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Todesengel zu »P. J. Tracy: Der Köder« 21.01.2007
Bin grad fertig mit dem Buch geworden und muss sagen, super spannende story...konnte gar nicht erst wieder aufhören zulesen...wirklich empfehlendswert
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Antje zu »P. J. Tracy: Der Köder« 10.01.2007
Superspannend und superunterhaltend! Mal was ganz anderes, nicht immer so ein 08/15 - Fall. Fand ich bislang das beste Buch des Autorenteams. Wirklich empfehlenswert.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
posti74 zu »P. J. Tracy: Der Köder« 05.01.2007
Also ich bin gerade fertig mit dem Buch und es war super. Ich habe schon lange nicht mehr ein Buch so schnell fertig gehabt wie dieses. Super spannend und doch witzig. Kann ich nur weiter empfehlen. Nun werd ich mir wieder eins von ihr holen, denn die muß man auch lesen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Linn zu »P. J. Tracy: Der Köder« 02.08.2006
Eigentlich ist der Rezension von Eva Bergschneider nichts mehr hinzuzufügen. "Der Köder" ist ein tolles Buch. Spannend und witzig zugleich.

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen und war trotz seines ernsten Themas, durch viele kleine und feine Witzeleien hervorragend beschrieben.

Wieder lebt das Buch vorallem durch seine tollen Charaktere und deren spritzige Dialoge und Beschreibungen.

Hoffentlich geht es so weiter!
Marion zu »P. J. Tracy: Der Köder« 06.06.2006
absolut gelungenes 2. buch von pj tracy. wenn möglich, sogar noch um eine spur spritziger und witziger als der vorgänger. was allerdings nicht heisst, dass die geschichte jüdischer mitbürger ins lächerliche gezogen wird.

es ist zwar nicht nötig "spiel unter freunden" gelesen zu haben (die wieder kehrenden figuren werden gut eingeführt), aber man sollte sich meiner meinung nach selbst des vergnügens nicht berauben.
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