Die Kinder des Chronos von Pieter Aspe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel De kinderen van Chronos, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Pieter-Van-In-&-Hannelore-Martens-Serie.

  • Antwerpen: Manteau, 1997 unter dem Titel De kinderen van Chronos. 292 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2006. Übersetzt von Stefanie Schäfer. ISBN: 978-3-596-17095-1. 295 Seiten.

'Die Kinder des Chronos' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Im Garten eines restaurierten Bauernhofes in der Umgebung von Brügge wird eine Leiche entdeckt. Kommissar Pieter Van In findet mit Hilfe der stellvertretenden Staatsanwältin Hannelore und Brigadier Guido Versavel schnell heraus, dass das Anwesen als Liebesnest diente. Erst als ein Mitarbeiter des Etablissements verschwindet und ein allseits respektierter Anwalt ermordet wird, kommt Bewegung in den Fall.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Commissaris bricht die Regeln« 60°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Sie sind schon ein lustiges Pärchen, der Kommisar Pieter Van In und seine Frau, die stellvertrende Staatsanwältin Hannelore Martens aus dem belgischen Brügge. Heiß ist es dort, doch für gemütliche Stunden ist nun wirklich nicht die richtige Zeit. Hannelore ist schwanger und hat ihrem knuffigen Commissaris nicht nur ein striktes tägliches Zigaretten-Limit gesetzt, sondern auch noch eine strenge Diät aufgebrummt. Schluss mit dem Duvels-Bier während der Arbeitszeiten – dafür passen die alten Hemden auch wieder. Unter diesen Gesichtspunkten erscheint das Skelett, dass ein kleines Mädchen beim Spielen im Garten entdeckt, Van In auch gar nicht mal so aus der Fitness-Balance zu werfen. Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt und drittens ist es dann auch schnell vorbei mit Nikotin- und Alkoholverzicht.

Denn: Das alte Bauernhaus mitten in Brügge, zu dem der Garten gehört, war nicht immer ein Hort friedlicher Familienidylle. Nahezu die komplette Prominenz Brügges schien sich dort einem recht zweifelhaften Vergnügen hingegeben zu haben. Dass dies alles unter dem Deckmantel eines vermeintlich gemeinnützigen Vereins geschehen ist, macht Van In die Arbeit nicht gerade leichter. Und so steigt er hinab in die Verpflechtungen der oberen Hundert der belgischen Stadt und während die Ermittlungen, wer denn nun eigentlich im Garten beerdigt worden ist, immer weitere Kreise zieht, nehmen die Recherchen die Form eines Kampfes gegen Windmühlen an. Klar, dass sich das Raubein mit weichem Kern dabei weder von Vorgesetzten, noch von Formalitäten und auch nicht von den Liebesproblemen seines schwulen Kollegens Guido Versavel beirren lässt.

Die Kinder des Chronos – was der griechische Gott der Zeit mit der Story zu tun, drängt sich Ihrem Rezensenten übrigens nicht gerade auf – ist der dritte Teil der Reihe des belgischen Autors Pieter Aspe um Van In, Hannelore und Versavel. Nach dem vielversprechenden ersten Buch Das Quadrat der Rache und dem etwas verworrenen Die Midas-Morde tritt nun deutlich hervor, was diese Serie auszeichnet, worum es dem Autor geht und wo seine Schwächen liegen.

Ein Typ zum Knuffen 

Ganz klar: Die Reihe lebt von ihren drei Protagonisten. Wie sich Van In und seine Hannelore immer wieder beharken, sich necken und insbesondere wie unser Commissaris versucht, die von Hannelore aufgestellten Regeln heimlich zu umgehen, ist absolut amüsant und liebenswert. Insbesondere Van In ist für viele Leser sicherlich einfach ein Typ zum Knuffen, weswegen Pieter Aspes Krimis nicht nur in Belgien sondern auch im deutschsprachigen Raum viele Freunde finden werden.

Was nun im dritten Roman allerdings negativ auffällt – die Fälle gleichen sich. Und irgendwie bekommt der Leser den Eindruck, die Story bereits aus dem Quadrat der Rache oder den Midas-Morden zu kennen. Als einen »Aufguss« kann man Die Kinder des Chronos zwar nicht bezeichnen, dennoch lahmt der Plot an den stereotypen Täterfiguren. Tja, und knisternde Spannung findet der Krimi-Afficionado leider auch nicht – womit nicht gesagt ist, dass der Leser den Thrill in diesen feinen Büchern überhaupt suchen sollte.

Die Kinder des Chronos ist unterm Strich kein Meilenstein, weder im Genre betrachtet noch in den bisherigen Werken Pieter Aspes, kann aber dank der putzigen Charaktere für ein paar entspannte Lesestunden überzeugen und hat nur einen Punkt, der wirklich zu kritisieren ist: Zum Ende driftet die ein oder andere Szene in eine Brutalität ab, die so gar nicht in diesen gemütlichen Roman hineinpassen will und die Homogenität deutlich stört. Schade, aber wir geben Pieter Aspe mit Sicherheit noch eine weitere Chance. Allein um zu erfahren, wie der Commissaris mit seinem Nachwuchs klar kommt …

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ellen zu »Pieter Aspe: Die Kinder des Chronos« 16.03.2009
ich habe inzwischen einige der Pieter Aspe-Bücher gelesen - allerdings in der Originalausgabe. Pieter Van In und Versavel sind mir einfach ans Herz gewachsen; ich bin inzwischen wirklich süchtig nach genau dieser tollen Kombination
- etwas fürs Herz (die Liebe trotz der Beziehungsprobleme sind einfach herzlich geschrieben und uns im Alltag nur all zu bekannt)
- in den Büchern werden doch häufiger politische Aktualitäten "behandelt" ohne dass es allzu aufdringlich wirkt weil die Story "fesselt"
Wie gesagt: ich habe inzwischen eine Sucht entwickelt: Pieter Aspe muß also weiterhin Romane schreiben!
Hans zu »Pieter Aspe: Die Kinder des Chronos« 07.10.2006
Auf Buch und den mir bisher unbekannten Autor bin ich zufällig gestoßen, und ich muss ehrlich sagen, es hat mir sehr gefallen, so gemütlich und "knuffelig" schien mir das Buch gar nicht zu sein. Es drängen sich ja geradezu Parallelen zu den Dutroux-Vorgängen im scheinbar gemütlichen Belgien auf.
Was den Titel betrifft, so finde ich ihn, wenn auch etwas zu anspruchsvoll, doch auch zutreffend: Über den Mythos des Titanen Chronos oder Kronos gibt es verschiedene Versionen, u.a.soll er seine Kinder verschlungen haben, die seine Schwester und Frau Rheia gerade geboren hatte, um seine Vorherrschaft nicht zu verlieren. Der mächtige Bauunternehmer Lodewijk Vandaele hat gewissermaßen Züge des Chronos.
Auf jeden Fall werde ich auch die anderen Krimis von Pieter Aspe lesen.
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