Das ermordete Haus von Pierre Magnan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1984 unter dem Titel La Maison assassinée, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Fretz & Wasmuth.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Provence, 1910 - 1929.

  • Paris: Denoël, 1984 unter dem Titel La Maison assassinée. 303 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Fretz & Wasmuth, 1999. Übersetzt von Jörn Albrecht. 317 Seiten.
  • Bern; München; Wien: Scherz, 2000. Übersetzt von Jörn Albrecht. ISBN: 3-502-51762-2. 317 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2007. Übersetzt von Jörn Albrecht. 315 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2015. Übersetzt von Jörn Albrecht. ISBN: 978-3-596-30585-8. 316 Seiten.

'Das ermordete Haus' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

In einem Dorf in der Haute Provence wird eine ganze Familie brutal ausgelöscht. Nur ein Säugling in seiner Wiege überlebt, sein Name Séraphin Monge. Dreiundzwanzig Jahre später kehrt der damals wie durch ein Wunder Gerettete aus dem Krieg an den Ort zurück, auf der Suche nach den Mördern seiner Familie. Stein um Stein, mit bloßen Händen, trägt er das Haus ab, in dem sich das Drama abspielte, in der Hoffnung, einen Hinweis auf die Mörder zu finden …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das klingt echt, das hält den Leser am Ball« 41°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Der Mord an einer Familie ist vermeindlich aufgeklärt, doch nach gut 20 Jahren lässt Séraphin Monge, der einzige Überlebende des Massakers und damals noch ein Säugling, die grauenvolle Geschichte wieder lebendig werden. Er reißt das Haus seiner Familie komplett ab und widmet sich – trotz so mancher Nachstellungen der jungen Dorf-Schönheiten – ganz seinen Racheplänen. Doch jemand kommt ihm zuvor …

Was Pierre Magnan dem Leser dabei präsentiert, kann gut und gerne Kriminalroman genannt werden – wenn auch nicht im klassischen Sinne. Magnans Sprache ist blühend und malerisch, allerdings aus der Perspektive eines wenig beteiligten Erzählers. So ganz will dem Leser die Figur des Séraphin Monge nicht schlüssig erscheinen. Die Frage, ob es ein Verrückter ist, dessen tote Mutter ihn in seinen sexuellen Alpträumen verfolgt, kommt auf und bleibt ungeklärt. Auch die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, wenn auch zu der Haute Provence nach dem 1. Weltkrieg angemessen und damit die Atmosphäre positiv beeinflussend.

Plätschert der Plot anfangs sehr gemächlich, gewinnt er dennoch nach dem ersten Mord an Fahrt: Magnan wechselt die Perspektive und die Zeit, springt mitten in der Erzählungüber 50 Jahre nach vorne, um seine Geschichte von damaligen Zeitzeugen erzählen lassen. Das klingt echt, das hält den Leser am Ball.

Die Auflösung der Morde, auf die der Leser 300 Seiten wartet, ist etwas abstrus, geheimnisvoll, andererseits aber dem Roman entsprechend. Auch wenn Pierre Magnan ein begnadeter Erzähler ist, bleibt »Das ermordete Haus« eine Legende, wie sie so oder ähnlich heutzutage sicherlich noch in den kleinen französischen Dörfern erzählt wird. Aber wollte genau das Magnan nicht auch in Buchform umsetzen?

Ihre Meinung zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Ajowi Rhino zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 29.09.2009
Wie in vielen Krimis ist auch hier ein großer Teil des Texts nicht dem Fall, sondern dem speziellen Umfeld, der zentralfranz. abgelegenen Landschaft, dem bäuerlichen und handwerklichen Leben in einer schwierigen Zeit um den 1.Weltkrieg gewidmet. Dahinein stellt der Autor einen ziemlich ungewöhnlichen Fall mit vielen Toten und Liebesbeziehungen, kunstvoll und dauernd spannend aufgebaut und bis kurz vor Schluss offen und ungelöst. Nur in der Örtlichkeit und dem Zeitrahmen möglich und sinnvoll, aber ein Kunstwerk. Das Buch wendet sich an Liebhaber solcher Spezialwerke.
Toni Votti zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 07.02.2009
Da setzt sich ein Schriftsteller hin und schreibt einen Roman, den man nicht unbedingt in ein Genre einordnen kann und der Roman an sich weigert sich diesem Unternehmen. Ich kann den Autor gut verstehen, weshalb er diesen Roman in der Form aufgebaut und entstehen lassen hat. Die Stärke des Buches kommt aus seiner Einmaligkeit, keinem Klischee und geordneten Mustern zu entsprechen.
Wer solch einen Roman ablehnt, hat auch das gute Recht dazu. Ich betitele dies mehr als Oberflächlichkeit und den Wunsch nach geordneten Prinzipien hinwegzudämmern. Aber gerade solche Künstler wie Magnan erlauben uns einen Blick in eine Welt und einen Stil, der seinesgleiche sucht.
Jurek Becker hat mal einen Essay über diese Problematik geschrieben: es ging dort um die Zensur in der DDR und dem Machtstreben von Verlagen in der BRD. Eine Korrelation wurde festgestellt, der eine Autor darf nicht und der andere will und kann nicht: deshalb sind solche Schriftsteller wie Magnan nötig und entsprechen bewusst, nicht dem erstrebenden Prinzipien. Wer ihn nicht lesen will, soll es sein lassen, aber wer ihn nicht versteht und nur mit 41 Grad bewertet, sollte sich so einem Autor nicht nähern, weil für seine Beurteilung das Handwerk zählt. Magnan ist kein Autor zum Querlesen.
Volker Braun zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 19.07.2008
Ein etwas merkwürdiger Krimi,sowohl
vom Stil als auch vom Inhalt her.
Gut gefällt mir die treffend geschilderte
Atmosphäre der provencalischen Dör-
fer.
Personen und Handlung erscheinen mir
im ganzen nicht immer stimmig, insbe-
sondere bleiben Handeln und Motivation
von Seraphin mir meist rätselhaft und
nicht so recht glaubwürdig.
Auch mit der eigentlich recht raffinier-
ten Auflösung habe ich so meine Pro-
bleme.
Insgesamt gefällt der gemächliche,
keinesfalls reisserische Ton, sowie
die Platzierung von Schauplatz und
Zeit der Geschichte weitab von Groß-
stadt und High-Tech,so dass genug
Raum für Geheimnis und Rätsel bleibt.

Lesenswert !
Werde weitere Magnans probieren !
Hans-Hermann Lorig zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 03.07.2008
Lars Schafft hat am Ende seiner Rezension sehr treffend auf den legendenhaften Charakter des Stoffes hingewiesen. Unschuldig und doch ver-derbenbringend wickelt Séraphin die verworrenen Fäden einer alten Geschichte auseinander. Mich erinnert er an einen Racheengel, er eignet - nicht zuletzt durch seine Visionen -
etwas Überirdisch-Mystischex.
Ein unvergleichlicher Roman, ob man ihn nun Krimi nennen mag oder nicht.
Kurt W. John zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 16.02.2005
Pierre Magnan ist ein grosser Erzähler. Für mich ist das "ermordete Haus" eine der besten Geschichten, die ich je gelesen habe. Den Fim habe ich Ende 04 im französischen Fernsehen gesehen. Hätte ich besser bleiben lassen! Der Film im Kopf bei der Lektüre dieses Buches ist nicht zu überbieten!
Anja S. zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 29.12.2004
Das hier ist ein ungewoehnlicher und von der Sprache her auch eigentuemlicher Krimi, der bereits vor 20 Jahren geschrieben wurde und leider erst jetzt uebersetzt worden ist. Er ist nicht superspannend und auch die Aufloesung ist nicht von glasklarer Logik, dennoch ist das Buch gut zu lesen und macht Spass.
Christian Lawrenz zu »Pierre Magnan: Das ermordete Haus« 12.04.2004
Sehr spannend und sehr ungewöhnlich durch die Wahl der Zeit (direkt nach dem Ersten Weltkrieg), der historischen Umstände und des Ortes (jedenfalls für deutsche Leser). Außerdem von eigentümlicher Erzählweise. Ich kann das Buch nur empfehlen und freue mich schon auf die anderen Werke des Autors.
Ihr Kommentar zu Das ermordete Haus

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: