Potsdamer Ableben von Pieke Biermann

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1970 - 1989.
Folge 1 der Karin-Lietze-Serie.

  • Berlin: Rotbuch, 1987. 164 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 1990. ISBN: 3-88022-031-X. 164 Seiten.
  • München: Goldmann, 1998. ISBN: 3-442-44024-6. 190 Seiten.

'Potsdamer Ableben' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die für ihre Filmkritiken berüchtigte Beatrice Bitterlich, genannt Tränen-Titty, erwischt es beim kalten Buffet-Mord. Kommissarin Karin Lietze hat es mit einer Menge schillernder Persönlichkeiten zu tun, die alle höchst verdächtig sind. Doch zum Glück kann sie sich auf ihre gute Verbindungen zum Berliner Untergrund und vor allem auf die Nutten-Initiative -Migräne- verlassen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eigenwilliger Schreibstil mit Dialekten und Szene-Jargon« 40°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Die ersten 25 Seiten sind grauenhaft. Eine schnelle Abfolge von unzusammenhängenden Szenen mit vielen nicht näher beschriebenen Personen und merkwürdigen Dialogen. Danach lassen sich so langsam die einzelnen Charaktere sortieren und zuordnen.

Wir befinden uns im geteilten Berlin der späten 80er Jahre. Szene-Lokale sind in, Homosexuelle in diesem Buch in der Mehrheit und im Musik-Business lässt sich die ein oder andere Mark machen, wenn man bei den schnell wechselnden Trends auf den richtigen Zug aufspringt.

Das Team um Kriminalhauptkommissarin Karin Lietze bekommt Arbeit, nachdem die Szene-Journalistin Beatrice Bitterlich, genannt »Titty«, am Buffet einer Promi-Party im »Potsdamer Abkommen« stirbt. Man tippt auf eine Vergiftung, doch bis der Leser die Todesursache erfährt, ist das Buch schon fast zu Ende.

Verdächtige gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel HaJott Wielack, der Musik-Manager, der sicherheitshalber erst mal untergetaucht ist. Oder sein neuester Schützling und große Hoffnung Richard Röhm, der Angst hat, dass der Anschlag ihm selber galt.

Aufgrund der Tatsache, dass die Mehrzahl der Dialoge in Dialekten – meist Berliner, aber auch westfälisch oder italienischem Akzent – geschrieben wurden, wird der Text oftmals fast unlesbar.

Bei Sätzen wie »Na, die ganze Brangsche is woll auf iernkwat drauf, nä?« oder »Ick jeh ooch jern noch eene besorgen«, wo gelegentlich schon mal das Rätselraten anfängt, hört der Spaß beim Lesen auf.

Überhaupt ist der Schreibstil von Frau Biermann recht eigenwillig und einzigartig. Zwischen Dialektfetzen und Szene-Jargon experimentiert sie mit Adjektiven und Verben, vorwiegend um auszudrücken, wie die Stimmen ihrer Personen klingen. Da wird selten einfach etwas gesagt, sondern es »schnarrt« oder »sirrt«, manche »krähen« und bei Regine Trübner-Zaecke »rieselt« es regelmäßig. Manche Stimme wird gelegentlich »noch cremiger«.

Der Plot an sich ist recht einfach gestrickt, doch eine flüssige und zusammenhängende Story entwickelt sich zu keiner Zeit. Es wird nicht wirklich ermittelt und schon gar nicht kombinert. Mit der Auflösung kann man sich anfreunden, doch bietet sie auch keine Überraschung, die einen wirklich vom Hocker reißt.

Das Team um Karin Lietzte wirkt recht farblos, die übrigen Charaktere sind zwar teilweise ziemlich exotisch, bieten aber auch keinen Tiefgang.

Alles in allem ist »Potsdamer Ableben« eine große Enttäuschung. Vielleicht mag das Interesse von Sprachforschern geweckt werden, doch krimimäßig bleibt unterm Strich eine relativ unspannende und dünne Geschichte.

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Bio-Fan zu »Pieke Biermann: Potsdamer Ableben« 02.11.2009
Aber, aber...

"Eigenwilliger Schreibstil mit Dialekten und Szene-Jargon". Es fehlt nur noch der Zusatz "Finger weg", aber die 40 Grad Wertung des Rezensenten spricht auch eine deutliche Sprache. Wenn man dann in der Rezension liest: "die ersten 25 Seiten sind grauenhaft", "... wird der Text fast unlesbar" oder "..hört der Spaß beim Lesen auf", traut man sich dann noch ran?

Ich habe auf die Hinweise eines Fachmannes für eigenwillige Schreibstile gehört, mich getraut und wurde mit einigen sehr vegnüglichen Lesestunden belohnt.
Es stimmt schon, daß Pieke Biermann uns den Einstieg in ihre Geschichte nicht leicht macht. Nur schlaglichtartig (Pieke Biermann ist ja nicht Elizabeth George)werden die Personen der Geschichte in für sie typischen Szenen vorgestellt. Ein anderer Rezensent nennt sowas "die Kunst des effizienten Erzählens". Das zwingt den Leser zum Mitdenken, kann natürlich auch, unerwartet, zu Verwirrung führen, aber eine Zuordnung wird stets nachgereicht. Es ist schon ein wildes Völkchen, das sich rund um den Potsdamer Platz zwischen Kreuzberg und Tiergarten tummelt. Dass hier der eine oder die andere "berlinert", ist doch naheliegend. Wir befinden uns schließlich im "Milljöh", nicht in dem von Zille, sondern in dem der 80er Jahre im noch geteilten Berlin. Milljöh oder Szene in der damaligen Zeit heisst ua Frauenbewegung, Schwulen- und Lesbenbewegung, Hurenbewegung, Öko- und Friedensbewegung -Entwicklungen, die Ende der 60er begannen, sich in den 70ern verbreiterten und sich in den 80ern institutionalisierten. Pieke Biermann ist immer Teil dieser Bewegungen gewesen, (wenn ich ihre Vita richtig interpretiere) und "Potsdamer Ableben" verstehe ich als Teil ihres Engagements für die Rechte von Frauen, Schwulen, Lesben und Prostituierten, und es ging ihr nicht nur um Rechte, sondern um etwas ganz Existentielles, denn die 80er Jahre waren auch die Zeit, als sich AIDS rasant ausbreitete.

Hier sehe ich auch das große Manko in Peter Kümmels Rezension, der vor lauter kleinlicher Kritik an Biermanns sprachlichen Eigenheiten weder die Seele noch das Anliegen des Romans erfasst hat. Wie kann er die grandiose Schlußszene mit dem überdimensionalen Kondom, welches über alle verinnerlichten oder gemauerten Grenzen hinwegschwebt, unerwähnt lassen.
Ach, ich könnte noch so vieles schreiben über die Zigarren rauchende, nicht Kaffee kochen könnende Kommissarin oder über die BTMs oder über Helga, Kim und Nadine, das ist die mit dem französichen (nicht italienischen) Akzent zum Verlieben oder über ein Etablissement mit Namen "Bar Jeder Erotik" - wer kriegt schon so eine herrliche, widersprüchliche Doppelbedeutung hin ?

PS: "Goog girls go to heaven, bad girls go everywhere"
Walter Meier zu »Pieke Biermann: Potsdamer Ableben« 18.03.2007
Ich muss leider der oben genannten Meinung voll und ganz zustimmen. Nach mehreren Anläufen (ich habe bestimmt 5x versucht) komme ich nicht über Seite 30. Ein wirres Durcheinander mit zu vielen Figuren. Es ist eines meiner schlechtesten Bücher.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Meier
Martin zu »Pieke Biermann: Potsdamer Ableben« 22.05.2006
Nun, ich habe diese zwei (!) Kritiken gesehen.
Vielleicht sehe ich das Ganze anders, weil ich in Berlin lebe, vielleicht, weil ich selber bei der Polizei bin... na ja. Immerhin, ich habe dieses Buch und andere Frau Biermanns verschenkt, zum Teil mit seitenlangen Überstezungen hinten angehängt. Nicht wegen dem Dialekt, den verstanden alle, sogar Schwanben kamen damit zurecht, sondern wegen den wirklich gut recherchierten Interna der Polizei.

Ich möchte jedenfalls zu diesem Buch und den weiteren Frau Biermanns nur sagen: Das erste ist ein MUSS!, das zweite auch noch toll, dann sackt sie leider ab und irgendwie wird es ein wenig bemüht. Aber der erste Roman "Potsdamer Ableben" der is richtich jut.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Katharina22 zu »Pieke Biermann: Potsdamer Ableben« 12.05.2006
Ich kann zu diesem Buch wenig schreiben, da ich es, wie schon oben erwähnt, nicht über die ersten fünfundzwanzig Seiten hinaus geschafft habe. Obwohl ich die Stelle an der eine Stimme CREMIG wird gerne gelesen hätte.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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