Ein Jegliches hat seine Zeit von Phoebe Atwood Taylor

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1934 unter dem Titel The mystery of the Cape Code Tavern, deutsche Ausgabe erstmals 1988 bei DuMont.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Cape Cod, 1930 - 1949.

  • New York: ?, 1934 unter dem Titel The mystery of the Cape Code Tavern. 219 Seiten.
  • Köln: DuMont, 1988. Übersetzt von Manfred Allié. ISBN: 3-7701-2071-X. 219 Seiten.
  • Köln: DuMont, 2002. Übersetzt von Manfred Allié. ISBN: 3832120718. 219 Seiten.

'Ein Jegliches hat seine Zeit' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Asey Mayo, der eigenwillige »Kabeljau-Sherlock« von Cape Cod bei Boston, muss seinen gesamten Spürsinn, seine Tatkraft und grosse Erfahrung einsetzen, um die Unschuld einer schönen Mordverdächtigen zu beweisen.

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Crispinfan zu »Phoebe Atwood Taylor: Ein Jegliches hat seine Zeit« 12.03.2015
Eve Prence, Besitzerin eines Landhotels auf Cape Cod, liegt lautlos ermordet neben einem blinden Hotelgast. Eve war bekannt als Drama Queen, die gern Geschichten in der Presse verbreitete und behauptete, kürzlich seien zwei Anschläge auf sie verübt worden. Unbeliebt machte sie sich bei vielen – nicht nur ihren derzeitigen Gästen, fast durchweg aus der Literaturszene. Als der korrupte Sheriff eine junge Frau vorschnell festnimmt, greift der alte Seebär und Tausendsassa Asey Mayo ein. Er erklärt das Hotel zum Masern-Sperrgebiet und kann, unterstützt von der sportlichen Tante Kay, den wahren Mörder suchen.

Verglichen mit „Kraft seines Wortes“, dem ersten Cap Cod Mystery, das ich las, wirkt „Ein Jegliches hat seine Zeit“ etwas weniger lauschig (cozy). (Warum hat diese Reihe so biblisch klingende deutsche Titel?) Die Ausflüge des Hobbydetektivs durch einen Geheimgang sorgen für Bewegung, und weil die Autorin ihre Karten nur nach und nach aufdeckt, enden fast alle Kapitel mit einem Höhepunkt. Der Held mit dem gewöhnungsbedürftigen „Mayonnaise“-Namen, Asey Mayo, wird seinem Spitznamen „Kabeljau-Sherlock“ auch gerechter als im ersten Buch, weil er nicht nur mit Mutterwitz, sondern zuletzt analytisch und deduktiv vorgehen muss, um das Rätsel zu knacken. Dabei hat sich die Autorin ein ebenso originelles wie simples Indiz einfallen lassen: zwei seltsame Flecke auf dem Fensterbrett...

Ein John Dickson Carr hätte freilich mehr solcher Ideen ausgestreut. Wieder dreht sich der Asey-Mayo-Roman darum, Alibis zu überprüfen, dabei weitere Vorgänge und Personen zu entdecken und deren harmlose Aufklärung zu finden, bis sich eine Person als weniger harmlos, nämlich als TäterIn, entpuppt. (Ähnlich wie in den Leonidas-Whitherall-Romanen.) Es fällt auf, dass im Kosmos der Autorin alle Menschen im Kern gut sind – das biestige Opfer und der/die MörderIn inbegriffen –, und wenn so ein netter Mensch erzählt, er habe das Opfer selbst schon mal vor einen Zug stoßen wollen, ist das keineswegs zynisch-satirisch gemeint, sondern wird nach dem Motto „Wir sind alle kleine Sünderlein“ akzeptiert.

Die klarsichtige Tante Kay hätte mir als Detektivgestalt genügt. Zwar macht sich Asey Mayo über das „Lokalkolorit“ lustig, das Journalisten in ihm sehen, aber genau das verkörpert er im Buch: urwüchsig, rechtschaffen, bauernschlau. Ich stelle ihn mir wie Tim und Struppis Käpt'n Haddock vor (also „Schellfisch“ statt Kabeljau), nur natürlich fern von der Schnapsbuddel! So gesehen, sind diese Cape-Cod-Romane Vorläufer des Regionalkrimis mit dick aufgetragener, angeblich ortstypischer Skurrilität. (Nur hätte man im heutigen Regionalkrimi die Tatwaffe wohl im ortstypischen Labskaus entdeckt.) So ist auch der Schmunzeleffekt relativ bieder.

Interessanter finde ich das Zeitkolorit, das Phoebe Atwood Taylor in ihre Bücher einfließen lässt: in diesem Fall eine Hitlerrede (1934) auf einem deutschen Radiosender.

Manfred Alliés Übersetzung dürfte zu den besten gehören, die er für die DuMont-Reihe schuf, und den Cape-Cod-Dialekt auf deutsch nachzuempfinden, ist sicher legitim – aber sinnvoll? Es macht das Lesen nicht immer leicht – und nervt auf Dauer.

Fazit: Ein solider Whodunnit für muntere Tanten.
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