Newtons Schatten von Philip Kerr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel Dark Matter: The Private Life of Sir Isaac Newton, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: , 1601 - 1700.

  • London: Orion, 2002 unter dem Titel Dark Matter: The Private Life of Sir Isaac Newton. 384 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. Übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 3-499-23410-6. 384 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2003. Übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 3805206895. 384 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004. Übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 3-499-23732-6. 382 Seiten.

'Newtons Schatten' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

London 1696: Der berühmte Mathematiker, Physiker und Astronom Isaac Newton bekommt die Aufsicht über die Königliche Münzanstalt und bekleidet damit das zweit höchste Amt in der im Tower gelegenen Münze. Doch seine Hoffnung auf einen ruhigen, lukrativen Posten schwindet, als aus dem Festungsgraben des Towers eine Leiche gefischt wird. Newton glaubt nicht an einen Unfall. Mit scharfem Verstand und naturwissenschaftlichen Methoden untersucht er den Fall.

Das meint Krimi-Couch.de: »Klug ausgetüftelt, spannend und mit derbem Humor« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Krimi-Couch-Volltreffer März 2004

London um die Jahreswende 1696/97: Unruhe herrscht nicht nur in der großen Stadt, sondern in ganz England. Nicht der Krieg gegen Frankreich erregt die Gemüter – der ist praktisch Routine. Innenpolitische Unruhen entstehen aus profanerem Anlass: Die Regierung hat den Einzug der alten Silber- und Goldmünzen befohlen, deren Edelmetallgehalt inzwischen ihren Nominalwert überschreitet. Sie sollen neu geprägt werden – an sich ein normaler Vorgang, der hier jedoch völlig planlos umgesetzt ist.

Während ein Großteil des »alten« Geldes bereits einkassiert wurde, kommt die königliche Münzanstalt im Tower zu London mit dem Prägen des neuen einfach nicht nach. Es sind zu wenig Münzen im Umlauf, was die Wirtschaft des Landes stark beeinträchtigt. In der Münze selbst herrschen Unfähigkeit und Korruption. Diebe und Falschmünzer stehlen Prägestöcke und füllen sich die Taschen.

Der berühmte Physiker als Aufseher

Die Regierung hat soeben einen neuen Aufseher über die Münzanstalt gesetzt: Ausgerechnet der berühmte Physiker und Astronom Dr. Isaac Newton musste den Posten übernehmen. Mit dem ihm eigenen Elan hat er sich auf die Aufgabe gestürzt und entpuppt sich wider Erwarten als richtiger Mann am rechten Ort.

Aber Newton hat sich viele Feinde gemacht. Rigoros räumt er auf mit Schlendrian und Schurkerei in der Münze und verdirbt vielen Strolchen das Geschäft. Auch die »Ordnance«, die eigentliche Festungsbesatzung, hasst die Münzbeamten, die man ihr im Tower vor die Nase gesetzt hat. Newton heuert deshalb einen Gehilfen an, der ihm gleichzeitig als Leibwächter dient. Als solcher bekommt der junge Christopher Ellis, ein verkrachter Jurastudent, schon bald viel zu tun. Auf was er sich wirklich eingelassen hat, erkennt er aber erst, als man seinen unlängst verschwundenen Amtsvorgänger ertränkt im Wassergraben des Towers findet.

Bizarre und grausige Todesfälle in schneller Folge

Weitere Todesfälle – ebenso bizarr wie grausig – folgen schnell. Es geht wohl um mehr als »nur« Falschmünzerei, wie Newton und Ellis erkennen, als sie mysteriöse Symbole und aufwändig chiffrierte Botschaften an den Tatorten dieser Verbrechen finden. Beides deutet auf eine gefährliche Verschwörung gegen Krone und Vaterland hin, deren Hintermänner unbedingt dingfest gemacht werden können, bevor sie England erst wirtschaftlich und dann politisch in den Untergang treiben …

Mord in vergangener Zeit – ein recht einfaches, aber wirksames Mittel, einem ehrwürdigen Genre wie dem Kriminalroman ein wenig neues Leben einzuhauchen. »Newtons Schatten« erzählt wahrlich keine neue Geschichte, doch vor dem Hintergrund einer pittoresken Großstadt London Ende des 17. Jahrhunderts gewinnt sie umgehend an Leben.

Hinrichtungen und eine schräge Sexnacht

Nicht die historische Rekonstruktion dieser Kulisse um ihrer selbst ist Philip Kerrs Absicht; zwar hat er umfassend recherchiert, aber er bedient sich primär jener Elemente der Vergangenheit, die seiner Geschichte dienlich sind. Deshalb ist es in »seinem« London kalt, eng und finster, herrschen Schmutz und (malerisches) Elend überall, treiben Alchimisten und Magier ihr Unwesen, flicht der Verfasser Hinrichtungs- oder Bordellszenen (plus eine wahrlich schräge Sexnacht) ein, obwohl sie mit der Handlung nichts zu tun haben.

Macht man sich frei von diesem reizvoll verkommenen Bild (was schade wäre und hier nur von Ihrem Rezensenten auf sich genommen werden soll), bleibt ein Krimi, wie wir ihn vor allem im Kino oft gesehen haben: grell, laut, schnell. Auf der anderen Seite gelingt es Kerr trotzdem, uns einen Eindruck davon zu geben, was »Vergangenheit« auch bedeutet: die selbstverständliche Gegenwart für die Menschen, die in ihr leben (müssen).

Der »normale« Leser wird großen Spaß haben

Daher kommt den Protagonisten dieser Geschichte das, was uns exotisch vorkommt und/oder abstößt, ganz normal vor. Auch der Kriminalfall als solcher wird durch die zeitgenössischen Gesetze und Konventionen bestimmt. Er könnte sich so heute gar nicht ereignen. Deshalb kann Kerr sich als Plot eine ziemlich wüste Verschwörung ausdenken, die der genauen Betrachtung durch den Historiker schwerlich standhalten kann. Dem »normalen« Leser wird das aber gar nicht auffallen; er (und sie) wird großen Spaß haben.

Das wird auch über die nicht wirklich befriedigende Auflösung unserer Geschichte hinweg trösten. Nachdem Kerr eifrig viel versprechende Spuren ausgelegt hat, schnüren sich diese doch zu einem etwas enttäuschenden Finale. Natürlich war der Autor durch die reale Historie gebunden, gegen die er nicht gar zu offen verstoßen durfte. Trotzdem irritiert zunächst seine Entscheidung, der eigentlichen Zerschlagung des Komplotts noch eine lange Coda folgen zu lassen, die sich primär um Newtons inneren Kampf zwischen Wissenschaft und Glauben rankt.

Das Weltbild auf dem Prüfstand

Aber hier darf man nicht zu streng urteilen: »Newtons Schatten« ist auch eine unterhaltsame Erinnerung daran, dass Isaac Newton nicht »nur« bemerkenswerte wissenschaftliche Entdeckungen machte, sondern für diese ein Preis zu entrichten war: Auf den Prüfstand kam ein ganzes Weltbild, seit Jahrhunderten, wenn nicht länger akzeptiert von den Menschen, die nun gezwungen wurden, alte Werte neu zu überdenken – eine geistige Revolution, gegen die der gerade noch verhinderte Aufstand der Papisten nur eine kurze historische Episode darstellt.

Isaac Newton und Sherlock Holmes – eine Kombination, die nahe liegt. Schon der Untertitel deutet es an: »The Private Life of Sherlock Holmes« heißt ein zwar nicht erfolgreicher, aber klassischer Kinofilm des großen Billy Wilder von 1970. Auch hier ging es nicht nur um einen Kriminalfall, sondern auch um den Menschen Holmes und wie er »funktioniert«.

Philip Kerr übernimmt dieses Konzept. Isaac Newton (1643-1727) wird gefeiert als »Erfinder« des Prinzips der allgemeinen Gravitation. Darüber hinaus hat er als Mathematiker, Physiker, Astronom so viele grundlegende Entdeckungen gemacht, dass er völlig zu Recht als eines dieser raren Universalgenies gilt, welche die Natur in großen Abständen hervorbringt.

Der Mensch Isaac Newton verschwand hinter dem Wissenschaftler

Der Mensch Isaac Newton verschwand lange hinter dem Wissenschaftler. Dabei ist das Privatleben dieses Mannes mindestens ebenso interessant wie seine Forscherlaufbahn oder seine Jahre als Münzmeister. Der naturwissenschaftlich messerscharf denkende Forscher war auch ein Anhänger der Alchimie, der viel Zeit in die Suche nach dem Stein der Weisen investierte.

Zwischen beide Polen des Menschen Isaac Newton – Rationalist u n d Mystiker – legt nun Philip Kerr seine spannend erdachte Geschichte. »Sein« Newton ist ein überaus systematischer Zeitgenosse, ein Mann, der Fakten sammelt und sie auswertet, bevor er sich ein Urteil bildet. Damit wäre er auch heute noch eine Ausnahmeerscheinung. Im London des Jahres 1697 ist er seiner Zeit ein wenig zu weit voraus: Wer sich hier allzu klug und wissend gibt, gerät leicht in den Ruf, ein Ketzer oder gar Hexer zu sein. In einem System, das der Rache den Vorzug vor der Gerechtigkeit gibt, ist das kein Risiko, das der kluge Mann eingehen möchte. Newton ist zudem – ganz Holmes – ein kühler, manchmal sogar kaltherziger Mann, der wenig Geduld mit denen zeigt, die ihm geistig nicht gewachsen sind. Das trifft eigentlich auf alle seine Mitmenschen zu, was Newtons Beliebtheit ganz sicher nicht steigert.

Christopher Ellis als Newtons »Watson«

Obwohl er sich als Münzmeister bewährt, ist Newton doch ein allzu vergeistigter Mensch, als dass er sich in den Niederungen des gemeinen Verbrechens zurecht fände. Hier benötigt er deshalb einen Gehilfen, der mit beiden Beinen im prallen Leben steht – einen Dr. Watson eben. Diese Aufgabe übernimmt der junge Christopher Ellis, der auch als Chronist der beschriebenen Ereignisse auftritt. Er bildet außerdem eine Art Puffer zwischen uns, den Lesern, und dem historischen Isaac Newton, der uns sonst erst recht fremd bleiben müsste. Höchstens sechs Menschen auf dieser Welt seien in der Lage, Newtons Hauptwerk (»Philosophiae naturalis Principia mathematica« – »Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie«) zu lesen und zu begreifen, heißt es an einer Stelle. Das trifft zu – und wie sollen wir Zugang zu einem Charakter finden, der so offensichtlich nicht ganz von dieser Welt ist? Hier zu vermitteln ist Ellis´ Aufgabe.

Er ist ansonsten der junge Held, der mit dem Degen und der Pistole umgehen kann und daher manche turbulente Szene bestreitet, die zu einem Roman wie »Newtons Schatten« gehören. Auf Verfolgungsjagden, Duelle, aber auch wüste Bordellszenen müssten wir sonst wohl verzichten.

Die obligatorische Liebesgeschichte fehlt nicht

Außerdem benötigen wir Ellis für die obligatorische Liebesgeschichte. Hier ist Newtons Nichte das Objekt der Begierde. Kerr macht aus Catharine Barton keine anachronistische Vorkämpferin des Feminismus´, sondern schildert sie als berechnende oder kluge Frau in einer Epoche, als es nur auf Umwegen möglich war, sich einen Platz in der von Männern dominierten Welt zu erlisten. Und wo steht geschrieben, dass die weibliche Heldin stets einen vorbildlichen Charakter besitzen muss?

Ansonsten bewegen sich unsere Helden wie schon erwähnt in einer Welt wahrlich kurioser, farbenfroher Gestalten – grobschlächtige Soldaten, dralle Dirnen, von der Syphilis zerfressene Schurken, trunksüchtige Adlige; eine endlose Galerie fast schon karikierter, aber sehr eindrucksvoller Belege dafür, dass London Anno 1697 kein Ort für Weichlinge des 21. Jahrhunderts ist. Pardon wird nicht gegeben in dieser Vergangenheit, die ein soziales Netz nicht kennt. Das Glück ist mit dem Tüchtigen, der es dem weniger Skrupellosen in der Regel entreißen muss. Außerdem wirken möglichst konturstark geschnitzte Figuren in einer späteren Verfilmung wesentlich plastischer – der kluge Autor muss heutzutage multimedial denken …

Ihre Meinung zu »Philip Kerr: Newtons Schatten«

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Bridged zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 10.01.2010
Selten habe ich mich so gelangweilt ! Auch ich bin mit sehr hohen Erwartungen an das Buch herangegangen. Eigentlich mag ich auch Sherlock-Holmes-Geschichten unheimlich gerne, aber das hier war mir einfach zu platt. Zu keinem Zeitpunkt fand ich die Spannung, die so gepriesen wurde (außer vielleicht bei dem Rendezvous der "Turteltäubchen") Und warum muss man sich seitenweise über Algebra-Formeln auslassen?
Für mich leider nur 45°. Sehr enttäuschend !
DarkMadeleine zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 01.03.2009
Ich bin mit sehr hohen Ansprüchen an dieses Buch herangegangen, auch angesporn durch die doch eher positiven Rezensionen hier auf KC, und wurde leider ziemlich enttäuscht. Newton wird auf den ersten Seiten vorgestellt als Physik-Sherlock Holmes ("Sie sind gut mit Schwertern und Pistolen, haben ein Rendezvous mit einer dunkelhaarigen Dame gehabt und haben das und das getrunken..."), das fand ich schonmal ein klein wenig platt. Dann werden leider sehr viele verschiedene Handlungsstränge aufgegriffen, was ja an sich nicht unbedingt schlecht ist. Leider werden die aber eher in gemächlichem Schritt vorwärtsgetrieben (kann nicht so sehr verstehen, dass manche hier meinten, das Buch habe ein rasantes Tempo) so das ich mich schon extrem quälen musste, das Buch überhaupt zu Ende zu bringen. Dafür, dass es von Philip Kerr ist - absolut enttäuschend, leider.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 26.09.2008
London kurz vor Beginn des 17. Jahrhunderts. In der königlichen Münzanstalt wacht der geniale Mathematiker, Physiker und Astromon Isaac Newton über den Geldbestand Englands. Ihm zur Seite steht der Gehilfe (und Leibwächter) Ellis, der nicht nur mit Degen und Pistole gut umgehen kann, sondern auch noch ein Auge (und mehr) auf Newtons Nichte, Miss Barton, wirft.
Eine Mordserie erschüttert den Tower, doch die grauen Zellen des großen Newton knacken erst eine Geheimschrift, klären dadurch die Morde auf und verhindern ein riesiges Blutbad, das Verschwörer anrichten wollen.
Spannend und humorvoll beschreibt Philip Kerr das Leben vor 300 Jahren in England, das hart und brutal erscheint.
Sehr empfehlenswert und unterhaltsam, auch wenn hier kein Kommissar oder Detektiv am Áufklären ist. Newton kann das auch - nur fast noch besser.
Pascal zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 08.06.2007
Nett. Das Buch lebt ausschliesslich von der interessanten Beschreibungen dieser Zeit. Fand es teilweise auch sehr witzig. (Vor allem die Sexszene)
Der Plot selbst ist Beiwerk.
Eine nette Abwechslung für geschichtsinteressierte.
Frithjof zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 23.08.2005
Ein spannendes Buch und für jeden Geschichtsfreak ein Muss! Dass dabei die wirkliche Historie nur Beiwerk für eine rasante und interessante Handlung ist, stört da wenig; auch nicht die Tatsache, dass die politische Geschichte an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert sicher nicht so stattgefunden hat, wie Kerr sie schildert. Was allerdings unbestritten bleibt, ist ein sehr gut gezeichnetes Gesellschafts- und Milieubild jener Zeit. Bei der Lektüre streift man mit dem Ich-Erzähler durch die dunklen und verruchten Gassen Londons und wenn er mit seinem Chef Isaac Newton vom Verhör aus dem Gefängnis ganz verlaust in die Amtsstube zurück kommt, ertappt man sich dabei, sich unwillkürlich kratzen zu müssen... Ich kann dieses Buch nur empfehlen!
Kaschka Piekatz zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 12.10.2004
ich bin gerade dabei dieses buch zu lesen und bin sehr gefesselt, jedoch versuche ich selbst den code von newton an oates zu entschlüsseln,doch gelingt mir dies nicht! ich habe das prinzip an den anderen nachrichten ausprobiert,wo es auch funktioniert!
meine bisherige lösung lautet:
RPE BAO VSQH XYC QQE NPB OYKY.....
wo liegt mein fehler?bitte mailt an meine email adresse!
Smileysim zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 25.07.2004
Der Leser wird überwältigt von einer herausragenden Recherche. Doch die Zusammensetzung aus Krimi, Biographie, Zeitgeschichte und theologischer Abhandlung gerät an manch einer Stelle stark ins Schwanken - und zwar dort, wo sich Kerr offensichtlich zu viel vorgenommen hat. Die Schilderung hat durchaus ihren Reiz, doch ab und an lehnt sich der Autor zu weit aus dem Fenster, dessen Rahmen leider viel zu groß ist. Es gibt eine Menge zu verdauen nach diesem Roman. Nicht zuletzt eine arg derbe Form der Erotik, eine ausufernde Kriminalgeschichte und ein haarsträubender Diskurs durch die Religionsgeschichte.
Dr.Eberhard Riegele zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 01.05.2004
Kerr hat sich wohl diesmal überhoben, da er alles Mögliche verarbeiten wollte: historisches Sittenbild, Krimi, Wissenschaftsproblematik und Erkenntnistheorie; anders kann man die theologischen Exkurse aus dem England des 17.Jahrhunderts nicht verstehen. Da das Ganze als rückblickender Bericht verfasst ist, kann der Erzähler auch kaum atmosphärische Dichte vermitteln, wie es dem Stammvater des Genres Eco in seiner "Rose" gelungen ist.Irgendwie wurde ich mit den Figuren nicht recht warm
Jensman zu »Philip Kerr: Newtons Schatten« 30.04.2004
Das Buch ist hervorragend recherchiert und routiniert geschrieben. Besonders interessant fand ich die Schilderung Londoner Pubs und die immer wieder eindringliche detailgetreue Beschreibung der hygienischen Verhältnisse in der damaligen Zeit. Die Gestalt des Newton als Sherlock Holmes und seines recht lebenslustigen Dr Watson hat einen gewissen Reiz. Auch die Auseinandersetzung der verschiedenen Religionsgemeinschaften vermag den historisch Interessierten zu fesseln. Doch all dieses kommt bei Kerr allzu gekonnt daher; dieser Autor vermag mit leichter Feder offensichtlich ebenso gut historische, Kriminal- und Science-Fiction-Romane zu schreiben - und genau das ist der Makel dieses Werkes. Der Kriminalroman als Gattung ist für den Autor nur Beiwerk, seine spezifischen Möglichkeiten werden nur bedingt genutzt, die Kriminalhandlung ist verworren, von vielfältigen Personen überfrachtet und letztlich in manchen Teilen schlicht langweilig.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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