Feuer in Berlin von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1989
unter dem Titel March Violets,
deutsche Ausgabe erstmals 1995
bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1930 - 1949.
Folge 1 der Bernhard-Gunther-Serie.
- London: Viking, 1989 unter dem Titel March Violets. 256 Seiten.
-
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1995.
Übersetzt von Hans J. Schütz.
ISBN:
3-499-43164-5. 282 Seiten. - : Rowohlt, 1995. Übersetzt von Hans J. Schütz. 336 Seiten.
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Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998.
Übersetzt von Hans J. Schütz.
ISBN:
3-499-43344-3. 334 Seiten. -
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000.
Übersetzt von Hans J. Schütz.
ISBN:
3-499-22827-0. 334 Seiten.
'Feuer in Berlin' ist erschienen als
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In Kürze:
Berlin, 1936. Privatdetektiv Bernhard Gunther soll die gestohlenen Juwelen und – nebenbei? – auch den Mörder der Familie des reichen Industriellen Six finden. Doch im Nazi-Deutschland kommen Privatdetektive leicht einflussreichen Leuten in die Quere …
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine grauenhaft bildgewaltige Sprache«
Krimi-Rezension von Jörg Kijanski überspringen
Während sich Berlin im Jahr 1936 auf die Olympiade vorbereitet erhält Privatdetektiv Bernhard Gunther einen finanziell höchst lukrativen Auftrag. Bei einem Wohnungsbrand sind Paul Pfarr und seine Frau Grete, Tochter des Industriemagnaten Hermann Six, vermeintlich gestorben, doch in Wirklichkeit wurden sie unmittelbar zuvor mit mehreren Schüssen ermordet. Six bittet Gunther den Täter zu finden, vor allem aber, die aus dem Tresor gestohlenen Juwelen im Wert von rund 750.000 Reichsmark wiederzubeschaffen.
Six ist in zweiter Ehe mit dem UFA-Filmstar Ilse Rudel verheiratet die befürchtet, dass Gunther in erster Linie sie überwachen soll. Um ihn auf ihre Seite zu ziehen, verbringt sie mit ihm eine gemeinsame Nacht, stellt dabei jedoch fest, dass Gunther tatsächlich nur den Brandvorfall untersuchen soll. Noch in der selben Nacht erhält Gunther, wieder zu Hause angekommen, Besuch von einem jungen Mann, der ihn erschießen will, da er Gunther unterstellt, Ilse Rudel vergewaltigt zu haben. Es kommt zu einem Handgemenge in dessen Verlauf sich ein Schuss löst, der den jungen Mann tötet. Damit gerät Gunther in das Visier von Kripo und Gestapo …
Während er auf der Suche nach den Juwelen an den undurchsichtigen Juwelier Jeschonnek gerät, erfährt er von einem Informanten, dass Pfarr ein Parteiemporkömmling war, der in dem Himmler unterstellten Innenministerium für Korruptionsfälle in den eigenen Reihen zuständig war. Damit wird Gunther klar, dass er vorsichtig vorgehen muss, um nicht einigen einflußreichen Parteigrößen in die Quere zu kommen. Dies umso mehr, da seine weiteren Recherchen ergeben, dass der Einbrecher womöglich für den Ringverein »Deutsche Kraft« gearbeitet hat. Ringvereine, die eigentlich die Rehabilitierung ehemaliger Strafgefangener zur Aufgabe haben, nutzen stattdessen vielmehr deren »Fähigkeiten« und sind die Einrichtungen des organisierten Verbrechens …
Als hätte Gunther damit noch nicht genug Probleme erhält er einen weiteren Auftrag, der ebenfalls mit dem Verschwinden der Juwelen zusammhängen könnte. Gerhard von Greis, der für seinen Chef auch als Kunsteinkäufer tätig ist, wird vermisst. Gunther erhält den Auftrag von Greis zu finden, dessen Chef kein Geringerer als Hermann Göring ist …
»Feuer in Berlin« ist der Auftakt der »Berlin Noir«-Trilogie um den charismatischen Privatdetekiv Bernhard Gunther und gleichzeitig ein Frühwerk des inzwischen rennomierten Autors Philip Kerr. Der Roman bietet für einen Krimi einen ansprechenden Plot mit zahlreichen Wendungen, die einen hohen Spannungsbogen ermöglichen. Die Figuren, die Stadt Berlin sowie der besonders interessante zeitgeschichtliche Hintergrund der Story bieten eine hohe atmospährische Dichte und sorgen zunächst für einen positiven Eindruck.
Gunther war ehemals ein erfolgreicher Beamter der Kripo, doch nach den politischen Umwälzungen im Jahr 1933 fürchtete er seinen Posten zu verlieren, da er politisch nicht in das System passte. Vor die Wahl gestellt gekündigt zu werden oder auf den Parteizug aufzuspringen entscheidet er sich zunächst für eine Tätigkeit als Hausdetektiv im Hotel Adlon, wenig später beginnt er seine Arbeit als Privatdetektiv. Als er im Rahmen seiner Ermittlungen dann aber wiederholt und zumeist unfreiwillig Kontakt mit Kripo, Gestapo sowie einigen Granden der Partei (Göring, Heydrich) erhält, muss er auf sein mitunter »loses Mundwerk« achten. Das ihm dabei seine lockeren Sprüche zumeist problemlos nachgesehen werden (man beachte nochmals, dass die Handlung im Dritten Reich spielt), erscheint als einer von mehreren Schwachpunkten. Auch ist nur schwer vorstellbar, dass ein Mann mit Görings Einfluss und Machtapparat einen Privatdetektiv beauftragt, um einen seiner Leute zu finden, wo er doch problemlos auf die gesamte Gestapo zugreifen kann. Ferner gibt dem Leser – mal wieder – zu denken, dass ein einzelner Ermittler mehr Erfolg bei seinen Recherchen hat als im vorliegenden Fall Kripo und Gestapo zusammen. Angesichts der bekannten Verhör- und Foltermethoden im Dritten Reich sowie der endlosen Denunzianten an jeder Straßenecke nicht gerade glaubwürdig, wenngleich sehr wohl klar ist, dass die Story natürlich nur so funktionieren kann.
Während der Plot selber durchaus gelungen ist, hat das Buch jedoch eine herausragende Schwäche, die hier natürlich nicht verschwiegen werden darf: Seine grauenhaft bildgewaltige Sprache, wie man sie in dieser Fülle nur aus schlechten Groschenromanen kennt.
»Als sie in den Durchgang schritt, wirkte sie auf mich wie ein durchtrainiertes Kalb in Gestalt einer Glühbirne. Sie war gebaut wie ein Rokokokamin.«
»Ihr Haar war ebenso natürlich wie eine Stechschritt-Parade auf der Wilhelmstraße, und als sie sich ihren Heftklammer-Mund mit einem Lippenstift anmalte, hatte sie offensichtlich einen Boxhandschuh getragen. Ihre Brüste waren wie die Hinterteile zweier Zugpferde am Ende eines langen, harten Tages.«
Die Beispiele liessen sich nahezu endlos fortsetzen.
Mitunter peinlich berührt wird der (deutsche) Leser angesichts der »Lockerheit«, mit der Kerr im weiteren Verlauf der Handlung die Zustände im Konzentrationslager Dachau darstellt. Zwar beschreibt er das brutale Alltagsleben der Häftlinge mitunter recht anschaulich und beklemmend, aber einmal mehr wirken die Sprache und die Gedanken des Protagonisten recht befremdlich. »Dachau liege fünfzehn Kilometer von München entfernt und sei das erste KZ im Reich. Das erschien mir nur angemessen, hatte doch München den Ruf, der Geburtstort des Nationalsozialismus zu sein.« An anderer Stelle sinniert Gunther: »Dachau war kein Ort für einen Juden«.
Aufgrund des zeitgeschichtlichen Hintergrundes ein grundsätzlich lesenswerter Roman, der allerdings dem Niveau eines Jerry-Cotton-Romans weit mehr entspricht anstatt jenen neueren Werken, mit denen Kerr heutzutage seine stetig wachsende Leserschar begeistert.
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| MOEM zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 23.07.2011 |
|---|---|
| nikto zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 17.11.2009 |
| Sabine Matzak zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 18.02.2009 |
| gubbe zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 15.11.2008 |
| alf ebert zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 15.11.2008 |
| John zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 08.08.2008 |
| detno zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 08.08.2008 |
| Lokvenc zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 16.06.2008 |
| Gabi zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 03.09.2007 |
| Üw zu »Philip Kerr: Feuer in Berlin« | 27.04.2006 |
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