Infektion von Philip Hawley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Stigma, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Fischer Taschenbuch Verlag.

  • New York: HarperCollins, 2007 unter dem Titel Stigma. 527 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 978-3-596-17712-7. 527 Seiten.

'Infektion' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Luke McKenna ist Kinderarzt in Los Angeles, doch was er an diesem Abend im Operationssaal zu sehen bekommt, ist schlimmer als sein schlimmster Alptraum. Ein kleiner Mayajunge stirbt einen qualvollen Erstickungstod, Luke kann ihm nicht mehr helfen. Zur gleichen Zeit macht seine Freundin Megan im Dschungel von Guatemala eine fürchterliche Entdeckung: Ganze Dörfer sind von einer rätselhaften Krankheit befallen, viele Indios schon an den Folgen gestorben. Jetzt weiß Luke, dass er eine Katastrophe globalen Ausmaßes mit allen Mitteln verhindern muss. Doch der Pharmakonzern Zenavax schreckt auch vor Mord nicht zurück, um seine Impfstoffe weiter testen zu können. Der Killer, den sie auf Luke ansetzen, ist ein Mann, den er noch aus seiner Zeit als Elite-Agent beim Pentagon kennt. Ein rasanter Wettlauf mit der Zeit beginnt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Empfehlenswerter Medizin-Thriller mit sprachlicher Schwäche« 59°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Das Fischer-Taschenbuch Infektion von Philip Hawley ist auf dem Cover nicht nur mit einem Moskito, sondern auch mit lobenden Zitaten von Tess Gerritsen und John Lescroart geschmückt. Ob die bekannten Schriftsteller dem neuen Autor tatsächlich ihre Anerkennung zollten, bleibt mal dahin gestellt. Auf jeden Fall erregt es die Aufmerksamkeit der Leser, die sich von Thrillern aus dem Bereich Medizin angesprochen fühlen. Zu recht?

Massenselbstmord von Körperzellen

In das University Children’s Hospital wird ein todkranker Maya-Junge aus Guatemala eingeliefert, der qualvoll erstickt. Die Ärzte Luke McKenna und Megan Callahan können die Ursache zunächst nicht feststellen, denn die Lunge scheint intakt zu sein. Die Untersuchung des Gewebes zeigt, dass einzelne Zelltypen vollständig abgestorben sind. Der Pathologe berichtet von ganz ähnlichen Symptomen bei einem Indio-Mädchen, dass illegal in die USA eingereist war und tot aufgefunden wurde. Weder eine Krebserkrankung, noch eine Infektion verursachen eine derartig selektive Zerstörung. Die Mediziner stehen vor einem Rätsel.

Vertuschung um jeden Preis

Lukes McKennas ehemalige Kollegin, die vor einigen Jahren zum Pharmaunternehmen Zenavax wechselte, bittet ihn um ein Treffen. Kate Tartaglia kündigt Luke die Zusendung von brisantem Material an, dass nicht bei ihm ankommt. Auf dem Parkplatz des verabredeten Restaurants wird die Wissenschaftlerin erschossen. Als auch noch ein Football-Spieler, mit dem Luke eine Schlägerei hatte, ermordet wird, steht der Arzt im Kreuzfeuer zwischen der Polizei und unbekannten Verfolgern. Inzwischen verschwinden alle Laborbefunde und Beweise für die mysteriöse Krankheit.

Megan Callahan versucht in Guatemala dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Ihre Feldforschung nimmt ein jähes Ende, als Megan gerade das Heimatdorf des Jungen erreicht hat. Eine Schlammlawine macht den Pueblo dem Erdboden gleich und die Ärztin wird entführt.

»Dr. House« lässt grüßen

Die netten, allwissenden Weißkittel à la Dr. Brinkmann scheinen ausgedient zu haben, die Unsympathen mit Stethoskop kommen. Wie in der aktuellen TV-Serie »Dr. House« ist die Hauptfigur dieses Thrillers, Luke McKenna ein Typ mit abgründigem Charakter. Seine Vergangenheit als Elite-Soldat für heikle Spezialaufgaben hat ein Trauma hinterlassen, das McKenna zu unkontrollierbarer Gewalt neigen lässt. Dazu gesellen sich die Wesenszüge des einsamen Wolfs, langfristige Bindungen sind nicht Lukes Ding.

Dieser Charaktertyp sorgt mit seinen Aktionen zweifellos für Spannung, denn er zieht sie spontan und riskant durch. Luke McKenna kennt kein Risiko und hat offensichtlich nichts zu verlieren. Damit der Hauptprotagonist in der Rolle des Helden angenommen wird, hat er auch seine menschlichen Seiten. Insgesamt ist Hawleys Hauptcharakter als verwundbarer Draufgänger aber zu klischeehaft gezeichnet, um interessant zu wirken.

Lukes Mitstreiter werden mit Ausnahme seines Armeekameraden Sammy etwas weniger überzogen charakterisiert und erscheinen daher glaubwürdiger. Besonders der Texaner Ben Wilson überzeugt als skurriler Pathologe. Megan Callahan übernimmt zwar den Part der weiblichen Heldin, bleibt aber sonst profillos.

Verrückte Wissenschaftler am Werk?

Besser gelungen ist dem Autor der Konstruktion einer Verschwörung im Bereich der Medizin- und Pharmaforschung. Die Herstellung eines Impfstoffs, wie er in Infektion beschrieben wird, erscheint insgesamt illusorisch. Es werden aber einige interessante Ideen präsentiert und der Entwicklungsprozess der Krankheit packend geschildert. Hier zahlt sich die Sachkenntnis des Autors, der selbst als Arzt in Mittelamerika gearbeitet hat, aus.

Die Handlung an den häufig wechselnden Schauplätzen, wird überwiegend aus Lukes Perspektive, aber auch aus der Sicht Megans und der des Auftragskillers Calderon erzählt. Hawley kreiert eine Ereigniskette mit zahlreichen Akteuren, die alle etwas zu der verhängnisvollen Epidemie beisteuern. Die Frage, wer nun im guten Glauben und wer grob fahrlässig handelt und das mit verbrecherischen Mitteln zu vertuschen versucht, stellt ein spannendes Rätsel dar.

Sprachliches Niveau – hallo ?

Hawleys sprachlicher Stil überzeugt nicht gerade durch stilsichere Metaphorik. Redewendungen wie

»Erickson war mindestens eins neunzig groß und hatte eine wuchtig gemeißelte Figur, die nach Steroiden stank«

wirken so platt, dass man sich nur wundern kann. In einem akademischen Umfeld, wie dem der medizinisch-pharmakologischen Forschung, wirken derartige Phrasen mehr als unpassend. Auf Formulierungen dieser Art, sowie dem übermäßigem Gebrauch von Hyperbeln trifft der Leser in Infektion immer wieder. Daher ist es unwahrscheinlich, dass es sich hier um eine schwache Leistung des Übersetzers handelt. Durch die dürftige sprachliche Qualität wird nicht nur der Lesefluss beeinträchtigt, es fällt teilweise schwer, den Erzähler ernst zu nehmen.

Insgesamt kann Philip Hawleys Thriller Infektion durchaus als Medizin-Thriller zu überzeugen, der Leser sollte allerdings keine hohen Ansprüche an die Glaubwürdigkeit der Figuren und die Sprachqualität stellen.

Eva Bergschneider, Dezember 2007

Ihre Meinung zu »Philip Hawley: Infektion«

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Gabi Schmitz zu »Philip Hawley: Infektion« 21.06.2011
Natürlich ist der Inhalt des Buches schon mehrfach in Filmen gezeigt worden, aber ich fand ihn durchaus spannend und fesselnd bis zum Ende geschrieben. Man fiebert besonders bei dem Abenteuer im Regenwald. Die Fachbegriffe hätten etwas besser erklärt werden sollen. Man ist ja kein Arzt. Ansonsten fan ich das Buch einem Thriller durchaus angemessen.
JD zu »Philip Hawley: Infektion« 12.10.2009
Nach einer typisch heldenhaft amerikanischen Vorstellung der Charaktere zu Beginn des Buchs entwickelt sich ein duchaus spannender Komplott um einen Pharma-/Medizinskandal, der dem Leser zunächst viele Verdächtige im Rahmen eines skrupellosen Pharmakomplotts liefert. Mit reichlich Action wird im Regenwald von Guatemala nach den wahren Hintergründen und Drahtziehern gesucht. Die Auflösung kommt dann aber doch ein wenig zu schnell und verzichtet auf jegliche überraschende Wendung. Das düstere Thema hinter dem Komplott wird kaum thematisert und wirkt stark aufgesetzt. Ein schlichter Kampf um Patentrechte hätt es wohl auch getan und wäre glaubwürdiger geblieben. So kommt es zum klassichen Gut gegen Böse mit Hollywood Happy End. Ein wenig mehr Mut bei der Wahl der "Schuldigen" und etwas mehr thematische (ethische) Tiefe hätte dieses düstere Komplottthema durchaus vertragen. Trotz allem eine unterhaltsame Lektüre, wenn einem der Typus des amerikanischen Helden nicht stört.
bubble70124 zu »Philip Hawley: Infektion« 13.02.2008
Die ganze Story erinnert an einen mäßigen USA-Actionstreifen. Ein auf den ersten Blick "normaler" Kinderarzt gerät in den Strudel der Machenschaften eines Pharmakonzerns und einer Hilfsorganisation. Dann entpuppt er sich als ehemaliger Elitesoldat mit bewegter Vergangenheit, rettet die Welt, seine Liebste und einen kleinen guatemaltekischen Jungen. Eine Mischung aus Indiana Jones und Stirb Langsam - nur nicht annähernd so glaubwürdig!
Anja S. zu »Philip Hawley: Infektion« 28.11.2007
Ich habe dieses Buch in einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckt und spontan mitgenommen. Es war fuer eine 4-stuendige Bahnfahrt zusammen mit einem quenligem Kleinkind genau richtig, dh es ist spannend, gut zu lesen und nicht besonders anspruchsvoll. Ich wuerde auf weiteren Bahnfahrten noch weitere Buecher dieses Autors lesen.
Frank zu »Philip Hawley: Infektion« 26.11.2007
Na ja...da habe ich mich mal wieder von der Werbemaschinerie blenden lassen.
Ok,schlecht ist das ganze auch wieder nicht,soviel sei dem Buch gelassen.Nur halt völlig überzogen.Der ehemalige Elitesoldat wird Kinderarzt (!),deckt einen Pharmazieskandal auf + rettet (mehr oder weniger) die Welt.Das ganze komt erst nach ungefähr 200 Seiten in Fahrt,beschleunigt...und nun endet halt so wie erwartet.Die übliche,etwas unglückliche Liebesgeschichte des traumatisierten Helden gibt es natürlich auch - keine Angst.
Fastfood...mehr nicht.
70%
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
wesi zu »Philip Hawley: Infektion« 26.11.2007
Ich habe es am Sonntag in der Bahnhofsbuchhandlung entdeckt und es eben ausgelesen. Wer Krimis und Medizin mag, kommt auf seine Kosten, obwohl die Helden sehr heldenhaft sind! Nur im wirklichen Leben darf es so etwas nicht geben!
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