Mittwinternacht von Phil Rickman

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 unter dem Titel Midwinter of the Spirit, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei rororo.
Ort & Zeit der Handlung: England, Ledwardine, 1990 - heute.
Folge 2 der Merrily-Watkins-Serie.

  • London: Macmillan, 2000 unter dem Titel Midwinter of the Spirit. ISBN: 033037401X. 544 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2009. Übersetzt von Karolina Fell. ISBN: 978-3-499-24906-8. 604 Seiten.

'Mittwinternacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Und plötzlich ist der Teufel los.

Merrily Watkins: Ermittlerin und Exorzistin!Als Merrily Watkins vom Bischof zur «Beraterin in spirituellen Grenzfällen» ernannt wird, ahnt sie nicht, was auf sie zukommt. Hinter dem modernen Titel verbirgt sich ein düsteres Amt: Exorzist. Schon bald droht Unheil: In Merrilys Kirche wird eingebrochen. Eine Leiche treibt im Fluss. Satanisten schänden die Kathedrale von Hereford. Haben die neuen Freunde ihrer Tochter etwas damit zu tun? Dann erfährt Merrily von einer Verschwörung, die die englische Kirche in ihrer Existenz bedroht. Im Zentrum der Umtriebe: der Bischof persönlich.

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Thommy191968 zu »Phil Rickman: Mittwinternacht« 01.08.2010
"Mittwinternacht" ist der zweite Kriminalroman, den ich von Phil Rickman gelesen habe. Es ist wieder eine gelungene Mischung aus Historienroman und Krimi. Spät - sehr spät löst sich das Wirrwarr aus mehreren Handlungssträngen auf - und das ist auch gut so. Rickman schafft es wieder - wie in "Frucht der Sünde"-, seine Pfarrerin und Hauptfigut Marrily Watkins sehr gut zu charakterisieren und auch das Verhältnis zu ihrer Tochter Jane mit viel Tiefe auszustatten. Ich freue mich auf "Die fünfte Kirche" und gebe hier 85 Grad.
Moehrchen zu »Phil Rickman: Mittwinternacht« 10.04.2010
Kein Krimi, eher ein Mystery-Roman mit Krimitendenz

Phil Rickman, in Lancashire geboren, ist ein englischer Autor und Radiomoderator. Er schreibt auch unter dem Pseudonym Will Kingdom Spannungsromane. Mit seiner Merrily-Watkins-Reihe hat er Ende der Neunziger begonnen. "Mittwinternacht" ist nach "Frucht der Sünde" der zweite Roman der Reihe.

Merrily Watkins, die Pfarrerin von Ledwardine, wird vom neuen Bischoff zur "Beraterin für spirituelle Grenzfragen" - oder anders ausgedrückt zur neuen Exorzistin - ernannt. Schon bald ändert sich das Leben von Merrily, sie muss sich nun - neben der Arbeit in ihrer Gemeinde - mit paranormalen Phänomen wie "Abdrücken", "Besuchern", "Ruhelosen", "Entladungen" usw. befassen bzw. auseinander setzen. Die Lage spitzt sich zu, als Merrily, im Rahmen ihres neuen Amtes, an das Sterbebett eines alten Mannes gerufen wird...

Im ersten Roman "Frucht der Sünde" war Merrily Watkins ja eher an der Heimatfront. Dieses Mal muss sie an ganz anderen Fronten kämpfen. Da sind zum einem die Vorurteile gegen ordinierte Frauen in der anglikanischen Kirche, gegen die sie kämpfen muss. Dazu kommt dann noch das Amt der "Beraterin für spirituelle Grenzfragen", für das sie der neue Bischof berufen hat. Aber Merrily ist sich nicht ganz sicher ob sie diese Aufgabe bewältigen kann, nicht nur deshalb, weil sie starke Widerstände - innerhalb der Kirche - gegen ihre Berufung spürt, sondern auch, weil die ersten Fälle, die sie bearbeiten muss, scheinbar über ihre Kraft zu gehen scheinen. Und dann ist da noch ihre sechzehnjährige Tochter Jane, die auf der Suche nach ihrer Identität ist, dem Beruf ihrer Mutter eher kritisch gegenüber steht und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist und diesen in der Esoterik und deren Auswüchsen sucht.

Phil Rickman hat mit Merrily Watkins eine starke Frau geschaffen, die sich durchsetzten kann aber auch schwächen hat und dies zeigen kann. Es war interessant zu lesen, welche Abenteuer - ich denke so kann man es tatsächlich nennen - sie bestehen muss, vor allem auch durch ihr neues Amt, und in welche Situationen sie gerät. Auch die Beziehung zu ihrer Tochter beschreibt Rickman recht einfühlsam und liebevoll. An Merrilys Seite sind natürlich wieder ihre treuen Helfer. Da ist ihre Tochter Jane, die trotz eigener Identitätssuche und Problemen mit ihrer Mutter doch immer da ist, wenn sie gebraucht wird, und zum anderen ist da noch Lol - den Lesern schon bekannt aus dem ersten Teil - ein guter Freund von Merrily und Jane.

Die Merrily-Watkins-Reihe von Phil Rickmann ist eigentlich keine Krimireihe - auch wenn ab und an mal ein Mord passiert. Ich würde es eher als Mystischen Roman mit Krimitendenzen bezeichnen, dies vor allem auch wegen Merrily Amt als Exorzistin. Keine Ahnung ob Rickman die paranormalen Vorkommnisse in dem Buch richtig beschreibt - ich gehöre, was diese Dinge angeht, eher zu den Ungläubigen - aber es war interessant mal in eine ganz andere Welt reinzuschnuppern.

Eine für mich außergewöhnliche Reihe, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.
Anika zu »Phil Rickman: Mittwinternacht« 12.01.2010
Wenn man den Klappentext liest, erwartet man einen spannenden mysteriösen Krimi. Jedoch bekommt man eigentlich einen "normalen" Roman.

Die Pastorin Merrily Watkins wird zur Exorzistin, oder "Beraterin für spirituelle Grenzfragen". Sie macht selbst aussergewöhnliche Erfahrungen dieser Art und fragt sich eigentlich das ganze Buch hindurch, ob es das richtige für sie ist. Parallel dazu triftet ihre Tochter in eine andere Richtung.

Der Roman liest sich flüssig, jedoch ist er nicht spannend. Es plätschert die ganze Zeit vor sich hin und man weiß garnicht, warum man das eigentlich liest, Zumindestens ging es mir so. 570 Seiten sind viel zu viel, dafür das es eigentlich keine richtige Story gibt. Dennoch kann man irgendwie nicht aufhören, da der Autor seine Abschnitte immer mit spannenden Andeutungen beendet. Ich mag das sehr gern und das gefiel mir an dem Buch am besten. Dennoch war mit der Roman zu lasch, ich hätte weitaus mehr Grusel erwartet, stattdessen geht es viel um Mutter-Tochter Beziehungen, Freundschaften und Feindschaften.

Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und kam trotzdem ganz gut zurecht mit den Zusammenhängen. Ab und an waren es mir zu viel Namen, aber das wird mein persönliches Problem sein, dass ich bei zu vielen Personen die Zuordnungen nicht schaffe.

Also kurz gesagt: die Story fand ich eher unspektakulär, der Schreibstil ist klasse.
Sandra zu »Phil Rickman: Mittwinternacht« 14.12.2009
Merrily´s Kampf gegen das wahrhaft Böse.

Inhalt:
Merrily Watkins in Pfarrerin in Hereford – einer kleinen Stadt nordwestlich vom Gloucester. Vom derzeitigen Bischof Michael – genannt Mick – Hunter, einem charmanten und sehr modernen mehr politisch als geistlich motivierten Kirchenmann wird sie gebeten, ja man kann sagen bedrängt das Amt des Beraters für spirituelle Grenzfragen zu übernehmen und damit die Nachfolge des in die Jahre gekommenen und anscheinend schon etwas geistig verwirrten Kanonikus Dobbs anzutreten. Das Amt des „Beraters für spirituelle Grenzfragen“ – das bedeutet nichts anderes als der düstere Ausdruck „Exorzist“. Merrily soll diskret und auf moderne Art und Weise gegen paranormale Erscheinungen und „böse Geister“ antreten.

Die noch junge und attraktive Geistliche ist alleinerziehend und hat eine 16-jährige Tochter namens Jane. Jane hat völlig andere Ansichten als Ihre Mutter. Auch sie ist zwar sehr spirituell veranlagt jedoch distanziert sie sich komplett von der Kirche und deren ihrer Meinung politischen und unterdrückerischen Ränken.

Merrily sieht sich zunächst in der Lage das spezielle Amt auszuführen bis sie zu einem Fall gerufen wird, der ihr fast den Verstand rauben soll. Sie ist völlig überfordert und verloren. Der Dämon eines sterbenden bösen Menschen ergreift Besitz von ihr und zerstört fast ihr Leben. Sie nimmt Abstand von Exorzisten-Amt – fühlt sich nicht gewachsen. Darüber hinaus kommt ihr zu Ohren, dass auch ihre Tochter Jane gefährdet ist auf die „schiefe Bahn“ zu gelangen, da sie sich mit mysteriösen Leuten umgibt und auf die „New Age“ Schiene gerät. Der taffe Bischof Hunter lässt nicht locker und bedrängt Merrily ihre „Bestimmung“ weiter zu führen.

Die Lage spitzt sich zu: Eine Leiche wird im Wye gefunden, ein geistig gestörtes Mädchen begeht allem Anschein nach Selbstmord indem es sich mit einem alten verrotteten Schwert aus der Eisenzeit die Pulsadern aufschneidet, eine Kirche wird von vermeintlichen Verrückten oder Satanisten geschändet und der altehrwürdige Kanonikus Dobbs erleidet in der Kathedrale einen Schlaganfall. Wie die Fäden letztendlich zusammenlaufen und wer alles seine bösen Hände im Spiel hat um Merrily psychisch zu schaden und zur Aufgabe des weiblichen Kirchenamtes zu zwingen ahnt Merrily zu diesem Zeitpunkt nicht im Geringsten.

Meine Meinung:
Das Thema Kirche und Exorzismus an sich ist auf Anhieb sehr interessant und unterscheidet sich vom Inhalt des größten Teils an Kriminalromanen. Merrily ist eine sehr sympathische Pfarrerin, die die Ansichten und Vorstellungen der teilweise altbackenen christlichen Religion scheinbar modern, leicht und locker herüber bringen möchte und kann. Im gesamten Roman konnte die düstere Stimmung, die ja automatisch mit dem Begriff „Exorzismus“ verbunden wird sehr gut zum Ausdruck gebracht werden. Die Hauptfiguren wurden teilweise sehr gut bildlich dargestellt, besonders der aalglatte Bischof Hunter und der etwas verrückte alte Kanonikus Dobbs. An Überraschungseffekten hat es zum Ende hin auch nicht gefehlt. Im Großen und Ganzen habe ich „Mittwinternacht“ sehr gern und aufmerksam gelesen und wäre auch nicht abgeneigt, den Vorgänger- und Nachfolger-Teil zu lesen. Allerdings vergebe ich keine volle Punktzahl, da das gewisse Etwas zu einem wirklichen Pageturner noch gefehlt hat.
Marius zu »Phil Rickman: Mittwinternacht« 05.12.2009
Ein übersinnlicher Krimi

Eine Pfarrerin zieht mit ihrer Tochter aufs englische Land, um dort fortan ein ruhiges und kontemplatives Leben zu führen. Wenn dies das Grundgerüst für einen Krimi ist, darf man sich wahrlich auf eine gemächliche Art von cozy, also Häkelkrimi gefasst machen - nicht aber so bei Phil Rickman. Im vorliegenden zweiten Roman um Pfarrerin Merrily Watkins und deren Tochter Jane geht es hoch her im beschaulichen Örtchen Herefordshire, denn Merrily bekommt nämlich eine neue Aufgabe übertragen: Sie wird zur Beraterin für spirituelle Grenzfragen, lediglich ein Euphemismus für den Posten der Exorzistin. Ihr Vorgänger war zu alt und kauzig, und deshalb wird Merrily von ihrem Bischof Mick Hunter zu der neuen Aufgabe berufen. Schon bald muss sie in ein nächtliches Krankenhaus ausrücken, um ihren ersten Exorzismus durchzuführen und auch ansonsten wird es um die Pfarrerin nicht ruhig. Ihre Tochter Jane sucht sich die mysteriöse Rowenna als Freundin aus, eine Kathedrale wird geschändet und mit dem Bischof scheint auch etwas nicht zu stimmen ...

Die Geschichte um die Ermittlerin wider Willen, eine Art weiblicher Father Brown, gestaltet Rickman sehr abwechslungsreich, und dies trotz des beträchtlichen Buchumfangs von fast 600 Seiten. Der Autor erschafft sehr plastische Figuren, die niemals überzeichnet wirken und dem Leser altvertraut erscheinen. Die gestresste und von Dämonen heimgesuchte Merrily Watkins wirkt sehr sympathisch und man kann dem Stress der Witwe nachspüren. Auch das Thema Exorzismus und Aberglauben gleitet nicht in übersinnlichen Hokuspokus ab, sondern bleibt angenehm realistisch und dezent. Doch leider gibt es Abzug wegen der meiner Meinung nur latent vorhandenen Spannung, da das Buch gut 100 Seiten braucht, bis man sich in den Roman hineinfindet, was vielleicht auch daran liegt, dass ich das Vorgängerbuch Frucht der Sünde" nicht gelesen habe und dementsprechend unvertraut mit den Hauptcharakteren war. Dennoch ist die Geschichte oftmals behäbig und Phil Rickman zaubert große Spannung nur im Finale des Buchs. Für einen ausgewiesenen Krimi war mir die Spannung eindeutig zu wenig.

Ob die weiteren Bände rund um Pfarrerin Merrily Watkins spannender werden, bleibt abzuwarten, aber einen Eindruck des nächsten Abenteuers Die fünfte Kirche" kann man sich druch die ans Buch angeschlossene Leseprobe verschaffen. Ob ich ein Fan dieser Reihe werde, dass müssen erst die nächsten Bände zeigen!
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