Nachtfalter von Petros Markaris

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Άμυνα ζώνης, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Griechenland / Athen, 1990 - 2009.
Folge 2 der Kostas-Charitos-Serie.

  • Athen: Gabrielides, 1998 unter dem Titel Άμυνα ζώνης. 553 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2001. Übersetzt von Michaela Prinzinger. ISBN: 3-257-06287-7. 553 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2003. Übersetzt von Michaela Prinzinger. ISBN: 3-257-23353-1. 553 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Michaela Prinzinger. ISBN: 978-3866152526. 366 Seiten.

'Nachtfalter' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Kommissar Charitos ist krank. Eigentlich sollte er sich ausruhen und von seiner Frau verwöhnen lassen. Doch so etwas tut ein wahrer Bulle nicht. Eher steckt er bei Hitze und Smog im Stau, stopft sich mit Tabletten voll und jagt im Schrittempo eine Gruppe von Verbrechern, die die halbe Halbwelt Athens in ihrer Gewalt hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dieses Buch macht Lust darauf, mehr über den griechischen Polizisten zu lesen!« 66°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Urlaub in Griechenland! Wer schwärmt nicht davon? Blaues Meer, heißer Sand, griechischer Wein, Kultur und Freiheit, mit der Seele baumeln.

Kommissar Charitos geht das alles so ziemlich auf die Nerven. Urlaub auf der Insel, wegen der knappen Reisekasse bei der Familie seiner Frau, wo zu allem Unglück nicht nur nervige Erwachsene, sondern noch lästigere Kinder den Lärmpegel in dem heruntergekommenen Wohnhaus zünftig hoch halten.

Erlösung von diesem Martyrium bringt ein Erdbeben, verbunden mit Dauerregen. Und als ein Erdrutsch auch noch eine Leiche zu Tage befördert, die gemäss dem kriminalistischen Auge des Kommissars keines natürlichen Todes unter die Erdmassen kam, ist der dringend benötigte Urlaub zum Vergessen.

Gemeinsam mit dem unbekannten Toten geht es mit der Fähre zurück nach Athen, wo nicht nur brütende Stadthitze und durch den Streik der Müllwagenfahrer sich türmende und stinkende Abfallberge den überarbeiteten Kriminalisten erwarten, sondern auch ein weiterer Mordfall.

Einen der Großen, die das Rotlichtmilieu bestimmen, hat vor seinem Nachtlokal ein Schütze mit vier Schüssen nieder gestreckt. Kommissar Charitos ermittelt. Aber je tiefer er in den Sumpf um den Halbweltdominator Koustas er eintaucht, um so brisanter wird die Situation rund um Korruption in der Politik, Manipulation in der lokalen Fußballliga und den familiären Verstrickungen.

Charitos wird dies alles zu viel. Das Herz will nicht mehr mit der stressigen Gangart mithalten und so wird der Zwangsaufenthalt in der Klinik unvermeidbar. Zu allem Überfluss mischen zum beruflichen Unbill auch noch die ständig nörgelnde Ehefrau mit und das Töchterchen hat nichts Besseres zu tun, als sich in den behandelnden Arzt zu verlieben und dem langjährigen Freund den Laufpass zu geben.

So schnell wie möglich eilt Charitos deswegen wieder in sein Büro, um die Arbeit auf zu nehmen. Aber wo er auch ermittelt, stößt er auf Schweigen, Misstrauen und moralischen Sumpf. Von höchster Stelle werden ihm die Ermittlungen untersagt, und der Zuwiderhandelnde wird daraufhin vom Dienst suspendiert.

Wie es Kommissar Charitos trotzdem schafft, die beiden Mordfälle, zu denen sich im Lauf der Handlung noch Folgeleichen gesellen, zu klären, verrate ich natürlich nicht.

Der 1937 in Istanbul geborene Autor Petros Markaris, der in Athen lebt und vor diesem, seinem zweiten Roman bereits durch Theaterstücke, Fernsehserien und Übersetzungen großer Dramatiker, wie Brecht und Goethe, Bekanntheit erlangte, hat mit Kommissar Charitos einen jener modernen Kultbeamten geschaffen, die den derzeitigen schwedischen und italienischen Romanhelden um nichts nachstehen.

Charitos ist ein durch langjähriges Ehe- und Polizistenleben gezeichneter Zyniker und die gar nicht beschauliche Alltagsszenerie in Athen wird in schon fast drastischem Lokalkolorit geschildert. Die im Anhang geführte Personenliste ist dringend notwendig, denn man ertappt sich beim Lesen mehr als einmal dabei, nicht zu wissen, welcher Name nun gerade wer ist. Für des Griechischen nicht mächtige Leser, und das dürfte ja die Mehrheit sein, klingen die -as und -opolous zunächst ziemlich verwirrend. Auch die ständige Aufzählung der Strassen und Boulevards ist für den Ortsunkundigen nur durch Überlesen oder Nachschlagen auf der Straßenkarte Athens unter zu bringen.

Aber Markaris schafft den Spagat zwischen simple Familienszenen und harte Detektivarbeit auch ein politisches Spiegelbild des Landes einzustreuen, das nicht nur dem gängigen Touristenklischee widerspricht, sondern auch die Gesinnung des Mannes von der Strasse verdeutlicht, ohne dabei uninteressant zu werden.

Die Dramaturgie, mit der Markaris die unterschiedlichen Handlungsfäden miteinander verwebt und dabei einen ständigen Spannungsaufbau zu liefern, ist logisch konstruiert und flacht auf den 552 Seiten niemals ab. »Nachtfalter« ist ein Roman, den man am Liebsten in einem Zug auslesen möchte. Der im Diogenes-Verlag erschienene Kriminalschmöker zeigt einen sehr menschlichen Hauptdarsteller, mit dessen Denk- und Arbeitsweise man sich leicht identifizieren kann, weil gerade in den privaten Sorgen und Problemen, die mit reichlich Humor abgehandelt werden, viel Alltägliches verpackt ist.

Daher eine klare Empfehlung, denn dieses Buch macht Lust darauf, mehr über den griechischen Polizisten zu lesen!

Das meinen andere:

»Das ist das Sympathische an Kostas Charitos. Er ist keinen Deut besser als die Gesellschaft, die er schützt – und keinen Deut schlechter. Und er ist ehrlich, launisch, menschlich.« (Die Welt)

Ihre Meinung zu »Petros Markaris: Nachtfalter«

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Darix zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 27.08.2013
Kommissar Charitos, der Grantler, leidet unter einer Krankheit und sein geplanter Sommmerurlaub verläuft völlig anders als geplant. Ein Toter auf seiner Ferieninsel führt in in zurück in das hektische Athen, in dessen Verkehrschaos, zu den Müllbergen, den Staus und dem allgegenwärtigen Smog, sowie hin zu menschlichen und allzu menschlichen. Der getötete Geldwäscher, verworrenen Machenschaften, das Subkulturleben in Bars, Fußballvereinen und obskurren Marketingunternehmen, dazu Verwicklungen in der Familie. Markaris gibt sich nicht mit eindimensionalen Handlungen ab.
Makaris ist ein Meister darin, dass Leben in Griechenland plastisch und realistisch, mit glaubwürdigen Charakterbeschreibungen darzulegen. Die Story ist komplex und nachvollziehbar geschrieben, ausgestattet mit viel Humor, Ironie, Charme und lebensnahen Figuren. Der Krimi ist kurzweilig trotz seiner über 500 Seiten. Es macht Freude ihn zu lesen.
mylo zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 26.01.2011
Mal keine italienischer oder schwedischer Bulle, nein ein griechischer und ein ungehobelter noch dazu dieser Kostas Charitos. Ein interessanter Fall, flüssig erzählt, wenn gleich kein übermäßiger Spannungsbogen. Am Schluss nimmt die Geschichte sogar mächtig Fahrt auf und die Spannung nimmt merklich zu.
Die Dialoge und die Figur gefällt mir, kurzweilige Unterhaltung ich werde noch mehr von dem Griechen Kostas Charitos lesen.
Solide 75 Punkte.
vifu zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 19.11.2010
Dieser Charitos hat mir sehr gefallen. Wie der leidende "Mann" immer zwischen seiner familiären Heimatfront und dem zu lösenden Fall hin- und hergezogen wird, einfach unterhaltsam. Man wird aber auch schön spannend in die Geschichte reingezogen. Auch wenn das Ende dann schließlich doch absehbar ist, bleiben die bissigen Hinweise auf´s griechische Alltagsleben. Einfach vergnüglich und lesenswert!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
likuna zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 26.10.2009
Das Buch ist sehr interessant und man merkt sofot unterschied zwischen Brunetti, Guarnacci und Charitos.
Die beide sind zu vollkomen und merkt man dass sie von eine Frau erschafft sind.Costas ist sehr mänlich und echter Bulle.Brunetti bespricht die Fälle sehr oft mi seiner Frau,wo Costas Frau ehe ein bisschen verrück vorkommt von Langeweile.Sie sitzt zu Hause und kocht oder schaut Fehrn.
DETNO zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 23.05.2008
Ein echter Typ, dieser Kostas Charitos. Besonders gut, wenn er von "Sie" ins "Du" wechselt und dann die feine Kinderstube vergisst.
Der trockene Humor entschädigt für die vielen griechischen Namen. Ein Glück, dass am Ende das Personenverzeichnis zu finden ist.
Da es mein erster MARKARIS war, dachte ich nach dem letzten Absatz auf der letzten Seite:
"Ist er oder ist er nicht?"
Gottseidank, scheinbar ist er nicht!
lev25 zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 15.10.2007
Wie kann man Kostas Charitos, den ermittelnden Kommissar im Buch „Nachtfalter“ am besten beschreiben? Ganz einfach, man bediene sich eines Vergleiches. Als guter Vergleich dient hier Brunetti. Ja, den zieh ich hierzu ran, der ist geeignet. Beide Bullen sind im ähnlichen Alter, verheiratet, essen ganz gerne und leben im Ausland. Der eine in der Kloake Venedig, in Italien, der andere in Griechenland, im smok verpesteten Athen. Damit enden schon die Parallelen!
Jetzt kommt der Teil mit den Unterschieden. Wo Brunetti den werten Leser in tiefe Depressionen stößt mit seinem ewig-langweiligen Schnarchnasendasein, da keimt Charitos wahrlich auf. Der Mann, den manche Rezensenten Zyniker nennen, ist eher die polizistgewordene Inkarnation unseres allseits geliebten Ekels Alfred. Ja, Kommissar Charitos motzt über Gott, alle Junkies und die Welt. Der Mann ist in seiner Rolle ernst zu nehmen. Er verhält sich wie ein normaler Mensch mit all seinen Vor- und Nachteilen. Zu keinem Zeitpunkt vermittelt der Autor den Eindruck, dass wir es mit einem Superbullen zu tun haben. Ganz im Gegenteil: der Kerl hat eine Menge Wehwehchen, ein fettes Herzleiden und eine durchgeknallte Ehefrau zuhause. Das ist Rock `n´ Roll liebe Leute. Der Mann hat es wahrlich nicht leicht im Leben. Neben seiner verstrahlten Familie muss er sich noch mit einem speichelleckenden Vorgesetzten ärgern. Petros Markaris geht mit einer Lupe über einen Teil der griechischen Gesellschaft. Ohne zu beschönigen beschreibt er – recht politisch und kritisch – wie die Griechen 1988 (Handlungszeit im Roman) tickten. Echt bemerkenswert was er da auf die Beine stellt. Wo Donna Leon uns mit ihren nicht enden wollenden Qualen von einer Sonnenfinsternis in die nächste treibt, serviert Markaris einen wahrer Frühling mit seinem Kommissar Charitos.
Erwähnenswert ist noch, dass am Ende des Buches alle vorkommenden Personen mit ihren unaussprechlichen griechischen Namen alphabetisch aufgeführt werden. Sollte als Beispiel für andere dienen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 14.10.2007
Kommissar Charitos ergrauter und launischer Ermittler der Athener Mordkommission löst hier auf recht vergnügliche Weise einen undurchsichtigen Mordfall. Flüssig und humorvoll erzählt. Mit kleinen Einschränkungen empfehlenswert.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
attujna zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 06.09.2007
bin restlos begeistert von diesem humorvollen mit zynismus durchwachsenen krimi, bekomme nicht nur eine spannende handlung geliefert, sondern auch noch den alltag einer in die jahre gekommene ehe, dass ein kommissar auch ein privatleben hat, finde ich sehr sympathisch. die umstände, wie politiker, geschäftsleute und die unterwelt in athen agieren hat mich anfangs schockiert, mir aber dann die positive vielfalt an leben aufgezeigt. denn wie sagt Kalojirou so treffend in einem gespräch mit Kostas:
" Wir leben in einer Welt, in der sich nur mehr die Asiaten wohl fühlen können." So soll es doch nicht sein, die griechen sollen ihren lebensstil beibehalten , auch deshalb um gute krimis lesen zu können.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kathi zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 11.04.2007
ich lese das buch grade für ein schulreferat und finde es sehr gut.ich gehe in die 8 klasse und hatte deshalb einige schwierigkeiten mit der geldwäsche usw...auch weiss ich nicht wie ich eine inhaltsangabe und einen zeitungartikel schreiben soll.
Danke,frau hofmann!sie geben uns immer sehr tolle aufgaben!=)
mfg
Sonja zu »Petros Markaris: Nachtfalter« 25.04.2005
Ein sehr raffiniert und unterhaltsam geschriebener Krimi, der im modernen Athen von heute spielt. Die geschilderten Zusammenhänge (familiäre Verstrickungen, Wirtschaftskriminalität und Bestechung sowie das typisch griechische / athener Alltagschaos) sind sehr realistisch aufgebaut und in sich schlüssig. Da ich selber einige Jahre in Athen gelebt habe, kann ich bestätigen, daß Petros Markaris den ganz normalen Wahnsinn dieser Millionenstadt sehr realistisch in seine Sujets einbindet und kann nur jedem, der die griechische Mentalität kennnenlernen möchte, dazu raten, seine Romane zu lesen. Dazu bekommt man noch sehr spannende und interessante Krimis geliefert - eine Entdeckung im Krimidschungel. Ich werde auch weitere Bücher von ihm sicher gerne lesen und weiter empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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