Der Tote im Eiskeller von Petra Oelker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1701 - 1800.
Folge 7 der Claes-und-Rosina-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005. 414 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. 444 Seiten.

'Der Tote im Eiskeller' ist erschienen als

In Kürze:


Hamburg anno 1771. Nach dem Sommer der großen Flut verunsichert eine Serie von merkwürdigen nächtlichen Anschlägen auf ehrbare Bürger die Hansestadt. Schließlich wird in einem Eiskeller, tief im Festungswall, ein toter Soldat gefunden. Sind alle derselben Bande zum Opfer gefallen? Und was wollte der Offizier der Garnison überhaupt mitten in der Nacht in dem finsteren Keller? War er Munitionsdieben auf der Spur? War er am Ende selber einer? Und welche Rolle spielt die seltsame junge Frau mit der Laterna magica? Rosina, Weddemeister Wagner und die Kaufmannsfamilie Herrmanns machen sich auf die schwierige Suche nach dem Mörder.

Das meint Krimi-Couch.de: »Anfang und Ende lassen zu wünschen übrig« 69°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Wir schreiben das Jahr 1771. Die Becker’sche Komödiantengesellschaft hat ihr Lager wieder einmal in Hamburg aufgeschlagen. Die Bevölkerung der Stadt ist in Aufruhr, da wohlangesehene Bürger der Stadt auf ihrem Heimweg vom Wirtshaus überfallen wurden. So wurde z.B. Monsieur Hecker in der Kirche gefunden, völlig nackt, mit Schweinsohren geschmückt und ein Kreuz aus roter Farbe auf seinem besten Stück. Monsieur Müllerjohann wurde kahlgeschoren, beraubt, in ein Fleet geschleppt und dort angebunden. Wenn er nicht früh am Morgen entdeckt worden wäre, wäre er wohl im stetig steigenden Wasser ertrunken.

Bisher sind die Männer mit dem Leben davongekommen, doch schließlich gibt es doch einen Toten. Die Leiche von Viktor Malthus wird in einem der Eiskeller der Stadt gefunden, in denen gerade frisches Eis angeliefert war. Der Riegel war vorgeschoben, so dass er jämmerlich erfrieren musste. Malthus war als junger Mann von zu Hause weggelaufen und galt als vermisst. Sein jüngerer Bruder Elias übernahm daher die Leitung der Gärtnerei und war offensichtlich wenig erfreut, als der verlorene Sohn als Offizier wieder nach Hause kam. Man munkelt, seine Mutter hätte diesem ihren Anteil des Erbes überschreiben wollen, um die Enterbung durch den Vater wieder auszugleichen.

Weddemeister Wagner hat also alle Hände voll zu tun und so hofft er die Hilfe von Rosina Hardenstein, Mitglied der Becker’schen Komödiantengesellschaft, die ihm mit ihrem Talent, die Augen und Ohren offenzuhalten, bereits einige Male hilfreich zur Seite stand. Auch ihre Freundin Madame Herrmanns ist dieses Mal mit von der Partie, war doch das Mündel ihres Ehemannes mit Viktor Malthus verlobt.

Der Einstieg in die Geschichte fällt recht schwer. Auf den ersten hundert Seiten werden alle Figuren – und das sind nicht wenige – sehr detailliert vorgestellt. Man erfährt Dinge, die sich später zu einem Gesamtbild zusammenfügen, doch leider kann man sich nicht alles merken. Alles in allem ist der Start auch spannungsmäßig schleppend.

»Der Tote im Eiskeller« ist bereits der siebte Roman der Reihe, die sich um die Komödiantin Rosina dreht. Hat man die Startschwierigkeiten erst einmal überwunden, kommt man ohne die Vorkenntnisse der übrigen Bände gut mit der Geschichte mit. Hie und da lässt die Autorin kleine Bemerkungen in den Handlungsablauf einfließen, die Aufschluss über die Beziehungen der Hauptfiguren geben.

Die Sprache, der sich Petra Oelker bedient, ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, der Zeit, in welcher der Roman spielt jedoch angemessen. Die wichtigsten Fachbegriffe werden in einem umfangreichen Glossar am Ende des Buches erläutert und zusätzlich mit Hintergrundinformationen versehen, was immerhin 30 Seiten umfasst. Aber nicht nur hier zeigt sich die Recherche der Autorin deutlich. Ich als Laie kann keine Unstimmigkeiten feststellen. Interessant ist vor allem die Schilderung des damaligen Lebens und der Gepflogenheiten, z.B. dass ein vertrauliches Du und die Anrede mit dem Vornamen noch nicht mal unter Eheleuten üblich war.

Dass das Ende Geschichte wieder abfällt und die Aufklärung recht zufällig erfolgt, ist allerdings schade. Von einem historischen Kriminalroman erwarte ich persönlich zwar keine Hochspannung wie von einem Thriller, aber die zufällige Auflösung hat mich ein wenig überrascht. Abgesehen davon und nach besagten Anfangsschwierigkeiten hat »Der Tote im Eiskeller« meine Erwartungen in punkto Unterhaltung jedoch erfüllt und die interessanten Figuren machen Lust auf mehr.

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Gerda Eberhardt zu »Petra Oelker: Der Tote im Eiskeller« 05.11.2009
Ich habe bis hierher alle Romane mit Interesse gelesen, weil mich historische Kriminalromane interessieren. Die Lebensumstände in Hamburg des 18. Jahrhunderts werden gut geschildert. Trotzdem war ich am Ende des Buches "Der Tote im Eiskeller" enttäuscht. Ich war gespannt auf die Aufklärung der Überfälle. Doch die bleibt am Schluss im Dunkeln. Da werden 2 Frauen auf frischer Tat ertappt, die werden von einer angesehenen Frau befreit. Doch warum? Schade, da wurde die innerliche Spannung nicht aufgelöst. Die Auflösung des Mordes konnte da nicht befriedigen und wurde für mich zur Nebensache.
Maria-Luise zu »Petra Oelker: Der Tote im Eiskeller« 14.09.2009
Wieder entführt uns Frau Oelker in das Hamburg im 18. Jahrhundert. Rosina, die Kaufmannsfamilie Herrmans und Weddemeister Wagner stehen wieder vor einem Mordfall. Es geht um Rache, enttäuschte Lebensziele und Erbfolgen. Wieso muss immer der ältere Sohn den Betrieb, den Hof oder das Gewerbe erben, auch wenn der jüngere Sohn viel begabter dafür ist. Es zeigen sich auch die ersten Emanzipationsbemühungen: Im Schutz der Dunkelheit rächen sich vermummte Gestalten an Männern,die sich gegenüber untergebenen Frauen respektlos verhalten haben.
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