Das stumme Lied von Peter Robinson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1990 unter dem Titel Caedmon´s Song, deutsche Ausgabe erstmals 1992 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.

  • London: Viking, 1990 unter dem Titel Caedmon´s Song. 347 Seiten.
  • New York: Perennial Dark Alley, 2004. 347 Seiten.
  • München: Heyne, 1992 Eine Frau sieht rot. Übersetzt von Ronald Hahn. ISBN: 3-453-05312-5. 347 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006 Das Stumme Lied. Übersetzt von Andree Hesse. ISBN: 978-3-548-26425-7. 362 Seiten.

'Das stumme Lied' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die junge, unnahbar wirkende Martha kommt in ein kleines Küstenstädtchen in Yorkshire, um eine geheime Mission zu erfüllen. Was hat diese mit der jungen, ehemals lebensfrohen Kirsten zu tun, die seit dem brutalen Überfall eines Fremden nicht mehr sie selbst zu sein scheint? Geschickt verflicht Robinson die Schicksale der beiden Frauen zu einem eindringlichen psychologischen Thriller mit Tiefgang.

Das meint Krimi-Couch.de: »1987« 57°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Nachdem Peter Robinson vier seiner Alan-Banks-Krimis geschrieben hatte, verspürte er den Wunsch, ein Buch zu schreiben, in dem die Polizei lediglich eine Nebenrolle spielt. Das Resultat schlummerte bis 1990 in irgendeiner Schublade, bis es in Großbritannien veröffentlicht wurde. 1992 erschien der Roman in Deutschland unter dem Titel Eine Frau sieht rot, 2006 mit neuer Übersetzung als Das stumme Lied. Auch in Großbritannien gab es im Jahre 2003 offenbar eine Neuauflage, auf die der Autor im Nachwort Bezug nimmt.

Die Zeiten haben sich seit der Erstveröffentlichung geändert, die technischen Möglichkeiten bei der Verbrechensaufklärung haben Fortschritte gemacht, doch Peter Robinson beließ es bei der ursprünglichen Version und hat nur Kleinigkeiten verändert. Eine Umarbeitung auf heutige Gegebenheiten wäre zu aufwändig gewesen und hätte den ursprünglichen Charakter der Story sicherlich stark verändert, so dass wir nun einen Krimi in den Händen halten, der wahrscheinlich heute so nicht mehr geschrieben werden würde. Schade ist eigentlich bei einer Neuauflage unter einem anderen Titel nur, wenn es dem Leser nicht mitgeteilt wird, dass er einen Roman vorgesetzt bekommt, der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat.

Diese Tatsache sollte kein Qualitätsmerkmal sein und bei der Bewertung außen vor bleiben, was relativ leicht ist, da Thema und Ausführung im Grunde recht zeitlos sind. Dass die Polizei heutzutage ganz anders an die Ermittlungen herangehen würde, fällt absolut nicht ins Gewicht, denn die Polizei spielt wirklich nur eine Nebenrolle.

Auf Banks’ Art wird hier kein Verbrechen gelöst

Die Geschichte handelt vom Schicksal einer jungen Frau namens Kirsten, die nach der Examensfeier in einer ansonsten friedlichen englischen Studentenstadt im Park brutal überfallen wird. Sie überlebt den Anschlag nur durch großes Glück, da ein Passant sie kurz nach der Tat gefunden hat. Die zahlreichen Messerstiche haben nicht nur schwere körperliche Schäden hinterlassen, sondern die junge Frau so mitgenommen, dass sie auch seelisch komplett aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Parallel hierzu wird die Geschichte von Martha erzählt, die an die englische Küste Yorkshires reist und vorgibt, dort für ein Buch zu recherchieren. Sie ist auf der Suche. Nach was oder wem, das erfährt man erst viel später. Peter Robinson verknüpft das Schicksal dieser beiden Frauen auf eine solche Weise, dass zunächst für genügend Spannung gesorgt ist. Abwechselnd erzählt er aus Sicht der beiden Figuren, so dass man sich Stück für Stück dem Kern der Geschichte nähert. Durch dieses Entblättern’ wird die Vielschichtigkeit der Geschehnisse sowie das psychologische Moment sehr viel mehr betont, als wenn sich der Autor für eine geradlinige Erzählweise entschieden hätte. Doch dies gilt nur bis zu einem gewissen Punkt.

Erschütternd und ohne Vorverurteilung

Nach gut einem Drittel vermisst man eine Weiterentwicklung der Figuren. Es scheint, als sei alles erzählt und diese Ahnung bewahrheitet sich am Ende auch. Leichte Enttäuschung macht sich breit, wenn man feststellen muss, dass keine überraschende Wende das Boot doch noch in eine andere Richtung treibt. Man muss Robinson jedoch zu Gute halten, dass er 1987 noch am Anfang seiner schriftstellerischen Tätigkeit stand. Seine Wandlungsfähigkeit, die er in seiner Serie um Inspector Alan Banks inzwischen schon unter Beweis gestellt hat, kommt auch hier bereits zum Tragen. Der Autor überlässt es dem Leser, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Zu keiner Zeit verliert er sich in psychologischen Erklärungen oder nimmt eine Verurteilung vor. Allerdings ist und bleibt die mangelnde Spannung in der zweiten Hälfte ein Manko. Das stumme Lied ist ein erschütterndes Buch, an dem jedoch wahrscheinlich nur wenige Leser Gefallen finden werden. Einen Krimi im landläufigen Sinne darf man nicht erwarten.

Sabine Reiss, März 2007

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mare zu »Peter Robinson: Das stumme Lied« 05.04.2009
Ich kann mich dem vorigen Kommentar nur anschließen, auch mir hat "Das stumme Lied" sehr gut gefallen, deutlich besser als die frühen Inspektor-Banks-Romane, die etwa zur gleichen Zeit entstanden sind und noch nicht die Qualität der späteren haben. Ich finde das Buch ungewöhnlich, bis zum Ende hin spannend und psychologisch gut aufgebaut. Vielleicht ist es von Vorteil, wenn man eine gewisse Vorliebe für die Küste Yorkshires hat. Das erhöht den Reiz.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sonja zu »Peter Robinson: Das stumme Lied« 01.07.2007
Ich scheine da wohl einen ungewöhnlichen Krimi-Geschmack zu haben (S. Rezension), denn mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich fand ihn bis zum Ende äußerst spannend. Caedmon´s Song war der erste Krimi, den ich von Robinson gelesen habe; anschließend habe ich dann noch mehrere Bücher der Inspektor-Banks-Reihe gelesen, aber keines davon hat mich annähernd so begeistert wie Caedmon´s Song. Im Gegenteil fand ich sie eher fad und vorhersehbar, wenig innovativ. Nach der Lektüre habe ich jeweils die Handlung ganz schnell vergessen.
Wer einen wirklich packenden lange nachhallenden psychologischen Krimi zum Mitfiebern lesen möchte, der sollte meiner Ansicht nach zu Caedmon´s Song greifen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Heike zu »Peter Robinson: Das stumme Lied« 27.11.2006
War schon mal unter den Titel "Die Frau in Rot" veröffentlicht. Ist kein Inspektor-Banks-Roman! Ich hatte es als solchen erstanden und war dann ziemlich enttäuscht, als er gar nicht darin vorkam - Buch wird in einigen Listen als Inspektor-Banks-Romans geführt.
Spannend konstruiert - man braucht eine Weile bis man merkt worauf es hinausläuft.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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