Das Grab im Weinberg von Peter May

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The critic, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1990 - 2009.
Folge 2 der Enzo-Mackay-Serie.

  • --: Poisoned Pen Press, 2007 unter dem Titel The critic. 290 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Übersetzt von Eberhard Kreutzer. ISBN: 978-3-499-25403-1. 400 Seiten.

'Das Grab im Weinberg' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ausgerechnet in einem Weinberg wird die Leiche des berühmten Weinkritikers Gil Petty entdeckt: als Vogelscheuche getarnt und in Rotwein konserviert. Pettys Urteil besaß die Macht, über Aufstieg und Ruin eines Weinguts zu entscheiden. Seine Notizen hatte er durch ein kompliziertes Sicherheitssystem vor neugierigen Augen geschützt. Ahnte er, dass sein Leben in Gefahr war? Und welche Rolle spielt die geheimnisvolle Wein-Bruderschaft von Gaillac? Enzo Mackay taucht ein in die Welt der Winzer und lernt schnell, dass so mancher das Geschäft mit dem Rebengold mit äußerst harten Bandagen betreibt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Farbe: blutrot, Geschmack: spannend, Bouquet: etwas geheimnisvoll, Abgang: überraschend« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Reinhard Berndt

Rotwein – in Maßen genossen – soll ja eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Wenn ein Mensch aber ein Jahr darin eingelegt ist, trifft das für den wohl nicht mehr zu. So ist es bei Gil Petty, dem international führenden Weinexperten, der ein Jahr nach seinem rätselhaften Verschwinden als Wein–Mumie von seinem Mörder der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Damit beginnt Peter Mays Kriminalroman Das Grab im Weinberg, mit einer makaber anmutenden Leichenschau. Der schottische Erfolgsautor nimmt seine LeserInnen mit in seine zweite Heimat Frankreich, natürlich in den weinseligen Süden. Die Ortschaft Gaillac wird zur Kulisse einer Reihe von rätsehaften Ereignissen, die schließlich zu einem spannenden und überraschenden Finale führen.

Enzo Mackay, schottischer Experte für Forensik und an der Universität Toulouse tätig, will den vor vier Jahren hier begangenen und ein Jahr später öffentlich gewordenen spektakulären Mordfall aufklären. Dazu braucht er die Hilfe des schon damals zuständigen Gendarmen Roussel, der davon allerdings wenig begeistert ist. Ist er doch mit dem Makel belastet, seine Aufgabe damals nicht erfüllt zu haben.

Vom Urteil eines Weinexperten vom Format Pettys, so erfährt Mackay schnell, hängt für die Hersteller des Rebensaftes viel ab – großer Ruhm und damit großes Geschäft kann die Folge sein, aber auch Untergang und Ruin.

Wer könnte also Interesse daran haben, dieses Urteil zu verhindern ? Von seinen Testergebnissen ist nichts gefunden worden. Hat der geheimnisumwitterte »Orden der göttlichen Flasche«, eine alte Bruderschaft von Winzern, deren Robe der Ermordete trug, etwas damit zu tun ?

Mackay beginnt sich im beschaulichen Gaillac nach möglichen Verdächtigen und Motiven umzusehen und schon findet er sich bei Nacht halb bewusstlos vor den Rädern einer gewaltigen Erntemaschine wieder, der er gerade noch entrinnen kann.

Enzo Mackay holt sich Hilfe in Gestalt seiner Top – Studentin Nicole, die aus der Gegend stammt und die Arbeit am Computer bestens beherrscht. Dann taucht Michelle Petty auf, die Tochter des Ermordeten, um nach den Jahren den persönlichen Nachlass ihres Vaters abzuholen.

Dazu erscheint noch, in einem für Enzo und Michelle unpassenden Moment Charlotte, die Freundin Mackays, zu der er eine etwas »freischwebende« Liebesbeziehung unterhält.

Da findet ein junges Pärchen die nächste Weinleiche. Ein Mann aus Gendarm Roussels Vermisstenliste, ehemaliger Schulfreund von ihm und vor einem Jahr schon spurlos verschwunden. Die gleiche Tat, der gleiche Fundort nahe einem Ort, der immer wieder verliebte Paare anzieht. Und dieser liegt auf dem Weingut des jungen Winzers Fabien Marre. Es kommt zu einer ersten Auseinandersetzung zwischen diesem und Enzo Mackay, der aus seinem Verdacht der Verstrickung Marres  in die Taten keinen Hehl macht. Doch da entsteht auch eine aufkeimende Liebe zwischen Nicole und dem jungen Winzer. Das erleichtert die Arbeit Mackays nicht unbedingt.

Die Autopsie der Leiche, vom Autor mit nahezu akribischer Feinheit, Detailtreue und Fachwissen beschrieben zeigt, der Mann war wie Petty erst tot und wurde dann im Weintank »eingelegt«.

Mit seiner Tochter Sophie und ihrem Freund Bertrand erhält Mackay weitere unerwartete Hilfe. Da finden sie endlich im Server von Pettys Internet – Anschluss doch noch Aufzeichnungen aus Gaillac, die aber verschlüsselt sind. Schritt für Schritt gelingt es ihnen allen gemeinsam, den Code zu knacken. Der Kreis um den verdächtigen Fabien Marre wird immer enger. Der wiederum stimmt in einer konspirativen Versammlung die Mitglieder des Ordens gegen Mackay ein.

Erneut versucht jemand Enzo Mackay umzubringen. Dann verschwindet obendrein noch Gendarm Roussel. Doch schnell wird klar, er hatte eine heiße Spur gefunden, die endlich eine Verbindung zwischen den Mordopfern und noch Vermissten herstellt und ein neues Licht auf die Taten wirft. Der Faden reicht weit zurück in die Geschichte Frankreichs und des Dorfes Gaillac. Hat doch der Orden seine Hand im Spiel ?

Mackay hat endlich den Schlüssel zu den Verbrechen in der Hand, doch es sieht so aus, als koste ihn das das Leben. Ein gärender Weintank ist kein gemütliches Grab …

May schildert in einer von Beginn bis zum Ende spannend gehaltenen Handlung menschliche Abgründe. Dabei verwendet er aber auch liebevoll Lokalkolorit und beschreibt überzeugende Charaktere. Es gibt wenig ablenkende Nebenhandlungen aber er legt auch Spuren für ein weiteres Buch. Die Geschichte ist im besten Sinne flüssig erzählt.

Allerdings: wie auch bei anderen Autoren, die offensichtlich auch Liebhaber des Weines sind, schildert May das Ritual einer Weinverkostung mit allem dazugehörigen Vokabular und Fachwissen. Das ist die einzige »Durststrecke« im Roman, die man über einige Seiten durchhalten muss. Man kann es aber auch amüsant betrachten.

Resümee: absolut lesenswert, auch bei einem Glas Wein. Aber achten Sie auf Geschmacks–Nuancen. Man weiß ja nie genau …

Reinhard Berndt, März 2012

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