Peter Cheyney

Reginald Evelyn Peter Southouse Cheyney wurde am 22. Februar 1896 in London, Stadtteil Whitechapel, als jüngstes von fünf Kindern geboren. Sein Vater arbeitete auf dem Fischmarkt – unregelmäßig, da er dem Alkohol sehr zugetan war; eine Untugend, die sein Sohn erbte. Peters Mutters war – notgedrungen – berufstätig. Ihr Einkommen als Arbeiterin in einer Fabrik für Korsette sicherte der Familie ihr Auskommen und ermöglichte es Peter auf gute Schulen zu schicken.

Rechtsanwalt sollte der junge Cheyney werden, doch wie so viele seiner Altersgenossen musste er in den I. Weltkrieg einrücken, wo er es bis zum Lieutenant brachte. In seiner kräftig geschönten Autobiografie dichtete sich Cheyney allerhand Heldentaten und Verwundungen an, doch tatsächlich kam er so gut wie ungeschoren davon. Der junge Mann verabschiedete sich nach seiner Entlassung von der Kanzleiarbeit und versuchte im Showbusiness Fuß zu fassen. Jahre der Armut folgten, in denen Cheyney kleine Theaterrollen ergatterte, Sketche und Lieder schrieb. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verzeichnete Cheyney endlich Erfolg als Ghostwriter, der unter dem Namen eines ehemaligen Polizisten »wahre Kriminalgeschichten« verfasste. Er gründete eine Literaturagentur, die gleichzeitig Detektei war.

1931 trat Cheyney Sir Oswald Mosleys protofaschistischer »New Party« bei. Er schrieb Artikel für das Parteiorgan »Action« und gehörte zu den »biff boys«, die ein Auge auf die jüngeren, oft zur Gewaltigkeit neigenden Genossen warfen. Über diese Episode seines Lebens sprach Cheyney später ungern. Seine politischen Aktivitäten endeten nach wenigen Jahren. Er betrieb weiterhin seine Agentur.

1936 versuchte sich Cheyney als Schriftsteller unter eigenem Namen. »This Man is Dangerous«, der erste Roman einer Serie um den FBI-Agenten Lemmy Caution, wurde sogleich ein großer Erfolg. Auch mit Slim Callaghan, einem britischen Privatdetektiv, traf Cheyney ins Schwarze. In den nächsten 15 Jahren verfasste er mindestens zwei Romane pro Jahr. Hinzu kamen unzählige Kurzgeschichten. So groß war seine Produktivität, dass er seine Geschichten einer Sekretärin diktierte. So lesen sich viele Cheyney-Werke denn auch; schlampig geplottet, hastig heruntergehaspelt, von völlig unglaubwürdigen Charakteren und sexistisch bloßgestellten Frauengestalten bevölkert. Cheyneys »FBI-Agent« Caution ist beispielsweise eine reine Märchenfigur, die eine Hollywoodwelt bereist und entsprechende Abenteuer erlebt. Genau das war allerdings auch der Schüssel zum Erfolg, zumal ein Cheyney, der sich konzentrierte, als fähiger Geschichtenerzähler überzeugte und die zeitgenössische Unterhaltungsliteratur generell nicht den heutigen Ansprüchen politischer Korrektheit entsprach. Derselben Mixtur aus Sex & Crime bedienten sich später u. a. Ian Fleming (James Bond) oder Mickey Spillane (Mike Hammer).

Die Erfolglosigkeit der frühen Jahre hatten aus Cheyney einen Mann gemacht, für den Geld überaus wichtig war. Er lebte auf betont großem Fuß, kleidete sich dandyhaft, reiste gern und luxuriös und präsentierte sich als Sportler und Mann von Welt. Seine Vergangenheit schrieb er um (dem fielen u. a. die ersten beiden von insgesamt drei Ehefrauen zum Opfer), ohne sich um die Kontinuität seiner »Erinnerungen« zu scheren, was ihm viele Schriftstellerkollegen ebenso übel nahmen wie seinen Hang, über die Auflagen und Absatzzahlen seiner Werke stets genau im Bilde zu sein.

Schon in den späten 1940er Jahren begann der Raubbau, den Cheyney mit seinen Kräften trieb, seine Folgen zu zeigen, ohne indes seine Produktivität zu beeinträchtigen. Er ließ die Kerze kräftig an beiden Ende weiter brennen, bis er am 26. Juni 1951 im Alter von nur 55 Jahren aber immerhin als vermögender Mann starb.

Den eigentlichen Erfolg seiner Werke erlebte Cheyney nicht mehr. Besonders in Frankreich erfreuten sich seine unbekümmert harten, anspruchslosen Geschichten großer Wertschätzung. Zwei Jahre nach seinem Tod entstand mit »La mome vert-de-gris« (dt. »Im Banne des blonden Satans«) der erster einer langen Reihe von Lemmy-Caution-Streifen, die den aus Los Angeles stammenden, in den USA erfolglosen Schauspieler Eddie Constantine (1917-1993) zum europäischen Film- und Kultstar machten. Auch in Deutschland liefen diese rabaukig charmanten B-Movies, die sich selbst nie Ernst nahmen, viele Jahre erfolgreich in den Kinos und später im Fernsehen. So kamen die deutschen Leser in den Genuss der Cheyney-Romane um Caution und Callaghan, während das sonstige Werk nur sporadisch Aufmerksamkeit gewann. Seit den 1980er Jahren werden die bisher ständig nachgedruckten Romane nicht mehr aufgelegt. Peter Cheyney ist als Schriftsteller in Vergessenheit geraten, obwohl sich seine kruden Kriminalgeschichten einst in Millionenauflage verkauften.

Krimis von Peter Cheyney:

  • Lemmy Caution-Serie:
    • (1936) Eine Dame stiehlt man nicht / Dieser Mann ist gefährlich
      This Man is Dangerous
    • (1937) Hiebe auf den ersten Blick
      Poison Ivy
    • (1937) Schwierige Damen / Serenade für zwei Pistolen
      Dames Don’t Care
    • (1938) Frauen sind keine Engel / Lemmy schießt nicht auf Blondinen
      Can Ladies Kill?
    • (1939) Rote Lippen – blaue Bohnen Rezension
      Don’t Get Me Wrong
    • (1940) Auf Befehl des FBI
      You’d Be Surprised
    • (1941) 1 : 0 für Lemmy
      Your Deal, My Lovely
    • (1942) Lemmy lässt die Puppen tanzen / Im Banne der grünen Augen
      Never a Dull Moment
    • (1942) Gut versteckt ist halb gewonnen
      You Can Always Duck
    • (1945) Die Geheimakten / Wer Lemmy eine Grube gräbt
      I’ll Say She Does
  • Slim Callaghan-Serie:
    • (1938) The Urgent Hangman
    • (1939) Achtung, Kurven!
      Dangerous Curves (US Titel: Callaghan)
    • (1940) Slim Callaghan und die 3 Mädchen
      You Can’t Keep the Change
    • (1941) It Couldn’t Matter Less / Set-Up for Murder
    • (1942) Jeder ist verdächtig / Entschuldigen Sie die Störung
      Sorry You’ve Been Troubled (US Titel: Farewell to the Admiral)
    • (1944) They Never Say When
    • (1946) Nach Ihnen, meine Damen
      Uneasy Terms
  • Weitere Krimis:
    • (1939) Deadly Fresco (als Lyn Southney)
    • (1940) Ein gefährliches Leben
      Another Little Drink (US Titel: A Trap for Bellamy / Premeditated Murder
    • (1942) Dark Duet / The Counterspy Murders
    • (1943) Unter dunklen Sternen
      The Stars Are Dark / The London Spy Murders
    • (1944) Die dunkle Straße
      The Dark Street / The Dark Street Murders
    • (1945) Sinister Errand / Sinister Murders
    • (1945) Einer gibt nicht auf
      Night Club / Dressed to Kill
    • (1946) Der schwarze Held
      Dark Hero / The Case of the Dark Hero
    • (1947) Dark Interlude / The Terrible Night
    • (1948) Eine Jungfrau liegt selten allein
      Dark Wanton / Case of the Dark Wanton
    • (1949) In die Falle gegangen
      Try Anything Twice / Undressed to Kill
    • (1949) So oder so ist das Leben
      One of Those Things / Mistress Murder
    • (1949) Es kommt ganz anders / Guten Abend, gute Nacht
      You Can Call It a Day / The Man Nobody Saw
    • (1950) Benimm dich, Mädchen
      Lady, Behave! (US Titel: Lady Beware)
    • (1950) Dark Bahama
      Dark Bahama/I’ll Bring Her Back
    • (1950) Set Up for Murder
    • (1951) Ladies Won’t Wait / Cocktails and the Killer)
  • Kurzgeschichtensammlungen:
    • (1937) You Can’t Hit a Woman and other Stories
    • (1939) Knave Takes Queen
    • (1941) Mister Caution – Mister Callaghan
    • (1943) The Adventures of Alonzo MacTavish
    • (1943) Alonzo MacTavish Again
    • (1943) Love with a Gun and other Stories
    • (1943) The Murder of Alonzo
    • (1944) Account Rendered
    • (1945) The Adventures of Julia (US Titel: The Killing Game)
    • (1945) Tanz ohne Musik
      Dance Without Music
    • (1945) Escape from Sandra
    • (1945) A Tough Spot for Cupid and other Stories
    • (1946) Lemmy weiß mehr als Scotland Yard
      G Man at the Yard
    • (1946) Date after Dark and other Stories
    • (1946) He Walked in Her Sleep and other Stories (US Titel: MacTavish)
    • (1946) The Man with Two Wives and other Stories
    • (1946) A Spot of Murder and other Stories
    • (1946) Time for Caution
    • (1946) Vengeance with a Twist and other Stories
    • (1946) You Can’t Trust a Duchess and other Stories
    • (1947) The Curiosity of Etienne MacGregor/The Sweetheart of the Razors
    • (1947) Lady in Green and other Stories
    • (1947) A Matter of Luck and other Stories
    • (1948) Cocktail for Cupid and other Stories
    • (1948) Cocktail Party and other Stories
    • (1948) Fast Work and other Stories
    • (1948) Information Received and other Stories
    • (1948) The Unhappy Lady and other Stories
    • (1948) No Ordinary Cheyney
    • (1949) The Lady in Tears and other Stories
    • (1952) Velvet Johnnie and other Stories
    • (1953) Calling Mr. Callaghan
    • (1954) The Mystery Blues and other Stories / Fast Work
    • (1954) The Best Stories of Peter Cheyney
  • Biographisches:
    • (1944) Making Crime Pay (Autobiographie)
    • (1954) Michael Harrison: Peter Cheyney, Prince of Hokum

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