Den Göttern trotzt man nicht von Pentti Kirstilä

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1982 unter dem Titel Jumalia ei uhmata, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Tampere, 1970 - 1989.
Folge 5 der Lauri-Hanhivaara-Serie.

  • Porvoo: WSOY, 1982 unter dem Titel Jumalia ei uhmata. 233 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2008. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-657-9. 251 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2011. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-567-1. 251 Seiten.

'Den Göttern trotzt man nicht' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

In letzter Minute sagt seine Freundin Sinikka die gemeinsam geplante Pauschalreise ab und Kommissar Lauri Hanhivaara muss sich allein auf den Weg nach Sizilien machen. Mürrisch hält er Abstand zu seinen finnischen Mitreisenden. Zwischen denen kommt es bald zum Streit: Der junge Aarno Piskonen bittet den Antiquar und Pornohändler Paavo Rantala, am Strand auf seine Tasche aufzupassen. Als Piskonen von der Bar zurückkehrt, sind 50.000 Lire weg und Rantala hat nur ein breites Grinsen für den Bestohlenen übrig. Ein paar Tage später ist Rantala tot und Piskonen verschwunden. Nun erwacht auch Hanhivaara aus seiner Lethargie und lässt sich bis zum Ende des Urlaubs von der italienischen Polizei in die Ermittlungen mit einbinden. Doch ob Piskonen tatsächlich der Täter war, kann nicht geklärt werden. Zurück in Finnland wartet auf den Kommissar eine Überraschung: Piskonen ist in der Zwischenzeit heimgekehrt und hat Hanhivaaras Exkollegen Huhtanen, der sich als Detektiv selbstständig gemacht hat, beauftragt, seine Unschuld zu beweisen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Urlaubskommissar« 74°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Wir kennen diese Urlaube. Die Sonne brennt sengend heiß vom Himmel, das Meer viel zu blau und außerdem pipiwarm. Man brutzelt den ganzen Tag lecker vor sich hin, liest dabei ein Buch und es passiert …NICHTS! Bei Kommissaren oder Privatdetektiven ist das natürlich ganz anders. Wenn die Urlaub machen, wird um sie herum genau wie daheim lustig gemeuchelt und gemordet. Bei finnischen Kommissaren ist das natürlich nicht anders.

Kommissar Lauri Hanhivaara ist mit einer Gruppe finnischer Pauschaltouristen nach Sizilien gereist. Da er weiß, welch abtörnende Wirkung sein Beruf auf seine Mitmenschen hat, gibt er sich allerseits als Versicherungsmakler aus, denn so getarnt kann er aufdringlicheren Mitreisenden am leichtesten entkommen. Hanhivaara beobachtet viel in diesem Urlaub, so auch wie sich der junge Student Piskonen mit einem mitreisenden Antiquar anlegt. Piskonen droht dem Geschäftsmann nach einem Streit laut mit seinen Mafiafreunden und tatsächlich erhält der Mann bald anonyme Drohbriefe. Kurz vor Abreise findet man ihn erstochen auf einem Friedhof. Und obwohl die Indizien auf einen Mafiamord hindeuten, vermutet Hanhivaara den Mörder unter den finnischen Touristen. Aber war es wirklich Piskonen, der nach bekannt werden der Tat spurlos verschwand? Mehrere andere Mitreisende kannten das Opfer, wobei sich keiner von ihnen in allzu freundschaftlicher Beziehung zu ihm befand.

Unterhaltsamer Urlaub …

Den Finnen Kirstilä lernen wir in Deutschland ja erst mit gehöriger Verspätung kennen. »Den Göttern trotzt man nicht« ist sein fünfter Roman aus der Hanhivaara-Reihe und er datiert im Original aus dem Jahre 1981. Durch die ersten vier Romane durften wir einen geistreichen und humorvollen Autor kennen lernen, der knifflige und verzwickte Mordfälle konzipieren kann und dessen zynisch-kauziger Kommissar sich bei der Aufklärung nie so recht in den Vordergrund drängen mag. Auch hier stellt sich wieder der Eindruck ein, dass der Fall an sich mit all seinen Facetten mehr Aufmerksamkeit des Lesers beansprucht als der Protagonist.

Sehr gründlich und rundum unterhaltsam ist dem Autor die Vorbereitung des Mordfalles gelungen. Die ersten 65 Seiten des Romans knüpfen nahtlos an die hohe Klasse der Vorgängerromane an. Da schreibt der Autor mit frecher und neugierig machender Feder. Er baut langsam eine Dramatik auf und spitzt die irrwitzige Situation um den immer eingeschüchterter wirkenden Antiquar zu. Auch der Start von Hanhivaaras Ermittlungen im Wechselspiel um den noch mürrischer und kauziger rüber kommenden sizilianischen Kommissar Toretta ist viel versprechend.

...aber Längen bei den Ermittlungen

Doch ab dem zweiten Drittel weist der Roman einige Längen auf, die wir bislang bei Kirstiläs anderen Romane nicht kennen gelernt haben. Die Idee, einen ganzen Mordfall quasi per Flugzeug von einem Land in ein anderes zu verfrachten, klingt schon irrwitzig und tatsächlich rumpelt die Handlung an einigen Ecken und Kanten vorbei. Piskonen taucht wieder auf, stellt sich der Polizei, will jedoch gleichzeitig durch einen Privatdetektiv (Hanhivaaras ehemaliger Kollege Huhtanen) seine Unschuld beweisen lassen. Auf einmal stellt sich heraus, das die Reisegruppe zu einem gewissen Teil aus kleinkriminellen Pornoschmugglern bestand, die ihr Netzwerk unter anderem über das Antiquariat des Ermordeten betrieben. Außerdem ist der Zimmergefährte des Ermordeten zufällig der Bruder einer Frau, die vor zig Jahren von dem inzwischen Getöteten vergewaltigt wurde. Spuren, die zu offensichtlich im Sande verlaufen, Indizien, die sich zu schnell in Luft auflösen …man kann beinah die Uhr danach stellen.

Dankenswerter Weise präsentiert Kirstilä wieder mal ein versöhnliches Ende, bei dem sich der Leser nach gründlicher Aufarbeitung der Vorgehensweise des Mörders genüsslich vor die Stirn klopfen und vom Strahl der Erkenntnis geblendet sein wird. Somit ist Teil 5 der Hanhivaara-Reihe zwar sicherlich nicht der beste, aber immer noch ein guter und interessanter Fall für den Kommissar aus Tampere.

Thomas Kürten, Dezember 2008

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