Die Süße des Lebens von Paulus Hochgatterer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Deuticke.

  • Wien: Deuticke, 2006. ISBN: 978-3-552-06027-2. 296 Seiten.
  • München: dtv, 2008. ISBN: 978-3423210942.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2007. Gesprochen von Norman Hacker. ISBN: 3899034228. 6 CDs.

'Die Süße des Lebens' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Einem alten Mann wird in einer Winternacht der Kopf zermalmt. Seine Enkelin verliert ob ihres grausamen Fundes die Sprache. Gänzlich ungelegen kommt Kriminalkommissar Ludwig Kovacs in privater Hinsicht dieser Mord zum Jahreswechsel nicht – doch dieser Tote, darüber macht er sich keine Illusionen, wird ihn länger beschäftigen.Ein psychopathischer Familienvater schlägt seine Tochter krankenhausreif, ein dauerlaufender Benediktinerpater hört Stimmen und eine junge Mutter glaubt, ihr neugeborenes Kind sei der Teufel.Das Psychogramm dieser Kleinstadt ist alles andere als beruhigend. Doch wer ist verantwortlich für die grausame Tat?

Das meint krimi-couch.de: »Der eigentliche Krimi geht leider unter« 35°

Krimi-Rezension von Sylvia Rucker

In einer Kleinstadt verbringt die 7-jährige Katharina kurz nach Weihnachten einen gemütlichen Spieleabend mit ihrem Großvater, der plötzlich endet, als ein nächtlicher Besucher auftaucht, mit dem der Großvater nach draußen geht. Als Katharina sich schließlich auf die Suche nach ihm begibt, macht sie eine grausige Entdeckung: der Großvater liegt mit zermalmten Kopf tot im Schnee.

Der Schock ist für das Mädchen zu groß, fortan verweigert es die Sprache und braucht dringend therapeutische Hilfe. Obwohl der ortsansässige Psychiater Raffael Horn bereits eine für eine Kleinstadt nahezu beängstigende Zahl von Patienten betreut, übernimmt er auch die Therapie von Katharina und gerät damit in die Auflösung des Todesfalles.

Langsam versucht er die Starre des Mädchens zu lösen und von ihm wichtige Hinweise, wenn nicht sogar den Täter genannt zu bekommen. Damit wäre der Polizei sehr geholfen, insbesondere dem ermittelnden Kommissar Kovacs, der Horn von einem früheren Fall um den verhinderten Selbstmord eines pensionierten Briefträgers kennt.

Kovacs, der nach einer gescheiterten Ehe und einer jetzigen auf Distanz gehaltenen Beziehung selbst psychisch leicht angeknackst ist, muss im Zuge der Ermittlungen erkennen, dass es sich nicht um einen anfänglich noch vermuteten Unfall mit Todesfolge handelt, sondern um einen rätselhaften und grausamen Mord. Und zeitgleich geht auch noch jemand im Ort um, der mehrere Tiere bestialisch tötet. Gibt es da möglicherweise einen Zusammenhang?

Der Mörder scheint jedenfalls ein Psychopath zu sein. Doch kommt Kovacs mit allen Spuren, die er aus diesen Erkenntnissen verfolgt, auch tatsächlich zur Lösung des Mordfalles?

Eines muss man vorneweg sagen: Der Autor ist höchst kreativ! Allein in den ersten drei Kapiteln mit fünfundfünfzig Seiten bereits siebenundfünfzig (!) namentlich genannte Figuren mehr oder weniger ins Spiel zu bringen, ist schon beachtlich.

Schwierig ist es allerdings, diese dann auch alle nach zu halten. Dem künftigen Leser sei verraten, dass er es sich durchaus leichter machen kann und sich gut 90% dieser Personen gar nicht erst merken muss, da sie für die Krimigeschichte belanglos sind. Also bitte keine Panik, wenn man sich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, wer zum Kuckuck z.B. Lea Wirth war, denn schließlich hat das Buch noch mehr Seiten und da können und werden noch einige weitere Namen untergebracht werden!! (Und nur der Vollständigkeit halber seien noch alle jene auftauchenden Figuren erwähnt, für die wohl leider kein Name mehr übrig war).

Der sprachliche Ausdruck des Buches ist sehr ansprechend, es ist gut formuliert, anschaulich und lebendig. Man hat einfach Spaß am Lesen. Inhaltlich wird es dann schon problematischer. Nicht nur, dass das Werk gleich mit mehreren Handlungssträngen aufgebaut ist, diese sind darüber hinaus auch noch sehr weitschweifig angelegt.

Behandelt wird überwiegend Privatleben und beruflicher Alltag des Psychiaters Horn mit reichlich ausführlichen und fachlichen Schilderungen seiner zahlreichen Patienten, ihrer Diagnose und Medikation; weiter das Leben und Wirken von Kommissar Kovacs mit den von ihm im Mordfall geleiteten Ermittlungen; dann Gedanken eines psychisch angegriffenen »Er« und eine psychologisch recht abgründige Geschichte eines »Ich«. Ganz zum Schluss kommt dann kurz noch ein weiteres »Ich« zu Wort.

Es erfordert einiges an Konzentration, sich durch die einzelnen Verläufe jeweils durchzufinden und mögliche Verbindungen miteinander herzustellen. Jeder Strang für sich gesehen ist nicht zuletzt aufgrund des guten Schreibstils durchaus interessant.

Doch der eigentliche Krimi geht durch das ständige Wechseln zu den übrigen Ereignissen und Schilderungen ziemlich unter, so dass eine Spannungskurve, auf die man bei einem Krimi ja nun eigentlich hoffen darf, tatsächlich kaum entsteht.

Fast überraschend wird schließlich auf den letzten Seiten die Lösung präsentiert, die sich bis dahin nicht wirklich abgezeichnet hat und die sich auch nicht als Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen ergibt. Es scheint so, als hätte man plötzlich schnell noch zu irgendeinem Ende kommen wollen.

Als Roman mit sehr viel psychologischem Tiefgang im Vordergrund über seelische Nöte und Abgründe einzelner Menschen ist dieses Buch absolut lesenswert, als Krimi oder gar, wie angekündigt, als Thriller kann es nicht überzeugen.

Ihre Meinung zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens«

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N.Nobilesca.di.Nichilista zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 30.03.2011
Also : auch ich habe dieses Buch der Schule wegen lesen müssen. war am Anfang nicht sehr aufregend und ja , jedoch je länger ich gelesen habe und je weiter ich dann war, desto mehr war es dann eigentlich okay für mich. Den Horn fand ich am meisten "sympathisch" für mich .
Ich dachte wirklich, dass Daniel der Täter war , es hatte allen Anschein ! Jedoch hatte der Junge kein Motiv, auch Björn nicht.
Jedoch finde ich es komisch dass der Großvater erst so spät ermordet worden ist ich meine was nützt das groß, wenn er sowieso schon sehr alt ist ?
Nun ja mein Statement hier zu diesem Buch : )
Übrigens mein Spezialgebiet für meine mündliche Reifeprüfung ist Paulus Hochgatterer : ) ja einen sehr eigenen Schreibstil hat dieser Herr ^^
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Brigitte Buchhammer zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 22.03.2011
Paulus Hochgatterers „Die Süße des Lebens“: ein wirklich gelungener Roman, erschütternd in der subtilen Zeichnung der Alltagsgewalt einer Gesellschaft, die die faschistische Vergangenheit sich nicht und nicht wirklich anschauen will. Schlüsselstelle, in der Großdruckausgabe auf S. 125: „’Ich bin 1945 eingerückt’, sagte Joachim.“ Horn ist beim Imker, der alte Fotos ansieht. Ein Foto rückt ins Zentrum der Betrachtung. „Zwei der Soldaten sahen einander besonders ähnlich, beinahe wie Zwillinge. Sie wirken alle gleich unglücklich, dachte Horn. Ganz vorne stand einer, bei dem man das Gesicht nicht mehr erkennen konnte. An seiner Stelle befand sich ein weißer Fleck, so, als sei oft hingegriffen worden. Er ist es selbst, dachte Horn, er betrachtet das Bild immer wieder und er tappt jedes Mal mit dem Finger auf sein Gesicht, als müsse er sich vergewissern, tatsächlich dort gewesen zu sein. Im Laufe der Zeit löscht er sich auf diese Weise aus.“ Neben sprachlicher Eleganz und Schönheit und geistiger Tiefe ist dies auch thematisch eine Scharnierstelle. Es wird dem „Großvater“ ja das Gesicht ausgelöst werden. Dieser „er“ (kursiv geschrieben im Schlussteil des Romans), der Großvater, ist der Verbrecher in Kriegszeiten – der Imker erzählt ja: stellen sie sich vor, vor sechzig Jahren. Dieser „er“ (nationalsozialistischer Täter-Großvater) hat damals eine ganze Familie umgebracht. Es wird in dem Bericht des Imkers am Ende des Buches auch die Frau Zillinger beiläufig erwähnt, die wir schon kennen gelernt haben: die alte Frau im Rollstuhl, die der Pfarrer besucht und die beim Begräbnis auch - sehr im Hintergrund – anwesend ist. Der Imker und sein Bruder mussten diese Gewalttat vor 60 Jahren erleben. Der Bruder hat sich umgebracht. Der Imker hat nun „ihn“, den Naziverbrecher (Großvater), der diese Familie umgebracht hat, getötet – das Gesicht ausgelöscht, wie auf dem Foto. Brillant gelingt es Hochgatterer, die Menschen als wirkliche Menschen zu schildern. Der Großvater kommt am Anfang des Romans als liebevoller, mit der Enkelin spielender Mensch ins Blickfeld, nicht als faschistischer Täter, der er ja auch war. Überhaupt gelingt es Hochgatterer überzeugend, die ganz alltägliche Gewaltförmigkeit in den Familien atemberaubend zu schildern: Björn, der Jugendliche, Daniel, der im Gefängnis war, der gewaltförmige Vater der beiden und die ängstlich wegschauende Mutter, die ihre Kinder nicht beschützt; und doch ist es nicht psychologisch-deterministisch, in dem Sinn: die Jugendlichen sind durch ihre gewaltförmigen Familien so geprägt, dass sie gar nicht anders können als eben auch gewaltförmig zu werden. Nein, sie sind in ihrer Eigenverantwortung ernst genommen. Der Roman ist äußerst spannend und luzide komponiert: einerseits die Ebene: beinah wie ein autobiographisch klingender Text eines Psychiaters, der seine Erfahrungen in Geschichten verdichtet und sein eigenes Handeln sarkastisch-selbstkritisch reflektiert; dann die Erzählung aus der Optik des Kriminalbeamten, weiters die Perspektive der beiden männlichen Jugendlichen: Daniel, der seinen kleinen Bruder in sadistischer Weise in Tierquälerei-Handlungen hineintreibt.
Wenn man diese Lektüre, die gewiss anspruchsvoll ist, im Schulunterricht verwendet, sollten die Schüler/innen doch aufgeklärt werden über die Atmosphäre innerhalb der Gesellschaft während der Nazizeit, und die damit zusammenhängende verrohte Atmosphäre in Österreich nach der Nazizeit: das lange Ausblenden der Beteiligung Österreichs an den Kriegsverbrechen und was diese Leugnung und dieses Ausblenden mit den Menschen ganz alltäglich macht, mit dem Klima in unserer Gesellschaft, das alles beschreibt Hochgatterer, ohne jemals den Zeigefinder zu heben oder das Wort Faschimsus nur zu gebrauchen. Doch ist es ein Aufruf, endlich nicht mehr zu verdrängen. Ohne diese Hinführung ist das Buch für Jugendliche möglicherweise schwer zugänglich. Lesenswert ist das Buch auf jeden Fall auch als Lektüre für Schüler/innen.
Die Motivation für mich, einen Kommentar zu schreiben, speist sich aus den eher hilflosen Äußerungen der Schüler/innen auf dieser Homepage.
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Suusi zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 06.01.2011
ich musste das Buch auch für die schule lesen... ich bin echter lesefreak und habe schon einiges gelesen ... und dieses buch ist der größte scheiß der mir je unter die lesebrille gekommen ist!
shit.
scheiße beschrieben ... zu viele namen , ...
das ende ist unverständlich ...

ich CHECKE ES EINFACH NICHT!

DAS BUCH SOLL VERBRENNT WERDEN!
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RN zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 03.01.2011
also ich fand das buch nach den ersten seiten mit einer altmodischen wortwahl ("flanken" für die hüfte eines menschen) sehr gut zum lesen und interessant. nur beim entscheidenden punkt eines krimis lässt das buch aus. 1. wird die langsam erzählte geschichte zu rasch zu einem ende gebracht ala irgendein ende muss jetzt her. 2. die frage des mörders ist nicht so klar, wie es einige hier meinen zu wissen - zumindest aus meiner sicht. der honigmann wie im letzten kapitel vom kind genannt, macht keinen sinn. v.a. weil im kapitel dafür der priester sich quasi als mörder outet ("jedes kind in der volksschule wird früher od. später meine stimmer erkennen") motiv? die verwirrende geschichte mit dem familienmord? was ist mit björn los? wer hat jetzt dem kind die beine gebrochen? usw. vieles bleibt im dunkeln...und daher ein unbefriedigendes ende und letzendlich ein krimi, der schön zu lesen ist, aber letztendlich an sich selbst scheitert...
L zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 22.12.2010
ich muss diese Buch lesen im Rahmen meines Studiums aber ich verstehe nichts. Es ist ein sehr schweres Buch und es ist unmöglich eine Zusammenfassung des Buches im Internet zu finden.
Wenn es möglich ist, kann man mir helfen und erklären, was es in "die Süße des Lebens" umgeht.
Vielen Dank und danke für Ihre Aufmerksamkeit.
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*Milena* zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 24.04.2010
Kurz gefasst: verstörend und einfach depressivmachend.
und das Ende macht überhaupt keinen Sinn. Außerdem ist es relativ machohaft...mit typisch männlichen Hervorhebungen!
Und das ein Autor so viele Namen in nur einem Buch erwähnen kann...
Da verliert man ja den Überblick!
Weniger ist doch mehr.
Das einzig Gute ist die Beschreibung der Landschaft und der Natur!
Absolut kein Krimi und nicht zu empfehlen!
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Thomas Pohl zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 16.02.2010
Die Geschichte ist nun mal von verschiedenen Personen erzählt, das gefällt mir sehr gut.
Was mir als bekennendem Griffelspitzer und i-Tüpfelreiter jedoch sauer aufstößt ist die Tatsache, dass Herr Hochgatterer als Fachmann Wortkonstrukte verwendet wie "wegamputieren", "Abtransferierung", "Aussenfassade" und "Vorerfahrungen". Ärgerlich ist das, weil diese Ungetüme dann weiterhin Verbreitung finden.
Ullwin zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 28.01.2010
Ein Krimi sollte atemberaubend sein. Das ist dieses Buch, nämlich atemberaubend intellektuell. Ein Krimi ist es aber eigentlich nicht, vielmehr geradezu eine Gattung für sich. Wer sich darauf einlassen möchte, muss viel Konzentration beitragen. Das Wichtigste ist die unvergesslich beklemmende Atmosphäre, besonders für Leser, die Tiere (vom Hund bis zur Biene) lieben. Die Lösung ist völlig unbefriedigend, doch darauf kommt es ja lediglich bei Krimis an.
sunny_days zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 23.05.2009
Dieser Roman ist sicher kein leichter Lesestoff, das stimmt... Ich habe den Eindruck der Autor wollte zuviel auf einmal und hat das Buch mit überflüssigen Figuren und dergleichen angeramscht. Manchmal ist weniger eben doch mehr.
Was ich persönlich als sehr störend empfinde ist diese klinisch- psychologische Blick auf die Menschen, aber wahrscheinlich kann man das nicht so einfach abstellen, wenn man Psychiater(so wie der Autor) ist.
Ich hatte beim Lesen immer das Gefühl mit den Figuren in einer Gesprächstherapie zu sitzen und nur geringfügig an ihrer Oberfläche zu kratzen. Nie hatte ich auch nur ansatzweise das Gefühl, der Autor lässt sich auf eine Figur vollkommen ein.
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IshmaelChambers zu »Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens« 13.01.2009
Als seichte Bettlektüre kann und soll das Buch bestimmt nicht dienen.
Wer dagegen Lesestoff sucht der vom Mainstream abweicht und ein gewisses Maß an eigener Kopfarbeit erfordert, ist mit dem Autor gut bedient.
Einschränkend muß ich allerdings einräumen, das die Klassifizierung als Krimi ein Stück weit irre führend ist.
Den Jenigen die sich für den Autor interessieren sei auch auch "Über Raben" empfohlen.
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