Schmutzige Wäsche von Paul Thomas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel Old School Tie, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Manhattan.
Ort & Zeit der Handlung: Australien / Sydney, 1990 - 2009.
Folge 1 der Tito-Ihaka-Serie.

  • Auckland: Moa Beckett, 1994 unter dem Titel Old School Tie. 316 Seiten.
  • London: Vista, 1997. 316 Seiten.
  • München: Manhattan, 1999. Übersetzt von Christoph Hahn. 316 Seiten.

'Schmutzige Wäsche' ist erschienen als

In Kürze:

Ein toter Detektiv in der Tiefgarage, eine Leiche im Fluss und der Selbstmord eines jungen Mädchens – was diese drei Fälle miteinander zu tun haben, ist dem rauhbeinigen Inspector Tito Ihaka im Augenblick noch nicht ganz klar. Aber auch ein anderer fischt bei seinen Recherchen vorerst im Trüben: Reggie Sparks, der Gelegenheitsreporter und gescheiterte Gigolo, der hier endlich wieder eine aufsehenerregende Story wittert. Allerdings kommt er dabei nicht nur dem verärgerten Ihaka, sondern auch der Mafia in die Quere. Und zu allem Überfluss auch einer Straßengang, neben der sich die Paten Sydneys wie ein Häkelkränzchen des Seniorenclubs ausnehmen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Lieber ein Tschin-Bumm-Roman« 38°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Autor des Werkes Schmutzige Wäsche ist ein gewisser Paul Thomas, den die Presse als besten Kriminalschriftsteller Australiens hochjubelt und der von eben dieser Presse auch als Meister des spannungsgeladenen Plots, des perfekten Timings und der coolsten Sprüche gefeiert wird.

Zuerst einmal wird einem abgehalfterten Detektiv das Lebenslicht mittels dreier Kugeln ausgeblasen und der Handlungslauf stoppt genau dort, wo man geglaubt hat, es wird interessant.

Danach hat ein Geschäftsmann nichts Besseres zu tun, als seinem Leben unter Zuhilfenahme einer hohen Brücke ein Ende zu setzen, wobei er natürlich ein liebend Weib hinterlässt, und ebenso natürlich kann keiner verstehen, warum und wieso. Und wieder stoppt der Handlungslauf.

Ein junger Mann, der in Frankreich sein Leben mehr oder weniger sittsam ruiniert, wird nach Neuseeland zu seiner Familie zitiert und Androhung der Enterbung und darf alsbald als Enthüllungsjournalist der übelsten Sorte seine Brötchen verdienen.

Ein Mord an einem Mädchen, der vor vielen Jahren im Schulmilieu für vertuschte Aufregung sorgte, bringt alle Beteiligten irgendwie zurück in die Schule und jeder der zumeist erfolgreichen Ex-Privatschüler hat irgendwo Dreck am Stecken, sei es, weil er homosexuellen Praktiken nachging und sich diverser krimineller Aktivitäten befleissigte.

Im Laufe der Recherchen wimmelt es nur so von Handgreiflichkeiten, versuchten und durchgeführten Verbrechen, rauen Sprüchen und sexuellen Handlungen. Dies macht das Buch zwar gelegentlich lesbarer, deutet aber nicht auf den oder die Mörder hin, die der Bär natürlich auch nicht verrät.

Der in England geborene Paul Thomas, der in Neuseeland aufwuchs und in Auckland studiert hat, arbeitete als Journalist in Auckland, London, Toulouse und Sydney, und diese Orte fließen auch in den Roman ein. Bevor er sich als Krimiautor verdingte, war er Sportreporter und vielleicht wäre er auch besser dabei geblieben. 1996 bekam er für seinen ersten Roman Transfer den »Ned Kelly Award« für den besten Krimi Australiens, und hier nehme ich jetzt mal an, dass in Australien nicht allzu viele Krimis jährlich erscheinen …

Wieweit es an der Übersetzung von Christoph Hahn liegt, kann ich nicht beurteilen, aber vom Lesefluss her ist dem Roman kein Vorwurf zu machen. Flüssig und zum Teil etwas derb und unter der Gürtellinie formuliert, plätschert der Krimi vor sich hin. Bis die unterschiedlichen Handlungsstränge zueinander finden und ein sinnvolles Bild ergeben, ist das halbe Buch (317 Seiten) bereits gelesen. Wenn man bedenkt, dass die interessantesten Seiten in der Beschreibung einer Zertrümmerung eines Nasenbeins und ähnlichen freundlichen Abtastversuchen zu finden sind, dann gestehe ich, dass ich lieber einen Jerry-Cotton-Roman zur Hand nehme. Dieser ist mit Sicherheit durchgängiger konstruiert und im Handlungsablauf plausibler. Und der enttäuschende und vorhersehbare Schluß kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Autor offensichtlich die Ideen ausgegangen sind oder er schnell und pünktlich zum Abgabetermin fertig werden wollte. Die letzten 50 Seiten halten jedenfalls mit dem Rest des Romanes in keinster Weise mit und so wird aus einem mittelprächtigen Krimi ein Buch, das man nicht gelesen haben muß.

Fazit: Um die bezahlten 3 Mark hätte ich mir auch einen Tschin-Bumm-Roman kaufen können, der hätte dann 68 Seiten gehabt und so bin ich mit diesem Werk als Reiselektüre nochmal gut weggekommen. Anders, wenn ich den vollen Preis bezahlt hätte, dann wäre der Ärger etwas größer gewesen. Da frage ich mich doch, ob ich solch ein Banause bin? Oder ist der Aufdruck der Pressebeurteilung bewusst nur zu marktschreierischen Zwecken erfolgt und vielleicht bezahlte Werbung? Das werden wir wohl nie erfahren, aber es wäre wahrscheinlich eine spannendere Recherche, als die im Buch beschriebene.

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