Das Haus des roten Schlächters von Paul Harding

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1992 unter dem Titel The House of the Red Slayer, deutsche Ausgabe erstmals 1993 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: , 700 - 1500 (Mittelalter).

  • London: Headline, 1992 unter dem Titel The House of the Red Slayer. 280 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 1993. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-8218-0266-9. 302 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 1995. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 3-426-63021-4. 283 Seiten.

'Das Haus des roten Schlächters' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der trinkfreudige Coroner Sir John und sein scharfsinniger Schreiber Bruder Athelstan werden durch einige geheimnisvolle Morde bei ihren Recherchen auf die Spur eines geraubten Schatzes des Kalifen geführt – und erfahren die Leiden vergeblicher Liebe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Infos werden quasi im Vorübergehen vermittelt« 78°

Krimi-Rezension von Markus Traud

Ein historischer Krimi aus dem 14. Jahrhundert, der in London spielt. »Das Haus des roten Schlächters« ist nach »Galerie der Nachtigall« der 2. Roman von Paul Harding, der sich mit den Fällen von Sir John Cranston, dem Coroner (=Untersuchungsrichter) des Königs und Athelstan, seinem Schreiber, beschäftigt.

Die Einleitung des Buches spielt 15 Jahre vor der eigentlichen Handlung des Romans, die im Jahr 1377 angesiedelt ist. In dieser Einleitung wird nur kurz erzählt, wie ein zypriotisches Schiff mit einem Kreuzritter an Bord von maurischen Piraten, die sich dann als Elitetruppe des Kalifen herausstellen, aufgebracht und versenkt wird. Ob diese Geschichte wohl etwas mit der Haupthandlung zutun hat?

Die eigentlich Geschichte beginnt mit der Ermordung des Constables des Londoner Towers. Im Laufe ihrer Ermittlungen entdecken unsere beiden Hauptakteure, dass dieser Constable scheinbar schon länger in Angst gelebt hat und wenige Tage vor seiner Ermordung auch eine Warnung bekommen hat, wie sie von gedungenen orientalischen Meuchelmördern, sogenannten Assassinen, geschickt wird. Sowohl er als auch einige der im Tower zum Zeitpunkt des Mordes Anwesende haben vor 15 Jahren im Orient gekämpft. (Wie war das mit der Einleitung?) In einer Nebenhandlung wird noch erzählt, wie Leichen vom Friedhof der von Athelstan betreuten Gemeinde Leichen von Menschen ohne Angehörigen verschwinden.

Das Aufkommen der Wissenschaft und die Problematik

Wie schon beim ersten Roman glänzt dieses Buch neben der hervorragenden Krimihandlung mit einer Vielzahl von historischen Details und Informationen, an denen man erkennt, dass Harding, der auch unter dem Namen P.C. Doherty schreibt, studierter Historiker ist. Egal ob es um Dinge wie die damals bevorstehenden Bauernaufstände, die Kreuzzüge oder das Gerichtswesen allgemein geht: es werden Infos quasi »im Vorübergehen« vermittelt, ohne daß dabei doziert wird. Was im hier vorliegenden Buch noch etwas mehr als im ersten Band hervorgehoben wird, ist das Aufkommen der Wissenschaft und die dabei entstehende Problematik. In »Die Galerie der Nachtigallen« wurde es hauptsächlich durch die Neigungen Athelstans in Richtung Logik und Astronomie ins Spiel gebracht, hier wird es zum Teil der Handlung. Weiterhin ist es, wenn man sich etwas im heutigen London auskennt, lustig und interessant, die historischen Parallelen (Ursprung von Namen, Zweck bestimmter Viertel etc.) zu sehen.

Die Figuren sind gewohnt vielschichtig dargestellt, damit man sich mit ihnen identifizieren kann. Auch das persönliche Umfeld der beiden Protagonisten wird wieder ausgiebig mit einbezogen und macht die ganze Sache noch plastischer. Man begegnet mit dem ständig saufenden, fressenden, aber trotzdem scharfsinnigen Richter und seinem zwangsverpflichteten Mönchsscheiber und ihrem Umfeld quasi alten Bekannten, deren Leben weitergeschrieben wird. Aber da dies nie in die eigentliche Handlung einfließt und genügend Infos gegeben werden, muß man den ersten Roman nicht kennen, um dieses Buch genießen zu können.

Kann neben der Cadfael-Reihe durchaus bestehen

Der Titel ist ausnahmsweise mal wirklich einfach übersetzt worden und spielt auf den Tower of London an, um den sich ja schon zur damaligen Zeit viele Sagen rankten und der ja auch Gefängnis und Richtplatz war. Und somit war der rote Schlächter, also der Tod, dort zuhause.

Vielleicht kurz bei diesem Buch die Anmerkung, dass man natürlich Vergleiche mit der Bruder Cadfael-Reihe von Ellis Peters ziehen muß. Aber es können mehrere Reihen ähnlichen Inhalts durchaus parallel bestehen und gut sein.

Insgesamt wieder ein sehr schöner, spannender und mit History gespickter Krimi. Man sollte natürlich nicht zu viel Anspruch erwarten, aber wer so etwas sucht, sollte keine historischen Krimis, sondern Geschichtsbücher lesen. Als Unterhaltungslektüre wärmstens zu empfehlen.

Ihre Meinung zu »Paul Harding: Das Haus des roten Schlächters«

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anath zu »Paul Harding: Das Haus des roten Schlächters« 17.08.2011
Dieses Buch führt die beiden doch sehr ungleichen Ermittler in den Tower. Das ist höchst interessant. Leider ist der dort aufzuklärende Mordfall dann für erfahrene Krimileser recht schnell geklärt, John und Athelstan brauchen natürlich bis zum Schluß. Das ist schade. Ein wenig mehr Einfallsreichtum beim Ausdenken der Mordmethode hätte hier nicht gut getan. Und dank des Prologs ist auch das Motiv recht schnell geklärt. Das ist auch schade.
Kriminalistische Spannung kommt nicht mal im zweiten Handlungsstrang in Sachen Leichendiebstahl auf - es ist viel zu sonnenklar, was da läuft und wer dahinter steckt.
Trotzdem liest sich das Buch gut denn die privaten Verwicklungen der beiden Protagonisten sorgen durchaus für Spannung und mitfühlende Seufzer. Dazu auch hier wieder jede Menge Dreck ( ohne geht ein Mittelalterkrimi nun wirklich nicht !) und reichlich Details aus dem Alltagsleben der Londoner, eine flüssig und mit Enthusiasmus erzählte Geschichte.
Alles in allem nichts für Hardcore-Krimifans, allerdings ein nettes Häppchen für Freunde des Histo-Krimis wie mich.
schimnic zu »Paul Harding: Das Haus des roten Schlächters« 04.11.2006
Harding hat mit Cranston und Athelstan zwei Figuren geschaffen, die in Kombination miteinander komisch, traurig, genial und echt sind. Eingebettet in ein mittelalterliches London, das vor lauter Leben nur als "strotzend" zu bezeichnen ist, macht die Lektüre unendlich viel Spaß. Man fragt sich nach dem Buch, warum es nur schon zuende ist... der Schreibstil läßt vor dem geistigen Auge derart bunte Bilder entstehen, daß sich der Leser fragen muß, ob er Geschehenes "nur" gelesen hat oder tatsächlich erlebt... prachtvolle und saftige Lektüre !!!!! Ich liebe jedes einzelne Abenteuer des Duos.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frederik Eiklenborg zu »Paul Harding: Das Haus des roten Schlächters« 06.01.2005
Das Buch war mein erstes "Harding" Buch.
Vor allem der Protagonist wird sehr tief vorgestellt, sich mit der Person zu identifizieren fällt sehr leicht: Schwächen wie Stärken sind dem Mönch gegeben, hier und da wiederfährt dem Leser ein Schmunzeln.
Auch erfahrene Krimi-Leser werden es schwer haben, den Täter vor der eigentlichen finalen Auflösung zu identifizieren (Obwohl es, wie mir beim zweiten Lesegang aufgefallen ist, durchaus möglich ist).
Harding malt in dem Buch das mittelalterliche London bunt aus, schildert lebhaft die Hauptstadt Englands. Wenn man sich erst mal an die Ortsnamen gewöhnt hat, ist auch der Lesefluss und Verständnis kein Problem.
Fazit: Buch für Fans von Mittelalterkrimis, aber auch für "normalen" Krimilesern sehr empfehlenswert. Aus der Hand legen möchte man das Buch zwischendrin nicht.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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