Spurensammler von Paul Finch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The Killing Club, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Piper.
Folge 3 der Mark-Heckenburg-Serie.

  • London: Avon, 2014 unter dem Titel The Killing Club. 496 Seiten.
  • München: Piper, 2015. Übersetzt von Bärbel und Velten Arnold. ISBN: 978-3-492-30683-6. 496 Seiten.

'Spurensammler' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als einer der gefährlichsten Schwerverbrecher Englands von seinen Komplizen aus dem Hochsicherheitsgefängnis befreit wird, holt Detective Mark Heckenburgs spektakulärster Fall ihn plötzlich wieder ein. Zwei Jahre nachdem unzählige Opfer entführt und ermordet wurden, beginnt der Albtraum von Neuem. Immer mehr Menschen werden getötet. Kaltblütig, brutal, am helllichten Tag. Und Heck weiß, dass es nicht lange dauern wird, bis auch er an der Reihe ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »"Hallo« Action – »Auf Wiedersehen« Sinn und Verstand» 65°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Für die Freunde des eigenwilligen Ermittlers Mark «Heck» Heckenburgs gibt es anlässlich des Wiedersehens eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist die, dass Heckenburg in diesem actionreichen Roman eine atemlose Jagd bietet und unermüdlich dem Bösen auf den Fersen ist. Die schlechte Nachricht ist die, dass die Logik vor lauter Action zurückbleibt und offensichtlich schwer atmend an einer Ecke lehnt, kann sie doch dem rasanten Treiben nicht mehr folgen.

Mark Heckenburg trifft in diesem Roman auf einen alten Bekannten: Peter Rochester alias «Mad Mike Silver» sollte eigentlich gut verwahrt in «her majestys prison» Brancaster einsitzen. Leider lässt sich das von seinen alten Spießgesellen nicht behaupten und als es diesen gelingt, ihren «Häuptling» zu befreien, nimmt eine Mordserie gewaltigen Ausmaßes ihren Lauf. Kurioserweise sind es in diesem Fall keine tatsächlich unschuldigen Opfer, die zu ihrem Pech nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren, sondern offensichtlich wird hier eine «Generalreinigung» betrieben. Rochester hatte seinerzeit das «Verbrechersyndikat »Nice Guys« ins Leben gerufen und jeder, der eine Rechnung nicht auf dem »handelsüblichen« Weg begleichen wollte, konnte diese schweren Jungs beauftragen. Jetzt scheinen aber dieselben Jungs die Spuren ihrer Taten beseitigen zu wollen und dabei scheinen die alten Auftraggeber alslästige Mitwisser offensichtlich zu stören.

Der Piper Verlag hat offensichtlich beschlossen, einmal mit einem Thriller der härteren Gangart zu punkten und lockt seine Leser mit einem schwarzen Einband mit einem blutroten Buchschnitt sowie der aufgedruckten Anzeige, dass dieses Buch »nichts für schwache Nerven« ist. Abgesehen davon, dass der rot gefärbte Buchschnitt teilweise dazu führt, dass die Seiten verkleben, was manchmal tatsächlich nervig ist, trägt Finch seine Spannung eher mit der Brechstange auf. Der Leser wird durch ein Szenario brutaler Morde gejagt, die mit atemberaubendem Tempo fesseln. Dennoch – Tempo und Action sollten nicht mit subtiler Spannung verwechselt werden.

Zugunsten dieses Tempos werden dann auch diverse Fragen der Logik oder auch fragen der ernsthaften Polizeiarbeit außer Kraft gesetzt. So ist die Polizei in diesem Buch als erstes auf die Rolle der reagierenden Partei reduziert, die dem Strom der kriminellen Aktionen quasi hilflos ausgesetzt ist. Die Handlung ist insgesamt auf das Erleben und die Gefühlswelt des Protagonisten Heckenburg beschränkt, der sicherlich der allein schon aufgrund der Tatsache, dass er als einer der wenigen Darsteller ohne Bürstenhaarschnitt und Stiernacken in Erscheinung tritt, eine gewisse Sympathie zu verbreiten mag. Dennoch werfen seine Ermittlungen diverse Fragen auf: Wer zu einem Verdächtigen anreist, der möglicherweise für mehrere Morde verantwortlich ist und die die Weitsicht besitzt, sich bereits einen Durchsuchungsbefehl ausstellen zu lassen, der sollte doch auch in der Lage sein, ein schlagkräftiges Team für diesen »Besuch« zusammenzustellen. Wer einen einzigen Anruf absetzen kann, um eine geschätzte Kollegin vor einer drohenden Gefahr zu warnen, wird diese Warnung vermutlich nicht nur mit der recht allgemein gehaltenen Empfehlung »sie soll gut auf sich aufpassen« absetzen.

Immerhin ist es nicht nur »Heck«, der seinen gesunden Menschenverstand zu Gunsten von Action und Spannung opfert. Die allesamt stiernackigen, untersetzten, mit Narben übersäten Mitlieder der »Nice Guys« sollten sich auch einmal fragen lassen, aus welchem Grund sie die Mitwisser ihrer alten Taten systematisch in ein besseres Jenseits verfrachten, dabei aber bevorzugt in der Gruppe morden und somit neue Grundlagen für neue Mitwisser schaffen. Ist es nicht eine Faustregel, dass mögliche Zeugen von Untaten tunlichst vermieden werden sollten? Immerhin – Finch gelingt es gelegentlich die schematische Darstellung seiner Übeltäter zu durchbrechen. Nachdem der Leser sich schon fragt, ob es nicht einfacher wäre, einfach alle stiernackigen, vernarbten Männer einzubuchten und anschließend die Guten von den Bösen zu sortieren, zeigt der Autor auch, dass er mit dessen Erwartungen durchaus spielen und die Dinge wenden kann. Leider sind diese sarkastischen Spielereien dünn gesät – das gute alte »Katz-und-Maus-Spiel« verliert einiges an seinem Reiz, wenn die stiernackige Katze schon von weitem zu erkennen ist.

Dennoch soll dem Spurensammler nicht aberkannt werden, dass er zu unterhalten vermag. Es stellt sich nur die Frage, mit welchen Erwartungen, der Leser an dieses Buch herantritt: Wer gute, solide Action – unbeeinträchtigt vom realen Leben – erwartet, der ist hier richtig. Die Filme, die nach dem Muster »Die hard«, die mit diversen ehrlichen Explosionen aufwarten, haben verdientermaßen genauso ihr Stammpublikum wie die Streifen á la Das Schweigen der Lämmer. Dennoch bleibt die Frage, ob die Folge diverser Action-Szenen tatsächlich die Beschreibung »Thriller« rechtfertigt – oder ob diese Bezeichnung nicht auch den subtilen Spannungsaufbau und das Spiel mit den menschlichen Abgründen voraussetzt.

Sabine Bongenberg, Februar 2016

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