Ein makelloser Tod von P.D. James

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The private patient, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Droemer.
Folge 14 der Adam-Dalgliesh-Serie.

  • New York: Alfred A. Knopf, 2008 unter dem Titel The private patient. 352 Seiten.
  • München: Droemer, 2009. Übersetzt von Walter Ahlers & Elke Link. ISBN: 978-3-426-19846-9. 552 Seiten.
  • München: Droemer/Knaur, 2010. Übersetzt von Walter Ahlers & Elke Link. ISBN: 978-3-426-50377-5. 560 Seiten.

'Ein makelloser Tod' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Die wegen ihrer spitzen Feder gefürchtete Journalistin Rhoda Gradwyn verbringt einige Tage in der entlegenen Privatklinik von Dr. Chandler-Powell, um möglichst diskret die unschöne Narbe aus ihrem Gesicht entfernen zu lassen. Doch am Tag nach der OP liegt Rhoda tot im Bett, offensichtlich wurde sie erwürgt. Kurz darauf wird ein Freund des feinen Hauses in der Tiefkühltruhe aufgefunden – Commander Adam Dalgliesh und sein Team stehen vor einem Rätsel …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn «ordentlich» nicht ordentlich genug ist« 70°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Als sie ein Kind war wurde der mittlerweile berühmt-berüchtigten Journalistin Rhoda Gradwyn bei einem häuslichen Streit eine Gesichtsverletzung zugefügt. Neben den unsichtbaren seelischen Verletzungen hinterließ dieser Streit eine tiefe Narbe, die das Gesicht der Frau seit Jahren verunstaltet. Immerhin – das 21. Jahrhundert hält genügend Möglichkeiten bereit, unerwünschte Schönheitsmakel begradigen zu lassen. Rhoda entschließt sich daher, die Narbe in einer mehr als renommierten Privatpraxis auf dem platten Land entfernen zu lassen. Aber obwohl die Operation gelingt, hat die Journalistin nicht allzu viel Zeit sich an dem Ergebnis zu erfreuen, wird sie doch noch in der Nacht nach dem Eingriff in ihrem Krankenbett erwürgt. So ein unerhörter Vorgang kann im »Mercedes« der Krankenhäuser nicht durch den örtlichen Dorf-Sheriff untersucht werden, so dass Inspektor Dalgliesh und sein bewährtes Team auf den Plan gerufen werden.

Kalte Persönlichkeiten

Wenn eine Autorin in Nachfolge von Agatha Christie als »Queen of Crime« bezeichnet, wird, so erwartet der Leser oder die Leserin mehrere Charakteristika: Spannende Unterhaltung, lebendige und nachvollziehbare Charaktere und eine stringente und spannende Unterhaltung. Leider erfüllt ihre Hoheit keine dieser Vorgaben. Daher bleiben die eingeführten Figuren eindimensional, blass und klischeehaft. So wird zum Beispiel die kalte Rhoda Gradwyn vorgestellt, die aufgrund der Misshandlungen durch ihren Vater eine Gesichtsentstellung davontrug. Als eine Folge dieser Misshandlungen ist die erwachsene Rhoda zwar eloquent und herausragend in ihrem Beruf, jedoch scheinen alle anderen menschlichen Regungen auf der Strecke geblieben zu sein. Hier hätte sich der Leser sicherlich gewünscht, etwas mehr über die Protagonistin zu erfahren. Ist ihre regelmäßig nach außen getragene Kälte allein das Ergebnis der traurigen Jugend oder welche anderen Faktoren haben noch zu dieser Entwicklung beigetragen? Absolut unklar bleiben auch die Beweggründe, die das spätere Opfer an die Stätte des späteren Verbrechens locken. Wenn eine Frau tatsächlich unter einer entstellenden Narbe leidet, wozu braucht sie mehr als 20 Jahre dazu, um diese entfernen zu lassen und was bedeutet ihre Erklärung »Ich brauche die Narbe nicht mehr«? Insbesondere im Hinblick auf diese Äußerung würde es den Leser doch schon sehr interessieren, worin sich dieses vorherige »Brauchen« bemerkbar machte. Aber obwohl von verschiedenen Seiten immer wieder dieser Spruch als offensichtlich maßgeblich für den OP-Wunsch und die damit heraufbeschworene Katastrophe zitiert wird, hüllt sich die Autorin hinsichtlich der Aufklärung in Schweigen.

Nicht viel besser ergeht es Robin Boyton, dem Freund (?), Lebensgefährten (?), schwulen Kumpel (?) des Mordopfers, der offensichtlich dazu angelegt ist, alle schlechten Eigenschaften des englischen, homosexuellen Lebemannes in sich zu vereinen. Er ist nicht nur eitel, unordentlich, geldgierig und unbeständig, sondern blickt auch wie Rhoda auf eine traurige Entwicklung zurück, wenn diese auch nicht dazu angetan ist, dem Leser ein gesteigertes Mitgefühl abzuringen. Immerhin wurde Robin mit ansprechenden körperlichen Vorzügen ausgestattet, die allenfalls erklären, aus welchem Grund er überhaupt ein paar Freunde aufweist. Aus welchem Grund er jedoch mit Rhoda Gradwyn befreundet ist bzw. was diese in welcher Hinsicht überhaupt an ihm gefunden oder in ihm gesehen hat, bleibt aber insgesamt schleierhaft. Diese Beschreibung umfasst auch am besten sein späteres Ende, da nicht wirklich ersichtlich wird, warum sich ein Mörder die Arbeit machen sollte, diesen unwichtigen und allenfalls lästigen Zeitgenossen zu beseitigen.

Die Kuh am Schwanz am raus am ziehen

Leider wird das persönliche Manko der Personen nicht durch eine temporeiche oder zumindest anschauliche Erzählart ausgeglichen. Frau James verliert sich vielmehr in langatmigen Erzählungen, in Satzkonstruktionen, die in ihrer Komplexität nerven und in Darstellungen, die zum mehrfachen, genauen Lesen zwingen – ohne das letztendlich eine brauchbare Information heraus gefiltert werden kann.

»Mit einer leisen Reue, der Scham zu ähnlich, um angenehm zu sein, registrierte sie, dass sie sich an diesem ersten, maliziös von ihre hervorgerufenen Aufblitzen freudiger Überraschung, der Gier in seinen Augen und dem raschen Zurücksinken in realistisches Denken weidete.« (Wer versteht diesen Satz beim ersten Lesen?)

Allein die Passage in der Robins traurige Jugend geschildert wird, erfüllt die maximale »Nerv-Frequenz«, greifen doch die zeitlichen Daten, wer sich wann umbrachte, wer wann allein die Familie ernähren musste, wer wann nach Australien auswanderte und wer wann welchen Kontakt mit wem abbrach, nicht stringent ineinander. Wie bei so vielen langatmigen Beschreibungen hilft hier allerdings die Einschätzung »Wird wohl nicht so wichtig sein« und in der Regel trifft diese Haltung auch zu.

OK ist nicht gut

Trotz all dieser Mankos wäre es hier dennoch überzogen, den »Makellosen Tod« als völlig misslungen zu bewerten. Grundsätzlich gelingt es der Autorin durch die Vielschichtigkeit der möglichen Motive und der verschiedenen Handlungsstränge die Leserschaft zu interessieren, wenn auch nicht zu fesseln. Allein durch die Streifzüge innerhalb der englischen Geschichte (inklusive Hexenverbrennung und Fluch), durch die familiären Konflikte und nicht zuletzt durch die verschiedenen Charaktere im Ermittlungsteam gelingt es der P.D. James die Leser immer wieder auf neue und größtenteils falsche Spuren zu schicken, wenn auch mit der ständigen Erwähnung des Gärtners zu deutlich angekündigt wird, dass er hier vermutlich einmal mehr nicht der Mörder war.

Als Fazit bleibt dennoch festzuhalten, dass auch diese Queen of Crime zumindest mit diesem Werk an eine Grenze gestoßen ist, bei der sie über das Abdanken zumindest einmal nachdenken sollte. Wer sich also an einem guten, alten Krimi englischer Tradition erfreuen will, sollte vielleicht daher doch auf die gute alte Lady Agatha oder aber zumindest auf eines der früheren Werke von Frau James zurück greifen. Und über dieses Buch gar nicht mehr so viele Worte verlieren – 70°.

Sabine Bongenberg, Juli 2011

Ihre Meinung zu »P.D. James: Ein makelloser Tod«

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Gisela Vonnemann zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 14.06.2016
PD James... was haben mich ihre Bücher vor vielen Jahren noch begeistert und wie sehr habe ich mich auf das jeweils neue gefreut.

Und nun das. Schade, dass sie sich dieses Buch angetan hat. Schade, dass sie in die Falle getappt ist, es noch einmal versuchen zu wollen. Die Reihe derer, die nicht wussten, wann man besser aufhören sollte, ist lang. Schade, dass sie sich dort eingereiht hat.
Norbert zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 30.09.2011
Ein Alterswerk. Da war wohl noch ein Plot im Zettelkasten. Alles passt nicht in das Jahr 2005: Auswandernde treue Hausangestellte, Journalistin ohne Navigationsgerät, Privatklinik in der der Professor persönlich abends die Türen abschließt.

Gut, der Verlag vermarktet den Namen der Autorin nochmal, aber einen Dienst hat sie sich nicht erwiesen.
ClaudiaKlapp zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 25.02.2011
Habe dieses Buch eben beendet. und bin etwas enttäuscht...

Die anderen Dalgliesh-Romane lesen sich wesentlich besser.
P.D.James wollte dieses Mal wohl zuviel in ein Buch packen. Ihr "um-jeden-Preis-auf-der-Höhe-der-Zeit" sein wollen (Internetbeziehung, Hexenkult, Homosexualität usw.) war mir etwas zu dick aufgetragen...

Alles in allem kein Einsteigerbuch für Mrs. James, sie kann es besser.
Allerdings immer noch lesenswert - wenn man den guten Alten Whodunnit-Stil mag ;)
asimowitsch zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 07.02.2011
Ich habe das Buch gelesen, es war interessant, spannend und hat sich flüssig gelesen und dann kam schon das Ende der Lektüre und damit die Fragen!
Kann mir bitte jemand verraten, was die Autorin mir mit diesem Ende mitteilen möchte? Wer hat denn nun den armen Kerl in die Truhe gepackt? Schade, dass sich mir das Ende des Romans nicht erschließen wollte.
Wallje zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 24.09.2010
Leider muss ich mich den hier verfassten Meinungen mehrheitlich anschließen, auch ich hatte enorme Schwierigkeiten durchzuhalten. Nur als alter Fan von PD James und Commander Dalgliesh konnte ich es aushalten, das Buch in Originalsprache zu Ende zu lesen. Und auch dieses hat nicht wirklich überzeugt. Es gibt viel bessere Bücher von PD James, ich kann allen Lesern nur raten, sich an die Erstlingswerke zu halten.
bintang zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 09.05.2010
P.D.James ist ja nun nicht mehr die Jüngste und sollte sich jetzt wohl doch zu 100% auf die Beschreibung englischer Wohn- und Kochkultur spezialisieren. Ihr Buch gehört nämlich eher in die Sparte "Schlimmer Wohnen" als in eine Krimireihe. Superlangweilig und enttäuschend. Schade! Da ich es für €2,- bei Oxfam gekauft habe hält sich der Arger in Grenzen.
Megué zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 20.03.2010
Ich habe das Buch in der Originalsprache gelesen, zufällig vor dem Abflug von London gekauft. Es war mein erstes Buch von P.D. James. Ich fand es gut, aber nicht überwältigend, und leider viel zu langatmig. Interessant die Liebegeschichte des Chefarztes, allerdings nicht unbedingt dazugehörend. Ich werde noch einen oder zwei Versuche mit P.D. James unternehmen, in der Hoffnung, sie erreiche das Niveau von Hammet, Ambler, Chandler & Co,
Nomadenseele zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 15.02.2010
Das Buch war durchaus zügig zu lesen und so gingen die ersten 400 Seiten sehr schnell um. Danach hatte ich keine richtige Lust mehr, da es einfach keine Spannung gab: Der Ermittler fährt herum und befragt Zeugen, der Fall ist so verwickelt, dass man nicht einmal raten kann, wer der Mörder ist; das machte keinen Spaß mehr.
Sicherlich kann die Polizei nur Zeugen befragen und Untersuchungsergebnisse abwarten, wirklich spannend wird auch die wirkliche Arbeit oft nicht sein. Da ich zur Unterhaltung lese, ist mir das Abbild der Wirklichkeit allerdings egal.
Eines muß man der Autorin lassen, sie steht wirklich in der Tradition Agatha Christies: Ihre Bücher sind genauso langweilig.
Nachdem das Buch vier Tage hier dann herumlag, ging ich davon aus, dass ich ohnehin nicht mehr in die Handlung reinkomme und brach ab.
Breibirg zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 08.02.2010
Dieses Buch ist mein erstes von P.D. James und ich bin total begeistert. Vielleicht liegt es daran, das ich mangels Erfahrung mit dieser Autorin keine Erwartungen hatte aber der ganze Schreibstil hat mir unheimlich gut gefallen. Die einzelnen Personen wurden sehr bildhaft beschrieben, ebenso der Handlungsort und ich konnte mich wirklich sehr gut in die Situationen einfinden.
Es wird daher nicht mein letztes Buch von P.D.James gewesen sein :-)
Margitta zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 23.12.2009
Ich bin ein großer P.D.Fan.Leider konnte mich das Buch nicht überzeugen.Es kam ewig nicht in Gang und hat auch keinerlei Spannung aufgebaut.Nur weil ich ein Fan der Schriftstellerin bin habe ich es zu Ende gelesen.Aber es ist mir schon sehr schwer gefallen es zu Ende zu lesen.Insgesamt ein sehr schwaches Buch.
unzelfunzel zu »P.D. James: Ein makelloser Tod« 16.10.2009
Langweilig! Ich habe das Buch nach 100 Seiten weggelegt, weil immer noch nichts passiert ist. Die Autorin ergießt sich seitenlang in aufwendigen und detaillierten Beschreibungen und Tätigkeiten von verschiedenen Personen. Ich lese sehr viel, eigentlich fresse ich Bücher. Dieses war das zweite von P.D. James, auch das erste habe ich nach 100 Seiten weggelegt, weil es mir nicht gefallen hat. Schade um das Geld.
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