Acht Stunden Angst von Nicci French

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Losing you, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei C. Bertelsmann.

  • London: Michael Joseph, 2006 unter dem Titel Losing you. 292 Seiten.
  • München: C. Bertelsmann, 2007. Übersetzt von Birgit Moosmüller. ISBN: 978-3-570-00938-3. 350 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Birgit Moosmüller. ISBN: 978-3-442-46848-5. 350 Seiten.

'Acht Stunden Angst' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der Schrecken beginnt als Idylle. Auf Sandling Island hält der Winter Einzug, doch Nina ist an ihrem 40. Geburtstag mit den Gedanken bereits im sonnigen Florida. In wenigen Stunden wird sie mit ihren beiden Kindern zum Flughafen aufbrechen. Doch die 15-jährige Tochter Charlie kommt nicht nach Hause. Nina wird schnell klar, dass jede Minute zählt. Sie muss Charlie finden – koste es, was es wolle …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die vertraute Inselatmosphäre wird zum Albtraum« 62°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Die Werke des Autoren-Ehepaars Nicci Gerard und Sean French könnte man schon als moderne Klassiker der britischen Kriminalliteratur bezeichnen, denn sie haben einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreicht, wie die Krimis von Minette Walters oder Val McDermid. Nicci French schreiben keine Serien, sondern Kriminalromane mit immer wieder neuen Schauplätzen und Protagonisten. Acht Stunden Angst (engl. Original Losing you) spielt an einem beschaulichen und einsamen Ort auf der fiktiven Insel Sandling Island im Ärmelkanal.

Verpasste Ferien

Kurz vor Weihnachten zu ihrem 40. Geburtstag wollte Nina Landry mit ihren Kindern und dem neuen Partner auf die Florida-Keys fliegen. Nach einer schwierigen Trennung von ihrem Ex-Ehemann wünscht sie sich nichts sehnlicher, als der idyllischen, aber kalten Winterlandschaft von Sandling Island zu entfliehen. Doch daraus wird nichts. Nina wartet vergeblich auf ihre Tochter Charlie, die die Nacht bei Freunden verbracht hatte. Stattdessen belagern zahlreiche Überraschungsgäste das Haus, während Nina versucht ihre Tochter auf dem Handy zu erreichen. Doch Charlie, die sich auch auf die Reise gefreut hatte, meldet sich einfach nicht. Schließlich benachrichtigt Nina die Polizei.

Charlies gefährliches Doppelleben

Die Polizei vermutet, dass die 15-jährige Charlie ausgerissen ist und bemüht sich nicht gerade intensiv darum, dass Mädchen zu finden. Aus Charlies Zimmer fehlen Toilettenartikel, die das Mädchen am Abend zuvor für die spontan beschlossene Übernachtung nicht mitgenommen hatte. Ist sie selbst am Morgen in das Haus geschlichen oder hat ein anderer ihre Sachen abgeholt? Nina glaubt, dass ihre Tochter das zurückgelassene Antibiotikum unbedingt mitgenommen hätte, wenn sie selbst gekommen wäre.

Während eigener Nachforschungen taucht Nina in das ihr vollkommen unbekannte Doppelleben eines Teenagers ein, der sich heimlich mit Jungs trifft und gelegentlich Joints raucht. Welches ihrer Geheimnisse konnte Charlie in so ernsthafte Schwierigkeiten bringen, dass sie stundenlang spurlos verschwunden bleibt?

Es fängt ganz harmlos an …

Ähnlich wie in Der Sommermörder beschreiben die Autoren in Acht Stunden Angst die Geschehnisse aus einer sehr subjektiven Perspektive. Dieses mal jedoch nicht aus der des Opfers, sondern aus der einer verzweifelten Mutter, die versucht herauszufinden, was ihrer Tochter geschehen sein mag.

Nina erzählt sehr viel von ihrer eigenen Geschichte, wie die Familie nach Sandlings Island kam und warum ihre Partnerschaft in die Brüche ging. Der Leser erfährt auch alle Einzelheiten aus dem Leben ihrer Tochter Charlie, soweit sie Nina bekannt sind. Diese subjektive Perspektive vermittelt eine sehr persönliche Atmosphäre in einer Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt. Ganz allmählich kippt diese friedliche Stimmung und wird immer mehr von Angst und einer bösen Vorahnung verdrängt. Eine vermeintlich sichere, heimelige Umgebung wandelt sich zu Ort voller düsterer Geheimnisse.

 …und wird sich zum Albtraum jeder Mutter

In Echtzeit folgt der Leser der Hauptprotagonistin Schritt für Schritt in das wahre Leben ihrer Tochter. Man spürt die zunehmende Sorge über Ungereimtheiten im Leben des Mädchens, teilt den Ärger über die Ignoranz einiger Klassenkameraden und den Schrecken über Ereignisse, die Charlie möglicherweise in tödliche Schwierigkeiten gebracht haben.

Viel Psychologie führt nicht zu viel Spannung

Die Autoren beschreiben Ninas Geschichte und ihre verzweifelte Suche so eingängig, dass man als Leser eine wachsende innere Unruhe verspürt und ihre Verzweiflung gut nachempfinden kann. Der subtile Aufbau der zunächst unbeschwerten, dann zunehmend bedrohlicher werdenden Atmosphäre überzeugt.

Allerdings gibt die Handlung nicht genug Spannungselemente her, um den Leser durchgehend fesseln zu können. Es ist auf die Dauer etwas eintönig, alles und jeden aus Ninas Sicht wahr zu nehmen, manchmal nervt es einfach, dass sie wirklich jedem erklären muss, was er zu tun hat. Ninas Interaktionen mit anderen Personen wirken oft oberflächlich abgehandelt und bringen die Handlung kaum weiter, das dilettantische Agieren der Polizei wurde völlig überzogen und unglaubwürdig dargestellt.

Am Schluss wird es endlich richtig spannend. Nachdem die Autoren den Leser auf einige falsche Fährten gelockt haben, können sie der Geschichte in der Auflösung noch einmal einen überraschenden Wendepunkt verleihen. Leider wirkt das Ende insgesamt etwas unausgereift, der Leser erfährt nichts über die Motive und Hintergründe dessen, was sich ereignet hat.

Was dem Autoren-Ehepaar in Der Sommermörder so vorzüglich gelungen ist, nämlich die Erschaffung psychologischer Hochspannung durch Situationen, in der die Protagonisten gegen ihr persönliches Grauen ankämpfen, ist hier weniger gut gelungen. Acht Stunden Angst ist ein Krimi, den man gut in einem Rutsch lesen kann, aber nicht unbedingt muss – Nicci French haben spannendere Lektüre im Angebot.

Eva Bergschneider, April 2007

Ihre Meinung zu »Nicci French: Acht Stunden Angst«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

florida-manatee zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 21.04.2013
Eigentlich mag ich die Bücher von Nicci French. Aber bei diesem musste ich mich richtig durchquälen, ich fand es langatmig und es ist von einem Psychothriller weit entfernt. Habe über eine Woche dafür gebraucht es zu lesen, normalerweise brauche ich zwei Tage für ein spannendes Buch.Von mir nur 10°.
kianan zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 22.11.2012
Kurz bevor sie in den Urlaub fahren wollen, ist Ninas Tochter Charlie verschwunden. Daraus entwickelt sich eine spannende Suche nach Charlie, bei der ich mitgefiebert habe.
Daher habe ich dieses Buch schon als spannend gefunden. Jedoch sind die Handlungsweisen der beteiligten Personen oftmals nicht realistisch.
Daher mein Fazit: Flüssig geschrieben, gut beschriebene Charaktere, spannend - aber es gehört eher zur leichten Krimikost und ist sicherlich nicht das Beste von Nicci French.
Flocke zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 26.12.2009
Nachdem ich bereits einige Bücher von Nicci French gelesen hatte ("Der falsche Freund" ist der Hammer!) hatte ich hohe Erwartungen, was "Acht Stunden Angst" angeht.
Enttäuscht wurde ich nicht, denn das Buch liest sich flüssig und hat mich auch fesseln können.
Jedoch habe ich einen gewissen Tiefgang vermisst. Vor allem am Schluss, denn die Motive des Täters werden mit keiner Silbe erwähnt. Schade.

Die Bezeichnung "Psychologischer Thriller" halte ich für überzogen.

Mein Fazit: ich bereue es nicht, dieses Buch gelesen zu haben, bin allerdings froh, es gebraucht (und somit recht preiswert) erworben zu haben.
rionach zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 14.06.2009
das war das erste Buch von Nicci French, bei dem ich Mühe hatte, es zu Ende zu lesen. Ich fand es schlichtweg langweilig und konstruiert. Die Hysterie der Mutter ist mir auf die Nerven gegangen, obwohl sie natürlich völlig verständlich ist. Schade, denn die anderen Bücher habe ich bereits mehrmal gelesen und finde sie immer noch spannend.
melda zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 14.01.2009
Ich bin eine sehr begeisterte Nicci French-Leserin. Allerdings tat ich mich besonders Anfangs sehr schwer mit diesem Buch. Die Hauptperson und ihre Familie waren für mich sehr unsympathisch. Ich konnte kaum Mitgefühl aufbringen. Besonders störte mich Ninas grosse Panik von erster Sekunde an. Dreht man gleich so am Rad, wenn eine Tochter nach 10 Min. noch nicht zu Hause ist? Auch das am selben Tag der Abreise noch Wäsche gewaschen, getrocknet, gebügelt und eingepackt werden muss, war auch erstaunlich für mich. Bereitet man sich für eine weite USA Reise nicht paar Tage eher vor? An einer Stelle des Buches wird der ganze Inhalt einer Schublade detailiert aufgezählt. Wozu? Dies brachte die ganze Geschichte keinen Cent weiter. Ab der Mitte des Buches wurde es allerdings doch noch richtig spannend. Anerkennenswert ist die Kraft und das Durchhaltevermögen der Hauptperson. Ich bin froh, das Buch doch noch durchgelesen zu haben und werde andere Nicci French - Werke lesen.
vicky zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 16.08.2008
Nach "Der Sommermörder" von Nicci French habe ich nun "Acht Stunden Angst" in der Bücherei entdeckt und mitgenommen.

Die Geschichte verspricht eigentlich recht viel, der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut zu verstehen, allerdings hat mich etwas genervt, wie gehetzt die Mutter in diesem Roman rüberkommt.
Mein Fazit: 60 Grad
"Der Sommermörder" ist deutlich besser und spannender und aus "Acht Stunden Angst" hätte wesentlich mehr gemacht werden können. Schade!
lilalu zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 26.07.2008
Naja, es ist ein typisches Nicci-French-Buch: Ewig lange wird Spannung aufgebaut, und das auch recht gut (sehr gut ist die Idee, das Buch in "Echtzeit" zu inszenieren), und dann wird der Schluss wieder mal ziemlich hingeschludert. Was waren die Motive? Wieso verhalten sich die Polizisten am Ende mit ihren Fragen nach dem Mörder so eigenartig? War' s vielleicht doch ein anderer?
Davon abgesehen, dass ich den Mörder recht schnell ausfindig gemacht hatte, ist diese Nina schrecklich nervig! Ich mag diese Frau einfach nicht. Schade ist bei Nicci French immer, dass sie ein meist eher uninspiriertes Ende haben: Sie sind echte Könner, was den Aufbau einer Story anbelangt - das machen sie gut - aber sie kriegen selten ein gelungenes Ende hin. In diesem Buch ist das Ende sogar sauschlecht!
JaneM. zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 07.04.2008
Es gibt eindeutig bessere und vorallem spannendere Romane des French-Paares. Schlecht ist "8 Stunden Angst" nun auch nicht und ich stimme mit Falcon überein, dass Klischees angenehm umschifft werden. Aber trotzdem ging mir Nina bald auf den Nerv: hektisch sucht sie Personen auf, erfährt Details, um dann genauso hektisch zum nächsten zu rasen... Aber gut. Am ärgerlichsten empfand ich, dass sich die Motive des Täters nicht richtig erklären.Ich kann mich Eva Bergschneider nicht ganz anschließen: dass eine 16jährige ihre Beziehung zu einem Jungen nicht vor ihrer Mutter ausbreitet und auch schon mal gekifft hat, sehe ich nicht als "gefährliches Doppelleben" an. Und "düstere Geheimnisse" hatte bis auf eine/n auf der Insel auch niemand.
Ich jedenfalls werde Nicci French auch weiterlesen und dieses Buch als Schwachstelle verbuchen.
Marion zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 17.09.2007
Ich habe losing you im original gelesen und war leider - obwohl das buch wirklich spannend und gut geschrieben ist - enttäuscht. das liegt einfach daran, dass das autorenteam die latte einfach hoch gelegt hat. bisher konnte ich die bücher von french kaum aus der hand legen - diesmal, ich muss es gestehen, habe ich sogar textpassagen mit wiederholungen übersprungen.

die zunehmende angst und verzweiflung von nina wird gut beschrieben. allerdings bleiben die beweggründe des täters im hintergrund. es ist für mich zwar nachvollziehbar, dass die polizei nach eigentlich recht wenigen stunden abwesenheit nicht wirklich den ganzen polizeiapparat in bewegung setzen kann, um ein fast 16 jähriges mädchen zu suchen. doch mit zunehmender sicherheit, dass charlie tatsächlich nicht einfach nur davongelaufen ist, verhält sich die polizei doch erstaunlich dilettantisch.

ninas charakterisierung ist dem team ausgesprochen gut gelungen. dabei bleiben viele andere personen ziemlich auf der strecke. auch, dass nina eigentlich permanent eingreifen und erklären muss, stoppt den erzählfluss bisweilen doch etwas.

im grossen und ganzen ist french mit losing you sicher ein recht spannendes buch gelungen; sie bleiben aber hinter ihrer gewohnten qualität zurück. ich hoffe, dass das nächste wieder besser wird.
Falcon zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 03.06.2007
Die ganz grosse Klasse von Nicci French ist, dass sie es immer wierder schaffen, Emotionalität zu erzeugen.
Eine Mutter die verzweifelt ihre Tochter sucht. Oberflächlich betrachtet mag das nicht viel hergeben.
Gab es sicher schon x-Mal, abgedroschen, mag man denken.
Kaum ist man aber in der Geschichte drin, leidet man schon mit der Hauptfigur (auch als Mann) mit.

Nikki French umschiffen (fast) alle Klischeés und es gelingt ihnen die Spur immer wieder auf neue Täter hin zu legen.
Zugegeben der Schluss wirkt zu konstruiert und die Handlungsweise des Täters scheint wenig Sinn zu ergeben.
Aber wer weiss schon was in einem solchen Täter vor sich geht.

Spannend bleibt das Buch allemal. Nicht das Beste von Nicci French aber sehr lesenswert.
Wanja zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 27.05.2007
Selten habe ich einen so mitreißenden Roman gelesen, der alleine dadurch lebt, dass die Mutter der verschwundenen Charlie ein solches Energiebündel und Kämpferin ist. Ihr ständiges Anrennen gegen unsichtbare Mauern, die ihr Freunde und Polizei aus lauter Ignoranz in den Weg stellen, verlangt viel Kraft von ihr, aber auch vom Leser. Ständig kommen Zweifel auf: was spricht dafür, dass ein 15-jähriges Mädchen nicht nach Hause kommt? Ist Mutter Nina nur hysterisch und bildet sich etwas ein? Ein spannendes Wettrennen über die Insel und durch das Buch beginnt für Nina und den Leser, bis auf der letzen Seite das Rätsel gelöst wird.
Bisher habe ich erst zwei Bücher von Nicci French gelesen und kann gerade nicht so gute Vergleiche zu alten Büchern ziehen, aber trotzdem gebe ich 91 Punkte!
block zu »Nicci French: Acht Stunden Angst« 16.04.2007
Also ich bin ja begeisterter NF-leser und habe auch alle neune gelesen. Wovon die meisten einzigartig super.Aber dieses.. Ich würde es höchstens der Krimi-couch-wertung von 62% zurechnen. Es ist zwar gut zu lesen und auch nicht wirklich langweilig, aber in keiner Weise mit den anderen vergleichbar.Einfach nicht packend!! Es fehlt die bisherige Linie und der Aufbau. Ich denke das die beiden dieses Buch sehr schnell und ohne grossen Elan geschrieben haben. Schade!!

Aber beim nächsten Buch wird es hoffentlich wieder besser und somit kann man auch mal ein eher schlechteres werk verzeihen.

Bis dahin..
Ihr Kommentar zu Acht Stunden Angst

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: