Die Fakultät von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1998
unter dem Titel Filosofía y Letras,
deutsche Ausgabe erstmals 2002
bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Argentinien, 1990 - 2009.
- Barcelona: Destino, 1998 unter dem Titel Filosofía y Letras. 222 Seiten.
- Buenos Aires: Planeta, 1999. 222 Seiten.
-
Zürich: Unionsverlag, 2002.
Übersetzt von Claudia Wuttke.
ISBN:
329300296X. 222 Seiten. -
Zürich: Unionsverlag, 2003.
Übersetzt von Claudia Wuttke.
ISBN:
3293202799. 188 Seiten.
'Die Fakultät' ist erschienen als
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In Kürze:
Homero Brocca ist ein genialer Schriftsteller. Niemand hat ihn je gesehen, nirgends gibt es Bücher von ihm. Seine Texte existieren nur in unendlichen Varianten. Als der junge Esteban Miró seine erste wissenschaftliche Stelle im labyrinthischen alten Fakultätsgebäude antritt, in dem nur noch obskure Institute ihr Dasein fristen, ahnt er noch nicht, dass er in einen gnadenlosen Kampf um den seltsamen Autor hineingezogen wird. Die wissenschaftlichen Gralshüter von Broccas möglicherweise gar nicht existenten Werken schrecken vor nichts zurück. Das Verhältnis zwischen Literatur und Leben, Fiktion und Realität wird immer unentwirrbarer.
Das meint Krimi-Couch.de: »Klug, gekonnt und sorgfältig komponiert«
Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter überspringen
Ein abgeschlossenes Studium der Literaturwissenschaften ist in Buenos Aires noch lange keine Arbeitsplatzgarantie. Doch Esteban Miró hat Glück: Seine Mutter, eine ehemalige Studienprofessorin, verschafft ihm einen Job im Institut für Nationale Literatur.
Der Institutsvorstand ist Professor Emiliano Conde, ein fanatischer Anhänger des Schriftstellers Homero Brocca. Seine Arbeit über Brocca hat ihm viele Feinde eingebracht, denn er behauptet, der einzige zu sein, der seine Bücher gelesen hat, bevor sie vernichtet wurden. Es existiere nur eine einzige Erzählung, »Substitutionen«, aber nur in vielen Fassungen, Fälschungen und Bearbeitungen, nicht im Original. Conde möchte, dass Esteban Miró aus dem vorhandenen Material die ursprüngliche Erzählung rekonstruiert. Brocca selbst ist angeblich bei einem Schiffsuntergang ertrunken. Doch ist er wirklich tot? Esteban Miró entdeckt Wasserflecken an der Wand …
Nach und nach tauchen andere Professoren auf: Selva Granados, eine erklärte Gegnerin Condes, welche ihm die Schuld am Verschwinden der Bücher Broccas gibt und von sich behauptet, eine Geliebte des Dichters gewesen zu sein. Victor Novario, der einen Kongress über Brocca organisiert. Gaspar Trejo, der sich als Wissenschaftler ausgibt, aber offensichtlich ein Detektiv ist. Immer mehr Wasser tropft von den Wänden, die Bücher werden nass, ein Wasserrohrbruch? Doch niemand erklärt sich zuständig …
Kleinkarierte professorale Grabenkämpfe und die Suche nach verschollenen Werken
Miró wird zunehmend in die kleinkarierten professoralen Grabenkämpfe hineingezogen, man duelliert sich mit pseudowissenschaftlichen Kongressen, leicht durchschaubaren Gegenveranstaltungen, startet Exkursionen in den vierten Stock des Gebäudes, der ein Labyrinth aus ungelesenen, vergessenen Manuskripten und Büchern ist, um die verschollenen Werke von Brocca zu finden. Miró beginnt aus eigenem Antrieb über Brocca zu recherchieren. Doch mitten in diese Welt der akademischen Eitelkeiten taucht die erste Leiche auf. Und mit einem Schlag ist es Miró klar, dass da noch eine ganz andere Ebene existiert, in der eine gefährliche Macht ihr tödliches Spiel veranstaltet.
Und die Mauern beginnen unter dem Druck des Wassers nachzugeben …
Das ist weniger eine Satire auf den Literaturbetrieb als auf die persönlichen Eitelkeiten gewisser Literaturwissenschaftler und überhaupt auf Kritiker im Allgemeinen. Kritiker, die ihre eigenen Zeilen über das eigentliche Werk stellen. Den äußersten Grenzfall schildert de Santis in diesem Buch, wo es Interpretationen über Texte gibt, die wahrscheinlich gar nicht existieren, die niemand nachweislich gelesen hat. Also die retrograde Erschaffung von Literatur über ihre Interpretation, Variationen ohne Thema, reine Selbstdarstellung der Kritiker.
Assoziationen zum »Literarischen Quartett« und Jorge Luis Borges
Assoziationen sind möglich vom »Literarischen Quartett«, vom Ingeborg Bachmann-Wettbewerb bis zum Regietheater und sogar bis zu Krimirezensionen wie dieser hier. Doch keine Angst, hier gibt es keine tiefergehende psychologische oder literaturwissenschaftliche Analyse. Ich widerstehe auch der naheliegenden Versuchung, umfassende Recherchen bezüglich der Analogien zu Texten oder Figuren von Jorge Luis Borges anzustellen. Diese sind zweifellos vorhanden, Borges hat mehr oder weniger die Argentinische Literatur beeinflusst.
Aber gerade solche analytischen Betrachtungen würden diesen gekonnt und sorgfältig komponierten Roman in seine Einzelteile zerlegen und somit zerstören. Pablo de Santis ist ein wunderbarer Erzähler, mit klarer, nüchterner Sprache. Der Roman ist klug aufgebaut, ohne Leerlauf, mit vielen Überraschungsmomenten und einer gegen Ende fast unerträglich gesteigerten Spannung. Bis zuletzt ist sich der Leser nicht im Klaren, wer gut oder böse ist, ob Brocca existiert oder nicht. Trotzdem kommt auch die humorvoll-ironische Darstellung des fast spießbürgerlichen akademischen Milieus nicht zu kurz.
De Santis´ unheimliche Stimmungen erinnern an die Bibliothek in Der Name der Rose
De Santis schafft unheimliche Stimmungen, so erinnert die Atmosphäre im »vierten Stock« ein wenig an Umberto Ecos Bibliothek in Der Name der Rose, bedrohlich ist auch das ständige, zunehmende Einsickern von Wasser durch die Wände bis zur finalen Katastrophe.
Alles in allem ein wirklich gut erzählter, spannender und unterhaltsamer Krimi, der einen bis zur letzten Seite fesselt. Ein Spiel mit unzähligen Variationen, aber immer demselben Ausgang: Dem Tod.
Aber wer setzt die Regeln? Etwa Homero Brocca? Gibt es ihn wirklich? Doch, meine Herrschaften, lesen sie selbst …
Das meinen andere:
»´Die Fakultät´ ist ein großartiges Schachbrett. Dies ist De Santis’ bisher bester Roman, und zweifellos eines der originellsten Bücher der gegenwärtigen argentinischen Literatur.« (La Nacion, Buenos Aires)
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| c_plus_plus zu »Pablo de Santis: Die Fakultät« | 21.05.2005 |
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