Im Saal der Mörder von P.D. James

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel The Murder Room, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 12 der Adam-Dalgliesh-Serie.

  • London: Faber, 2003 unter dem Titel The Murder Room. 371 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2004. Übersetzt von Christa E. Seibicke. ISBN: 3-426-19658-1. 525 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Christa E. Seibicke. ISBN: 3-426-62933-X. 525 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Christa E. Seibicke. ISBN: 978-3-426-50099-6. 525 Seiten.

'Im Saal der Mörder' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein kleines Privatmuseum im vornehmen Londoner Stadtteil Hampstead wird Schauplatz grausamer Verbrechen. Sie scheinen im Zusammenhang mit Bluttaten aus der Vergangenheit zu stehen, die im berühmten »Saal der Mörder« des Museums dokumentiert werden …Drei Geschwister sollen über den Fortbestand des von ihrem Vater gegründeten Museums abstimmen. Eine Einigung ist nicht in Sicht, und nach der entscheidenden Sitzung verbrennt der Bruder, der für die Schließung votierte, in seinem Jaguar. Scotland Yard schickt Commander Dalgliesh, der eigentlich mit der Dozentin Emma Lavenham aus Cambridge verabredet war. Obwohl sie Dalgliesh’ Zuneigung erwidert, lässt sie sich nur ungern vertrösten. Wichtigster Zeuge ist Tally Clutton, der gute Geist des Museums, eine rechtschaffene, resolute, äußerst liebenswerte alte Dame, die ein Cottage in der Nachbarschaft bewohnt. Während allen noch der Schreck über einen plötzlichen zweiten Mord im Museum in den Knochen sitzt, streckt der unbekannte Täter seine Hand bereits nach Tally Clutton aus …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein moderner Klassiker« 79°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Personal und Schauplatz

Commander Adam Dalgliesh trifft zufällig einen Bekannten in der Stadt, der ihn überreden kann, mit ihm ins Dupayne-Museum zu fahren, das sich mit seiner Ausstellung ganz der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen widmet, jedoch nicht nur Kunst, Literatur und andere zeitgenössische Ausstellungstücke beherbergt, sondern mit seinem sogenannten »Saal der Mörder« auch berühmte Verbrechen der damaligen Zeit beleuchtet. Dalgliesh war noch nie zuvor dort.

Das Museum wird von den Nachkommen des Gründers geleitet, Caroline Dupayne, die zugleich noch Konrektorin an einer Mädchenschule ist, und ihrem Bruder Marcus, der gerade den wohlverdienten Ruhestand angetreten hat, nachdem er als Ministerialdirektor im Staatsdienst stand. Der zweitälteste Bruder Neville ist Psychiater und kann dem Museum nichts abgewinnen. Er ist es, der eine entscheidende Rolle für den Fortbestand des Hauses spielt, da die Geschwister als Stiftungsmitglieder einstimmig für die anstehende Verlängerung des Pachtvertrags votieren müssen. Es kommt, wie es kommen muss, Neville stimmt dagegen und die besten Argumente Carolines und Marcus’ können ihn nicht umstimmen. Seiner Tochter Sarah käme das Geld aus der Auflösung der Sammlung sehr gelegen, was allerdings nicht der Hauptgrund für seine Einstellung ist. Er meint, die Familie beschäftige sich zu sehr mit der Vergangenheit. Damit stünde aber nicht nur der Arbeitsplatz des Kurators James Calder-Hale auf dem Spiel, sondern auch der der Empfangsdame Muriel Godby, der Haushälterin Tally Clutton und der beiden ehrenamtlichen Helferinnern sowie des Gärtnerjungen Ryan.

Das erste Opfer

Die Haushälterin Tally Clutton ist es, die wenige Tage nach der Sitzung des Stiftungsrats den grausigen Fund machen muss. Als sie nach dem ausgefallenen Abendkurs zu ihrem Cottage auf dem Museumsgelände zurückkehrt, riecht sie schon von weitem den Rauch. Sie wird auf der Einfahrt von einem rasanten Autofahrer erfasst, bleibt aber bis auf ein paar Prellungen unverletzt. Dieser erkundigt sich zwar noch nach ihrem Befinden, sucht dann aber schnellstens das Weite. In der Garage befindet sich ein brennendes Auto mit einem toten Insassen. Es handelt sich dabei nicht nur nach ersten Vermutungen um Dr. Neville Dupayne. Commander Adam Dalgliesh, Leiter einer Sonderabteilung bei Scotland Yard, wird mit den Ermittlungen betraut.

Das Inhaltsverzeichnis steht am Ende des Buches. Da es recht genau den Aufbau wiedergibt (Personen und Schauplatz, Das erste Opfer etc.), sollte man es nicht unbedingt im Vorfeld studieren, wenn man sich die Überraschung bewahren möchte. Es zeigt, was äußerst typisch für die Romane von P.D. James ist: Sie nimmt sich viel Zeit, um den Ort und ihre Figuren zu entwickeln, in diesem Fall die ersten 150 Seiten. Dabei konzentriert sie sich nicht wie viele andere Autoren auf das Privatleben ihres Protagonisten, dieses spielt nur eine untergeordnete Rolle. Man erfährt zwar, dass AD, wie er von seinen Mitarbeitern genannt wird, gerade dabei ist, sich zu verlieben, dass er nicht nur Polizist, sondern auch Dichter ist und dass er durch sein Auftreten die Menschen zum Reden bringt, aber ansonsten bleibt man eher auf Distanz. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass diese in frühren Büchern noch ausgeprägter war, vielleicht erschließt sich die Figur aber auch erst nach der Lektüre von mehreren Bänden. Für den Leser bleibt er relativ alterslos.

Nach bester englischer Tradition

Obwohl »Im Saal der Mörder« offensichtlich in der Gegenwart spielt – Handys werden eifrig genutzt – könnte man meinen, man befände sich 30 Jahre zurückversetzt in die Vergangenheit, nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch den Umgang der Menschen miteinander, ganz anders als bei einem Thriller, bei dem auch sprachlich oft alles Schlag auf Schlag geht. Der Stil ist klar und präzise, die Beschreibungen sind detailliert und realistisch, ohne überfrachtet zu wirken. Insgesamt muss man schon ein bisschen Geduld mitbringen, aber diese wird belohnt: Die Auflösung ist nicht so einfach wie gedacht. Der neueste Fall für Dalgliesh überzeugt mich mehr als das vorletzte Werk (Was gut und böse ist), dort waren doch reichlich Durststrecken zu überwinden.

P.D. James ist inzwischen 84 Jahre alt, ihr erster Dalgliesh-Roman erschien 1962 und sie zeigt uns hier ihr »modernes« London. Ohne Zweifel gehören ihre Romane zu den Klassikern unter den Krimis nach bester englischer Tradition und man kann ihren Namen getrost in einem Zuge mit Agatha Christie und Dorothy Sayers nennen. Ich denke, damit ist ziemlich klar, an welches Publikum ihre Bücher adressiert sind.

Ihre Meinung zu »P.D. James: Im Saal der Mörder«

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Bridged zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 04.08.2009
Oh Dear,
das könnt Ihr Euch wirklich schenken! Ich liebe zwar diese von P.D.James immer wieder geschaffene Alt-Englische-Athmosphäre mit echten Lords und trallalla, aber diesmal war´s wirklich zuviel! Lauter Gutmenschen, kein Tiefgang in den Charakterdarstellungen, weder bei den Polizisten (wo ich doch so gerne das Seelenleben des Adam Dalgliesh kennenlernen würde!) noch bei den sonstigen Akteuren. Und dann das Ende: auf diesen Kunstgriff muss man erst mal kommen! Für mich diesmal leider nur 50°
Charlotte zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 13.02.2008
Ein knapp gehaltener Roman, der eine nachhaltige Atmosphäre und plastische Charaktere schafft, der spannend ist, aber nicht atemlos. Man verplaudert sich nicht, es geht voran.

Ich habe mich auf die Lektüre immer wieder gefreut und dabei "wohlgefühlt".
Marc zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 17.01.2008
Mein bereits 8. Krimi von P.D.James und wieder einmal hat er mir wirklich sehr gut gefallen. Sie kann schreiben was sie will, irgentwie gefällt es mir immer, aber dieses Buch gefiel mir, fands eigentlich nie langweilig oder schleppend, hat mir bis zur letzten Seite durch und durch gefallen.

Da ich noch nicht alle Bücher von ihr gelsen habe, will ich keine 100% geben deshalb aber sehr gute 93%, also absolut empfehlenswert für Krimifans.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Lolarissa zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 13.11.2007
Im Saal der Mörder war mein erster Krimi von P.D. James. Ich fand das Buch eher schleppend bis langweilig, vor allem auf den ersten 150 Seiten, wollte schon fast aufgeben. Es wurde zwar nach dem ersten Mord spannender, aber ich habe nicht vor, mehrere P.D. James Bücher zu lesen.
Von mir gibts 65%
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gian-Luca zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 14.12.2006
Dies ist der erste krimi den ich von P.D.james gelesen habe.Adam delgliesh ist ein guter ermittler der den fal nicht loslässt bis er die lösung zutage gefordert hat.Sehr spanend.
Kristin zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 24.01.2006
Einer der Romane von P.D. James, der leider sehr enttäuschend ist. Die Story schleppt sich ziemlich hin und gewisse Punkte, die in den Roman eingearbeitet werden, wirken doch sehr an den Haaren herbei gezogen. Die Charaktere sind zum Teil auch relativ lieblos beschrieben. Schade.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
conninixekrimi zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 23.10.2005
Man braucht schon etwas Geduld, um dieses Buch zu Ende zu lesen, umso mehr enttäuschte mich die Auflösung, die ziemlich unmotiviert aus dem Hut gezaubert wird. Eine der großen Stärken von P.D.James, glaubhafte Charaktere zu entwickeln und daraus dann Motive für deren Handeln abzuleiten, kommt hier leider nicht zum Tragen. Schade! Für mich eines der schwächeren Bücher von P.D.James.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
iris zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 22.10.2005
Neben "Tod an heiliger Stätte" das beste Buch von P.D. James. Ich finde es auch nicht schlecht, dass immer das gleiche Team um Commander Delgliesh die Fälle löst. Aber eine nähere Beschreibung der Personen wäre nicht schlecht. Aber insgesamt ein guter Krimi. Liebe Grüße Iris
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »P.D. James: Im Saal der Mörder« 13.08.2004
Baroness James auf der Suche nach der guten alten Zeit - hier die Jahre zwischen den Weltkriegen. Das Empire war noch intakt (nach außen hin wenigstens), man hatte "The Kaiser", wenn auch unter großen Verlusten, noch einmal Mores gelehrt und die Oberschicht erfreute sich eines wieder angenehmen Lebens. Zeitsprung: Diese Morde im 21. Jahrhundert. P.D. James versucht beides zu verbinden - und scheitert grandios. WIE sie scheitert sollte man an einem ruhigen Herbstwochenende lesen. Ein Genuss.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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