Hassels Hölle von Olov Svedelid

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Dödens medicin, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei KBV.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm & Nigeria / Lagos, 1990 - 2009.
Folge 16 der Roland-Hassel-Serie.

  • Stockholm: Forum, 1996 unter dem Titel Dödens medicin. 294 Seiten.
  • Hillesheim: KBV, 2003. Übersetzt von Erik Gloßmann. ISBN: 3937001352. 328 Seiten.
  • München: Knaur, 2005. Übersetzt von Erik Gloßmann. ISBN: 3-426-62827-9. 375 Seiten.

'Hassels Hölle' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die Stockholmer Polizei befindet sich in der umfassendsten Umstrukturierung ihrer Geschichte. Natürlich soll alles besser werden, mehr Bürgernähe, weniger Kosten, und so mancher Beamte träumt von einem Karrieresprung, auch Roland Hassel. Daher akzeptiert er es sogar, zwischendurch für Interpol den Laufburschen zu spielen. Er soll von einem Schweden, der in Nigeria gearbeitet hat, Informationen übernehmen. Doch dieser Bengt Ölund wird ermordet; das Beweismaterial verschwindet. Offenbar ist der Fall brisanter als es den Anschein hatte. Hassel macht sich auf den Weg nach Lagos und landet in der Hölle! Wieder legt Olov Svedelid einen Thriller von internationalem Niveau vor. Weltweit sterben Jahr für Jahr tausende von Menschen, weil sie mit überlagerten oder gefälschten, jedenfalls wirkungslosen Medikamenten behandelt werden. Wer hinter dem lukrativen Handel mit Markenwaren steckt und welche Verbindungen zwischen den Pharmakonzernen der Ersten und den Diktaturen der Dritten Welt bestehen Roland Hassel findet es heraus.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schwedens James Bond heißt Rolle« 73°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Zwar ist Roland Hassel, genannt Rolle, nicht beim Geheimdienst tätig, doch er hat sich seine Lorbeeren bereits bei der Unterstützung von Interpol verdient. Die Umstrukturierungen bei der schwedischen Polizei haben dazu geführt, dass er in einer Sonderabteilung tätig ist und aus (noch) unerfindlichen Gründen gebeten wird, einen Freund aus Kindertagen aufzusuchen, der ihm wichtige Papiere zu übergeben hat, die an Interpol weitergeleitet werden sollen. Der Besuch verläuft wenig erfolgreich. Beim ersten Mal trifft er nur die nigerianische Frau seines Freundes an, die ihm offenbart, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe rechtsradikale Anfeindungen erdulden muss. Der zweite Besuch ein paar Stunden später gipfelt darin, dass Hassel das tödliche Attentat auf die beiden miterlebt. Von den Papieren keine Spur.

Dabei geht es um Medikamentenbetrug im großen Stil, wo Medikamente gegen unwirksame Plagiate ausgetauscht werden, um den richtig großen Reibach zu machen. Hassel wäre nicht er selbst, wenn er dem Tod seines Bekannten nicht auf die Spur kommen wollte. War es eine Aktion einer rechtsradikalen Gruppe, worauf die Hakenkreuze am Tatort hindeuten? Er fliegt daraufhin nach Nigeria und gerät dort in eine böse Falle, bei der man nicht weiß, ob er dieses Mal heil herauskommt.

Nicht gerade der typische Schwedenkrimi

Olov Svedelid hat mit seiner Hassel-Reihe einen Helden erkoren, der zwar in Schweden agiert, aber dennoch weit entfernt ist von den anderen landläufig bekannten Ermittlern aus dem skandinavischen Raum. Svedelid fährt nicht auf der Psychoschiene, Motive wie Hass oder psychische Störungen sind eher die Ausnahme. Sein Metier sind eher Wirtschaftsdelikte oder politisch motivierte Straftaten, bei denen Hassel mit seinen Untersuchungen in ein Wespennest sticht und selbst mindestens einmal im Laufe der Handlung in Lebensgefahr gerät.

Ruhige Ermittlungen und detaillierte Beschreibungen der Charaktere sind selten. Eines hat jedoch Olov Svedelid mit seinen schwedischen Autorenkollegen gemeinsam: Auch er thematisiert die aktuellen Probleme in Schweden, die allerdings gegenüber den Zuständen in Nigeria ziemlich verblassen.

Agentenmärchen

Die Figur des Roland Hassel selbst ist eigentlich recht realistisch gezeichnet, was auch auf den Polizeialltag zutrifft, wenn er denn mal vorkommt, aber ansonsten ist die Story nicht sehr realitätsnah. Er ist zwar nicht mit Gerätschaften ausgerüstet, wie sie James Bond von Q erhält, aber was er erleiden muss und wie er sich immer wieder aus diesen Situationen befreien kann, das läuft schon in die Richtung »Agentenmärchen«.

»Hassels Hölle« ist ziemlich abwechslungsreich, mit vielen Wendungen, von denen manche aber nicht klar verständlich sind. Obwohl keine Langeweile aufkommt, hätte der Handlungsfaden trotz allem in der Mitte des Buches ein wenig straffer gesponnen werden können. Das Ende mit dem Überraschungseffekt ist dann aber wirklich fulminant, da bleibt einem die Luft weg, obwohl der Plot gar nicht so ausgeklügelt ist. Die Dialoge sind manchmal witzig, die Kommentare ironisch und die Story ist spannend. Fazit: Leichte Unterhaltung für zwischendurch, aber bestimmt nicht für eingefleischte Schwedenkrimi-Fans.

Ihre Meinung zu »Olov Svedelid: Hassels Hölle«

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axelp zu »Olov Svedelid: Hassels Hölle« 23.05.2007
Das war wieder mal ein Hassel-Krimi nach meinem Geschmack. Spannend und abwechslungsreich, man darf nur alles nicht so ernst nehmen.
Auch seine Ausführungen über Nigeria waren sehr interessant, nicht so langweilig wie bei Mankell, als der über Südafrika schrieb. Man hat hier sehr viel über die Zustände im Land erfahren.
hoffmann9471 zu »Olov Svedelid: Hassels Hölle« 18.09.2006
Hier gelingt dem Autor nun ein interessanter Plot mit echten Überraschungen; auch noch am Ende, was für Svedelid wahrlich nicht immer zutrifft. Dafür geht es hier sehr dramatisch u.fast zu ernst zu. Der anziehende Humor und die sympathische "Zeichnung"der Nebendarsteller fehlt hier. Dafür kommt man dem Charakter des Rolle Hassel
hier sehr nah.
Dr. Hans Jürgen Möller zu »Olov Svedelid: Hassels Hölle« 03.07.2005
Durch Zufall habe ich einen alten Fernsehfilm mit "Hasselt" gesehen, der mir eigentlich gut gefiel. Da ich den Polizeiroman bevorzuge, habe ich dann drei
Krimis von Svedelid erworben. Ich kann mich leider den Rezensenten nicht anschließend, ich finde die Romane grottenschlecht. Es ist nicht einmal die Geschichte, zwei der Plots sind gar nicht mal so unspannend, es ist der Stil (und ich glaube nicht, dass dies nur an der Übersetzung liegt). Diese penetrante Witzigkeit, die irgendwie lakonisch oder cool (würde man heute sagen) sein soll. Es ist, als hätten sich Autoren von Jerry Cotton und der Hausphilosoph von Derrick zusammen geschlossen. Oh nein, bitte nicht. Wenn man Agentenromane mag, dann soll man Guillou lesen, auch gewöhnungsbedürftig, aber wenigstens "geschrieben".

Dr. Hans Jürgen Möller, Köln
DrWatson zu »Olov Svedelid: Hassels Hölle« 06.06.2005
Ich kann der Rezensentin in weiten Teilen zustimmen. Svedelids Romane um den Stockholmer Ermittler Roland "Rolle" Hassel sind (Gott sei Dank) nicht so schwedisch wie Mankell und Co. Hier paart sich eine zügige, spritzige Schreibweise mit Humor, hier kann man die hard-boiled Storys der 30er Jahre in moderner europäischer Version erleben.
Und wo steht geschrieben, daß die Handlungsstränge von Kriminalromanen glaubwürdig sein müssen? Das träfe dann viele anerkannt gute Romane gleichermaßen. Und eines ist glaubwürdig: die kriminelle Grundidee des Buches!
Gelunden ist auch die Darstellung der Gehirnwäsche und der Folter im Gefängnis. Der Kunstgriff, hier eine völlig andere Lösung hinterher zu schieben, macht diesen Thriller erst recht zu einem Kriminalroman. Svedelid greift in seinen Hassel-Romanen permanent aktuelle schwedische (und allgemeine) Themen auf wie Fremdenhass, Neofaschismus, religiös oder fundamentalistisch motivierter Terrorismus, Umweltzerstörung und Umweltkriminalität, Mafia in Politik und Wirtschaft etc.
Svedelid schreibt immer hart an der Realität, künstlerisch ist er sicher nicht so überzeugend wie andere Autoren, und philosophische Refelexionen sind seine Sache nicht. Aber gerade das macht die Lektüre spannend!
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