Mord im Zeichen des Zen von Oliver Bottini

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Baden-Württemberg / Freiburg, 1990 - 2009.

  • Frankfurt am Main: Scherz, 2004. ISBN: 3-502-61117-3. 367 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2010. ISBN: 978-3-596-51107-5. 432 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2004. ISBN: 3-596-16545-8. 384 Seiten.
  • [Hörbuch] Düsseldorf: Patmos, 2007. Gesprochen von Martina Gedeck. ISBN: 3491912563. 5 CDs.

'Mord im Zeichen des Zen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Louise Bonì, Hauptkommissarin bei der Freiburger Kripo aus dem Dezernat Kapitalverbrechen, 42 Jahre alt, geschieden, steht wieder einmal vor einem tristen Wochenende mit den Schatten der Vergangenheit. Doch dann stört ein Anruf des Dezernatsleiters ihre Erinnerungen, und Louise bekommt den merkwürdigsten Auftrag ihrer Karriere als Polizistin: Sie soll einen japanischen Mönch suchen, der östlich von Freiburg in Sandalen und Kutte durch den verschneiten Breisgau streift, und herausfinden, was er vorhat. Als sie den Mönch eingeholt hat, wird ihr rasch zweierlei klar: Er ist verletzt, und er ist auf der Flucht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Freiburg asiatisch gewürzt« 80°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Louise Bonì, von den meisten ihrer Kollegen Luis genannt, über sich selbst:

»Ich bin Kriminalhauptkommissarin, Dezernat Kapitalverbrechen, seit zwanzig Jahren Polizistin. Ich lese am liebsten Clavell, Mankell und Pilcher, mag Beethoven, Pink Floyd und Wham, und ich komme nicht von Barclay James Harvest lost, auch wenn ich mich dafür schäme. Ich bin geschieden, zweiundvierzig und habe zum Glück leider keine Kinder …Und ich bin dick geworden.« (S. 196)

Jägermeisterlatein

Und außerdem hat Louise ein Alkoholproblem, auch wenn sie das nicht wahrhaben will. Als ein Mönch in der Nähe von Freiburg nur in Kutte und Sandalen durch den Schnee wandert und sie von ihrem Chef dem dort ansässigen Kollegen zugeteilt wird, hat sie ein komisches Gefühl. Fakt ist, dem Mönch wurde Gewalt angetan. Louise vermutet zudem, dass er verfolgt wird. Sein Name ist Taro, das ist das Einzige, was sie von ihm erfährt, obwohl sie ihm die ganze Nacht folgt. Ihre Theorie wird von ihrem Vorgesetzten als Spinnerei abgetan – was der Autor Jägermeistergedanken nennt – und anstatt dass er die von ihr gewünschte Verstärkung anfordert, suspendiert er sie vom Dienst.

»Wann passiert endlich was?« (S. 94). Leider passiert ziemlich bald nach diesem Wunsch wirklich etwas. Die Kollegen, die in Taros Nähe geblieben sind und ihm folgen, werden angegriffen, einer von beiden stirbt. Nun geht es um Polizistenmord, doch Louises Chef hat immer noch kein Ohr für ihre Theorie und darf nicht davon erfahren, dass sie sich auch durch ihre Suspendierung nicht davon abhalten lässt, die Ermittlungen weiter zu verfolgen.

Ausgewogen und eigenständig

Der Fall entwickelt sich sehr bedächtig. Wie schon gesagt, bis Seite 94 passiert erst mal fast nichts und auch später sind die Geschehnisse kaum spektakulär, aber nichtsdestoweniger erschreckend, mitreißend, berührend und auch spannend. Was Mord im Zeichen des Zen auszeichnet, ist die Eigenständigkeit dieses Romans. Obwohl die Entwicklung der Kommissarin eine große Rolle spielt, ist die Geschichte kein müder Abklatsch der skandinavischen Kriminalliteratur. Nur weil die Hauptfigur persönliche Probleme hat, muss nicht gleich der Ruf nach schwedischen Vorbildern laut werden. Nein, die Story hat etwas ganz Eigenes, insbesondere belästigt sie den Leser nicht mit zu vielen Details, manchmal werden Dinge auch nur angedeutet. Die Mischung erscheint mir ausgewogen.

Merkwürdig, die Handlung ist realistisch und unrealistisch zugleich. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass Polizeibeamten einen buddhistischen Mönch im Schnee verfolgen, ohne dass es einen handfesten Grund dafür gibt. Oder dass vom Dienst suspendierte Beamten auf eigene Faust ermitteln. Die Charakterisierung der Personen ist dagegen realitätsnah und auch ein Großteil der Geschehnisse ist glaubwürdig geschildert.

Sprachlich kann mich der Roman ebenfalls gewinnen, er ist sehr gut lesbar. Also alles prima? Fast, doch ich muss zugeben, die Kommissarin Louise Bonì ist mir unsympathisch. Ich kann mit ihrem Jägermeisterverhalten nichts anfangen. Das liegt bestimmt nicht an ihren Schwächen, es ist einfach ein unbestimmtes Gefühl, aber das ist kein Grund, Mord im Zeichen des Zen nicht weiterzuempfehlen.

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wallilanda zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 03.06.2011
Mit großem Einfühlungsvermögen in die
Psyche einer Frau schreibt Oliver Bottini.
Mir ist die Kommissarin Louis schon sympathisch, sie hatte eine schlechte Ehe
und lebt nun einsam als Single.
Das sie zum Alkohol greift ist ja hier Teil des
Weges des ZEN und der richtigen Erkenntnis und des richtigen Handelns.
Ich bis sehr begeistert von diesem Krimi.
Er ist nicht unbedingt sehr spannend,doch spannend genug und vor allem gut geschrieben.
Lese jetzt Band 2
Sandra zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 15.12.2010
Das Buch hat mir nicht übermäßig gut gefallen. Stilistisch fand ich es überdurchschnittlich, doch ansonsten teils langweilig, teils ärgerlich.

Am meisten missfallen hat mir die Figur der Komissarin. Vielleicht überzeugt deren Zeichnung als Psychogramm einer Alkoholikerin (ich kann das ehrlich gesagt nicht beurteilen) doch als 'Identifikationsfigur' eines Krimis funktionierte die Dame für mich überhaupt nicht. Ich empfand sie meistens als verantwortungslos, unsympathisch, tendentiell hysterisch, kalt (TROTZ der andauernden Wiederholung all ihrer Traumata - genausowenig lud mich ihre Schilderung dazu ein, groß Mitgefühl für sie aufzubringen), unverhältnismäßig notgeil (und da geradezu beängstigend, wenn sie beispielsweise darüber nachdenkt, ob sie den 16-jährigen Jungen aus der Sushi Bar rumkriegen könnte), und wieso sie sich nach einem kurzen Treffen so in diesen Richard Landen verknallt, dass sie die Existenz seiner schwangeren Gattin schon gleich gar nicht mehr kümmert, will mir erst recht nicht in den Sinn.

Wieso der Polizist sterben mussten habe ich auch nicht verstanden (außer natürlich um der Protagonistin NOCH mehr psychologische Dramen an den Hals zu schreiben). Wenn da schon Profikiller am Werke sind, darf man doch annehmen, dass sie - na, PROFESSIONELL eben! - vorgehen, denn ohne den toten Polizisten hätte es ja nicht mal einen Fall gegeben, in dem ermittelt worden wäre.
ABaum71 zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 03.10.2010
Das Buch hat mich nicht vollständig überzeugen können. Das eigentliche Verbrechen , ein Polizist wird getötet ein anderer lebensgefährlich verletzt, geschieht erst nach knapp100 Seiten. Die Aufklärung und die Hinergründe dieses Verbrechens werden zwar recht interessant geschildert, und haben auch einen spannenden Hintergrund, werden aber im Verlauf der Story zu einem Nebenschauplatz degradiert. Das Hauptaugenmerk des Autors wird hier auf die nicht gerade sehr sympathisch wirkende, von Alkoholproblemen gezeichnete Kommissarin Louise Boni gelenkt. Zudem wird der Leser ständig an die Vergangenheit von Louise Boni, die diese noch immmer nicht bewältigt zu haben scheint, hingewiesen, was nicht gerade zum Spannungsaufbau beiträgt. Nichtsdestotrotz wird vom Autor ein sehr kompaktes, sich weiterentwickelndes Bild von Kommissarin Boni gezeichnet.
Wer auf die Art von Krimis steht in denen auf psychologische Zeichnungen der Hauptdarsteller mehr Seiten verwendet werden als auf blutrünstige Morde von Serienkillern, wird an diesem Buch seine helle Freude haben...
Karin Müller zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 19.10.2009
mir hat das Buch sehr gut gefallen. Liegt wohl auch daran, dass ich aus Freiburg komme. Da im Schwarzwald die Uhren etwas anders ticken, kann ich mir einige Sachen schon gut vorstellen.
Ich fand die ersten Seiten recht gut als Einstieg in die Geschichte. Gut fand ich auch, wie er die Geschichte mit der Affäre mit dem Taxifahrer aufheitert.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
tobi zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 10.09.2007
Dieses Buch ist große Klasse! Genau wie sein Nachfolger "Im Sommer der Mörder" - ich habe noch keinen deutschen Krimi gelesen, den ich so gut fand. Bottini kann einfach sehr, sehr gut schreiben, da wirkt kein Satz nur so dahin gekliert oder irgendwo abgekupfert. Und die Kommissarin ist gerade deshalb so gut getroffen, weil sie reichlich Probleme hat, mit sich selbst, ihrem Alkoholkonsum etc., sie ist "ganz normal" abgefuckt, aber eben auch eine gute Ermittlerin. Wem nicht genug Buddhismus drinsteckt: Darum gehts ja nicht in erster Linie, es ist ja ein Krimi und kein WAS-IST-WAS über Zen.
Fazit: Wer auf literarische Feinheiten steht wird dieses Buch lieben, ganz sicher!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
K.-G.Beck-Ewe zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 13.07.2007
Aus aktuellem Anlass - ich habe es gerade gelesen - hole ich den Thread zu diesem Buch mal wieder hoch. Ich muss sagen, dass ich auch am Anfang mehr Spaß an der Sache hatte. Die ungewöhnlichen Beginnumstände und die zunehmende Aufklärung zum THema Buddhismus erschienen erfreulich und komplex. Aber ab der Mitte des Buches war es damit weitestgehend vorbei. Der Mönch ist futsch, die Beschäftigung mit dem Buddhismus verschwindet nach einigen Ansätzen in der Versenkung und gibt nicht einmal ansatzweise eine Idee. Das Buddhismus dem Uneingeweihten irgendwie rätselhaft erscheint - wie auch der Kommissarin hier - ist nun nicht wirklich eine erstaunliche Erkenntnis.

Was ist nun mit dem Krimi? Der läuft eigentlich ziemlich unmotiviert am Rande und ein Aufkommen von Spannung wird nach den ersten 40 bis 50 Seiten geschickt vermieden. Das orientierungslose Herumeiern der Hauptperson im Berufs- und Privatleben mit einem ganz gut etablierten Alkoholismus kann auch nicht wirklich fesseln, weil all dem etwas extrem Fragmentarisches anhaftet. Ich bin mal wieder überrascht, wofür Literaturpreise verliehen werden.

Wer etwas über Buddhismus lernen möchte, der sollte besser Thich Nhat Hanh lesen
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ulrike zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 06.02.2006
Diesen Kriminalroman fand ich absolut enttäuschend.
Es hat den Anschein, als habe der Autor 101 unterschiedliche Ideen zu einer spannendenden Geschichte, aber leider keine davon durchgängig zu Ende gedacht. Alles wird nur kurz gestreift, die Lehre des Zen-Buddhismus, das Leben in einem solchen Kloster bis hin zum organisierten Kinderhandel, über dessen Hintergründe und Strukturen wir leider nichts erfahren.
Die Story ist dadurch immer nur an der Oberfläche und bleibt auch bis zum Schluss flach.

Und dann die Kommissarin Louise Boni.
Es ist absolut schrecklich, welche Eigenschaften der Autor ihr alle auf den Leib schreibt.
Alkoholikerin, psychisch absolut labil, verliebt sich sofort in einen verheirateten Mann, mit dem sie nicht mehr als 10 Sätze gewechselt hat.
Ständig wird die Vergangenheit und ihr Unvermögen, diese zu bearbeiten, in das aktuelle Geschehen geholt, was nach der zweiten Erwähnung absolut nervt.

Ich kann nur hoffen, dass Frau Boni längere Zeit vom Polizeidienst beurlaubt bleibt oder aber von Grund auf genesen und gestärkt an Selbstbewußtsein den Dienst und somit Kontakt zu den Leserinnen und Lesern wieder aufnimmt.
6 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
irsel zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 23.05.2005
Mich hat dieser Krimi - im Gegensatz zu meinen Vorschreibern - begeistert. Zum einen wegen der sehr guten Darstellung einiger Aspekte des zen-Buddhismus, zum anderen wegen der sehr guten Beschreibung des Alkoholproblems der einen Hauptperson. Daneben gefällt mir die Krimihandlung, wenn ich auch 2 Schnitzer in der Logik erkennen musste.
Insgesamt gefiel mir die ruhige Art und die gute sprachliche Darstellung.
Aber mir leuchtet ein, dass insgesamt dieser Krimi nicht jedermann Sache ist.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
chansoncabaret zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 08.04.2005
ich kann leider überhaupt nicht verstehen, dass dieses buch prämiert wurde. ich war bitte von der lektüre enttäuscht. die hauptfigur ist mir derart unsympathisch, dass ich es kaum ertragen habe --- eine selbstmitleidige trinkerin, die auf einsame wölfin macht -- gähn! auch sprachlich hat mich das buch nicht überzeugt. die rückblenden bedienen sich immer der selben bilder - ob dass das gebetsmühlenartige einer zenübung spiegeln soll, wage ich zu bezweifeln. nein, ich mochte das buch ganz und gar nicht und glaube auch nicht, dass herr bottini im genre krimi richtig ist.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mase zu »Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen« 30.03.2005
Mehr als Durchschnitt kann ich diesem Buch leider nicht bescheinigen. Es hat zwar gut Ansätze und ich werde das zweite Buch von Bottini mit Neugier lesen, aber diese ständigen Rückblicke in ihr vergangenes Liebesleben und den Vorfall in ihrem Beruf haben mich beim lesen wahnsinnig gemacht. Täglich grüsst das Murmeltier!

Mir geht es wie Sabine Reiss. Die Protagonistin ist mir nicht wirklich sympathisch gewesen, was das Lesen aber nicht unbedingt uninteressant gemacht hat.

Dass die Story nicht sehr wirklichkeitsnah ist, muss man halt einfach akzeptieren.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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