Tödlicher Applaus von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Dødelig applaus , deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei dtv.
- Oslo: Aschehoug, 2010 unter dem Titel Dødelig applaus . 431 Seiten.
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München: dtv, 2011.
Übersetzt von Günther Frauenlob.
ISBN:
978-3423212786. 447 Seiten.
'Tödlicher Applaus' ist erschienen als
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In Kürze:
Opernjournalist Tom Hartmann wird Zeuge, wie der weltberühmte Tenor James Medina während der Hinrichtungsszene in der Oper ›Tosca‹ Opfer eines echten Anschlags wird. Der anschließende Tumult im Opernhaus verwandelt sich schnell in ein Flammeninferno, aus dem sich Hartmann schwer verletzt retten kann. Kurze Zeit später erhält er von Medinas Agenten den Auftrag, einen umfangreichen Nachruf auf den Tenor zu verfassen. Bei seinen Recherchen gerät Tom zufällig auf die Spur des Killers, der einen weiteren Mord begangen und die Tat so arrangiert hat, dass der Verdacht auf Tom fällt. Das bringt diesen nicht nur in akute Beweisnot, sondern auch in höchste Lebensgefahr.
Das meint Krimi-Couch.de: »Durchaus spannend, aber nicht immer plausibel«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Das größte norwegische Kulturobjekt nach dem zweiten Weltkrieg ist das neue Opernhaus in Oslo, das 2008 eröffnet wurde und 520 Millionen Euro gekostet hat. In seinen 1500 Räumen lässt der Opernsänger, Schauspieler und Komponist Øystein Wiik nur kurz nach der Eröffnung die ersten aufregenden Seiten seines Erstlings Tödlicher Applaus spielen, das von Günther Frauenlob und Maike Dörries aus dem Norwegischen übersetzt wurde. Der Deutsche Taschenbuch Verlag ist das Risiko eingegangen einem schriftstellerischen Neuling 448 Seiten zu gestatten und sie als »Krimi des Monats« zu bezeichnen.
Der Autor versucht auch gleich von dem Metier zu schreiben, in dem er sich auskennt. Der gefeierte Tenor James Medina, der sich unmittelbar vor der Vorstellung mittels käuflichem Sex in der Garderobe auf Touren bringt, fällt während der Todesszene in der »Tosca« einem Attentat zum Opfer. Im Zuschauerraum bricht zuerst Feuer und dann Panik aus und auch der anwesende Kulturjournalist Tom Hartmann, dessen geschiedene Frau bei der Polizei arbeitet, kann sich nur verletzt aus den Trümmern des Chaos retten. Zu seiner Verwunderung wird er kurz darauf vom zwielichtigen Manager des Sängers, Victor Kamarov, engagiert, um zum Einen den würdigen Nachruf für den Opernstar zu schreiben, und zum Anderen Licht in die mysteriöse Angelegenheit zu bringen.
Hartmann, der glaubt, nicht nur die zweifelhafte Sexgespielin zu kennen, sondern auch den Attentäter aus dem unmittelbaren Gefolge des Managers enttarnen zu können, reist nach Wien, während man ihn in Oslo verzweifelt sucht, denn alles deutet darauf hin, dass er für die Untaten verantwortlich wäre.
Bei seinen Recherchen quer durch Österreich ist er auch zugegen, als ein weiterer Tenor und Schützling Kamarovs einem Anschlag bei den Bregenzer Festspielen zum Opfer fällt und jetzt ist es für die Polizei klar, dass Hartmanns Anwesenheit in beiden Fällen kein Zufall ist und nur mit Mühe entwischt dieser. Tom muss die Hintergründe um die zwielichtigen Machenschaften des Managers und dessen Vasalen alleine aufklären, sonst wartet der Knast auf ihn …
Wie nun ein reiner Amateur allen Fallen der nationalen und internationalen Behörden, sowie den Anschlägen der verbrecherischen Gegner entkommt und seine Unschuld und die Schuld des Mörders beweist, hat wenig mit Operngesang und Orchesterklang zu tun. Die Geschichten die der Autor spinnt und dabei nicht ausspart, wie jeder Einzelne in diesem Umfeld zu dem wurde, was er heute ist, hat durchaus solide Spannung, auch wenn nicht immer alles so plausibel aus der Feder kommt. Dazu ist das Konglomerat aus Einzelschicksalen, das schon Jahrzehnte früher entstanden war, zu stark konstruiert. Aber Szenen, wie jene, bei der sich der Journalist hinter dem Jauchewagen mit stinkender Gülle besudelt, um den Nasen der Suchhunde zu entgehen, sind bei aller Situationskomik doch sehr spannend beschrieben und so wird der Tödliche Applaus nie langweilig, auch wenn es zeitweise doch sehr unglaubwürdig ist.
Wiik hat es geschafft, seine Personen treffend zu skizzieren, vor allem diejenigen, die sich auf Grund ihrer Vergangenheit und in ihres Metiers vortrefflich als Bösewichte eignen. Vielleicht schießt er dabei gelegentlich ein wenig über die Ufer und trägt zu dick auf, aber den Lesefluss stört das keineswegs. Hier ist abwechslungsreiche und solide Unterhaltung entstanden, wobei Freunde der Oper vielleicht noch eine Spur mehr mit diesem Roman anfangen können.
Wolfgang Weninger, Oktober 2011
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