Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler von Nury Vittachi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel The Feng Shui Detective Goes South, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Singapur & Australien / Sydney, 1990 - 2009.
Folge 2 der C.F.-Wong-und-Jo-McQuinnie-Serie.

  • Hongkong: Chameleon Press, 2002 unter dem Titel The Feng Shui Detective Goes South. 256 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2004. Übersetzt von Ursula Ballin. 256 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2007. Gesprochen von Bernd Stephan. 3 CDs.

'Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Wenn ein malaysischer Geistheiler jemanden ganz ohne Spuren umbringen will, dann muss er nach Süden gehen. Ganz runter, nach Australien. Am besten nach Sydney, und dort am besten zur Oper. Denn das Opernhaus von Sydney hat das allerschlechteste Fengshui. Also ein Fall für den Fengshui-Detektiv C. F. Wong und seine Assistentin Jo McQuinnie. Es hilft nichts, dass auch noch eine von Geistererscheinungen geplagte Zahnarztfamilie und die Hongkonger Triaden mitmischen: Sydney ist nach den turbulenten Aktionen unseres Pärchens nicht mehr dieselbe Stadt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Sonderbarste und Schrillste, was gegenwärtig eine Schnüfflernase besitzt« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Wie kann ein so langweiliger Beruf wie der eines Fengshui-Beraters (gehässig gesprochen ein esoterisch angehauchter Innenarchitekt) in einen unterhaltsamen Krimi passen? Nury Vittachi hat mit dem ersten Buch über seinen Fengshui-Detektiv nicht nur bewiesen, dass das geht, er hat auch ein äußerst ungewöhnliches, um nicht zu sagen schrilles Ermittlerpärchen auf diverse Abenteuer geschickt. Mit dem hier vorliegenden Roman vom Fengshui-Detektiv und dem Geistheiler tritt er den Beweis an, dass C.F. Wong und Joyce McQuinnie nicht nur für Kurzgeschichten, sondern auch für ganze Romane taugen.

Während Wong, der nur knapp einem Brandanschlag entging, zusehends von seiner 17-jährigen Praktikantin aus Australien genervt ist, kommt die Nachricht von der Entführung einer Freundin von Joyce ihm gerade recht. Sie kann ein wenig ermitteln und er sich um einen reichen Kunden kümmern, in dessen Zahnarztpraxis ein Geist umhergeht. Unterdessen werden Wongs Mystikerfreunde Madame Xu und Dilip Sinha von einem malaysischen Geistheiler aufgesucht, der ihnen die Daten eines Mädchens unter die Nase legt, das bald sterben muss. Die beiden Wahrsager bestätigen unabhängig voneinander die ungünstige Konstellation für das Mädchen am nahenden Freitag.

Joyce’ Suche nach der verschwundenen Freundin wird auch von Maddy Tsai bemerkt, die erst kürzlich nach Singapur gekommen ist und Angst vor ihrem Freund hat, weil er offenbar erst neulich hohe Lebensversicherungen auf sie abgeschlossen hat. Und kaum haben Wong und Joyce die eine Entführte wieder gefunden, verschwindet Maddy auf mysteriöse Weise. Die Aussicht, dass ihr Vater einer der reichsten Männer Hong Kongs ist, bewegt Wong, für sich selbst und seine Praktikantin Tickets nach Australien zu kaufen. Da ist am Freitag ganz schlechtes Fengshui zu erwarten …

Nicht nur zwei Welten treffen aufeinander.

Witzig und durchgedreht, zwei Attribute, die nicht nur das Bild des Autors, sondern auch seine Geschichten vom Fengshui-Detektiv treffend bezeichnen. Im kulturellen »Melting Pot« Singapur treffen nicht nur verschiedene Lebenseinstellungen und Weisheiten aufeinander, auch den Konflikt zwischen Generationen und Sprachen stellt Vittachi dar. Eine äußerst wichtige Rolle für den Roman spielt daher eine überzeugende Übersetzung. Der jugendliche Slang und das gebrochene Englisch eines Asiaten prallen aufeinander und Missverständnisse sind an der Tagesordnung. Dies in verständliches und lesbares Deutsch zu transferieren, muss eine große Herausforderung sein und ist Ursula Ballin hervorragend gelungen.

Der Gegensatz zwischen McQuinnie und ihrem Chef könnte größer nicht sein. Sie eine verwöhnte Göre, die jeden Abend zum abzappeln in die Disco (Dan T.’s Inferno) geht, mit Fengshui nichts am Hut hat und bei C.F. Wong nur so gerne arbeitet, weil immer wieder spannende Sachen passieren. Er hingegen ein ruhiger Geschäftsmann, der neben der zahlreichen positiven wie negativen Chis (Energieströme), die durch die Räume strömen, immer besonders seinen Profit im Auge halten muss. Sympathiepunkte sammelt der alte Chinese jedoch durch die vielen fernöstlichen Weisheiten, die über den Roman verteilt sind und die C.F. Wong sammelt, um ein englischsprachiges Buch herausgeben zu können. Natürlich auch, um damit viel Geld zu verdienen.

Helden wider Willen?

Schon die Kurzgeschichten im ersten Buch hatten meine Erinnerung an irgendetwas geweckt. Bei der widerwilligen Gangsterjagd durch Singapur und Sydney fiel mir auch ein, woran ich unweigerlich denken musste: Janet Evanovich und ihre Kautionsdetektivin Stephanie Plum. Amateurdetektive, die eigentlich gar keine Superhelden sein wollen, aber nicht anders können als der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Sie stolpern mehr durch ihre Fälle, als dass sie sie souverän lösen. Dabei sind Wong und Joyce aber beileibe keine Kopie. Sie fahren keine Autos zu Schrott und Liebesduselei hat hier auch keinen Platz. Ihre Komik beziehen sie aus dem Kulturkonflikt und den übersinnlich geschminkten Kräften der Mystiker, die in Wahrheit gar keine derartigen Talente besitzen. Neben einem wirklich kniffligen Fall wird man auf bald jeder Seite mit einer komischen Begebenheit unterhalten. Somit sind der Geomant und seine Praktikantin das Sonderbarste und Schrillste, was gegenwärtig eine Schnüfflernase besitzt.

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tassieteufel zu »Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler« 27.02.2010
C.F. Wong der Fengshui Detektiv und seine Assistentin Joyce McQuinnie haben wieder jede Menge absonderliche Fälle zu bearbeiten. Da ist zum einen ein Wohnungsbrand, dann scheint tatsächlich ein Geist in einer Zahnarztpraxis zu spuken, eine junge Frau wird entführt und
letztendlich scheint sich auch noch eine Freundin von Joyce in ernstlicher Gefahr zu befinden.
Während der erste Teil um Wong und Joyce noch aus verschiedenen Kurzgeschichten bestand, werden im 2. Teil verschiedene Krimifälle zu einer durchgängigen Story verknüpft u. das
ist auch ganz gut gelungen. Für Heiterkeit sorgen wieder die Verständigungsschwierigkeiten
zwischen Wong und Joyce, die zum Teil umgangssprachlicher Art sind, aber auch durch den Altersunterschied und verschiedenes kulturelles Umfeld zustande kommen. Einen Reiz des Buches machen auch die gegensätzlichen Charaktere aus, die quirlige Joyce, die ja eigentlich mit Fengshui nix am Hut hat und nächtelang in der Disco abhängt, dann die völlig inkompete Bürovorsteherin Winnie, die nur macht was sie will und im Gegensatz dazu der ältere, ruhige Geschäftsmann C.F. Wong,der aller fernöstlichen Weisheit zum Trotz auch immer seinen finanziellen Gewinn im Auge behält. Ein Widersehen gibt es auch mit den recht schrägen
Berufsmystikern, die ihren Teil zu den komischen Begebenheiten im Buch beitragen.
Die div.Fälle werden am Ende ganz gelungen miteinander verknüpft, wobei die Protagonisten bei deren Lösung ehr ein wenig orientierungslos durch die Gegend stolpern, als daß sie souverän ermitteln, was aber nur dazu beiträgt, die Figuren sympathischer zu machen.
Zwischen all den schrägen Figuren und komischen Begegnungen erfährt man auch wieder eine ganze Menge über asiatische Weisheiten und Lebensmentalität.

Fazit: amüsant und unterhaltsam mit ziemlich schrillen Charakteren bietet das Buch eine gelungene Abwechslung zum herkömmlichen Krimi.
K.-G. Beck-Ewe zu »Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv und der Geistheiler« 16.08.2009
Mit dem zweiten Band zu C.F. Wong geht Nury Vittachi nun von der Kurzgeschichtensammlung zur Romanform über - und nutzt die Möglichkeiten eines größeren Handlungsbogens voll aus.
Dabei gibt es in dem vorliegenden Buch direkt mehrere Fälle um die sich Wong und seine junge Praktikantin Jo kümmern müssen - und in einem davon scheint es um einen richtigen Geist zu gehen, der in einer Zahnarztpraxis spukt, während im anderen Fall das Leben einer jungen frau in großer Gefahr ist. Mit Hilfe von Jo und der Gruppe der Berufsmystiker macht sich C.F. Wong fleißig ans Werk um alle Fälle zu einem guten - und für ihn finanziell lohnenden - Abschluss zuz bringen.
Gut und abwechslungsreich erzählt, wobei auch hier die Überetzung aus dem Englischen nicht immer so ganz überzeugen kann. Doch die Geschichte und auch die eingestreuten klaugen Gedanken lassen dies in der regel nebensächlich erscheinen.
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