Die Detektivin von Nikola Hahn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 bei von Schröder.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt/Main, 1870 - 1889.

  • München: von Schröder, 1998. ISBN: 3547737613. 439 Seiten.
  • München: Ullstein, 2000. ISBN: 3-548-24901-9. 439 Seiten.
  • München: Heyne, 2003. ISBN: 3-453-86661-4. 523 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2004. ISBN: 3-548-26169-8. 523 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2011. ISBN: 978-3-548-28293-0. 523 Seiten.

'Die Detektivin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Das mysteriöse Verschwinden eines Dienstmädchens verwickelt die unbändig-vorwitzige Victoria in einen atemberaubenden Fall. Und sie entdeckt eine ganz neue Leidenschaft: die Kriminalistik.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gesellschaftskritik mit Humor zu spannendem Krimi vereint« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Nach Frankfurt am Main in das Jahr 1882 versetzt die Autorin ihre Leser. Hochangesehene Familien mit Dienstbotenpersonal und das einfache Volk stehen sich hier gegenüber und das noch heute existierende Fest des Wäldchestags »dribb de Bach« (auf der gegenüberliegenden Mainseite) in Sachsenhausen bildet die Kulisse für einen ungewöhnlichen historischen Kriminalroman.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Familien der Brüder Rudolf und Konrad Könitz mit ihren zahlreichen Kindern. Als Protagonistin fungiert dabei Rudolfs Tochter Viktoria, die sich so gar nicht mit ihrer Rolle als unterdrückte und gehorsame Frau abfinden kann, sondern heimlich das verbotene Wissen aus der Bibliothek ihres Onkels aufsaugt und sich insbesondere für Kriminalisktik interessiert.

Als aus dem Haushalt von Konrad und Sophia Könitz das Dienstmädchen Emilie spurlos verschwindet, befasst sich Kommissar Richard Biddling mit dem Fall. Doch als Preuße in Frankfurt hat er es schwer. Zumal es sein Vorgesetzter auch nicht gerne sieht, dass er seine Freizeit dazu nutzt, um in einem alten unaufgeklärten Mordfall zu herumzustochern. Vor Jahren wurden innerhalb weniger Wochen zwei junge Mädchen ermordet, doch der »Stadtwaldwürger« wurde nie gefasst. Im Verdacht stand Eduard, der Sohn von Konrad Könitz und dem damaligen Kommissar wurde es zum Verhängnis, dass er in diesen Kreisen ermittelte. Er wurde versetzt, da Polizeirat Dr. Rumpff mit den Könitz’ gut bekannt ist.

Die von Nikola Hahn geschaffenen Charaktere sind zwar konstruiert, aber sehr vielschichtig und für ein Lesevergnügen wie geschaffen. Dem jungen frisch aus Berlin eingetroffenen ehrgeizigen Kriminalkommissar wird mit Heiner Braun ein alteingesessener Frankfurter zur Seite gestellt. Dieser ist zwar schon reich an Dienstjahren, hat es aber wegen Disziplinlosigkeiten und mangelndem Respekt gegenüber Vorgesetzten noch nicht mal zum Wachtmeister gebracht. Erst langsam erkennen sowohl der Leser als auch Biddling, welch hervorragender Polizeibeamter Braun ist. Es macht Spass, zu verfolgen, wie zwischen Vorgesetztem und Untergebenem nach und nach die Schranken fallen und beide zu Freunden werden. Dazu Viktoria Könitz, die sowohl mit Biddling auf Konfrontationskurs geht als auch Widerstand gegen ihre Verwandtschaft zeigt und hier als intelligente Frau für die beginnende Emanzipation steht. Auch die Charaktere der Nebenrollen wurden nicht vernachlässigt und sind ebenso greifbar dargestellt wie die Hauptdarsteller.

Das Buch ist in Inhalt und Qualität weniger mit Anne Perrys viktorianischen Romanen – die wesentlich oberflächlicher sind – vergleichbar als mit den Krimis von Caleb Carr, die etwa zur selben Zeit in New York angesiedelt sind. Wie dieser hat auch Nikola Hahn bekannten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte mittelgroße Rollen zugedacht. So findet sich nicht nur der von Anarchisten ermordete Polizeirat Dr. Rumpff, sondern auch der Irrenarzt Dr. Heinrich Hoffmann wieder, besser bekannt als Erfinder des Struwwelpeter. Dies verleiht der fiktiven Geschichte einen Hauch von Authentizität.

Jedem Kapitel vorangestellt ist ein kurzer Abschnitt aus dem »Practischen Lehrbuch der Criminal-Polizei von 1860«:

»Eins der vorzüglichsten Mittel zur Überführung einer verdächtigen Person bildet die Haussuchung. Bei der Durchsuchung der Meubles ist namentlich auf geheime Schubfächer Acht zu geben. Man entdeckt diese am Besten, wenn man den cubistischen Inhalt der Meubles mit dem Inhalte der in solchen befindlichen Kästen oder Abtheilungen vergleicht.«

Gut recherchiert zeigt Nikola Hahn den Beginn der Nutzung moderner Methoden bei der Aufklärung von Verbrechen. Die Erkenntnis, dass jeder Mensch unterschiedliche und unveränderliche Fingerlinien besitzt, war zur damaligen Zeit nur sehr vereinzelt bekannt und innovative Polizeibeamte hatten es schwer, sich gegen konservative Vorgesetzte durchzusetzen.

Wie die Charaktere, so entwickelt sich auch die zunächst recht belanglose Story zu einem spannenden Kriminalfall, in den man sich nicht nur als Frau, sondern auch als Mann sehr gut hineinversetzen kann. Immer wieder neue Verwicklungen und überraschende Wendungen lassen nach und nach auch das Beziehungsgeflecht zwischen den Personen hervortreten und fesseln den Leser bis zum Ende. Das Flair des alten Frankfurt verschafft eine ungewöhnliche Atmosphäre zwischen gutbürgerlichen Herrenhäusern und Sachsenhäuser Äbbelwoikneipen.. Gesellschaftskritik und die Anfänge der modernen Kriminalistik vereint die Autorin mit viel Humor und einer Liebesgeschichte zu einem unterhaltsamen Roman, der das Frankfurt des 19. Jahrhunderts lebendig rüberbringt.

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Chrisu zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 30.01.2011
Ein Dienstmädchen ist verschwunden und es wird ein Verbrechen vermutet, das Zusammenhänge mit 2 Mordfällen vor 10 Jahren zeigt. Victoria, die Tochter aus großbürgerlichem Haus will sich nicht damit abfinden, dass sie nur Klavier spielen, Tischdecken sticken und brave Dame spielen soll, sondern begibt sich als Junge verkleidet in die Welt der Männer und hilft der Polizei die Morde aufzudecken, obwohl sie damit gegen alle Regeln der Etikette verstößt. Ein faszinierender historischer Krimi, der Einblick in die Damenwelt des 19. Jh. zeigt, die Arbeitsweise der Polizei wiedergibt und auch die Entwicklung der Fingerabdrücke zeigt. Wirklich sehr interessant und gut geschrieben.
Hekate zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 11.06.2007
Das Buch ist genial! Übrigens ist es das Beste, das Frau Hahn geschrieben hat. Ihre anderen Werke vermögen leider nicht an dieses heranzureichen. Leider! Die Beschreibung der Orte, Personen und die Geschichte selbst zeugen von langer Rescherche. Wohl auch der Grund, weshalb Ihre anderen Werke nicht an dieses heranreichen
feline zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 12.07.2006
feline zu "Nicola Hahn: Die Detektivin"

Ich kann die Begeisterung nicht teilen. Die Figur der Detektivis ist nicht mit sich selbst kongruent, ihre Sprache wechselt zwischen verschiedenen Epochen und die Ortsbeschreibungen kann man auch gleich bei Gereis nachlesen.
zuggärschnecksche zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 30.10.2005
ich lese "die detektivin" schon zum zweiten mal und kann schon wieder nicht mehr aufhören, bin schon mit der hälfte durch und habe heute mittag erst damit angefangen. ich kann das buch nur weiter empfehlen, auch an leute, die nicht ganz so an kriminalgeschichten interessiert sind! die geschichte ist auch was für jüngere leser.
Leseratte zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 07.02.2005
Klasse Buch und den zweiten Teil führe ich mir gerade zu Gemüte....
Schade nur das sooooviel Zeit vergangen ist in der Story....Eine vertane Chance eine lange Reihe aufzubauen a la Berndorf oder Mankell...
Babs zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 29.12.2004
Das Buch ist wirklich gelungen. Spannend bis zur letzten Seite. Ich konnte mich gar nicht von dem Buch trennen. Einfach und verständlich geschrieben und für Einwohner von Frankfurt ein kleine Zeitreise.
Angelika zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 17.08.2004
Habe das Buch jetzt erst in einer Buchhandlung gefunden.In zwei Tagen habe ich es durchgelesen.Spannend von der 1.bis zur letzten Seite.Ich hoffe auf mehr dieser Bücher.
Superglücksfee zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 18.07.2004
Da ich nicht mehr in Frankfurt wohne (leider) hat es mich hier im dicksten Schwabenländle besonders gefreut, einen sehr schönen, flüssig geschriebenen Roman zu lesen, der in meinem geliebten Frankfurt spielt. Er ist in einem so schönen Stil geschrieben, daß er nicht nur von Frauen gelesen wird. Nikola, höre nicht auf mit dem Schreiben!
Barbara zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 19.04.2004
Wirklich ein gutes, spannendes Buch.
Die dazwischen eingestreuten Passagen zur Entstehung der Kriminalistik stören den Lesefluß kaum - und sollte man es vor Spannung nicht mehr aushalten können, kann man sie ja auch überblättern.
Sehr viel zwiespältiger ist meiner Meinung nach die Darstellung der Protagonistin - eine Frau der damaligen Zeit, die sich so viele Freiheiten nimmt ohne tatsächlich in ihre Schranken verwiesen zu werden? Das ist nicht besonders realistisch, wenngleich mir Victoria durch ihre Emanzipation ans Herz gewachsen ist.
Rosalia Gómez zu »Nikola Hahn: Die Detektivin« 19.02.2004
Leider habe ich das Buch gestern abend zu Ende gelesen. Wunderschönes Buch, ich konnte es nicht aus der Hand lassen.
Das Trio Victoria, Braun und Biddling...einfach toll.
Ich bin gebürtige spanierin und wohne in Sachsenhausen seit mehreren Jahren. Freue mich schon auf die sog. Fortsetzung

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