Code 1658 von Niklas Ekdal

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel I döden dina män , deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Piper.

  • Stockholm: Forum, 2008 unter dem Titel I döden dina män . 472 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. Übersetzt von Susanne Dahmann. ISBN: 978-3866122697. 447 Seiten.

'Code 1658' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Schweden wird von einer Serie von Ritualmorden an Vertretern des Establishments erschüttert, die an die Hinrichtungsmethoden früherer Zeiten erinnern. Als Felix Martini seinen Lebensgefährten erhängt in dessen Wohnung vorfindet, gerät er bald selbst unter Verdacht. Verfolgt von der Polizei, begibt er sich auf Spurensuche. Sein einziger Anhaltspunkt: Eine Mail mit einem rätselhaften Familienwappen, die ihm das Opfer kurz vor seinem Tod zukommen ließ und die ihn zu den Gemälden eines gewissen Ehrenstrahl führt. Doch welche Bedeutung haben die Codes, die der Maler in seinen Bildern hinterlegte? Was haben die geheimen Treffen schwedischer Adliger mit den Morden zu tun? Und was jenes Schiff, von dem Martini viel zu spät erfährt, dass es, ausgestattet mit atomaren Sprengköpfen, direkt auf Stockholm zuhält.

Das meint Krimi-Couch.de: »Großartiger Verschwörungsthriller aus Schweden« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mit Foltermethoden die ans finstere Mittelalter erinnern werden in Stockholm einflussreiche Persönlichkeiten ermordet. Der bereits dritte Fall in einer Woche hält Johanna Tott und ihre Kollegen von der Landeskripo Stockholm in Atem. Bei der Polizei glaubt man allgemein an einen möglichen terroristischen Hintergrund und als ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums in seiner Wohnung ermordet wird, scheint sich diese Spur zu bestätigen. Noch am Tatort wird Felix Martini, der Lebensgefährte des Toten, verhaftet, da man ihn für den Schuldigen hält. Felix konvertierte erst vor einiger Zeit zum Islam und passt daher denkbar gut ins Täterprofil, zumal weitere Indizien am Tatort gegen ihn sprechen.

Als Felix kurz in seine Wohnung darf, um dort ein paar persönliche Dinge für seinen bevorstehenden Gefängnisaufenthalt einzupacken, gelingt ihm mit Hilfe seiner Nachbarin Sara die Flucht. Für Felix ist klar, dass er selber den wahren Mörder finden muss, um seine Unschuld zu beweisen. Den einzigen Hinweis enthält eine Mail, die ihm sein Freund kurz vor dessen Tod zugeschickt hat. Ein eigenwilliges Familienwappen, das Sara und Felix zu dem Maler David Klöcker Ehrenstrahl, dem Hofmaler Karl XI., führt. Während die Polizei nach Felix fahndet glaubt alleine Johanna, dass die Spur nach kriminellen Islamisten in die Irre führt. Sie findet heraus, dass alle Ermordeten mit schwedischen Katastrophenfällen zu tun hatten und vermutet hier den gemeinsamen Nenner. So war Opfer Nummer eins, Sten Karlsson, der Leiter der Ermittlungen bei der »Estonia«-Katastrophe. Opfer Nummer zwei, Roy Engman, war Sicherheitschef des ermordeten Ministerpräsidenten Olof Palme. Und so weiter. Wegen der anhaltenden Meinungsverschiedenheiten wird Johanna kurzerhand von den Ermittlungen ausgeschlossen, arbeitet jedoch auf eigene Faust weiter.

Johannas und Felix Suche führen die beiden zufällig zusammen und gemeinsam mit Sara versuchen sie das Rätsel zu lösen. Dabei sitzt ihnen die Presse im Nacken, denn der selbstverliebte Starjournalist des Aftonbladet, Kalle Holm, wittert die Story seines Lebens. Dabei ahnt keiner der Beteiligten, was wirklich auf dem Spiel steht. Von Casablanca nähert sich nämlich unaufhaltsam das Transporterschiff »Ikaros« auf Stockholm zu. Mit atomarer Fracht…

Wer stand hinter der Ermordung von Kennedy, war Armstrong tatsächlich auf dem Mond? Im vorliegenden Fall lauten die Fragen natürlich anders. Warum sank 1994 bei der größten Fährkatastrophe der Nachkriegszeit die »Estonia« und riss über 800 Menschen in den Tod? Warum waren die Leibwächter als Olof Palme am Abend des 28. Februar 1986 aus nächster Nähe erschossen wurde nicht im Einsatz? Zahlreiche weitere Fälle aus den letzten vier Jahrhunderten schwedischer Geschichte werfen ähnliche Fragen auf. Wie kam es zu dem verheerenden Brand auf der Burg Tre Konor im Jahre 1697? Wieso besuchte König Gustav III. im Jahr 1792 jenen Maskenball bei dem er ermordet wurde, obwohl er im Vorfeld ausdrücklich gewarnt wurde? Ein gefundenes Festessen für Verschwörungstheoretiker bietet der grandiose Debütroman von Niklas Ekdal, einem der bekanntesten schwedischen Politik-Journalisten.  

»Mal ehrlich, glaubst du, dass dein Bollwerk die USA vor nuklearem Terrorismus wird schützen können?«
»Vielleicht nicht auf lange Sicht, aber du weißt ja, dass…«
»…wir auf lange Sicht alle tot sind.«

Spielt sich bei vergleichbaren Werken die Geschichte zumeist in gefühlten hundert Ländern weltweit ab, so verzichtet Niklas Ekdal erfreulicherweise auf ein ständiges Wechseln zwischen zahllosen Orten. Es geht um Schweden, genauer gesagt um Stockholm, um Gamla stan. Davon ahnen die Protagonisten dieser Geschichte jedoch nichts. Sie haben derweil auch vermeintlich wichtigere Dinge zu klären, wie die Hintergründe für eine beispiellose Mordserie. Sehr gekonnt gelingt es dem Autor die Katastrophenfälle der letzten Jahrhunderte mit aktuellen Themen zu verknüpfen. Trotz dem Mitwirken einiger weniger Geheimdienste und einer Geheimgesellschaft wirkt der Roman erfrischend »realistisch« und nicht so unvorstellbar aus dem Hut gezaubert wie zahllose andere Werke aus dem Sektor. Die detaillierte Spurensuche über die Gemälde von David Klöcker Ehrenstrahl mag zwar ein wenig konstruiert wirken, bleibt aber vergleichsweise im Rahmen. Auch bei den Figuren wird, sieht man von dem Journalisten Kalle Holm einmal ab, auf grobe schwarz-weiß Malerei verzichtet. Lediglich auf den letzten Seiten sowie beim Finale im Stile eines James Bond übertreibt der Autor, was jedoch angesichts der bis dahin vorzüglichen Lektüre gerne verziehen wird.  

Wenngleich »Code 1658« ein Debütroman ist, so muss Niklas Ekdal mögliche Vergleiche – beispielsweise mit seinem finnischen Kollegen Ilkka Remes – nicht scheuen. Hut ab!

Jörg Kijanski, Oktober 2010

Ihre Meinung zu »Niklas Ekdal: Code 1658«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Thomas71 zu »Niklas Ekdal: Code 1658« 04.01.2011
„Wenngleich »Code 1658« ein Debütroman ist, so muss Niklas Ekdal mögliche Vergleiche – beispielsweise mit seinem finnischen Kollegen Ilkka Remes – nicht scheuen. Hut ab!“
Jörg Kijanski

Normalerweise stelle ich keine Zitate anderer Rezensenten meinen Büchermeinungen voran. In diesem Fall geht es aber nicht anders, hat mich doch gerade der Vergleich mit Ilkka Remes dazu gebracht, für dieses Buch viel (zu viel) Geld auszugeben. Denn dieses Buch ist es wert, über den Dächern von Zürich entsorgt zu werden ;-). Leesnswert ist es allerdings meiner Meinung nach nicht.
Die Figuren sind bis auf die Ausnahme Felix Martini aus dem „Baukasten für Thriller-Hauptfiguren“. Da gibt es die taffe Polizistin (verheiratet, 3 Kinder, Ehekrise, im Berufsleben von inkompetenten Kollegen gebremst), ihren jammernden und jämmerlichen Ehegatten, der am Ende der Geschichte als Deus ex Machina die Situation retten muss (Zitat Seite 447, Mitte: „Schwedens Schicksal hing von einem deprimierten Wirtschaftswissenschaftler mittleren Alters in Elternzeit mit verbranntem Daumen ab“), ihrem aristokratischen Vater, der seiner Tochter sowohl die Berufs- als auch die Gattenwahl verübelt, einer geheimen Verschwörungsclique mit gelinde gesagt äußerst konstruierter und unglaubwürdiger Motivation und Martinis unangepasster Nachbarin, die sich ohne Nachzudenken in ein lebensgefährliches Abenteuer stürzt, um ihrem unter Mordverdacht stehenden Freund Felix Martini zu helfen. Dazu noch ein paar inkompetente Polizisten, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen und ein karrieregeiler Journalist, der über bessere Verbindungen zum US-Geheimdienst verfügt als die Sicherheitspolizei…
Lediglich Felix Martini durchbricht das übliche Rollenbild (aber das leider nicht besonders glaubwürdig): ein homosexueller, landesweit bekannter Bohemian, der zum Islam konvertiert ist und nach dem Mord an seinem Lebensgefährten zum Hauptverdächtigen wird, obwohl es keine Verbindung zu den anderen Mordopfern der Serie gibt, ausser, dass Martini Moslem ist und jeder Moslem per se ein Islamist. Was für eine gequirlte Kinderk*…
Dazu ein sinistrer Geheimbund, der in sämtliche skandinavischen Tragödien der letzten 400 Jahre verwickelt ist und ein schwedischer Barockmaler, der in seinen Bildern Hinweise auf ein von ihm begangenes Verbrechen versteckt hat. Und, ach ja, da wäre dann noch das Thema Atombombe in Großstadt, das man hier noch einbauen könnte. Einfacher Serienmord reicht heutzutage ja scheinbar nicht mehr..
Klingt nach dem von mir „hochgeschätzten“ Dan Brown (aber da wäre der Oberbösewicht dann mindestens Kurienkardinal ;-)), bewegt sich auf ähnlichem literarischen Level, ist aber ein Buch des Debütanten Niklas Ekdal…
Wer nur eine Spur von Logik von seiner Lektüre erwartet, sollte seine Finger von „Code 1658“ lassen. Leider habe ich selbst meinen Rat nicht beherzigt, es hätte mir viel Augenrollen und Ärger über dieses Buch erspart…
Ihr Kommentar zu Code 1658

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: