Das Zeichen auf der Stirn von Nicole Drawer

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 2 der Johanna-Jensen-Serie.

  • München: Knaur, 2005. ISBN: 3-426-62836-8. 370 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Katinka Springborn. ISBN: 3866674031. 11 CDs.

'Das Zeichen auf der Stirn' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Der Killer ist ihr näher, als sie ahnt. Eine Mordserie erschüttert Hamburg. Drei Leichen werden entdeckt – alle drei wurden schrecklich verstümmelt, allen dreien wurde ein Kreuzzeichen in die Stirn geritzt. Die Ermittler stehen unter starkem Druck der Öffentlichkeit, und Sven Diekmann, der Leiter der Mordkommission, bittet Polizeipsychologin Johanna Jensen um Unterstützung. Schon bald muss sie ihre Kräfte mit dem gefährlichen Killer messen – er ist ihr näher, als sie ahnt …

Das meint Krimi-Couch.de: 52°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Auf der blutgetränkten Matratze liegt die Leiche einer Frau, die Hände zum Gebet gefaltet, die Beine geschlossen, aber die abgetrennten Brüste und die durchgeschnittene Kehle sind perverse Merkmale eines Mordes, die dem Hamburger Leiter der Mordkommission, Sven Diekmann und seinem Team eine neue Aufgabe bescheren, die durch einen salbungsvollen Hinweis aus der Bibel nicht leichter wird.

Auch Siegfried Kausch, der seine Freizeit gerne mit jungen Strichern vom Hamburger Bahnhof verbringt, stirbt eines gewaltsamen Todes. Und auch er wird von seinem Mörder regelrecht aufgebahrt und mit abgeschnittenem Penis und sanftem Spruche zu Tode gebettet.

Hier ist offensichtlich ein Psychopath am Werk, so dass Sven Diekmann es für nötig erachtet, die Profilerin Johanna Jensen in sein Team zu holen, mit der er schon ein Mal einen Fall gelöst hat. (Nicole Drawer »Allein mit einem Mörder«).

Schon bald passiert ein weiterer Mord. Ein hübsche, junge Frau, Prostituierte von Beruf, wird in ihrem Hotelappartement massakriert. Und der Hinweis aus der Bibel fehlt ebenfalls nicht und führt die Ermittlungen zu einem perversen Rächer. Diekmann glaubt den Täter schon im Visier zu haben, aber Johanna Jensen ist davon nicht überzeugt, denn ihre Ermittlungen zeigen ein völlig anderes Bild der Lage und dieses Bild kann dem Mörder gefährlich werden …

Die Hamburger Kriminalistin Nicole Drawer hat für »Das Zeichen auf der Stirn« ihr bekanntes Ermittlerteam Dieckmann und Jensen aktiviert. Ein Duo, das unterschiedlicher nicht sein könnte und nur aus der Not heraus zu einem Duo geworden ist, denn eigentlich können sich die beiden nicht ausstehen. Na ja, vielleicht ein bisschen, und vielleicht bringt der gegenseitige Respekt den Macho-Polizisten Dieckmann und die Psychologin Jensen schon deshalb näher zusammen, weil sie beide unter Erfolgsdruck stehen und in ihrer Lebensweise reichlich einsam sind. Obwohl das natürlich keiner von beiden zugeben würde.

Nicole Drawer zeigt ein sehr menschliches Bild der beiden Kriminalkontrahenten und trotz der zumeist fehlenden, markigen Sprüche aus dem Vorgängerband, werden gerade durch diese Kontroversen die beiden Hauptakteure erst richtig sympathisch. Sympathie zu den Protagonisten allein ist jedoch noch kein Erfolgsrezept für einen ordentlichen Krimi, bei dem eigentlich Täter und Opfern mindestens genauso viel Bedeutung zukommen müsste.

Bei den diversen Opfern trifft Nicole Drawer, wahrscheinlich wegen ihrer intensiven Eigenerfahrungen, sehr stimmig die Auswahl der Gemeuchelten und deren soziales Ambiente. Beim Täter drückt sie jedoch zu sehr von Anfang an auf die Psychoschiene, so dass dem Leser schon nach kurzem Lesevergnügen ziemlich klar ist, wer sich hier zum Rächer an den Gebeutelten der Randschichten aufspielt. Dementsprechend schwach bleibt dann auch die Spannung, man wartet nur mehr darauf, wann endlich Kommissar und Profilerin auch die Einsicht haben und dem grausigen Treiben ein Ende setzen.

Sprachlich lässt sich an Nicole Drawers Zweitwerk nichts aussetzen. Sie überhäuft den Leser nicht mit Extremkriminalistik und Forensik und auch die psychologischen Ermittlungsspielchen halten sich in passablen Grenzen. Rundum logisch verläuft die Handlung linear, mit nur ganz wenigen Rückblicken in das Seelenleben des Täters, und da gibt es keinerlei Haken und Ösen an denen sich der Leser die Zähne ausbeißen muss. Die Spannung plätschert so dahin und findet ihre Höhepunkte eher in den Zuneigungsphasen zwischen Diekmann und Jensen, als im kriminalistischen Geschehen.

Das im Knaur Taschenbuchverlag erschienene 475-Seiten-Werk kann dem Vergleich mit seinem Vorgänger leider nicht ganz standhalten. Frau Drawer hat damit einen durchaus lesbaren Regio-Krimi präsentiert, der sich jedoch über den Durchschnitt deutschen Krimischaffens kaum abhebt und ansonsten keine besonderen Pluspunkte für eine Empfehlung anbietet.

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HelgaR zu »Nicole Drawer: Das Zeichen auf der Stirn« 08.02.2009
Sven und Johanna haben schon einmal bei einem Fall zusammen gearbeitet und verstehen sich seitdem nicht besonders gut, daher kommt es immer wieder zu kleinen Streitigkeiten, die sich aber im Laufe der Zeit etwas legen. Die beiden gefallen mir recht gut und ich finde, sie passen auch gut zusammen.

Obwohl man recht bald den Täter vermutet, finde ich das nicht hinderlich, da es ja vordergründig um den psychologischen Hintergrund geht. Also ein eher bodenständiger Krimi (die Autorin ist ja vom Fach), der stellenweise, wie auch schon im ersten Fall, etwas ausschweifend ist. Er hat mir aber trotzdem ein paar schöne gemütliche Stunden bereitet und ich werde die Serie auch weiter verfolgen.
silke zu »Nicole Drawer: Das Zeichen auf der Stirn« 02.04.2008
Das erste Buch hat mir schon gut gefallen,aber dieses war noch besser.Sehr gut geschrieben und auch sehr spannend.Ich hoffe,das es noch weitere Bücher von ihr mit Johanna und Sver kommen.
Nur das Ende fand ich etwas abrupt.
heike zu »Nicole Drawer: Das Zeichen auf der Stirn« 06.08.2005
auch wenn schon bald klar ist, wer der täter ist,
das wird uns ja in anderen krimis noch viel früher
und deutlicher klargemacht, finde ich dieses buch um einiges besser, als sein vorgänger. weniger
um einiges besser, als sein vorgänger. fast keinen
streß mit stefan, nicht mehr so viele
selbstvorwürfe wegen des todes ihres bruders,
mehr infos über opfer und täter.
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