Kuhhandel von Nicola Förg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Emons.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Gerhard-Weinzierl--Serie.

  • Köln: Emons, 2004. ISBN: 3897053624. 206 Seiten.
  • München: Goldmann, 2010. 284 Seiten.

'Kuhhandel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kommissar Gerhard Weinzirl wird in die dramatisch-schöne Ruine Eisenberg gerufen: Dort liegt eine tote Frau, neben ihr eine Spritze und ein Röhrchen. Alles deutet auf einen Selbstmord der 41-jährigen Tierärztin Svenja hin. In ihrer Praxis findet sich ein Abschiedsbrief, der auf einen gewaltigen Schuldenberg verweist. Alles scheint klar zu sein. Dennoch ist Weinzirl irritiert: Diese Frau hatte auf ihn nicht suizidgefährdet gewirkt. Auch Jo, Tourismusdirektorin mit einem kleinen Privatzoo aus Katzen, Kaninchen und Pferden, hat da ihre Zweifel. Ohne Gerhard einzubeziehen, agiert sie im Alleingang und jenseits der Legalität. Dabei stößt sie auf dubiose Umstände bei Svenjas Chef, Tierarzt Dr. Ostheimer. Und sie glaubt nicht daran, dass der Senn Seppi in diesem Sommer sieben Tiere nur durch Pech verloren hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Doping beim Ochsenrennen« 78°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Svenja Gudmundsdottir ist eine lebenslustige, handfeste Tierärztin, im Allgäu bestens integriert. Und so kann Johanna Kennerknecht kaum glauben, dass ihre Freundin Selbstmord begangen hat. Svenja soll sich mit einem Mittel zum Einschläfern von Tieren getötet haben. Jo ist gerade erst von einer drei Monate dauernden Auszeit zurück, und muss schon wieder einen Tiefschlag akzeptieren. Doch sie will den angeblichen Selbstmord nicht wahrhaben, und beginnt einmal mehr mit eigenen Ermittlungen. Aber ohne die Polizei, also ohne ihren Freund Gerhard Weinzirl, kann sie den Fall offenbar nicht lösen. Der Kommissar ist aber der Grund für ihre Auszeit – eigentlich herrscht noch immer Funkstille.

Spuren führen in die Dopingszene

Weinzierl seinerseits ist von Kennerknechts Tempo zuweilen genervt – und er ist noch immer empört, weil sie vor drei Monaten einfach verschwunden ist. Dennoch lässt er sich nach einigem Hin und Her überzeugen, wie in einem Mordfall zu ermitteln. Jo hat bei ihren regelwidrigen Nachforschungen erfahren, dass Svenjas Chef irgendwie mit Doping zu tun hat. Der Kommissar geht dem entsprechenden Tipp nach und stößt auf neue Hinweise, die jedoch erneut in eine andere Richtung führen. Davon weiß Jo nichts, und so geht sie wieder ihren Theorien eines Dopingrings auf einer Alb in der Nähe nach. Als sich dann der Kommissar ebenfalls auf diese Alb begibt, weil er Jo dort in Gefahr wähnt, gerät er selbst in Lebensgefahr. Jo scheint also mit ihren Vermutungen Recht zu haben, aber dann gibt es neue dramatische Ereignisse, und alles steuert auf ein rasantes Finale zu.

Beziehungsdynamik geschickt eingebaut

Nicola Förg hat mit der Reihe um Kommissar Gerhard Weinzirl und Tourismus-Managerin Johanna Kennerknecht ein ebenso originelles wie eigenwilliges Ermittler-Paar kreiert. Das persönliche Verhältnis der beiden Querköpfe ist einer überaus dynamischen Entwicklung unterworfen, und die Autorin versteht es, geschickt die Handlung des Romans dieser Dynamik anzupassen und sie sogar zu nutzen. Insbesondere der Kommissar ist ein Ur-Allgäuer – und so ist in diesem Regionalkrimi deutlich mehr Lokalkolorit drin, als in den meisten anderen Werken aus dieser Sparte. Dabei werden die Sequenzen mit der heimischen Mundart keineswegs zu zahlreich, sondern durchaus dosiert und passend eingesetzt.

Authentisches Szenario

Das vermittelt Authentizität, und wer dann doch mal nicht mitkommt, kann das kleine Glossar am Ende des Buches nutzen. Und da lernt der Leser, dass ein Hosasoicher eben ein Hosenscheißer ist, und eine Ratschkattl eine extrem geschwätzige Frau. Neben einem netten Lerneffekt wird so das authentische Szenario für die Geschichte gezeichnet. Das veritable Gefühlschaos der beiden Protagonisten sorgt zudem für zahlreiche Missverständnisse, aber dadurch wird auch die Ermittlungsarbeit in der Regel befruchtet. Nicola Förg zeigt auch in diesem Buch wieder, dass sie eine gute Geschichte spannend, kurzweilig und unterhaltsam erzählen kann. Gerhard Weinzierl und Jo Kennerknecht sind sympathische Figuren, stehen mitten im Leben – und wirken wegen ihrer Schwächen und Fehler eben nicht wie ausgedachte Figuren.

Gut recherchierte Fakten

Pluspunkte sammelt die Autorin auch mit offenbar gut recherchierten Hintergründen aus der Dopingszene und vielen Fakten aus der Tiermedizin. Dennoch vermeidet Förg es hervorragend, zu sehr in Fachjargon zu verfallen, dem Leser wird kein Fachbuch präsentiert. Der spannungsreiche Plot wirkt insgesamt glaubwürdig, allerdings ist Kommissar Zufall mitunter zu stark mit seiner helfenden Hand zur Stelle. Aber das ist bei einem durchweg spannenden und unterhaltsamen Roman eine verzeihliche Schwäche. In jedem Fall gibt die Allgäu-Reihe um Weinzierl und Kennerknecht noch genug Potenzial für weitere Folgen her. Die beiden könnten ihre Beziehung noch ausbauen – und kriminelle Energie dürfte im Allgäu auch noch ausreichend vorhanden sein.

Andreas Kurth, Januar 2011

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Doris zu »Nicola Förg: Kuhhandel« 21.05.2015
Ein Schmalzhafen reicht hier leider nicht, so viel tropft davon von den Wänden. Reichlich unerträglich.
Sollen die angedeuteten Bettszenen die Verkaufszahlen fördern? Oder ist das einfach eine Mode und muss halt grad ertragen werden?

Das Thema an sich ist auch nicht grad der Hit. Der Bart ist fast so lang wie der der Organraubstories.

Ob ich das Buch jemals zuende lesen werde?
Da muss es mir schon arg langweilig sein!
rolandreis zu »Nicola Förg: Kuhhandel« 06.02.2014
Kuhhandel ist ein gut zu lesender, aber nicht immer ernst zu nehmender Krimi. Leider schweift er teilweise auch sehr ab und dann kommt der Krimi viel zu kurz. Stattdessen wird man konfrontiert mit zu viel überflüssigen Beziehungsproblemen zwischen dem
Kommissar und seiner langjährigen Freundin Jo. Die Präsentation des Täter fand ich dann am Ende etwas sehr platt, fast wie viele bescheidene "Tatort" im Fernsehen. Daher in Summe ein Buch das schnell gelesen ist, aber nicht wirklich in Erinnerung bleibt.
hapesu zu »Nicola Förg: Kuhhandel« 17.04.2013
Ich bin von den Allgäu-Krimis von Nicola Förg sehr angetan, weil sie meiner Meinung nach viel authentischer sind als z.B. die Werke des ach so vielgepriesenen Autorenduos K. und K.
Dennoch sind mir beim "Kuhhandel" ein paar Dinge sauer aufgestoßen:
1) Der Bösewicht tritt zum ersten Mal auf Seite 230 in Form seines Autokennzeichens auf - bei insgesamt 280 Seiten ist das für meinen Geschmack einfach zu spät.
2) Sicher ist es nicht falsch, in einem Krimi auch die zwischenmenschlichen Probleme zur Sprache zu bringen.Hier allerdings werden die Beziehungskisten so ausführlich durchwühlt, dass ich mich schon manchmal gefragt habe, ob ich jetzt einen Krimi lese oder was sonst.
3) Ganz zum Schluss werden so viele bislang problematische Beziehungen auf wundersame Weise wieder geheilt -und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch ...
Aber um es noch einmal klarzustellen: alles in allem gefallen mir die Krimis von Nicola Förg sehr gut!
Max Fetzer zu »Nicola Förg: Kuhhandel« 06.07.2010
Hallo,

ich bin verwundert dass Nicola Förg immer neue Kommisare hat. Ich habe das Buch Mord im Bergwald der super klasse war.
Wenn ich die Vorstellung hier lese dann langweilt mich dies schon. Bei den Kommisaren im vorgenannten Roman konnte man sich richtig dazugesellen. Der Trent von Frau Förg ist nicht gerade super.

Grüßle aus dem Schwabenland
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