Der Totenmeister von Nick Stone

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel King of Swords, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida / Miami, 1990 - 2009.
Folge 2 der Max-Mingus-Serie.

  • London: Michael Joseph, 2007 unter dem Titel King of Swords. 608 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Heike Steffen. 608 Seiten.

'Der Totenmeister' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Es ist der Beginn eines grausamen Albtraums, als die stark verweste Leiche eines Mannes im Zoo von Miami gefunden wird. Rasch stellt sich heraus, dass das Opfer vor seiner Ermordung scheinbar grundlos seine komplette Familie ausgelöscht hatte. Der Fall wird zunehmend bizarr, als man im Magen des Mannes eine Tarotkarte entdeckt – den »König der Schwerter«. Eine blutige Spur führt Detective Max Mingus und seinen Kollegen Joe in eine Welt voll schwarzer Magie und zu der mächtigsten Voodoo-Priesterin der Stadt: Eva Desamours, eine Verbündete des geheimnisvollen Solomon Boukman, dem brutalen König der Unterwelt von Miami …

Das meint Krimi-Couch.de: »Gewaltig« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Miami, Florida. Wir befinden uns in den frühen 80-er Jahren, und Amerikas Sonnenstaat ist zu dieser Zeit alles andere als ein Ort für sonnige Gemüter: Kubaner überschwemmen Miami genau so wie Koks. Auf den Straßen herrscht blutiger Krieg und die Platzhirsche schrecken vor keiner Gewalt zurück. Mittendrin: Cop Max Mingus und sein schwarzer Kollege Joe Liston, dessen Gewissen im Gegensatz zu Mingus´ blütenweiß ist. Im alltäglichen Kampf mit der MTF, der Miami-Task-Force, einer Eliteeinheit der Polizei, und ihrem großen Widersacher, Solomon Boukman, dem ungekrönten König der Unterwelt, bekommt es das ungleiche Duo, das aber wie Pech und Schwefel zusammenhält, zu allem Übel noch mit einem äußerst skurillen Mord zu tun. Die Leiche, stark verwest im Zoo Miamis aufgefunden, trägt nämlich eine Tarot-Karte im Magen. Abgebildet ist der »König der Schwerter«, gleichzeitig Namensgeber für Stones Roman (im Original »The King of Swords«). Die Spur führt Mingus und Co. in eine Schattenwelt, in der dunkle Magie und Voodoo eine größerer Rolle spielen, als es ihnen lieb sein kann.

Der Totenmeister zieht aus mehreren Gründen in seinen Bann. Zum einen gelingt Stones »Kniff«, seinen zweiten Roman um Max Mingus etwa fünfzehn Jahre früher anzusiedeln als Voodoo, ganz hervorragend: Wie ein Schatten steht über der Handlung, was der Leser aus Voodoo bereits weiß. Dass Max Mingus nicht für ewig ein Cop bleiben soll und dass Oberbösewicht Solomon Boukman irgendwie sein finsteres Treiben weiterführen wird. Das gibt nicht nur Raum für Spekulationen während des Lesens, sondern sicherlich auch für den ein oder anderen weiteren Mingus-Thriller in der Zeit zwischen den frühen 80ern und Mitte der 90er.

Zum anderen ist der Plot ums Duo Mingus-Liston erfrischend neuartig für einen doch recht reinrassigen Hardboiled, der ein wenig an James Ellroys Los Angeles erinnert. Miami assoziiert der Leser nicht nur dank Sonny Crockett und Ricardo Tubbs aus Miami Vice mit bunten Farben und einem Schuss Exotik. Mit weißen Anzügen, kombiniert mit rosa Hemden, hat Der Totenmeister glücklicherweise wenig zu tun. Nick Stone verschmiert dieses Bild mit roher Gewalt, Korruption in allen Kreisen und einem ordentlichen Kleckser Mystik, vor allem durch den legendären Erzfeind Solomon Boukman und seine Voodoo-Praktiken.

Last but not least: Stones Szenen und Stones Sprache sind lebendig, pointiert, bildhaft und mit originellen wie anschaulichen Bildern gespickt (man stelle sich nur einen Zigarette rauchenden Gorilla vor!), die manch bluttriefende Szene fast in ein aberwitziges Licht tauchen:

»Sie fanden sechs Leichen [...] Sie sahen so aus, als drohten sie abzuheben und aus dem Zimmer zu schweben, hoch über das Haus in den Himmel über Miami.«

Der Totenmeister ist einerseits ein Hardboiled, wie in Kenner schätzen, auf der anderen Seite aber auch auf seine Art neu im Sinne von besonders spritzig, bissig, böse und hinterhältig. Nick Stones zweiter Roman belegt eindrucksvoll, dass am Second-Novel-Syndrome nichts dran sein muss. Der Totenmeister ist kraftvoll, Gewalt beschreibend wie gewaltig, ein wenig durchgeknallt und auch mit seinen knapp 600 Seiten ein Reißer, der zudem noch streckenweise tiefgründig daherkommt. Ein starker Autor mit einem äußerst starken zweiten Werk.

Lars Schafft, Juni 2009

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Hans Brehm zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 11.04.2013
Habe nach Voodoo und Totenmeister nun auch Todesritual gelesen. Leider enthält die Story viel zu viele Wiederholungen der vorhergehenden Bücher. Die Story kommt zu kurz. Die "Vorliebe"von Max Mingus für falsche Entscheidungen scheint etwas übertrieben. Nun zum Positiven: der Stil von Nick Stone ist wirklich hervorragend. Selbst weniger spannende Passagen lesen sich flüssig und man ist "ratzfatz" beim nächsten Kapitel. Insofern eine spannende/entspannende Lektüre. Kein Fehler das Buch zu lesen, aber auch kein Muss.
Kinsey zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 22.08.2012
Gefiel mir besser als erwartet, nachdem ich von "Voodoo" angesichts des hiesigen Hypes etwas enttäuscht war.
Insgesamt eine gute, gut und glaubwürdig erzählte Geschichte. Jede Menge an Hintergrundinformation in Bezug auf Haiti und Voodoo-Kult. Da schreibt jemand, der weiß, wovon er redet.
Ein bißchen fühlte ich mich an James Ellroy erinnert - immerhin sind die 80er-Jahre inzwischen Zeitgeschichte - aber das soll kein Negativ-Kritikpunkt sein, im Gegenteil. Den Autor werde ich im Auge behalten.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexander zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 23.07.2010
Ich weiss ja nicht, ob die Welt einen Mix aus den Südfloridaromanen der 80er von Elmore Leonard, Ian Flemings "Leben und sterben lassen", James Ellroys düsteren Polizeiepen und "Miami Vice" braucht? Doch ich fand das Buch ganz gut. Auch wenn es manchmal ein bißchen sehr an die Polizeiromane von James Ellroy erinnerte und ich eine Actionszene auch ein bißchen vom 2006er Miami Vice-Remake abgekupfert fand. Das Thema, haitianische Gangster, war eigenständig und noch ziemlich unverbraucht, der Schreibstil flüssig und genügend Tiefgang hatte die Geschichte auch. Stones Erstling "Voodoo" fand allerdings besser und auf weitere Geschichten um Max Mingus und Soloman Boukman freue ich mich auch schon. Meine Wertung wäre 80%.
Summerherekid zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 03.11.2009
Totenmeister ist ein echter Schmöker. Der Roman bietet eine solche Fülle an Ideen und Storylines, dass es eine wahre Freude ist. Genau dieser Überfluss macht den Roman zu einem echten Meisterwerk

Sicher, man sollte nicht unerwähnt lassen, dass es auch so manche Schlampigkeit und Ungereimtheit in der Geschichte gibt, manche Dinge sehr aufgesetzt wirken und vieles vor Klischees trieft.

Dass der Totenmeister trotz dieser Mängel ein echtes Erlebnis ist, verdankt er seinem Detailreichtum, den vielen liebevoll und genauestens gezeichneten Charakteren und den vielen Geschichten in der Geschichte. Darüber hinaus beweist Nick Stone, dass auch in einem hard-boiled Krimi der Humor nicht aussen vor bleiben muss.

Insgesamt also ein echtes Lesevergnügen.
André aus Köln zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 17.08.2009
Ich habe soeben den "totenmeister" durchgelesen und komme zu dem Schluss, dass die Erwartungen größtenteils erfüllt wurden. Allerdings überraschte es mich auch zunächst, dass die Handlung nicht NACH sondern VOR "Voodoo" handelt. Das Ende des Erstlingswerkes kündigt ja eigentlich genau dieses an..Aber umso interessanter ist es, die Hauptfigur Max Mingus und Joe Liston, der in Voodoo eher eine Nebenrolle spielt, kennen zu lernen. Schließlich weiß man ja im Vorfeld schon einiges über die Personen etwa 15 Jahre später und weiß daher, dass der Spuk noch nicht vorbei sein kann..Stone hat ein unglaubliches Talent, die Schauplätze und vor allem die Charaktere sehr bildhaft und originell zu beschreiben.. Ich sag nur: Carmine Desamours und seine Mutter, "Bonbon" und natürlich Solomon Boukman.. Zum Verschlingen gut geschrieben; auch wenn ich "Voodoo" wegen der haitianischen Atmosphäre noch besser fand..
swigl88 zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 15.07.2009
Der Totenmeister ist ein gutes Buch aber nicht der Knaller!

Mein Interesse wurde vor allem durch Voodoo bzw. den darin vorkommenden, geheimnisvollen Solomon Boukman!

Voodoo konnte bei mir vor allem durch dei ungewohnte Umgebung und einem roten Faden in der Geschichte Punkten.

Ich finde auch im Totenmeister wird der rote Faden recht gut gesponnen, allerdings mit vielen Unterbrechungen.

Hätte Hr. Stone das Buch auf 400 Seiten gekürzt und diese rein dem Fall um Boukman gewidmet hätte das Buch vielleicht eingeschlagen wie eine Granate.

Die ewigen "sinnlosen" Dialoge stören mit der Zeit. Diese schaffen immer wieder langatmige Phasen.

Weiters finde ich bei diesem Buch die Umgebung wieder sehr interessant. Bei diesem Autor habe ich permanent ein wirkllich scharfes Bild im Gedanken und kann mir alles sehr gut vorstellen.
Es gibt auch Autoren wo man krampfhaft versucht ein Bild im Kopf zu formen, aber es funktioniert nicht. Hier ist dies anders.

Weitere Pluspunkte gibt es für die Hauptcharaktere, welche perfekt in die Geschichte passen und authentisch übermittelt werden.

Gutes Buch, leider teilweise zu langatmig.

Freu mich schon auf Band 3! Mein Interesse wurde zweifelsfrei geweckt!

Von mir solide 82° => empfehlenswert
Thurgood zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 07.07.2009
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was so viele an "Der Totenmeister" stört.
Vielleicht bin ich ja genügsamer oder weniger anspruchsvoll im Bezug auf meine Leselektüre - wobei ich das stark bezweifel.

Wie dem auch sei. Ich fand "Voodoo" damals gut. Es hat mich nicht umgehauen, aber es war spannend, eine ungewohnte Umgebung (Haiti) und ein recht cooler Protagonist. Von daher war es klar, dass ich den zweiten - bzw. zeitlich gesehen den ersten Teil - auch lesen würde.

Und was soll ich sagen? Ich war, bzw. bin, schwer begeistert!
"Der Totenmeister" hat Tempo, Witz, Gewalt und - zumindest meiner Meinung nach - interessante und (natürlich nur zum Teil) liebenswerte Charaktere.
Vor allem aber Tempo! Klar gibt es den ein oder anderen Hänger, wenn sich Stone vielleicht etwas zu lange mit den Vorgeschichten einiger Nebencharaktere beschäftigt, aber das ist absolut zu verzeihen, wenn man das einem Gebotene im Gesamten betrachtet.

Ich kann dieses Buch ohne Einschränkung weiter empfehlen und gebe sehr sehr gute 91°!

PS.:
Während in "Voodoo" hin und wieder vom grausamen Bookman die Rede war, fand ich das stets etwas lächerlich. Irgendwie erschien mir die Person wie eine Karikatur.
Nach "Der Totenmeister" ist dem nicht mehr so. Das ist 'n harter Hund und ich freu mich auf Teil drei, der dann ja logischer Weise nach "Voodoo" spielen wird.

Im Übrigen find ich die These von Bio-Fan, dass Stone nicht gewußt hätte, wie es nach "Voodoo" weiter gehen soll, etwas lächerlich. Es ist doch heute üblich, ein sogenanntes "Prequel" rauszuhauen, bevor man eine breits angerissene Story zu Ende erzählt.
Ich gehe stark davon aus, dass Stone schon vor dem Schreiben von "Voodoo" einen groben Handlungsstrang und Figuren im Kopf hatte und lediglich den Mittelteil dieser Story - aus dramatugrischen Gründen? - zu erst veröffentlicht hat.

Eine J.K. Rowling hatte z.B. auch schon den größten Teil des Harry-Potter-Plotts im Kopf, bevor der erste Teil erschien. Das ist doch normal... nur so sind verworrene und spannende bücherübergreifende Handlunsgstränge zu spinnen und nachzuvollziehen.

Aber egal!
"Der Totenmeister" ist mMn ein herausragender Thriller! Egal ob die Story realisitsch, plausibel oder eben nicht sein mag. Das Buch ist gut, spannend und liest sich wie aus einem Guss. Was will ich denn mehr als ( *vorsicht Ironie* anspruchsloser ) Thriller-Fan.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bio-Fan zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 22.06.2009
"Augen zu und durch"- diese Devise entwickelte sich bei mir während der Lektüre dieses Buches. Okay, einen gewissen Unterhaltungswert möchte ich dem Buch nicht absprechen, nur darf man eben nicht so genau hinschauen, was Nick Stone sich da zusammengereimt hat.
Das "Second Novel - Syndrome" ist ein verbreitetes Phänomen, wenn ein Autor nach dem grossen Erfolg seines Erstlings unter Zeitdruck, einen Nachfolger zu präsentieren, sich in einem unausgereiften Schnellschuss ergeht. Für mich hat es den Anschein, dass Nick Stone noch keine zündenden Ideen für seinen Protagonisten Max Mingus in der Zeit nach "Voodoo" hatte, somit eine Art Resteverwertung betrieben hat, diese in einem Konglomerat von Personen und Szenen aus Mingus`Vergangenheit zu verknüpfen versucht.

Was darf´s denn bitte sein ?

Ein bisschen Cop-Krimi im Sinne von James Ellroy ? Die Themen werden angerissen, nur fehlt die Atmosphäre und das Personal wirkt unecht.
Dazu eine Prise Florida-Klamauk (Aberwitz ?) a la Carl Hiaasen und jede Menge Voodo-Budenzauber ?

Das wäre ja alles noch akzeptabel, wenn nicht die vielen Ungereimtheiten wären, die mir von der Eingangsszene an sauer aufgestossen sind. Das ist kein solides Handwerk!
Mit mehr Sorgfalt und mit mehr Konzentration auf das Wesentliche hätte es eine spannende Geschichte werden können, denn Stone ist ein guter Erzähler. Aber so gibt es von mir nur bescheidene 50 Grad,
0 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
pescheg zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 12.06.2009
Ein richtig guter Thriller mit idealer Länge, dichter Atmosphäre und guten Hauptfiguren. Gewaltig, wie die Dramatik gegen Schluss zunimmt und das Entsetzen immer weiter um sich greift. Ich teile die positive Beurteilung der Krimicouch.

Einzig die Tatsache, dass man aufgrund von Voodoo bereits das eine oder andere über den Ausgang weiß, ist nicht so toll. Ich empfehle, zuerst Voodoo und danach den Totenmeister zu lesen. Aber die Reihenfolge ist relativ nebensächlich. Was überzeugt, ist der Autor, der etwas von der Sache versteht und es schafft, das Miami der 80er Jahre auf überzeugende und mitreißende Weise aufleben zu lassen.
mo zu »Nick Stone: Der Totenmeister« 11.06.2009
Dieses Buch ist wieder ein absoluter Treffer von Nick Stone! Das Thema Haiti ist neu und faszinierend und ich hofffe recht bald mehr davon zu lesen. Gerade die detaillierten Schilderungen und Rückblenden helfen, die Spannung aufzubauen und den Leser bei der "Stange" zu halten. Hab das Buch vor 1 Jahr auf Englisch und jetzt auf deutsch noch einmal gelesen. Eine würdige Fortsetzung von Voodoo.

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