Die Spur der Hyäne von Nick Brownlee

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Burn / Blood and fire, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Droemer Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Kenia / Mombasa, 1990 - 2009.
Folge 2 der Jake-&-Jouma-Serie.

  • London: Little, Brown Book Group, 2009 unter dem Titel Burn / Blood and fire. ISBN: 978-0749929060. 408 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2010. Übersetzt von Wibke Kuhn . ISBN: 978-3-426-50327-0. 392 Seiten.

'Die Spur der Hyäne' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Eine Serie mysteriöser Todesfälle erschüttert Mombasa. Einem Baulöwen ist jedes Mittel recht, um in dem kleinen Hafenort Jalawi ein exklusives Hotel zu errichten. Verkohlte Leichen inklusive. Die Ermittler Daniel Jouma und Jake Moore können sich da schnell die Finger verbrennen, und nicht nur das.

Das meint Krimi-Couch.de: »Welcome to the jungle« 45°

Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek

Die Geschichte des Kinofilms ist durchsetzt von Fortsetzungen, die kein Mensch braucht, geschweige denn sich je gewünscht hat. Von weiteren Abenteuern des wortkargen Rambos bis hin zum zweiten Auftritt der metallisch-glänzenden Transformer. Wenn es darum ginge goldene Kühe zu melken, kannte manch ein Filmemacher keine Gnade mit dem Publikum. Es ist ein Trend, der bis heute anhält und zuletzt auch vermehrt auf dem deutschen Buchmarkt zu verzeichnen ist. Nick Brownlees nächster Thriller-Streich Die Spur der Hyäne ist dafür das allerbeste Beispiel, denn wenn je ein zweiter Teil überflüssig und vor allem unerwünscht war, dann wohl dieser hier. Bereits Mord in Mombasa konnte sich im großen Becken des Krimi-Angebots allenfalls noch durch sein Cover abheben, wohingegen der Inhalt zwischen den Buchdeckeln von der Kritik zerrissen wurde. Kollege Thomas Kuerten bewertete es folgerichtig mit 40° und kam zu diesem Fazit: »Unter dem Strich bleibt es eine schmissige Geschichte, der man mit wohlwollendem Blick auf ihren Debütstatus auch einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen kann. Mehr leider nicht.« Fakt ist: in Band 2 bleibt unter dem Strich nicht mal mehr wirklich das.

Schauplatz von Die Spur der Hyäne, welcher im Original übrigens den besser passenden Titel Burn trägt, ist abermals die zweitgrößte Stadt Kenias, Mombasa. Jake Moore, der ehemalige Polizist, Abenteurer und jetzige Besitzer eines Sportanglerboots, ist am Boden zerstört, als er von zwei FBI-Männern die Nachricht vom Tod seiner Freundin Martha Bentley erhält. Mit ihr hat er nicht nur eine eventuell zukünftige große Liebe, sondern auch die Hoffnung verloren, an die große Summe aus der Lebensversicherung ihres Vaters zu kommen. Doch damit nicht genug: Der kleine Hafenort Jalawi, in dem auch sein kleiner Bootsjunge Sammy wohnt, soll für ein neues exklusives Hotelprojekt dem Boden gleichgemacht werden. Und während eine Gruppe englischer Hippies dies zu verhindern sucht, stirbt an den Mauern des alten Fort Jesus in der Innenstadt ein Mann eines mysteriösen Todes. Ermittler in diesem Fall ist Inspector Daniel Jouba, dessen Wege sich bald mit denen Jakes kreuzen, als beide den Machenschaften der skrupellosen Baugesellschaft Spurling Developments auf die Schliche kommen &

Man könnte an dieser Stelle tatsächlich noch etwas mehr von der Handlung preisgeben ohne den Lesespaß oder gar die Spannung bei der Lektüre des Buches zu beeinträchtigen. Das liegt in erster Linie daran, dass beides von vornherein gar nicht recht aufkommen will. Nick Brownlee, seines Zeichens begeisterter Hochseeangler, hätte vielleicht besser bei seinen Ködern und Haken bleiben sollen, anstatt diese an jedweder Stelle in seinem Buch einbauen zu wollen.

Die Spur der Hyäne strotzt nur so vor ständigen Schauplatz- und Konstellationswechseln und ist mit einer Vielzahl von Figuren besetzt, welche der schönsten 80er Jahre Ami-Soap zu Ehre gereicht hätten. (Vielleicht deswegen kein Zufall, dass der kaufsüchtige, dauergeile Sohn des Spurling Unternehmens sogar Bobby heißt) Vom schwarzen Spurenleser über den schottischen Großwildjäger und einen geheimnisvollen Serienkiller namens »Geist« bis hin zum afrikanischen Greenhorn-Constable bietet das Buch so ziemlich jedes Klischee, das ein durchschnittlicher Actionthriller auffahren kann. Null Tiefgang inklusive.

Jegliche Person im Roman handelt strikt nach Schema F, wobei Brownlee die genutzten Schablonen derart scharf geschnitten hat, dass es schon ins Lächerliche zu kippen droht. Bestes Beispiel ist da Jake Moore, von dem der Leser bis zum Schluss nicht weiß, ob er die Söldnerseele oder den strahlenden Helden verkörpern will. Gegen ambivalente Charaktere wäre ja auch nichts einzuwenden, würde uns der Autor zwischendurch wenigstens mal einen Blick in die Gedankengänge der handelnden Personen erlauben. Stattdessen aber hangelt sich die Geschichte von einer Leiche zur nächsten, während die ständige Auflistung von Straßennamen dem Ganzen ein wenig kenianisches Flair verleihen soll. Auch das scheitert nicht zuletzt deshalb, weil Brownlee über die oberflächliche Beschreibung von dreckigen Gassen und armseligen Lehmhütten nicht hinauskommt. Afrikanische Atmosphäre? Komplette Fehlanzeige. Die gesamte Handlung könnte auch in den Hinterhöfen von L.A. spielen, was durch die gänzlich überflüssigen Auftritte von FBI und CIA noch untermauert wird. Hier beweist Brownlee wenigstens ein gewisses Maß an Konstanz, denn Kollege Kuerten scheint auch diesen Kritikpunkt schon beim Erstling ähnlich gesehen zu haben.

Inwiefern es sonst eine Weiterentwicklung gegenüber dem ersten Band gegeben hat, kann mangels Kenntnis des Vorgängers nicht beurteilt werden. Positiv zu vermerken ist jedenfalls nur wenig: Ja, ab und zu kann über den Humor Brownlees geschmunzelt werden. Und ja, eine gewisse Kurzweil ist dem Plot nicht abzusprechen. Darüber hinaus bietet Die Spur der Hyäne, dessen Inhalt natürlich wieder mal in keinster Weise mit dem Titel zu tun hat, übliche und erschreckend ideenlose Kost.

Insgesamt ein äußerst uninspirierter, platter Actionthriller, dessen Übersetzung man sich bei Knaur mal getrost hätte sparen können. Blanker Hohn, wenn man darüber nachdenkt, dass hochwertige Kaliber wie Joe R. Lansdale oder James Lee Burke für solche Werke weiterhin auf der Ersatzbank der nicht mehr lieferbaren Titel schmoren müssen.

Stefan Heidsiek, August 2010

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der Leser INGO zu »Nick Brownlee: Die Spur der Hyäne« 08.02.2011
Der Krimi ist zwar recht spannend geschrieben, aber warum wird dem Leser solch ein "Quatsch" beziehungsweise "Mist" zugemutet...??? Wäre doch der Autor vor der Veröffentlichung dieses zweiten Teiles/Buches nur von uns gegangen...egal ob er eines natürlichen Todes gestorben oder "gekillt" worden wäre
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