Wolfsrache von Nicholas Pekearo

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The wolfman, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei rororo.

  • New York: Tor, 2008 unter dem Titel The wolfman. ISBN: 978-0765320261. 286 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2009. Übersetzt von Bernhard Kleinschmidt. ISBN: 978-3-499-25251-8. 378 Seiten.

'Wolfsrache' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Unter dem Blutmond.
Marlowe Higgins ist ein Außenseiter. Seit Jahren zieht er ruhelos von Stadt zu Stadt, gerät immer wieder in Konflikt mit dem Gesetz. Denn Marlowe ist ein Werwolf. Immer wenn der Mond sich aufs Neue rundet, muss er töten. Doch er jagt nur diejenigen, die es verdient haben: Mörder und Vergewaltiger. Als er in die Kleinstadt Evelyn kommt, Schauplatz einer besonders grausamen Mordserie an jungen Frauen, hat Marlowe sein nächstes Opfer gefunden. Doch dieses Mal lassen ihn seine feinen wölfischen Instinkte im Stich …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein rächender Werwolf?!« 50°

Krimi-Rezension von Mario Marpe

Der Protagonist, Marlowe Higgins, ist ein Werwolf – ein Fluch, der auf seiner Familie liegt und der jeweils auf jeden Nachkommen seiner Familie übergeht, so der Vater vor seinen Kindern stirbt. Über Jahre hat Higgins jedoch den Blutrausch, in den er jeden Vollmond verfällt, genutzt, um Mörder zu beseitigen – quasi als verlängerter Arm der Polizei. Da er bei jedem Vollmond töten muss, hat er aus der Not eine Tugend gemacht, ermittelt auf eigene Faust den jeweiligen Mörder und rächt dessen Opfer.

Er wurde im Vietnamkrieg zum Werwolf, an dem er auf Drängen seines Vaters teilgenommen hatte, der darauf hoffte, den Fluch brechen zu können, indem sein einziger Sohn vor ihm starb. Es hätte auch beinahe funktioniert, als die Kompanie, in der Marlowe kämpfte, in einen Hinterhalt geriet. Aber sein Vater war einen Tag zuvor gestorben – und so »ereilten« ihn übermenschliche Kräfte, wodurch er als Einziger den Hinterhalt überleben konnte. Erinnern kann er sich an nichts- wenn er Wolf ist, ist er völlig losgelöst von allen menschlichen Zügen – aber er übernimmt Fähigkeiten und Gewohnheiten und Erinnerungen seiner Opfer.

Kleinstadtflair und Serienmörder

So lebt er schon seit Jahren in der Kleinstadt Evelyn, wo ihm sein einziger Freund, der Polizist Pearce, einen Job in einem Burgerladen verschafft hat – unter der Bedingung, dass er nicht mehr trinkt und keine Prügeleien mehr anzettelt, was vorher Higgins einziger Lebensinhalt war. Alles läuft prima, bis er auf die Spur des sogenannten »Rosenmörders« gerät: Dieser Serienmörder, der in vielen Städten Amerikas sein Unwesen getrieben hat, bricht jeweils in eine Kirche ein (warum auch immer) und bringt Frauen um. Anstelle der Augen hinterlässt er jeweils Blumen im Schädel. Nachdem Higgins Witterung aufgenommen hat, bringt er im Blutrausch beim nächsten Vollmond seinen einzigen Freund um… Von da an geht alles schief! Der ehemalige Partner von Pearce macht ihm die Hölle heiß, er fängt wieder an, zu trinken und verliert seinen Job als Koch.     

Und welche Rolle spielt der seltsame Fotograf, der angeblich Fotos über einen Bildband macht?

Insgesamt ist die Geschichte durchaus spannend, weist aber recht wenig Tiefgang auf. Der Erzählstil ist sehr cool, die Geschichte aber oft sehr brutal. Insgesamt ein spannendes Buch, aber eher als kurze Unterhaltung zwischendurch. Nicht gerade eine Geschichte, die dem Leser Alpträume verursacht… Nach spätestens ¾ der Geschichte ist jedem klar, wer der Rosenmörder ist….

Ein echter Krimi ist es nicht, auch wenn der Werwolf ja quasi Mordfälle löst. 50°

 

Mario Marpe, Januar 2010

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Le_Tartar zu »Nicholas Pekearo: Wolfsrache« 05.08.2011
Auch wenn Pekearo mit den Elementen des Serienkiller-Genres "spielt", gehört WOLFSRACHE zur Phantastischen Literatur.
Wer logische Ermittlungen oder "autentische" Detektivarbeit erwartet, wird auf jeden Fall enttäuscht werden.Aber...
Nicholas Pekearo hat mit seinem Debut eines der besten Genrebeiträgen der letzten Zeit abgeliefert. Da die Geschichte aus der Sicht des Helden Marlowe Higgins erzählt wird (also in der Ich-Form), bleiben die anderen Figuren der Story in der Tat ziemlich blass. Aber dafür nehmen wir in kurzweiligen, teilweise sehr humorvollen Situationen am Leben des Helden teil:
...Das Badezimmerfenster war das einzige im ganzen Haus, das nicht dauerhaft vernagelt war, denn ich machte es gerne auf, wenn ich mein Geschäft verrichtete. Das war wichtiger, als ihr euch vorstellen könnt. Wenn ich jemals in einem Flugzeug scheißen sollte, würden wahrscheinlich all die lustigen kleinen Masken von der Decke fallen...
In Rückblenden erfahren wir, wie Marlowe zu dem Ding wurde, das in Vollmondnächten auf die Jagd geht. Wir erfahren auch von Doris, seiner großen Liebe.
Nun hat Marlowe in der Kleinstadt Evelyn ein neues Zuhause gefunden. In dem Polizisten Pearce findet er so was wie einen Freund. Und auch zu der Prostituierten Alice fühlt er sich hingezogen.
Ich habe mit den Charakterbeschreibungen in Büchern oft ein Problem. Aber diesmal konnte mich der Autor mit seinen Figuren zu Frieden stellen.
Marlowe Higgins war mir sympatisch. Und auch seine Beziehungen zu den anderen Figuren passten für mich ins Gesamtbild.

Der Genremix aus Horror- und Serienkillerroman ist dem Autoren gelungen. Auch, wenn bei der Tätersuche die Logik der Polizeiarbeit auf der Strecke bleibt, wird die Geschichte doch sehr spannend erzählt. Die Gewaltbeschreibungen sind gut dosiert und verleihen der Geschichte die richtige Würze.
Für mich zählt WOLFSRACHE zu den besten Werwolfromanen der letzten Jahre, und ich kann das Buch jedem Horrorfan bedenkenlos empfehlen.
Von mir 95°
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