Nicholas Blake

Nicholas Blake wurde als Cecil Day-Lewis am 27. April 1904 in dem westirischen  Dorf Ballintubber als Sohn eines protestantischen Geistlichen geboren. Nach dem frühen Tod der Mutter zogen Vater und Sohn nach London. Day-Lewis besuchte bis 1927 Wadham College in Oxford. Hier lernte er u. a. den Poeten W. H. Auden (1907-1973) kennen, mit dem er diverse Gedichtsammlung herausgab. Selbst veröffentlichte Day-Lewis schon 1925 einen ersten Band mit Gedichten.

1928 heiratete er und leitete in den nächsten Jahren drei Schuleinrichtungen. Um sein Einkommen aufzubessern, beschloss sich Day-Lewis wie viele andere britische Gelehrte als Verfasser von Kriminalromanen zu versuchen. 1935 erschien The Proof (dt. Was zu beweisen war), ein klassischer »Whodunit«, der im dem Verfasser gut bekannten Schulmilieu spielte und bereits den typisch unkonventionellen Detektiv in den Mittelpunkt stellte, den der Verfasser Nigel Strangeways nannte und charakterlich an seinen verehrten Freund Auden anlehnte.

Auf seinen Ruf als ernsthafter Dichter bedacht, schrieb Day-Lewis Krimis vorsichtshalber unter dem Pseudonym »Nicholas Blake«. Seinen Status als schriftstellernder »Oxford Dean« konnte und wollte er dennoch nie verleugnen. Wie die Zeitgenossen Michael Innes oder Edmund Crispin ließ Nicholas Blake seine humanistische Bildung in seine Kriminalromane einfließen, zitierte oder persiflierte Shakespeare, Keats, Housman und andere berühmte britische Autoren. »The Proof« wurde in die renommierten Reihe  des »Collins Crime Club« aufgenommen, was den Start des Nachwuchsautoren günstig förderte. Schon bald sorgte Nicholas Blake für den Unterhalt des Ehepaares Day-Lewis. Noch 15 Fälle löste Nigel Strangeways in den nächsten drei Jahrzehnten.

Bereits 1938 erschien The Beast Must Die (dt. Das Biest), die Geschichte einer ebenso verständlichen wie verderblichen Rache und nach Kritikeransicht einer der besten jemals erschienenen Kriminalromane. Dieser Titel zeigte Blake zudem als frühen Meister des »psychologischen Krimis«, der sich nicht auf die Beschreibung der Tat bzw. der Ermittlung beschränkte, sondern auch die Motive, den Charakter und die Prägung der beschriebenen Figuren inklusive des Täters berücksichtigte. Dabei brachte Blake, der bis zum II. Weltkrieg mit der marxistischen Ideologie liebäugelte, entsprechendes Gedankengut in seine Geschichten ein, das deutlich stärker gealtert ist als die klassisch gebliebenen Romane.

Neben den Strangeway-Krimis veröffentlichte Blake einige Thriller, die nicht der Serie angehörten. Daneben erschienen weitere Gedichtbände. Der II. Weltkrieg unterbrach das beschauliche Schriftstellerleben. Day-Lewis wurde für das »Ministry of Information« tätig. Nach dem Krieg wechselte er ins Verlagshaus Chatto & Windus; das hier Erlebte floss in den Roman End of Chapter (1957; dt. Schluss des Kapitels) ein.

Ab 1947 war Nicholas Blake wieder dichterisch und schriftstellerisch aktiv. In dieser Zeit zerbrach seine Ehe, und 1951 heiratete Day-Lewis die Schauspielerin Jill Balcon; dieser Verbindung entsprang u. a. der Schauspieler Daniel Day-Lewis. 1951 wurde er zum »Oxford Professor of Poetry« gewählt, 1968 übertrug man ihm das Amt des »Poet Laureate« und ernannte ihn damit zum Dichter des britischen Königshofes. Diese ehrenvolle Stellung (sowie viele andere hohe Ämter) hatte er bis zu seinem Tod aufgrund einer Krebserkrankung am 22. Mai 1972 inne.  [Michael Drewniok]

Krimis von Nicholas Blake:

  • Nigel Strangeways-Serie:
    • (1935) Was zu beweisen ist
      A Question of Proof
    • (1936) Eine vertrackte Geschichte / Der geduldige Mörder
      Thou Shell of Death / Shell of Death
    • (1937) Tat auf Tat
      There’s Trouble Brewing
    • (1938) Mein Verbrechen / Das Biest / Die Spur im Tagebuch
      The Beast Must Die
    • (1939) The Smiler with the Knife
    • (1940) Malice in Wonderland / The Summer Camp Mystery / The Malice with Murder
    • (1941) The Case of the Abominable Snowman / The Corpse in the Snowman
    • (1947) Akte Q – streng geheim
      Minute for Murder
    • (1949) Der rätselhafte Leichnam
      Head of a Traveler
    • (1953) The Dreadful Hollow
    • (1954) Stimmen im Zwielicht
      The Whisper in the Gloom / Catch and Kill
    • (1957) Schluss des Kapitels / Ende des Kapitels Rezension
      End of Chapter
    • (1959) Scotland Yard reist mit
      The Widow’s Cruise
    • (1961) Ein Patriarch verschwindet
      The Worm of Death
    • (1964) Ein Engel soll sterben
      The Sad Variety
    • (1966) Der Morgen nach dem Tod
      The Morning After Death
  • (1948) Die Detektive von Otterbury / Der Otterbury-Zwischenfall
    The Otterbury Incident
  • (1956) A Tangled Web / Death and Daisy Bland
  • (1958) Ein glühend Messer
    A Penknife in My Heart
  • (1963) Der Totenvogel Rezension
    The Deadly Joker
  • (1968) The Private Wound

Mehr über Nicholas Blake:

  • (1984), Earl F. Bargainnier, Nicholas Blake (C. Day Lewis), in: Twelve Englishmen of Mystery, S. 143-168
  • (1995) Mary P. Fryer, The First Six in a Series: Nicholas Blake, in: In the Beginning: First Novels in Mystery Series, hg. v. Mary Jean DeMarr, S. 77-90
  • (1996) James Gindin: C. Day Lewis: Moral Doubling in Nicholas Blake’s Detectiv Fiction of the 1930s, in: Recharting the Thirties, hg. v. Patrick J. Quinn, S. 146-157
  • (2007) Peter Stanford, C. Day-Lewis: a Life

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