Ich habe keine Angst von Niccolò Ammaniti

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel Io non ho paura, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei C. Bertelsmann.

  • Turin: Einaudi, 2001 unter dem Titel Io non ho paura. 256 Seiten.
  • München: C. Bertelsmann, 2003 Die Herren des Hügels. Übersetzt von Ulrich Hartmann. ISBN: 3-570-00628-X. 256 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Ulrich Hartmann. ISBN: 3-442-45718-1. 252 Seiten.

'Ich habe keine Angst' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Das halb verhungerte Wesen, das der neunjährige Michele bei einem seiner sommerlichen Streifzüge entdeckt, hat Ähnlichkeit mit einem Menschen. Tatsächlich ist es ein kleiner Junge, der in der Nähe eines verfallenden Hauses in einem abgedeckten Erdloch kauert. Michele ist entsetzt, als er herausfindet, dass das Kind entführt wurde und dass seine eigenen Eltern die Hände dabei im Spiel haben. Er beschließt, dem Jungen zu helfen, koste es, was es wolle …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Suspense italiana« 73°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Drückende Hitze, die Luft flimmert. Wir befinden uns im Mezzogiorno, dem verarmten Süden Italiens, in einem winzigen verschlafenen Dorf namens Acqua Traverse. Dort lebt der neunjährige Michele mit seinen Eltern und Schwester Maria. Es ist einer dieser Tage wie jeder für Michele und seine Clique, die Sonne brennt unerbittlich, die Langeweile ist erdrückend. Es sind die späten 70er, wo sich die Freizeitgestaltung ohne Computer, Gameboy und Handy noch als deutlich schwieriger erwies als heutzutage. Das Leben besteht aus Schule, Fußball und kleinen Abenteuern, die sich die Jungs und Mädels aus Acqua Traverse zurechtschmieden.

Dieser Tag jedoch verspricht ein besonderes Abenteuer, ein wenig Abwechslung im tristen Alltag – und er droht, das zwar karge aber dennoch in seinen Verhältnissen glücklich-geregelte Leben Micheles aus den Fugen zu bringen.

Es soll eine besondere Mutprobe werden, die sich der »Totenkopf«, so der Spitzname des Ältesten der Clique, ausgedacht hat. Erst zum alten Melichetti an den Dorfrand, von dem die Bewohner Acqua Traverses munkeln, dass seine Schweine seinen Dackel zerfleischten. Dann rauf zum Hügel, der so hoch war, »wie noch nie einer von uns geklettert war« und von dem man das Meer sehen musste.

»Es musste ein unglaublicher Ort sein, vielleicht bewohnt von einem irgendeinem eigenartigen Tier.«

Oben angekommen, sehen der Totenkopf, Salvatore, Maria, Barbara und Michele jedoch nur ein leerstehendes, verfallenes Haus. Die nächste Mutprobe – und Michele ist an der Reihe.

Er muss hinein ins Gemäuer, die Räume erkunden und über morsche Bohlen und Bretter klettern. Er stürzt ab – und kommt vor einem Erdloch zu sich, in dem sich ein menschlicher Körper befindet. Ein Junge, so alt wie er, verschmutzt von Dreck und den eigenen Exkrementen, am Fuß gefesselt, das Gesicht verkrustet. Tot? Michele kann es nicht beurteilen, beschließt jedoch für sich, dass der Junge im Loch sein ganz eigenens Geheimnis sein werde.

Tag für Tag schleicht sich Michele von zu Hause fort, um nach dem Jungen auf dem Hügel zu schauen. Dieser lebt – und Michele hilft ihm, bringt ihm Essen, löscht seinen Durst, wäscht ihn. Doch warum der Junge dort gefangen gehalten wird, kann sich der Neunjährige in seinem kindlich-naiven Weltbild nicht erklären. Und Filippo, der Junge im Loch, kann es ihm auch nicht schildern, faselt deliriös von den »Herren des Hügels«, vom Schutzengel, der Michele sein muss und von Waschbären, die mit ihm reden.

Erst eine Nachrichtensendung im Fernsehen bringt die Klarheit: Filippo wurde entführt! Ganz Acqua Traverse scheint die Finger in diesem schändlichen Spiel zu haben. Und schlimmer noch: Micheles Vater scheint einer der Rädelsführer zu sein …

»Ich habe keine Angst«, eine kleine literarische Sensation in Italien, ist kein Kriminalroman im klassischen Sinne. Anfangs fühlt der Leser sich sogar an Enid Blyton erinnert, denn Autor Niccolò Ammaniti schreibt konsequent aus der Perspektive des neunjährigen Michele, versetzt sich und den Leser in dessen Welt, Gedankengänge und Sprache:

»Hör mal...« Sie wurde ganz rot, sah mich eine Sekunde lang an und sagte: »Willst du mit mir gehen«?
Mein Gesicht begann zu glühen. »Was?«
Sie bückte sich, um Togo zu streicheln. »Zusammen gehen.«
»Du und ich?«
Ich sah nach unten, auf meine Fußspitzen. »Also …Nicht so sehr.«
Sie stieß einen Seufzer aus, den sie zurückgehalten hatte. »Macht nichts, wir sind sowieso nicht gleich alt.« Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar. »Also, ciao.«
»Ciao.«

Doch »Ich habe keine Angst« ist kein Jugendroman um Verstecken-Spielen und Miteinandergehen. Vielmehr ist der Roman des noch recht jungen Autors (Jahrgang ´66) ein spannungsgeladenes Drama, eine Familientragödie, »Suspense italiana«.

Denn diese Spannung schürt Ammaniti äußerst gekonnt vom anfänglichen Erklimmen eines Hügels, über den Besuch Sergios, des fremden alten Mannes aus dem Norden, über die Wandlung Micheles Vaters bis zum verstörenden Finale. Viele kleine Dramen deutet Ammaniti an, von Felice und dem »Totenkopf«, den hässlichen Heranwachsenden, die ihre Anerkennung in Gewalt und Brutalität suchen. Von Salvatore, der seinen besten Freund verrät. Von Salvatores Bruder, der nach Jahren, die er ans Bett gefesselt verbringen musste, in die Irrenanstalt eingeliefert wird. Von Sergios Söhnen, von denen sich eine in Drogen und eine indischen Kommune geflüchtet hat, und der andere sich mutmaßlich von einer Klippe stürzte.

»Ich habe keine Angst« ist ein großartiges, emotionales Buch. Ein Roman über Kinder-Freundschaften, die Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, über Träume von einem besseren Leben und den missglückten Versuch, aus der Enge des Alltags und der Armut auszubrechen. Dass dies in einer Tragödie für ein ganzes Dorf enden muss, ist so bewegend wie hervorragend von Niccolò Ammaniti vorbereitet. Da capo!

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Beispiel Exemplar zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 14.04.2014
Das Buch ist großartig! Jedoch nicht unbedingt etwas für schwache Nerven. Vor allem der Film hat es in sich und ist nicht für kleinere Kinder geeignet. Aber eine tolle Geschichte! Die Stimmung, die Gefühle und Emotionen sind gekonnt aufgebaut und laufen auf die Spannungspunkte zu. Die Beschreibungen der einzelnen Szenen sind gut strukturiert und die Adjektive sinn- und kunstvoll gesetzt. Ein großes Kompliment an den Autor.
Simon, Heidrun zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 17.12.2011
Ich habe das Buch gerade ausgelesen. Habe Italienisch im Selbststudium gelernt und dann noch ein bißchen Unterricht genommen. Habe schon mit Kinderbüchern versucht, meine Kenntnisse zu verbessern, aber selbst Kinderbücher sind nicht immer einfach zu lesen. Kürzlich bin ich beim Stöbern nach italienischer Literatur auf das Buch "Io non ho paura" gestoßen. Ich konnte nicht eher aufhören, bis dass ich es durchgelesen hatte. Ich musste einfach wissen, wie die Geschichte weitergeht. Einfache Sätze, einfache Wortwahl und die Geschichte spannend erzählt aus der Sicht des 9jährigen Michele, lassen den Leser schnell über die Seiten hinwegfliegen, ohne dass man viel im Wörterbuch nachschlagen muss. Sehr empfehlenswerte Literatur für Italienischlerner
Maria zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 24.11.2011
Wir haben "Io non ho paura" in der Schule (Anfang des vierten Lernjahres) auf Italienisch gelesen und ich bin begeistert. Die Sprache ist sehr einfach und authentisch aus der Sicht eines 9-jährigen. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, weil ich so gefesselt war. Niccolo Ammaniti schreibt sehr anschaulich und man kann die Situationen gut nachvollziehen und sich vorstellen. Sehr empfehlenswert!
kalle zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 08.06.2010
Io non ho paura ist wirklich ein wunderschönes, fesselndes Buch. Ich habe es in der Originalsprache gelesen und war sehr begeistert von der Erzählart aus der Sicht von Michele. Es liest sich sehr schnell und ist doch sehr packend und interessant
Auch für Schüler ab dem dritten Jahr Italienisch sehr leicht zu lesen.
Alex zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 29.11.2009
Selbst für Italienischschüler im 4ten Jahr ist die Italienischausgabe des Buches nur schwer bis sehr schwer zu lesen.
Eine seite zu lesen kann bis zu 1 Std dauern.(mit wörterbuch)
("Könnte aber auch an einem Idiotischen Italienischprofessor ohne jegliches pedagogisches und Schulisches Talent liegen")
cornelia zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 07.11.2008
Ich habe dieses Buch im italienischen Orignaltext gelesen, es ist gut verständlich auch für Nicht-Italiener und man gerät sofort in den Bann Italiens, der Landschaft und der Menschen in ihrem Alltagleben. Die kindlichen Phantsien und Empfindungen, die Neugier, das Verbotene, die Überwindung von Ängsten durchlebt man spannend aus der Sicht eines Neunjährigen, bei dem die Menschlichkeit, das Gute, instinktiv siegt, und gerade deshalb ist der Ausgang des Buches dazu angetan, den Leser zu verwirren und zu verstören und noch lange nachhaltig zu fesseln.
Kayleigh zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 12.02.2008
In einem Lesemarathon von "üblichen " Krimis war dieses Buch eine wunderschöne Abwechslung und eine glatt geschriebene Geschichte aus einem italienischen Sommer. Ohne dabei kitschig oder langatmig zu werden versteht es der Autor die Geschichte eines Verbrechens mit der einer Kindheit zu verknüpfen, das ganz in einer verlockenden Landschaft und den ganz realen Minikrisen einer Kindheit auf dem Lande. Bin auf das Buch durch das A-Z der Couch gestossen .. ich sollte weiterhin ab und an mal einfach dieses Alphabet abklappern :)
unica zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 14.01.2008
Ich habe dieses buch original auf italienisch gelesen und konnte es kaum weglegen, weil der kleine michele mich mit seiner erzählweise so eingenommen hat und die spannungskurve immer höher stieg.
Vor allem die frage, ob es nun ein happyend gibt oder nicht, hat mich lange beschäftigt.
Ammaniti beschreibt wunderschön die gefühle und jede einzelne empfindung in der brütenden hitze siziliens.
Ein gelungenes buch!
Anja S. zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 03.10.2007
Dieses Buch ist viel mehr als bloss ein Krimi. Es ist ein grossartiger Entwicklungsroman eines kleinen Jungen, eine Milieustudie eines kleinen, bitterarmen italienischen Dorfes, ein Buch ueber Freundschaft und eben auch noch ein Krimi. Mehr davon, bitte!!!
Dr.Sanati zu »Niccolò Ammaniti: Ich habe keine Angst« 19.09.2007
Ammaniti hat mit "Ich habe keine Angst" einen fesselnden sozialkritischen Roman geschrieben. Eine wahre Tragödie, die nie langweilig wird. Dieses Buch hat mich positiv überrascht. Ich habe nie das Gefühl bekommen, meine Zeit vergeudet zu haben. Insgesamt ein beachtliches Werk. Mein Urteil 80° !!

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