Bis zum bitteren Ende von Nicci French

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Until it´s over, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Bertelsmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • London: Michael Joseph, 2007 unter dem Titel Until it´s over. 376 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Birgit Moosmüller. ISBN: 978-3-570-00939-0. 414 Seiten.

'Bis zum bitteren Ende' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Astrid ist Fahrradkurier in London – und bringt anderen Leuten kein Glück. Kaum denkt sie über die Gefahren ihres Jobs nach, wird sie von der Autotür einer Nachbarin vom Rad gestoßen. Die Nachbarin ist am nächsten Morgen tot. Ein paar Tage später soll Astrid ein Päckchen abholen, findet die Kundin aber nur noch leblos im Flur. Astrid gerät unter Verdacht – aber nicht nur sie, sondern auch ihre sechs Mitbewohner, mit denen sie ein Haus teilt. Schnell entwickelt sich die unkonventionelle Wohngemeinschaft zu einem Albtraum aus gegenseitigen Vorwürfen und Verdächtigungen. Nicci French – ein Meister der Angst. Mit dem neuen Bestseller beweisen sie aufs Neue, dass sie unbestritten zu den ganz großen Thrillerautoren gehören. Spannungsliteratur vom Feinsten: Gänsehaut pur!

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Killer lauert in nächster Nähe« 78°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Das Autorenehepaar Nicci French porträtiert in ihren Kriminalromanen alltägliche Menschen, die in den Wirkungskreis eines psychopathischen Mörders geraten. In »Bis zum bitteren Ende« trifft es eine junge Frau, die ein ungezwungenes Leben führt, um das sie mancher beneiden mag.

Engel des Todes

Astrid Bell jobbt als Fahrradkurierin und lebt mit sechs jungen Leuten in einem Haus in London.
Ganz unterschiedliche Persönlichkeiten in der Wohngemeinschaft teilen die Hausarbeit, den Spaß in der Freizeit und die kleinen und großen Sorgen miteinander.

An einem Sommerabend knallt Astrid mit ihrem Fahrrad gegen eine sich öffnende Autotür. Die unaufmerksame Nachbarin entschuldigt sich wortreich und die Verunglückte wird von ihren Mitbewohnern Davy und Dario in die Wohnung gebracht. Und so bleiben die drei jungen Leute die letzten Personen, mit denen Peggy Farell sprach. Am nächsten Morgen wird sie ermordet aufgefunden.

Auch für Astrid und ihre Freunde ist nach diesem Abend nichts mehr so, wie es vorher war.
Miles, Astrids Ex-Freund und Besitzer des Hauses, eröffnet seinen Mitbewohnern, dass er in Zukunft mit seiner Partnerin Leah allein dort leben möchte.

Astrid verdrängt den Schock durch Arbeit und eine Affäre mit dem undurchsichtigen Fotograf Owen. Auf einer ihrer Touren kommt sie dem Tod erneut näher, als ihr lieb ist. Sie findet ihre Kundin erwürgt und mit zerschnittenem Gesicht im Hausflur. Der Kontakt zu der Fahrradkurierin ist die einzige Gemeinsamkeit der beiden Ermordeten. Die Polizei nimmt die zerbrechende Hausgemeinschaft ins Visier, in der zunehmend Misstrauen und Verdächtigungen die Atmosphäre vergiften.

Der Traum vom freien Leben zerbricht

Astrid Bell erzählt zunächst ihren Teil der Geschichte aus der Zeit des unfreiwilligen Umbruchs und des Horrors für die freigeistige Hausgemeinschaft.

Die Fahrradkurierin ist diejenige, die die Bewohner zusammen hält. Sie toleriert Darios nachlässige Zahlungs- und Pippas freizügige Sexualmoral. Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein glaubt Astrid anfangs, dass nur eine unglückliche Verkettung von Zufällen dazu führen konnte, das sie kurz hintereinander auf zwei ermordete Frauen trifft. Doch allmählich wandelt sich Selbstsicherheit in bohrende Zweifel. Astrid misstraut ihrem Ex-Freund, der sie aus dem Haus werfen will, ihrer besten Freundin, die selbst von Männern in ihrem Leben nicht lassen kann und schließlich ihrem neuen Geliebten Owen.

Mutiger Stilbruch

Gerade in dem Moment, als die Auflösung fast zum Greifen nahe erscheint, fängt die ganze Geschichte wieder von vorn an, dieses mal aus der Sicht des Täters. Die Autoren überraschen mit einer unvermuteten Kehrtwende in der Handlung. Der Killer plant präzise seine Rolle, schauspielert brillant, verpatzt leichtfertig und tötet. Der Leser gewinnt interessante Einblicke in die Psyche eines Wahnsinnigen und kommt ihm dennoch kaum näher.

So glasklar Nicci French die Lebensumstände der Hauptprotagonistin und der meisten ihrer Wegbegleiter skizziert haben, so verschwommen bleiben die Motive des Killers. Im ersten Teil verzettelten sich die Autoren zum Teil zu sehr in Details, während sich zum Ende kleine logische Unstimmigkeiten einschleichen.

Nicht der beste Nicci French – aber ein Guter

Dennoch gelingt der Spannungsaufbau. Dafür sorgt schon Beschreibung der Geschehnisse aus einer subjektiven Perspektive und die emotionale Tiefe, mit der Nicci French den Wandel vom lockerem Lebensstil zum Albtraum aus sinistrer Gewalt entwickeln. Die Suche nach dem Täter, der drei Frauen tötet und zwei von ihnen entstellt, drängt sich dem Leser im ersten Teil des Romans nahezu auf. Jeder Hausbewohner verbirgt seine persönlichen Abgründe und macht sich irgendwo verdächtig. Mindestens genau so spannend beschrieben, ist es das Zerbrechen einer Welt, die zunächst so normal erscheint und immer mehr dunkle Schatten wirft. Schade ist, das der Schluss zwar schlüssig und originell, aber dennoch unbefriedigend wirkt. Diesen Killer glaubt man aus vielen anderen Krimis zu kennen, es fehlt ihm das gewisse Etwas.

Leider sind der Übersetzerin, die in den anderen Nicci French Romanen nie negativ aufgefallen ist, peinliche Fehler unterlaufen, wie sie typisch für eine automatisierte Übersetzung sind. Man möchte Frau Moosmüller den Rat geben, dass nächste mal wieder mehr auf ihr Sprachgefühl zu vertrauen.

Eva Bergschneider, Oktober 2008

Ihre Meinung zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Tony de Vil zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 31.10.2016
Also ich sehe nicht, was in der Buchbeschreibung so vehement behauptet wird. Die Bewohner des mit Fluch belegten Hauses zerfetzen sich in keinster Weise gegenseitig. Nur eine einzige Person ist darum bemüht, dies zu bewerkstelligen. Wird dann jedoch selbst Opfer.
Zum Buch selbst lässt sich sagen:
- spannend in unüblicher Weise
- harmonischer Wechsel zwischen wörtlicher Rede und Erzählung
- interessanter Wechsel von Erzählebene (erst die Hauptverdächtige, dann der Täter)
- flüssig geschrieben und demzufolge flüssig lesbar
- niveauvolle, aber auch den Personen und Situationen angepasste Sprache
Alles in allem ist das ein Krimi, der sich mehr als lesen lässt. Und vor allem: Das Finale ist mal ein Finale und kein Verdauungsvorgang, der nicht enden will - also keine Art andauernde Verstopfung.
Die beschriebene Welt ist real und nicht gekünstelt. So ist das Leben wirklich. Überraschend und doch wenig spektakulär. Eben eine Wundertüte in mehr oder weniger geordneten Bahnen. Nicht frei von schicksalhaften Wendungen, die sich der eigenen Kontrolle entziehen.
Fazit: Das Buch lebt! Allerdings: wer den ultimativen Thrill erwartet, der geht mit falschen Voraussetzungen an das Werk. Es ist kein Thriller im üblichen Sinne, eher eine Art "junge-Leute-Roman" über eine WG mit unterschiedlichsten Charakteren.
lilalu zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 25.06.2011
Nein, spannend ist der Roman nicht! Aber schlecht ist er auch nicht! Es ist kein Thriller im herkömmlichen Sinn, eher ein Roman mit ziemlich vielen Morden und viel Psychologie. Seltsamerweise ist es trotzdem kein spannendes Buch. Aber handwerklich nicht schlecht gemacht. Im ersten Teil erzählt Astrid aus ihrer Sicht, was das Leben in einem heruntergekommenen Londoner Stadtteil so mit ihr anstellt und wie sie die zunehmenden Spannungen in ihrer zusammengewürfelten WG erlebt. Und im zweiten Teil erzählt der Mörder aus seiner Sicht, wie es zu all diesen Todesfällen kam, und wie er teilweise Leute umbringen "musste", die er eigentlich gar nicht auf der Rechnung hatte, weil dauernd widrige Umstände herrschten. Das ist gut gemacht, wenngleich nicht unbedingt spannend. Eher teilweise etwas unfreiwillig komisch. Auch die Motive des Täters - Habgier und Obsession - kommen nicht ganz glaubwürdig rüber. Aber es macht Spaß, dieselben Situationen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu lesen. Am Ende bleibt ein gewisses Gefühl der Leere, vielleicht auch der Unzufriedenheit. Es löst sich alles so schnell in Wohlgefallen auf, teilweise agiert auch die Polizei etwas unglaubwürdig - das ist alles bissel larifari, blablabla - aber das ist bei Nicci French ja oft so, dass ihnen der Schluss nicht wirklich gelingt. Insgesamt also ein ganz nettes Buch - ohne echten Thrill, aber locker erzählt und teilweise ganz witzig gemacht.
Volker zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 24.04.2011
So richtig vor Begeisterung platze ich nicht. Dennoch fand ich den Roman spannend: Wie das "Grauen" Einzug hält in eine WG mit alltäglichen Menschen und wie man als Leser im Unklaren gelassen wird, warum all das Morden mit Astrid im Focus passiert. Der Perspektivwechsel in der Mitte des Romanes ist interessant, allerdings fand ich ihn auf der Strecke der ersten 30- 40 Seiten etwas mühsam. Dann wird wieder das Mid-Tempo-Spannungsniveau erreicht.
Bio-Fan zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 07.04.2010
„Spannend, ironisch und typisch Britisch“ kommentiert „Die Welt“ diesen Roman von Nicci French. Nun, auf die Spannung muss man leider bis zum bitteren Ende warten, Ironie oder sonstiger Humor war nicht zu entdecken und das Ganze ist so typisch Britisch wie der Vorname der Protagonistin: Astrid.
Astrid Bell ist Fahrradkurier in London und erzählt uns (Ich-Form) von ihrem Leben in einer Hausgemeinschaft – von den kleinen und großen Sorgen und Freuden ihres Alltags. Das liest sich wie das Script einer dieser unsäglichen allabendlichen Seifenopern im Fernsehen. Nur, dass Astrid in kurzer Zeit über drei Frauenleichen stolpert. Weder Astrid, noch ihre Mitbewohner, noch die Polizei, noch wir als Leser haben einen blassen Schimmer, wie und warum die Frauen sterben mussten.

Das erfahren wir dann im zweiten Teil der Geschichte, in dem die Perspektive zum Mörder wechselt (wieder in der Ich-Form). Alle bisher bekannten Ereignisse werden noch einmal aus seiner Sicht rekapituliert. Das bewirkt zwar den einen oder anderen Aha-Effekt, aber rechte Spannung will da auch nicht aufkommen, zumal wir uns ständig mit dem wirren Innenleben eines psychisch- gestörten Menschen auseinandersetzen müssen. Am Ende war´s dann wirklich nur ein Versehen ? ?

Die Idee mit dem Perspektiv-Wechsel fand ich ganz gut, zeigt er doch welche Interpretationsmöglichkeiten eine Ich-Erzählung bieten kann, und spannendes Katz- und Mausspiel wäre möglich gewesen. Nur Nicci French verzetteln sich zu sehr in dem spätpubertären Gehabe ihrer Figuren , sodass man als Leser schon eine Menge Geduld aufbringen muss.

80 Grad für die Idee. 60 Grad für die Ausführung
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
melda zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 08.02.2010
dieses NF-Buch hat mich absolut mitgerissen. ich habe es innerhalb weniger tage gelesen und war absolut begeistert! die handlungen waren vollkommen schlüssig und insgesamt flüssig zu lesen. es wurde nicht zu viel rum-herum geschrieben. auch die erzählung des mörders gefiel mir sehr gut. ich kann nur mein lob aussprechen. das einzige, was ich bemängeln möchte ist das cover. es ist einie junge frau im roten mantel zu sehen. es ist leider nicht klar, wer diese frau darspiegeln soll. es ist nicht die hauptdarstellerin, ein opfer und gar eine andere mitwirkende. ansonsten ist es ein wirklich gelungenes werk!
bubu zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 29.10.2009
ich habe das Buch gelesen und ich fand es super.
Der wächsel von der Hauptperson zum Mörder hat mir gut gefallen.
Das war mein erster Buch von NF und ich hätte eine Frage : welcher Buch von NF war am besten ?
Mein Tipp an alle
KAUFN;KAUFEN;KAUFEN
O.K. manche Sachen habe ich auch nicht verstanden, z.B. woher Astrid oder die Polizei wusste ,dass . der Mörder war?
rionach zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 14.06.2009
Besser als der Vorgänger, aber leider kommt auch dieses Buch meiner Meinung nach nicht an die frühen Nicci Frenchs heran. Auch der plötzliche Wechsel der Erzählperspektive ist eher verwirrend als spannungs- oder interessefördernd. Kann man nur hoffen, dass Nicci French mit ihrem neuesten Buch zu ihrer alten Form zurückfinden.
Lunatic zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 02.10.2008
Ich bin ein grosser French Fan und habe bisher alle ihre Bücher gelesen und werde sicherlich auch alle kommenden lesen. Bei "Bis zum bitteren Ende" verwirrt mich allerdings genau letzteres: irgendwie endet das Buch einfach. Die Auflösung wirkt doch sehr aufgesetzt und kommt irgendwie aus dem Nichts daher, als hätten die Autoren beschlossen: jetzt ist Schluss. Oder um es mit einem Zitat aus meiner Kindheit auszudrücken "Wieso, weshalb, warum ..."
Aber wie gesagt, wenn sie sich mit dem Schluss mehr Mühe gegeben hätten durchaus wieder ein gelungener Krimi.
Anette zu »Nicci French: Bis zum bitteren Ende« 14.08.2008
Leider muss ich hier meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Ich habe etliche Bücher von Nicci French geradezu verschlungen (z.B. "Höhenangst", "In seiner Hand"), aber das neue Buch konnte mich in keiner Weise fesseln. Ich fand es sogar oberflächlich und einfach uninteressant, trotz des sicher gut gemeinten Perspektivwechsels mittendrin. Schade.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Bis zum bitteren Ende

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: