Die Lebenden und die Toten von Nele Neuhaus

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Ullstein.
Folge 7 der Bodenstein-und-Kirchhoff-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2014. ISBN: 978-3-550-08054-8. 560 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2014. Gesprochen von Julia Nachtmann. ISBN: 3899038487. 4 CDs.

'Die Lebenden und die Toten' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff will gerade in die Flitterwochen fahren, als sie ein Anruf erreicht: In der Nähe von Eschborn wurde eine ältere Dame aus dem Hinterhalt erschossen. Kurz darauf ereignet sich ein ähnlicher Mord: Eine Frau wird durch das Küchenfenster ihres Hauses tödlich getroffen. Beide Opfer hatten keine Feinde. Warum mussten ausgerechnet sie sterben? Der Druck auf die Ermittler wächst schnell. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein fahnden nach einem Täter, der scheinbar wahllos mordet und kommen einer menschlichen Tragödie auf die Spur.

Das meint Krimi-Couch.de: »Knallhart verpackte Gesellschaftskritik« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

»Taunus-Sniper« – die Presse hat schnell einen Namen für den Serienmörder gefunden, der scheinbar wahllos Menschen erschießt, und dabei auch keine Rücksicht auf der Weihnachtsfest nimmt. Das erste Opfer ist eine ältere Frau, die beim Gang mit ihrem Hund per Kopfschuss getötet wird. Der zweite Mord ist noch brutaler, das nächste Opfer wird durch das Küchenfenster »hingerichtet« – die daraufhin traumatisierte Enkelin steht in diesem Moment neben ihrer Großmutter. Kommissarin Pia Kirchhoff sagt sogar ihren lange geplanten Urlaub in Südamerika ab, obwohl sie kurz zuvor heimlich geheiratet hat. Gemeinsam mit ihrem Chef Oliver von Bodenstein und weiteren Kollegen nimmt sie das Rennen mit dem Killer auf, der denn tötet noch weitere Menschen. Die Ermittler versuchen fieberhaft, Zusammenhänge zwischen den Mordopfern herzustellen, um ein Muster erkennen zu können. Erst als der Täter ominöse Todesanzeigen veröffentlicht, bekommen die Polizisten eine Ahnung davon, womit sie es zu tun haben. Die Bevölkerung ist durch die Berichterstattung der Medien längst hysterisch geworden, und so nimmt der Druck auf die Ermittler immer weiter zu. Es ist jedoch noch einiges an akribischer Polizeiarbeit nötig, bis die Lösung des Falles nach vielen Irrwegen gelingt.

Rückkehr zu alter Form

Mit Schneewittchen muss sterben ging der Stern von Nele Neuhaus am Autorenhimmel auf. Durch diesen Titel wurden dann auch ihre früheren Bücher auf die Bestsellerlisten hinaufgezogen. Den Hype um ihre Person verdaute die Autorin in meinen Augen allerdings nicht so wirklich gut. Ausgedehnte Lesereisen und der Druck, weitere Bestseller schreiben zu müssen, wirkten sich durchaus auf die Qualität der Bücher aus. Wer Wind sät und Böser Wolf blieben in meinen Augen weit hinter Schneewittchen zurück, was ich persönlich sehr bedauerlich fand. Vom Publikum wurde das allerdings völlig anders gesehen, beide Bücher belegten lange Zeit vordere Plätz der Spiegel-Bestsellerliste. Das ist aber sicher auch dem perfekten Marketing geschuldet. Wie auch immer – mit Die Lebenden und die Toten hat Nele Neuhaus meiner bescheidenen Meinung nach zu alter Form zurück gefunden. Der Roman ist ähnlich kraftvoll, verwinkelt und fesselnd wie »Schneewittchen«. Die teilweise dazu geäußerte Kritik, das Buch sei zu lang, enthalte zu viel an persönlichen Befindlichkeiten der Ermittler oder weise Logik-Lücken im Plot auf, kann nun ich überhaupt nicht teilen.

Leser und Ermittler rätseln gleichermaßen

Als Besonderheit sind in diesem Roman Passagen in Kursivschrift eingestreut, die dem Leser die Perspektive des Mörders vermitteln. Diese Wechsel der Sichtweise gelingen nicht allen Autoren gleich gut, zuweilen wird dabei ein wenig über das Ziel hinaus geschossen und die Identität des gesuchten Verbrechers zu sehr enthüllt. Bei Neuhaus ist das überhaupt nicht der Fall, vielmehr nutzt sie dieses Stilmittel, um zusätzlich falsche Fährten zu legen. Leser und Ermittler rätseln gleichermaßen – zuweilen allerdings auf verschiedenen falschen Spuren. Die Autorin hat somit einen konstant hohen Spannungsbogen geschaffen, der die Lektüre kurzweilig macht. Dazu trägt in meinen Augen auch bei, dass die Lebensgeschichten der Ermittler angenehm nebensächlich geschildert werden. Ich kann einigen Kritikern, die hier zu viel Privates verorten, nicht zustimmen. Wenn man sich darauf einlässt, eine Reihe zu lesen, gehört die Entwicklung der Protagonisten dazu. Und damit sind nun mal auch private Dinge verbunden. Wer das überhaupt nicht mag, sollte eben Einzelfälle lesen, auf Neudeutsch: »Stand alone«.

Komplexität als Erfolgsgeheimnis

Ob die Autorin ihre Handlung und damit das gesamte Buch etwas straffer hätte gestalten sollen, ist eine Geschmacksfrage. Ein Roman von 560 Seiten kann immer etwas kürzer gestaltet werden. Ganz subjektiv fand ich dieses Buch nicht zu lang – aber natürlich kann man hier zu anderen Beurteilungen kommen. In meinen Augen ist die Länge des Romans durchaus nicht nur der Komplexität des Kriminalfalls, sondern auch dem insgesamt komplizierten Oberthema in seinen Verästelungen geschuldet. Dazu will ich hier nichts weiter verraten, denn der schwierige Weg zur Lösung gehört zur Faszination dieses Buches, und das soll für künftige Leser so bleiben. Diese Komplexität ist es auch, die Neuhaus bei ihren jüngsten Büchern etwas verloren gegangen war – bei Schneewittchen muss sterben war das noch das Erfolgsgeheimnis. Während die Autorin beim Thema Windkraft mit ihrem gesellschaftskritischen Ansatz in meinen Augen ziemlich lax umgegangen ist, wirkt das neue Buch auf mich wieder gründlicher und solider recherchiert. Wer sich nach der Lektüre persönlich weiter mit dem Problemkomplex auseinandersetzt, wird da sicher seine eigenen Schlüsse ziehen. Nele Neuhaus ist eine gute Geschichtenerzählerin – das hat sie mit diesem Roman wieder gezeigt.

Andreas Kurth, Dezember 2014

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Monika Schmitz zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 28.01.2017
Nele neuhaus Bücher machen süchtig...Habe alles von ihr gelesen.warte sehnsüchtig auf das nächste Buch von ihr...Von der ersten bis zur letzten Silbe Spannung pur.❤Danke.
Habe das erstmal von Nele Neuhaus von meiner Schwägerin gehört!!! Sie hat mir die Bücher zum Teil geliehen zum Teil selbst gekauft...Also ich warte auf ein neues Buch.❤
Katharina zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 19.01.2017
Das Buch habe ich nicht gelesen, aber den 1.Teil des Krimis bei ZDF. Ich fand ihn sehr spannend, äußert gut gelungen u. freue mich schon auf den 2.Teil !
Ob das Buch besser als die Verfilmung ist, kann ich somit nicht sagen. Die meißtens äußern, das eine Verfilmung schlechter als das Buch sei. Wie schon gesagt, der 2.Teil wird von mir auf alle Fälle geguckt.

Daumen hoch !!!
Phillip zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 03.01.2017
Zum Buch: Ich lese viel. Als Kritiker bin ich allerdings, gemessen an dem, was viele Menschen aus einem Buch so herauslesen können, total ungeeignet. Dass ich ein Buch gut finde erkenne ich meistens daran, dass ich es zuende lese. Manchmal lese ich Bücher dann sogar zweimal. Man kennt das: das Leben ist zu kurz... (Bücher, Wein, Bier, Steaks usw.)

Die Lebenden und die Toten habe ich zuende gelesen. Ob der Titel jetzt geklaut ist, naja, das fällt bestimmt nur waschechten Kritikern auf.

Als Taunuskrimi im ZDF:
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man Verfilmungen von Büchern nicht schauen sollte. Etwas generell abzulehnen ist eigentlich nicht so meine Art und deshalb mache ich den Fehler doch immer wieder. Gestern erst. Nach einer knappen Stunde habe dann das getan, was ich mit Büchern auch mache. Weglegen. Kann mir mal jemand sagen, warum Drehbuchautoren immer glauben, sie könnten Krimis besser schreiben als die eigentlichen Autoren? Warum schreiben die nicht ihre eigenen Krimis? Für mich ist das einfaches Klauen und "ich kann das abba besser wie du". Und das ist oft so uninspiriert und schlecht, dass mir die tollen Schauspieler (Felicitas Woll, Ulrich Tukur - großartig) leid tun.

Aber genug mit Schimpfen. Leute, lest diesen Krimi, er ist wirklich gut (außer ihr steht auf russische Kriegsfilme von vor 50 Jahren)

PS: Ist euch mal aufgefallen, dass die schlechtesten Kritiken immer von den sogenannten Fans kommen?

Aber was weiß ich schon...
Jorge zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 02.01.2017
Hallo Andi,
ob man russische Kriegsfilme (gedreht 1963) mit Krimis vergleichen kann? Ich bezweifle dies. Ausserdem sind grad in der schnellen Literatur viele Buchtitel ziemlich gleich.
Wozu muss eigentlich das ZDF recherchieren, Nele Neuhaus hat das Buch geschrieben.
Und nun zu Malte, im gegensatz zu Ihnen find ich es gelungen und die von Ihnen so gelobten Bücher dagegen etwas flach.
Es ist schön, dass wir unterschiedliche Auffassungen haben. Es kann nicht jedem jedes Buch gefallen. Sonst bräuchten wir auch nur einen Schriftsteller.
Andi zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 27.12.2016
Schlimm, der Titel ist gestohlen. Zweiteiliger russischer Film von Simonow, 1964.Finde ich respektlos. Wenn Mann so einen Film macht ,muss auch richtig recherchiert werden. Aber in den letzten Monaten wird ja im ZDF alles ungeprüft durchgewunken. Der russische Film ist interessanter als das Buch von Frau Neuhaus.
Malte zu »Nele Neuhaus: Die Lebenden und die Toten« 09.12.2016
Das Schlechteste Buch der Autorin, hundertprozentig fürchterlich.
Als Fan der großartigen Romane Tiefe Wunden, Schneewittchen muss sterben und vor allem Böser Wolf bin ich komplett enttäuscht.
Wo ist die brillante Erzählweise, die geschickt aufgebaute Spannung, die liebevolle Charakterisierung der Personen?
Nichts von allem ist hier vorhanden, lediglich ein aufgeblähter, geschmacklos geschriebener Fall, der sich endlos zieht.
No, Frau Neuhaus!
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