Kalter Abgrund von Moritz Wulf Lange

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Bloomsbury.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 2 der Dallinger-Serie.

  • Berlin: Bloomsbury, 2010. ISBN: 978-3827008688. 285 Seiten.

'Kalter Abgrund' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dallinger ist genervt. Seit Tagen schneit es, die Auftragslage sieht düster aus, und nachts plagen ihn Albträume. Dann meldet sich auch noch seine Exfreundin: Ina ist überraschend in der Stadt und will ihn sehen. Dringend. Doch bevor es zu einem Treffen kommt, ist sie tot. Ein Abschiedsbrief legt nahe, dass sie die Trennung von Dallinger nicht verwunden hat. Für die Polizei ist der Fall klar. Nur Dallinger bezweifelt, dass es Selbstmord war. Er nimmt Ermittlungen auf – und entdeckt eine Seite an Ina, die ihm jahrelang verborgen geblieben war.

Das meint Krimi-Couch.de: »(Zu) viel bereits aus dem Debüt bekannt« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Vor gut drei Monaten hat sich Privatdetektiv Michael Dallinger von seiner Freundin Ina getrennt, doch jetzt meldet sich Ina plötzlich telefonisch bei ihm, da sie ihn dringend treffen will. Da Michael gerade in einem Klientengespräch ist, verspricht er ihr, sich später bei ihr zu melden, was er jedoch zunächst vor sich hinschiebt. Am nächsten Morgen stehen überraschend zwei Polizisten in seinem Büro und teilen ihm mit, dass Ina offenbar Selbstmord begangen hat, indem sie von einer Brücke gesprungen ist. Ein Abschiedsbrief in Form einer Mail enthält den vermeintlichen Grund: Sie hat die Trennung nicht überwunden.

Für die Polizei ist der Fall schnell zu den Akten gelegt, doch Michael glaubt nicht an Selbstmord. Ina war nicht schwindelfrei und wäre schon von daher nicht freiwillig auf eine Brücke gegangen, zudem, warum sollte sie mit einem Suizid über drei Monate warten? Michael, der in ein paar Tagen mit seiner neuen Freundin Anja in Urlaub fliegen möchte, erkundigt sich auf eigene Faust und stellt dabei zunächst überrascht fest, dass Ina schon vor zwei Wochen von Stade nach Berlin gezogen und damit Michael zumindest räumlich sehr nahe war. Aber warum hatte sie zu ihm nie Kontakt aufgenommen, wenn es so dringend war? Weder Inas beste Freundin Anette, noch ihre Eltern oder frühere Arbeitskollegen können Michael weiterhelfen.

In seiner Not wendet er sich an den früheren Hauptmann der Mordkommission Erwin Czeska und entschließt sich, mit diesem gemeinsam in Inas Berliner Wohnung einzubrechen. Dort finden sie im Mülleimer einen Handychip und werden auf frischer Tat ertappt. Allerdings von einer Person, die offensichtlich ebenfalls vor hatte in die Wohnung einzubrechen, denn als sie die Beiden bemerkt ergreift diese unerkannt die Flucht. Sollte Michael mit seiner Mordtheorie doch Recht haben?

 »Kalter Abgrund« ist der zweite Roman von Autor Moritz Wulf Lange und stellt eine Fortsetzung des Debütromans Kleine Alster dar, zumindest in Hinblick auf die private Entwicklung seines Protagonisten. Bedingt durch die neue Freundin Anja hat Michael inzwischen dem Dauergenuss von billigem Wodka abgeschworen und ist auf Rotwein umgestiegen. Ansonsten ist (fast) alles beim Alten geblieben.

Chaotisch und unbedarft stolpert der »Held wider Willen« durch die Geschichte und ermittelt mal hier, mal da, ohne so richtig vom Fleck zu kommen. Wer Kleine Alster gelesen hat, dem kommt der Handlungsaufbau und Handlungsablauf einschließlich Finale dann auch sattsam bekannt vor. »Kommissar Zufall« (namentlich Erwin Czeska) lässt einmal mehr grüßen und so ist in erster Linie die private Entwicklung des Michael Dallinger lesenswert. Hier entdeckt dieser nach und nach immer wieder neue Seiten seiner Exfreundin, die er über die Jahre ihrer (Fern-)Beziehung hinweg eigentlich zu kennen glaubte. Langsam aber sicher werden im Schlussdrittel dann tatsächlich erste Verdächtige aufgebaut, wobei es sich auf eine sehr übersichtliche Personenzahl begrenzt.

Der Schreibstil des Autors ist einmal mehr erfrischend kurzweilig, der Spannungsbogen allerdings arg überschaubar. Durch die schon angedeuteten zahlreichen Wiederholungen zum Debütroman kommt es im Ergebnis zu einem klaren Punktabzug.

»Ich verstehe sehr gut. Es gibt eine kleine Möglichkeit, dass es funktionieren könnte. Aber Ihnen ist klar, dass Ihr Ansatz jeder vernünftigen Polizeiarbeit Hohn spricht?«

»Ich bin ja auch kein Polizist.«

Eine kleine Empfehlung an den Autor: Lassen Sie den Privatdetektiv – alt genug ist er ja inzwischen – doch mal erwachsen werden und »richtig« ermitteln, ohne dabei seine (durchaus sympathischen) menschlichen Schwächen gänzlich auszublenden. Dann macht die nächste Geschichte sicher richtig Spaß.

Jörg Kijanski, April 2010

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