Neapel sehen von Monika Geier

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 bei Argument.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 2 der Bettina-Boll-Serie.

  • Hamburg: Argument, 2001. ISBN: 3886198669. 348 Seiten.

'Neapel sehen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Brütende Hitze und menschliche Abgründe: Auch der sehnlichst erwartete zweite Thriller aus der Pfalz bietet mit Spannung und gestochen scharfen Psychogrammen atemberaubenden Krimigenuss! Hochsommer in der pfälzischen Gemeinde Irrlich: Aurelie, eine junge Lehrerin, hilft, wo sie kann: Neben ihrem Engagement für den Naturschutz greift sie den Sorgenkindern dieser Gesellschaft finanziell und sozial unter die Arme. Aber die allseits geschätzte Wohltäterin bezieht auch ihr ganz eigenes, dunkles Vergnügen aus diesen ungleichen Beziehungen …

Der Fund der Leiche ruft Kommissarin Bettina Boll auf den Plan, die eigentlich andere Dinge beschäftigen: Ihre todkranke Schwester Barbara hat sich samt ihrer beiden Kleinkinder aus dem Staub gemacht. Da ist die Suche nach Aurelies Mörder eine schon fast willkommmene Ablenkung.

Das meint Krimi-Couch.de: »Viel Atmosphäre, aber etwas einfach gestrickt« 74°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Zwei Jahre nach ihrem erfolgversprechenden Debüt lässt Monika Geier ihre Protagonistin Bettina Boll, ihres Zeichens Kommissarin beim Ludwigshafener Morddezernat, erneut für eine breite Leserschaft ermitteln. Wieder mit dabei ist ihr Kollege Willenbacher und zudem erfährt man nun auch endlich, wie es mit Bettinas krebskranker Schwester weiter geht. Wie bereits in ihrem ersten Fall wird das Team Boll/Willenbacher in einen kleinen fiktiven Ort in der Pfalz geschickt, wo in einem Steinbruch eine weibliche Leiche gefunden wurde. Identifiziert wird die Leiche als Aurelie Loor, eine im örtlichen Naturschutz engagierte Biologielehrerin, die durch Börsengeschäfte zu einem beträchtlichen Vermögen gekommen ist. Die Frage ist nur, ob es sich bei dem Sturz, bei dem die Frau ums Leben kam, um einen Unglücksfall handelt oder ob Fremdeinwirkung im Spiel war.

Dieses Mal hat Monika Geier ihren Plot nicht ganz so fein gesponnen. Er ist wesentlich einfacher und geradliniger aufgebaut. Man vermisst ein wenig die Verwicklungen und die Querverbindungen aus Vergangenheit und Gegenwart. Im Grunde hat die Autorin hier ihre Story einzig um drei – zugegebenermaßen allesamt etwas verschrobene – Personen entwickelt.

Das ist zum einen Livia Giallo, die zusammen mit ihrem kranken Kind mietfrei bei Aurelie im Haus wohnt, dieser aber anscheinend trotz allem nicht sehr freundschaftlich zugetan war. Livia wirkt ständig gestresst und nervös und hinterlässt beim Leser durch ihre wenig freundliche Art keinen allzu sympathischen Eindruck, und das Verhältnis zwischen Livia und Aurelie gibt Rätsel auf.

Zum anderen sind da noch die beiden Personen, die die Leiche zufällig entdeckt haben, wobei sich erst später herausstellt, dass deren Beziehung zu der Toten doch enger war als diese es zunächst zugeben wollen: Wolfgang Antoni und Katrina Klein. Wolfgang ist ein unattraktiver Biologe mittleren Alters, der in einer alten Scheune wohnt und zu Aggressionen neigt. Daß er ein Verhältnis mit Aurelie hatte, verschweigt er zunächst. Die junge Katrina arbeitet als Auszubildende bei der gleichen Behörde wie Wolfgang und stammt aus dem Slum ihres Dorfes, einer Containersiedlung. Sie war Aurelie freundschaftlich verbunden, weil diese ihr half und sie förderte.

Die restlichen Charaktere sind mehr oder weniger schmückendes Beiwerk. Das heißt nicht, dass sie in ihrer Darstellung vernachlässigt wurden. Ganz im Gegenteil: sie sind sehr lebendig und geben der ganzen Geschichte einen gewissen Reiz, doch merkt man eben schnell, dass sie nur Randfiguren sind. Und wie immer in Regio-Krimis darf auch der Dialekt sprechende Quoten-Einheimische nicht fehlen.

Obwohl Bettina Boll die Sympathieträgerin des Buches ist, schlägt doch ihr persönlicher Stress auf den Leser über. Bettina macht sich Sorgen um ihre schwerkranke Schwester, die mitsamt ihren Kindern und Bettinas Auto und Kreditkarte spontan nach Italien aufgebrochen ist. So wächst ihr zuweilen die Arbeit über den Kopf, was der Handlung eine weitere menschliche Note verleiht.

Die Autorin formuliert ihre Texte ausgezeichnet. Wie gut diese schließlich in der Endfassung werden, das demonstriert ein amüsanter Anhang, in dem Diskussionen zwischen Autorin und Lektorin über einzelne nicht ganz eindeutige Textstellen wiedergegeben werden. Der aufmerksame Leser wird die besprochenen Stellen im Text wiederfinden. So ist erneut eine humorvolle Story entstanden, die hauptsächlich von der Schilderung des alltäglichen Lebens in der Idylle der Pfalz und den manchmal leicht skurrilen Charakteren lebt. Die Ansiedlung der Handlung im Milieu von Asozialen, Alkoholikern und Prostituierten bilden einen strengen Kontrast zum Vorgängerroman, der vorwiegend in gutsituierten Kreisen spielte.

Die Schilderung der Handlung aus wechselnden Perspektiven in meist kurzen Abschnitten sorgt für ein abwechslungsreiches und nie langweilig werdendes Lesevergnügen, bei dem der Leser meist einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern hat.

Natürlich ist es schwierig, nach einem hervorragenden Debüt die Erwartungen zu erfüllen und sich nochmals zu steigern oder zumindest die Qualität beizubehalten. Leider konnte Monika Geier diesen Anspruch nicht erfüllen. »Neapel sehen« ist ein ordentlicher Krimi mit viel Atmosphäre, der jedoch etwas zu einfach gestrickt ist und zu wenig Überraschungen bietet, um den Leser mitzureißen.

Doch muß man der jungen Autorin zugute halten, nach ihrem Erfolg nicht versucht zu haben, eine Kopie vorzulegen, sondern zwar ihrem Stil treu zu bleiben, aber in Story, Personen und Milieu bewusst große Kontraste zu schaffen. So erwarte ich bereits mit Neugier Geiers dritten Roman.

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Krimitante zu »Monika Geier: Neapel sehen« 23.03.2012
gut, aber nicht so gut wie das debüt. leider. es fehlt an tempo und an dem, ganz eigenen humor, der ironie, des vorgängers.
gut gelungen sind ihr wieder die charaktere. lebensnah, genauso wie der plot. nichts was nicht nachvollziehbar oder gekünstelt wirkt. klug auch die auflösung, weil es mal nicht der grosse showdown, sondern eine "kleine lösung ist". alles in allem ein guter krimi. so gut, dass ich an dieser reihe "dran" bleibe. ach ja : tipp für neue boll-fans: die bücher lassen sich ohne reihenfolge lesen, besser aber ist es bei ihr zu bleiben!
Theatermichel zu »Monika Geier: Neapel sehen« 04.11.2010
Die Rezension von Peter Kümmel kann ich nur unterschreiben, auch die von ihm abgegebene Bewertung. Wenn ich aber sehe, dass nach 31 abgegebenen Stimmen dieser Krimi bei 90 ° liegt, frage ich mich doch, welchen Wert dieses Leser-Wertungssystem hat; tauglich zur Kaufempfehlung kann es gewiss nicht sein.
Carline zu »Monika Geier: Neapel sehen« 05.05.2010
Der zweite Roman von Monika Geier gefiel mir noch besser als das gelungene Debüt. Geier schreibt geistreich und warmherzig. Ihre Beschreibungen des Pfälzer Kleinstadtlebens sind sehr bildhaft. Man könnte meinen, den Ort zu kennen. Gefallen haben mir die waschechten Protagonisten und die so wunderbar wendungsreiche und doch einfache Klärung des Falles. Beeindruckt hat mich auch die brillante Darstellung von Bettinas Gefühlswelt, kein bisschen übertrieben und sehr authentisch. Wie der überaus passend gewählte Buchtitel es schon vorhersehen lässt, endet das Buch unsagbar traurig und Bettina Boll ist mir noch mehr ans Herz gewachsen.
Andrea zu »Monika Geier: Neapel sehen« 11.07.2004
Dies war mein erster Geier-Roman und ich bin restlos begeistert! Habe ihn in 24 Stunden verschlungen! Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die beiden anderen. Übrigens liest Monika Geier am 23.07. in der Krimibuchhandlung in München. ich freu mich schon!
Swen Piper zu »Monika Geier: Neapel sehen« 02.07.2004
Kompliment für diesen Roman. Die Versuchung muß für die Autorin groß gewesen sein nach ihrem Erfolgsroman „Wie könnt ihr schlafen“ nochmals eine ähnlich gestrickte Story vorzulegen. Monika Geier hat sich stattdessen entschieden – mit Ausnahme der Ermittler – nahezu alles zu ändern: Ein völlig anderes Milieu, Konzentration auf die drei, vier Protagonisten des Romans, keine komplizierte Story (was heißt hier "einfach gestrickt"?) und der Verzicht auf relevante Nebenkriegsschauplätze. Herausgekommen ist ein unerhört dichter, spannender Roman, der insbesondere von dem großen erzählerischen Talent der Autorin und ihrem Humor getragen wird. Ich kann nicht nachvollziehen, dass „Neapel sehnen“ auch nur einen Deut schlechter sein soll als Monika Geier`s Debüt, im Gegenteil!
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