Die Herzen aller Mädchen von Monika Geier

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Argument.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 5 der Bettina-Boll-Serie.

  • Hamburg: Argument, 2009. ISBN: 978-3867541848. 347 Seiten.

'Die Herzen aller Mädchen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kriminalkommissarin Boll bekommt ihre große Chance: Das BKA will, dass sie an der Ermittlung um das OvidPalimpsest mitarbeitet. Bettina Boll begibt sich in die Welt der Bücherwürmer, Financiers und Versicherungsagenten, stellt ihre Kombinationsgabe unter Beweis und lässt sich mit einem Verdächtigen ein!Manche hängen ihr Herz an Trivialromane, andere interessieren sich mehr für mittelalterliche Psalmen auf Pergament. Doch gerade die können seltsame Geheimnisse bergen, zum Beispiel Ovids »Liebeskunst«, illustriert in pornographischer Detailverliebtheit …

Das meint Krimi-Couch.de: »Monika Geier behält den Faden in der Hand« 75°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Was waren das doch für Zeiten, als im Krimi alles so schön einfach war? Ein Mord geschieht, der Held kombiniert und macht den Täter dingfest – so weit der klassische Krimi. Doch davon sind wir hier meilenweit entfernt. Bei Monika Geier haben wir weder Held noch Verbrechen – zunächst jedenfalls.

Unsere Anti-Heldin heißt Bettina Boll, arbeitet als Halbtagskraft bei der Kripo in Ludwigshafen und hat ganz nebenbei als alleinerziehende Mutter auch noch für zwei kleine Kinder zu sorgen – nicht ihre eigenen, sondern die ihrer verstorbenen Schwester. Und sie ist das krasse Gegenteil einer Heldin. Bettina Boll weiß kaum, wie sie Beruf und Kinder unter einen Hut bringen soll. Sie macht Fehler über Fehler, schafft es jedoch immer wieder durch weibliche Intuition, Dinge zu erahnen, auf die ihre Kollegen nicht kommen und gewinnt auf ihre charmant-naive Art die Sympathien der Leser.

Und zu ermitteln gibt es auch nichts. Das BKA hat zwar eine Sonderkommission mit Namen »Ovid« gebildet, doch sieht deren Aufgabe eher nach politischem Aktionismus aus. Ein altes Manuskript ist bei einem privaten Sammler aufgetaucht. Bei der mittelalterlichen Handschrift handelt es sich um eine anonyme Spende. Nicht verboten, dennoch interessiert es, woher das Schriftstück stammt. Der Versicherungswert geht in die Millionen, da muss man immer mit einem Diebstahl rechnen. Dass Bettina Boll zu dieser Sonderkommission abkommandiert wird, hat sie eher ihrer vorlauten Klappe zu verdanken, doch sie will ihre Chance am Schopfe packen, auch wenn sie zunehmend in Zeitnot gerät.

Betreut wird besagter Schatz vom Kurator Gregor Krampe, dessen verstorbener Vater als Autor von Spionageromanen einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Gregors etwas verschrobene Mutter wird von einer Paketbombe schwer verletzt. Doch das ist wieder ein ganz anderer Fall. Oder etwa nicht? Just in diesen Krampe verliebt sich Kommissarin Boll. Sie kann dem Hauptverdächtigen sogar das perfekte Alibi liefern, als das Manuskript tatsächlich verschwindet. Denn sie hat die Nacht mit ihm verbracht. Doch langsam befallen sie Zweifel. Hat Gregor sie nur ausgenutzt?

Job zwischen Liebesleben und Muttersorgen

Den berühmten Ariadnefaden hat sich der Argument Verlag für seine Ariadne Krimis als Logo gewählt. Dieser passt hier wie die Faust aufs Auge. Denn diesen Faden spinnt Monika Geier langsam aber sicher. Immer verzwickter wird die Handlung, in die außerdem eine fränkische Wahrsagerin verwickelt ist, deren Eltern vor Jahren in Rom Krampe senior begegnet sind, was durchaus mit der Herkunft des mysteriösen Manuskripts zu tun haben könnte. Da gerät man schon mal in Gefahr, diesen Faden aus der Hand zu verlieren. Doch die Autorin beherrscht ihr Handwerk und sorgt trotz aller Verwicklungen und Wendungen dafür, dass auch der Leser nicht den Faden verliert.

Inmitten dieses verwirrend verknüpften Plots zeigt sich jedoch die Stärke der Autorin, nämlich ihre wunderbar gezeichneten Charaktere und vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen. Was dabei leider auf der Strecke bleibt, ist die Spannung. Man liest und liest und versucht durchzublicken, was mit wem zusammenhängt. Das ist unterhaltsam, das macht Spaß mitzuerleben, wie Bettina Boll zwischen Liebesleben und Muttersorgen versucht, ihren Job gut zu erledigen, aber wirklich fesselnd ist das nicht.

Die Herzen aller Mädchen hat sich Bettina Boll mit ihrer Art schon seit längerem erobert und sicher auch die Herzen einiger Männer, obwohl die Ariadne Krimis eher auf eine weibliche Zielgruppe ausgerichtet sind. Die Sinnhaftigkeit des Titels konnte sich mir dennoch leider nicht erschließen.

Peter Kümmel, September 2009

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Patricia zu »Monika Geier: Die Herzen aller Mädchen« 27.02.2013
Für mich war dieser Band auch der schlechteste der Reihe um Bettina Boll, aber dennoch immer noch gut.
Allerdings sollte man schon die Vorgänger in der richtigen Reihenfolge gelesen haben, denn das Privatleben der Ermittlerin spielt ja eine nicht unerhebliche Rolle.
Darum ist es für mich auch schade, dass es keine weiteren Fortsetzungen gibt, zumal das Ende relativ offen ist.
Außerdem habe ich einen Sachverhalt am Ende nicht mehr nachvollziehen können: Wie kam das Paket auf den Schreibtisch?
Krimitante zu »Monika Geier: Die Herzen aller Mädchen« 08.04.2012
der, vorerst?, letzte krimi, aus der reihe um bettina boll, ist -leider- auch zugleich, der schlechteste. ein literarisch überambitionierter schreibstil, eine krude, arg konstruierte, unglaubwürdige story, keine spannung und eine ziemlich wirre protagonistin, machen einem das lesen schwer. alles was die ersten drei, guten bis sehr guten, bände ausgemacht hat, fehlt hier. vielleicht hat das die autorin bemerkt und deshalb vom schreiben weiterer bände abgesehen. schade eigentlich, denn eigentlich kann sie ja schreiben...
Birgit zu »Monika Geier: Die Herzen aller Mädchen« 13.03.2010
Eigentlich bin ich eher ein Fan lustiger amerikanischer Krimis, doch das Buch von Frau Geier hat mich in seinen Bann gezogen, obwohl hier nichts witzig ist. Trotzdem bleibe ich meinem Hang zum Humor im Krimi treu. Wer diese Amerikaner noch nicht gelesen hat, sollte sie unbedingt auf englisch lesen, das ist viel einfacher als erwartet.
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