Endstation Heißen von Monika Detering

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Sutton.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1950 - 1969.
Folge 2 der Alfred-Poggel-Serie.

  • Erfurt: Sutton, 2014. 224 Seiten.

'Endstation Heißen' ist erschienen als

In Kürze:

Mülheim 1953. Es geht langsam aufwärts, und Kriminalinspektor Alfred Poggel kann sich den ersten Urlaub am Lago Maggiore leisten. Was kümmern ihn da die Vergewaltigungen an der Straßenbahnhaltestelle in Heißen. Soll sich doch die Sitte darum kümmern. Zurück in Mülheim ist Schluss mit Dolce Vita: Unweit der Heißener Gnadenkirche werden zwei junge Frauen missbraucht und erwürgt. Allzu schnell lässt der neue Staatsanwalt Dr. Heinermann einen Verdächtigen verhaften. Die Volksseele kocht, und als die Polizei Werner Hasenfuß laufen lassen muss, weil er zweifelsfreie Alibis hat, droht ein Lynchmord. In alten Akten aus der Nazizeit entdeckt Poggel erste Hinweise auf den Täter. Aber ohne die Hilfe seiner Zimmerwirtin Anna Puff und den persönlichen Einsatz seiner ungeliebten Mitarbeiterin Rosemarie Stankowski hätte der Inspektor keine Chance, ihn zu überführen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ermittlungen in Mülheim an der Ruhr, acht Jahre nach Kriegsende.« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Kriminalinspektor Alfred Poggel hat eigentlich Grund zur Freude, denn sein bisheriger ChefStaatsanwalt Goeke ist nicht mehr im Dienst. Obwohl er seinen neuen Vorgesetzten, Heinrich Heinermann, noch nicht kennt, macht sich Poggel so seine Gedanken, ob es mit dem neuen Staatsanwalt denn wohl klappen kann. Zunächst aber steht ein Urlaub am Lago Maggiore an, den er seiner Vermieterin Anna Puff zu verdanken hat, denn diese hat keinen Führerschein, so dass Poggel als Fahrer einspringen muss. Kaum zurück überschlagen sich die Ereignisse. An der Endhaltestelle »Heißen Kirche« der Straßenbahnlinie 8/18 werden am 3. und 4 September 1953 zwei junge Frauen ermordet und sexuell missbraucht.

Staatsanwalt Heinermann drängt auf einen Erfolg. Nachdem zwei Zeuginnen Werner Hasenfuß am ersten Tatort gesehen haben wollen wird dieser kurzerhand in Untersuchungshaft genommen. Da er während des kurz danach stattfindenden zweiten Mordes aber ein lupenreines Alibi, eben die Untersuchungshaft, hat, muss er wieder freigelassen werden. Dies ruft einige Mülheimer Bürger auf den Plan, die den mutmaßlichen Sexualtäter am liebsten lynchen würden …

Endstation Heißen ist der zweite Fall des jungen Ermittlers Alfred Poggel aus der Feder des Autoren-Duos Monika Detering und Horst-Dieter Radke. Zahlreiche bekannte Figuren aus dem Debüt Blütenreine Weste spielen erneut mit, darunter die schon erwähnte Anna Puff, Poggels Mitarbeiterin Rosemarie Stankowski und Poggels heimliche Geliebte Thekla Schmitt, die ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdient. Einmal mehr rankt sich der Roman weitgehend um seinen eigenwilligen Protagonisten, der recht unsympathisch daher kommt. Poggel stieg von der Polizei (als Schupo) zur Kriminalpolizei auf und leitet nun die Mordkommission, da die älteren in Frage kommenden Kollegen nach dem Krieg als »vorbelastet« galten. Obwohl Poggel alles andere als ein Nazi ist, hat er größte Schwierigkeiten mit der neuen Zeitrechnung, was vor allem seine Kollegin Stankowski zu spüren bekommt. Dass sein überaltertes Frauenbild dem der Nazis sehr nahe kommt, ist Poggel zunächst nicht bewusst und birgt daher einigen Konfliktstoff.
Ein unsympathischer Ermittler und ein schwaches Finale enttäuschen.

Die Ermittlungen ziehen sich derweil in die Länge, da die wenigen Verdächtigen allesamt über Alibis verfügen. Die Lösung ist nahezu ausschließlich der unbeliebten Kollegin Stankowski zu verdanken und am Ende stellt sich (immerhin) die Frage, ob sich Poggel und Stankowski in einem eventuellen dritten Fall womöglich doch noch »anfreunden« werden. Die Art der Auflösung ist sehr simpel, allerdings darf man nicht vergessen, dass der Fall 1953 spielt und es da einige der heute als selbstverständlich geltenden Hilfsmittel bekanntlich noch nicht gab; gleichwohl hätte man hier etwas mehr erwartet. Erneut ist viel Ruhrpott-Dialekt zu lesen, was dem Roman einen gewissen Charme verleiht.

Die Stadt Mülheim an der Ruhr hätte es einmal mehr verdient gehabt, eindringlicher vorgestellt zu werden. Jürgen Heimbach hat in seinem aktuellen Roman Alte Feinde mustergültig vorgeführt, wie man eine deutsche Stadt in der Nachkriegszeit »äußerst lebendig« darstellen kann. Stattdessen belegt hier eine Side-Story, die keinen Bezug zur Lösung des Falles hat, sehr viel Platz und dies bei einem Roman von ohnehin nur knapp 210 Seiten.

Jörg Kijanski, Juli 2014

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Bettina Klusemann zu »Monika Detering: Endstation Heißen« 06.05.2014
Monika Detering und Horst-Dieter Radke: „Endstation Heißen“


Nach dem ersten erfolgreichen Mülheim-Krimi „Blütenreine Weste“ legt das Autoren- Duo Monika Detering und Horst-Dieter Radke jetzt den zweiten Mühlheim-Krimi vor. Diesmal ermittelt Kommissar Alfred Poggel im Stadtteil Heißen. Der Leser wird in Milieu und Zeitgeist der 50er Jahre zurückversetzt und erlebt eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit. Akribisch genau zeichnen die Autoren ein Bild der Nachkriegszeit, längst vergessene Details des beginnenden Wirtschaftswunders wie der legendäre „Brezelkäfer“ und der in Mode gekommene Italienurlaub bilden die Kulisse für ein düsteres Geschehen. Noch ist die Nazizeit nicht vergessen, kaum noch vergangen, und ihre Idee sitzt immer noch in vielen Köpfen. Selbst Poggel kann sich nicht freisprechen vom überkommenen Rollenbild der Hausfrau am Herd. Die unbewältigte Vergangenheit mit ihrer zweideutigen Doppelmoral bietet dem Mob der Straße Nährboden für abstruse Ideen und Moralvorstellungen. Zwei junge Frauen werden missbraucht und ermordet, Grund genug für die wütende Menge, vorschnell einen Verdächtigen auszumachen und mit Lynchjustiz zu bedrohen.
Für Poggel beginnt eine spannende Suche nach dem Täter. Es gibt mehrere Verdächtige. Hat Poggel endlich den wahren Mörder gefasst? Der Leser fiebert mit dem Kommissar und seinem Team, erlebt Niederlagen und verpasste Gelegenheiten, und muss doch erfahren, dass der Täter immer wieder zuschlägt.
Die Autoren führen geschickt Regie. Ist der Unbekannte mit einer offensichtlich psychischen Störung der Täter, oder ist er ein Opfer des wütenden Straßenmobs? Doch bis zum Schluss kennt man die Wahrheit nicht, wie es sich für einen guten Krimi gehört,
der einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Amos Ruwwe zu »Monika Detering: Endstation Heißen« 21.03.2014
Das Autorenteam Detering/ Radke haben mit dem Mülheim- Krimi, einen Krimi der besonderen Art geschrieben. Komissarinspektor Poggel, seine Zimmerwirtin Anna Puff, sind wunderbar authentisch beschrieben. Wenn Anna Puff überlegt, ob sie mal den neuen Discounter besuchen soll, zwei Brüder Albrecht, so denkt sie in dem Mülheimer Dialekt. Gut recherchiert, immerhin spielt der Krimi in dem Jahr 1953. Das Regionalkolorit ist sicher nicht nur für Mülheimer interessant. So wie die Autoren die frühen fünziger Jahre in Mülheim beschreiben, kann das auch bei anderen Städten damals gewesen sein.
Insgesamt ein spanender, aber auch ein amüsanter Krimi.
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