Blütenreine Weste von Monika Detering

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Sutton.
Ort & Zeit der Handlung: , 1950 - 1969.
Folge 1 der Alfred-Poggel-Serie.

  • Erfurt: Sutton, 2013. ISBN: 978-3954001361. 280 Seiten.

'Blütenreine Weste' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Mülheim 1951. Noch ragen Ruinen in den Himmel über dem Ruhrgebiet, und dunkle Gestalten gehen in dunklen Ecken dunklen Geschäften nach. Doch der Schutt ist weitgehend weggeräumt, die Schaufenster füllen sich, und die goldenen Tage der Schieber und Schwarzhändler neigen sich dem Ende zu. Alfred Poggel, der nach dem Krieg nur zum Kriminalinspektor aufgestiegen ist, weil es sonst keinen unbelasteten Kandidaten gab, versucht gerade, einem Naziopfer zu seinem Recht zu verhelfen. Das passt Alfreds Vorgesetztem, dem Staatsanwalt Dr. Goeke mit der nicht ganz so reinen Weste, gar nicht. Als der zwielichtige Heinz Lennewegs, der Liebhaber von Poggels neuer Zimmerwirtin Anna Puff, ermordet wird, ist Goeke deshalb richtig froh, Poggel auf den neuen Fall ansetzen zu können. Aber der Inspektor hat zuviel erlebt, um sich so einfach ablenken zu lassen. Oder an weiße Westen zu glauben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Unterhaltsamer Krimi aus der Nachkriegszeit« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mülheim, 1950: Die Lebensmittelkarten sind seit kurzer Zeit abgeschafft, der Wiederaufbau läuft, doch noch müssen die meisten Menschen sehen, wie sie über die Runden kommen. Kaffee ist nach wie vor ein Luxusgetränk, das viele nur mit billigen Beimischungen genießen können. Hehlerei und Schwarzmarkthandel werfen noch immer hohe Gewinne ab. So freut sich Anna Puff, die neue Vermieterin von Kriminalinspektor Alfred Poggel, dass ihr Freund Heinz Lennewegs ihr regelmäßig einige »Aufmerksamkeiten« zukommen lässt. Wie er sich diese leisten kann, möchte sie hingegen nicht genau wissen. Poggel hat derweil Ärger mit seinem Vorgesetzten, dem ebenso arroganten wie unfähigen Staatsanwalt Dr. Richard Goeke, denn dieser will unbedingt, dass Poggel seine Untersuchung im Fall des Fritz Katthöfer einstellt. Dieser wurde 1938 enteignet, von der Polizei misshandelt und fordert nun nach vielen Jahren endlich entschädigt zu werden. Wie sich herausstellt war Dr. Goeke schon damals der zuständige Staatsanwalt, so dass er verständlicherweise die alte Sache nicht wieder aufwärmen will.

»Herr Goeke…«
»Für Sie immer noch Doktor Goeke.«
»Arschloch!«

Doch Poggel, dem sein Chef höchst zuwider ist, will gerade deswegen Katthöfer helfen. Als Heinz Lennewegs vergiftet in den Armen von Anna Puff verstirbt, sieht Goeke seine Chance gekommen. Ein Mordfall sei schließlich wichtiger als ein viele Jahre alter Fall, in dem es ohnehin keine neuen Hinweise mehr gibt…

»E605, Pflanzenschutzmittel gegen saugende Insekten. Wird aber auch gegen anderes Ungeziefer eingesetzt. Wirkt außerordentlich schnell und ist hochgiftig. Es vernichtet nicht nur unwillkommene Krabbeltiere, sondern auch Warmblüter. Menschen.«

Blütenreine Weste von dem Autorenduo Monika Detering und Horst-Dieter Radke ist ein recht schmal gehaltenes Werk mit knapp über 200 Seiten. Dass somit Zugeständnisse bei der Figurenzeichnung oder anderen Dingen fast zwangsläufig sind, zeigt sich im vorliegenden Fall an der Schilderung der Stadt Mülheim, in der die Geschichte im Jahr 1950 spielt. Nur selten erfährt man etwas über den Zustand der Stadt wenige Jahre nach Kriegsende, was sicher interessant gewesen wäre, da diese nicht jedem Leser bekannt sein dürfte.

Interessant ist auch die Figur des Protagonist Alfred Poggel, denn an seinen Job kam er eher zufällig. Es waren halt nicht mehr allzu viele da, noch dazu Leute, die nicht auf eine eher dunklere Vergangenheit zurückblicken mussten; wie beispielsweise Goeke. So wurde Poggel Kriminalinspektor und macht seine Ermittlungsarbeit sogar recht ordentlich, wenngleich diese (Mordfall Lennewegs) erst kurz vor Mitte des Romans beginnt. Bis dahin werden die mitwirkenden Nebenfiguren vorgestellt und mehrere Verdächtige aufgebaut. Schnell zeigt sich, dass es mehrere Menschen gab, die ein gutes Motiv für einen Mord hatten.

»Und du Spinnewipp hast spätestens übermorgen die fehlenden fünfhundert hier auf den Tisch gelegt, sonst suchen wir dich in Mülheim auf und dann gibt’s in einer bestimmten Metzgerei frisches Mett.«

Lennewegs träumte vom großen Geld und versuchte sich nicht nur als Fälscher von Fünfmarkscheinen, sondern handelte vor allem als Hehler unter anderem mit Pervitin. Noch immer leiden viele Menschen unter den bedrückenden Erlebnissen des Weltkrieges und greifen daher, zur vermeintlichen Beruhigung, auf die vor 1945 weit verbreitete »Göring-Pille«, auch als Flieger- oder Panzerschokolade bekannt, zurück.

Die aktuellen Lebenswege der meisten Figuren kreuzen sich auffallend oft. So suchen Poggel, Katthöfer und Goeke – freilich ohne dies zu ahnen – Ablenkung bei der Prostituierten Thekla. Die Schilderung der damaligen Lebensverhältnisse, gelungen am Beispiel der Anna Puff dargestellt, ist ansprechend; allein die Auflösung der beiden Fälle (die Ermordung Lennewegs und die Frage der Entschädigung für Katthöfer) wird nicht für alle Leser eine große Überraschung aufbieten.

Jörg Kijanski, Mai 2013

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PMelittaM zu »Monika Detering: Blütenreine Weste« 01.04.2013
Mülheim 1950: Ein Toter, der vergiftet wurde, Falschgeld, ein Naziopfer, das sein Recht sucht und ein Staatsanwalt mit Nazivergangenheit, Kriminalinspektor Alfred Poggel hat einiges zu tun. Gleichzeitig hat er gerade eine neue Bleibe gefunden und muss mit seiner neuen Zimmerwirtin Anna Puff klarkommen. Und Anna Puff steckt plötzlich mitten drin in den Ermittlungen.

Ein Kriminalroman aus der Nachkriegszeit, davon gibt es nicht so viele – und in diesem kommt die Stimmung dieser Zeit wirklich wunderbar zur Geltung. Zudem bringt er sehr viel Lokalkolorit mit, was u. a. daran liegt, dass die Autoren auch dem Dialekt der Gegend Raum bieten – nie aber so, dass der Leser der Handlung nicht folgen kann. Mir hat das gut gefallen, ich fühlte mich mitten hinein versetzt in das Mülheim jener Zeit.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, vor allem Anna Puff weiß zu gefallen. Sie ist eine typische Nachkriegsfrau, ihr Mann ist im Krieg gefallen, sie muss sich alleine durchschlagen und das gelingt ihr mit viel Durchsetzungsvermögen, einer guten Portion Neugier und viel Schläue. Auch Poggel gefällt mir ganz gut, ihm hätte allerdings ein bisschen mehr Hintergrund gut getan. Interessante Figuren mit speziellen (Kriegs)Geschichten gibt es einige, die meisten davon nur Nebenfiguren, die kurz auftauchen und dennoch in Erinnerung bleiben.

Die Autoren haben gut recherchiert und mich dazu gebracht, zu einigen Dingen zu googeln. Historische Romane, bei denen ich Neues lernen kann, finde ich immer ausgesprochen lohnenswert.

Leider kam mir das Ende zu schnell, die Auflösung war zwar logisch, der Roman hätte am Ende aber etwas mehr Ausarbeitung vertragen können.

Erfreulicherweise sind weitere Romane um Alfred Poggel (und Anna Puff) geplant, veröffentlicht ist auch schon ein Ebook mit mehreren Kurzgeschichten.

Wer gerne historische Kriminalromane liest und im Zuge dessen auch einmal in die deutsche Nachkriegszeit hineinschnuppern möchte, dem sei dieser Roman sehr empfohlen.
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